Burgruine Löwenstein (Hessen)
Die Burg Löwenstein bei dem Ortsteil Schiffelborn der Gemeinde Bad Zwesten in Nordhessen existiert heute nur noch als Ruine.Bau und Form
Errichtet wurde die erstmals 1253 urkundlich bezeugte Burg Anfang des 13. Jahrhunderts durch Wernher II. von Bischofshausen, der sie als Lehen der Landgrafen_von_Hessen hielt. Wernher war mit Gertrud_von_Itter, einer Tochter von Herrmann von Itter, genannt Pampis, verheiratet. Ihr zu Ehren nannte er die Burg "Löwenstein", da Gertrud einen Löwen in ihrem Wappen trug. Ihre Nachfahren benannten sich nach der Burg.
In ihrer endgültigen Form im 14. Jahrhundert bestand die Anlage aus einer weitläufigen Vorburg und einer höher gelegenen Hauptburg, die fünf Herrenhäuser, eine um 1300 erstmals erwähnte Kapelle, und einen 27 Meter hohen Bergfried umfasste. Im Untergeschoss des Turms befand sich ein fensterloses Verließ. In der Vorburg befanden sich Schmiede, Back- und Brauhaus sowie Stallungen und andere Wirtschaftsgebäude. Um die stark befestigte Ringmauer zog sich ein Wassergraben und davor ein weiterer Schutzwall aus Erde. Brauchwasser wurde mit Lasttieren über den sogenannten Eselspfad von der nahen Urfe zur Burg gebracht.
Geschichte
Die Gründerfamilie wurde 1160 erstmals urkundlich erwähnt, als sie noch in ?Biscopehusen? (dem heutigen Bischhausen) lebte. Sie zog dann auf den strategisch günstigen Ortberg, oberhalb des Löwensteiner Grundes, durch den die alte Handelstrasse von Kassel nach Frankfurt verlief. Während des thüringisch-hessischen_Erbfolgekriegs, der 1247 begann, gelang es Wernher II. von Bischofhausen, durch frühe Parteinahme für Herzogin Sophie von Brabant und ihren minderjährigen Sohn Heinrich erheblichen Einfluss in Nordhessen zu gewinnen, denn Sophie ernannte ihn zum zeitweiligen Statthalter der Region. Das machte es notwendig, den Familiensitz auf dem Ortberg standesgemäß auszubauen.
Mit den Söhnen von Wernher und Gertrud teilte sich die Familie in drei Linien. Heinrich nannte sich nach seiner Heirat mit Giesela von Schweinsberg ?von Löwenstein-Schweinsberg?, Werner nach seiner Heirat mit Guda, Gräfin von Westerburg, ?von Löwenstein-Westerburg?, und Hermann nach seiner Heirat mit Hedwig von Romrod ?von Löwenstein-Romrod?. Bruno, der vierte Sohn, wurde Kanoniker im Fritzlarer Stift St. Petri. Die drei Linien blieben jedoch als Ganerben gemeinsam im Besitz der Burg, bewohnten sie bis weit ins 14. Jahrhundert gemeinsam, und bauten sie weitläufig aus. Die Linie Löwenstein-Westerburg starb 1492 aus, die Linie Löwenstein-Schweinsberg 1660.
In den Auseinandersetzung dieser Zeit zwischen dem Erzbistum Mainz und den hessischen Landgrafen taktierten die Löwensteiner sehr flexibel. Sie öffneten ihre Burg zu verschiedenen Zeiten jeder der beiden Parteien sowie auch den Grafen von Waldeck und standen sich dadurch mit allen Seiten gut.
Die Lage der Burg eignete sich vorzüglich zur Überwachung der Handelsstraße von Kassel nach Frankfurt -- was spätere Burgherren zu einträchtiger Wegelagerei nutzten. So ist z. B. 1439 Johann von Löwenstein mit seinen Raubzügen bezeugt. Dies war ein deutlicher Abstieg gegenüber der Vorfahrengeneration des Burgerbauers Wernher. Allerdings mag es sein, dass Raubritter Johann sich zu seinen Untaten getrieben sah, da die Löwensteiner im Krieg zwischen dem Erzbischof von Mainz und dem Landgrafen von Hessen in der entscheidenden Schlacht beim nahen Kleinenglis 1427 auf der unterlegenen Mainzer Seite gestanden hatten und er auf Rache sann.
Mit dem Aufkommen von Feuerwaffen verlor die Burg ihren strategischen Wert. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts zogen die Burgherren auf ihre Güter in der Umgebung, und die Burg begann zu verfallen. Schon 1579 waren die Mauern teilweise eingefallen. Hieronymus von Löwenstein erneuerte die Ringmauer in den Jahren 1596-1600 noch einmal, aber schon 1602 war die Burg bereits teilweise eine Ruine. Nach weiterer Zerstörung 1635 durch kaiserliche Truppen im Dreißigjährigen_Krieg wurde sie nur noch als Steinbruch gebraucht.
Heutiger Zustand
Der Bergfried blieb weitgehend erhalten und wurde in den 1930er Jahren und noch einmal im Jahre 2002 saniert und ist seitdem als Aussichtsturm der Öffentlichkeit zugänglich. Er bietet einen sehenswertem Ausblick über den Löwensteiner Grund, die Schwalmpforte und in die Nationalpark-Region Kellerwald-Edersee. Die Gebäude und Umfassungsmauer sind teilweise noch als circa einen Meter hohe Mauern erhalten. Der Wallgraben umschließt noch heute fast die gesamte Anlage.
Literatur
* Friedrich Schunder: Die von Loewenstein zu Loewenstein, Geschichte einer hessischen Familie. 3 Bände, Lübeck 1955.
* Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. Gudensberg 2000.
Weblinks
• Burgenwelt: Burg Löwenstein
• Burgen und Schlösser: Ruine Löwenstein
• Christophorusschule Oberurff: Burgen im Löwensteiner Grund und dem Gilsatal

