Friedrich Burgdörfer
Friedrich Burgdörfer (1890; ? 1967) war ein deutscher Bevölkerungswissenschaftler.Burgdörfer war Präsident des Statistischen Reichsamtes in Berlin. Er leitete die Volkszählungen 1925, 1933 und 1939 und war ein prominenter Befürworter der Eugenik. Am 2. Juli 1932 nahm er an der Sitzung des Preußischen Landesgesundheitsrates zum Thema "Die Eugenik im Dienste der Volkswohlfahrt", die das Gesetzgebungsverfahren für das am 14. Juli 1933 in Kraft gesetzte ?Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses? einleitete.
Der Vordenker der deutschen Bevölkerungsstatistik, Friedrich Burgdörfer, prognostizierte 1930 die Vergreisung und das Aussterben der Deutschen, da sich damals die Zwei-Kinder-Familie in der gesamten Gesellschaft etabliert hatte.
1939 wechselte er zum Bayerischen Statistischen Landesamt. 1940 verfasste er ein Gutachten für das Auswärtige_Amt, das sich mit der Möglichkeit der Umsiedlung der Juden nach Madagaskar beschäftigte. Burgdörfer war Mitglied des "Reichsinstituts für die Geschichte des neuen Deutschlands". Hier beschäftigte er sich beispielsweise mit der "Judentaufe" und der "Assimilation der Juden". Er blieb bis Oktober 1945 im Amt, bevor er von der amerikanischen Militärregierung entlassen wurde. 1948 wurde er in den Ruhestand versetzt.
Neben Paul Mombert (1876-1938) und Hans Harmsen, Ernst Engel (1821-1896), Wilhelm Lexis (1837-1914), Lujo Brentano (1846-1931), Julius Wolf (1862-1937), Werner Sombart (1863-1941), Alfred Grotjahn (1869-1931), Robert René Kuczynski (1876-1947) sowie Gerhard Mackenroth (1903-1955) zählte Burgdörfer zu den frühen deutschen Bevölkerungswissenschaftlern.
Publikationen
*1932 erschien die 1. Auflage sein Hauptwerkes ?Volk ohne Jugend. Geburtenschwund und Überalterung des deutschen Volkskörpers. Ein Problem der Volkswirtschaft, der Sozialpolitik, der nationalen Zukunft?
*Die Volks-, Berufs- und Betriebszählung 1933, Allg. Sta. Arch. 23 (1933/34)
Sterben die weißen Völker?, 1934, Georg D. W. Callwey Verlag, München
Literatur
* Ursprünge, Arten und Folgen des Konstrukts ?Bevölkerung" vor, im und nach dem ?Dritten Reich" - Wissenschaftsentwicklung als Ausdruck des ?Zeitgeistes" am Beispiel der Behandlung von Bevölkerungsfragen in Deutschland im 20. Jahrhundert - DFG SPP 1106.
* Statistisches Bundesamt (2001): Volkszählungen unter dem Nationalsozialismus.
* Bryant, Thomas: Friedrich Burgdörfer. Studien zu seinem Leben und Werk (1909-1933), Berlin 2004 [unveröffentl. Mag.-Arb.].
* Vienne, Florence: Une science de la peur. La démographie avant et après 1933. Frankfurt / Main 2006. Peter Lang. ISBN 3631552998
Weblinks
• Projektgruppe "Autonomie" in Karlsruher Stadtzeitung Nr.30 Frühling 83: "Volkszählung", "Vernummerung" und Datenerfassung bei den Nazis. "Schon nach ihrem Wesen steht die Statistik der nationalsozialistischen Bewegung nahe" Statistiker als "wissenschaftliche Soldaten

