Burg Waldeck
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Burg Waldeck ist eine Burg in der Gemarkung des Dorfes Dorweiler, einem Ortsteil der Gemeinde Dommershausen, im Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz. Als ?Rheinische Jugendburg? und Austragungsort der ?Waldeck-Festivals? erlangte sie im 20. Jahrhundert internationale Bekanntschaft.
Die Ganerbenburg war der Stammsitz der Hunsrücker Ministerialengeschlechter derer von Waldeck. Insbesondere der Familienzweig der Boos_von_Waldeck konnte im Laufe der Jahrhunderte an Bedeutung und Einfluss gewinnen und sich in der frühen Neuzeit ein reichsunabhängiges Territorium im Umkreis der Burg sichern (Herrschaft Waldeck). Es bestand faktisch bis zur Besetzung der Region durch die Französischen Revolutionstruppen 1793 bzw. rechtlich bis zum Reichsdeputationshauptbeschluss.
Die mittelalterliche Burg selbst wurde 1689 im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekriegs zerstört. Mitte des 18. Jh. wurden die Ruinen planiert und ein Sommerschloss auf dem Gelände errichtet, das in den 1830er Jahren von der Familie der Boos von Waldeck zum Abbruch verkauft wurde.
Seit den 1910er Jahre ist die Burg und ihr Vorgelände ein beliebter Treffpunkt zunächst der Bündischen_Jugend, später des Nerother Wandervogels (der heute Eigentümer des Burggeländes ist) und der Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck.
Lage
Burg Waldeck liegt auf einem Bergsporn im Baybachtal im Vorderhunsrück.
Geschichte
Burg und Schloss
Die erste gesicherte Erwähnung eines "von Waldeck", der mit der Hunsrücker Burg dieses Namens in Zusammenhang gebracht werden kann, ist von 1189 und nennt einen Anselm vom Waldeck.Goerz, A.: Mittelrheinische Regesten, 4 Bände, Coblenz 1876/86, Band 2 Nr. 608. (Ein 1184 genannter Winandus ist nicht gesichert Görz Band 2, Nr. 511.) Es ist zu vermuten, dass damals bereits eine Burg oder ein "festes Haus" existierte, nach der/dem sich Anselm benannte.
Die erste urkundliche Erwähnung der Burganlage selbst (im Bereich der heutigen Schlossruinen) stammt aus dem Jahre 1243. Die Ritter Heribert, Udo, Bosso und Winand von Waldeck gaben ihre Burg dem kölnischen_Erzbischof Conrad_von_Hohenstaden zum Lehen auf.Vgl. Goerz, Band 3, Nr. 333 und Knipping, Richard u.a. (Hrsg.): Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bonn 1909 ? 1913, Band 2 Nr1078. Diese Lehnsauftragung ist im Zusammenhang eines Vergleichs und umfangreichen Gütertausches der Kölner Erzbischöfe und der Pfalzgrafen zu sehen, die damit ihre seit Jahrzehnten bestehenden Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft im Mosel- und Mittelrheingebiet vorläufig beendeten.
Vor diesem Hintergrund scheint es wahrscheinlich, dass Burg Waldeck zuvor zum Besitz bzw. Einflußbereich der Pfalzgrafen gehört hatte.
Unterhalb, in Richtung Tal, wurde in den folgenden Jahrzehnten die Unterburg - wahrscheinlich als Burghäuser von Ganerben - angelegt. Möglicherweise stimmt die Angabe, die die Erbauung der Unterburg um 1250 Rudolf (Udo) von Waldeck zuschreibt. Sicher nachgewiesen sind die beiden Burgteile aber aufgrund einer Urkunde von 1285. Goerz, A.: Mittelrheinische Regesten, 4 Bände, Coblenz 1876/86. Band 4, Nr. 1236 . Erst in den letzten Jahren konnten die Reste dieses untersten Burgteils bei Prospektionen im Gelände wiederentdeckt und als die in den Urkunden des 13. Jh. erwähnte Unterburg identifiziert werden.
Obwohl die Kölner Erzbischöfe aufgrund der oben genannten Lehnsauftragung für die nächsten mehr als 200 Jahre die obersten Lehnsherren der Burg waren - die letzte Erneuerung des kölnischen Lehens ist von 1469 überliefert - wurde die Burg bzw. Teile von ihr im Folgenden immer wieder anderen Territorialherren zum Lehen übertragen, z. B. den Erzbischöfen_von_Trier, den Sponheimern und den Pfalzgrafen.
Besonders bedeutsam ist in diesem Zusammenhang im 14. Jh. die Eltzer Fehde (1331 - 1336) der Gemeiner der Burgen Waldeck, Schöneck, Ehrenburg und Eltz gegen den Trierer Erzbischof und Kurfürsten Balduin und seine Territorialpolitik. Nach der Niederlage gegen Balduin und dem Friedensschluss wurden die Gemeiner der vier Burgen von Kurtrier lehnsabhängig. Im Fall von Waldeck überdauerte die Lehnsabhängigkeit von Trier nur kaum den Tod des Kurfürsten Balduin.
Bereits in den 60er Jahren des 14. Jh. kam die Burg wieder in den Einflussbereich der Pfalzgrafen. Aufgrund von Unstimmigkeiten und - wohl auch Übergriffen von Waldecker Gemeinern auf pfalzgräfliche Besitzungen - belagerte Pfalzgraf Ruprecht, der spätere König, 1398 die Burg und nahm sie ein. Er wurde daraufhin Gemeiner der Burg, erwarb mehrere Gebäude und errichtete einen neuen "Turm auf dem Halse". Er sicherte sich auch das Vorkaufrecht an allen Teilen der Burg, weshalb es mit den Boos von Waldeck zu Meinungsverschiedenheiten kam.
Mit dem Neubau des pfalzgräflichen Turms bestand die Burg nunmehr aus drei Burgteilen: einem neuen Turm, der oberhalb der bisherigen zwei Burgen erbaut worden war (heute sogenannte Oberburg) und zwei unteren Burgen: der alten Ober- (heute: Unterburg genannt) und der alten Unterburg.
Die Mitglieder der Familie der Boos von Waldeck wurden in der Folge zu Erbamtmännern des kurpfälzischen Amts Obergondershausen.
1689 wurde die Burg im Laufe des Pfälzischen Erbfolgekriegs von französischen Truppen niedergebrannt und zerstört.
Mitte des 18. Jh. errichtete der Eigentümer, Freiherr von Boos-Waldeck, auf den Ruinen der alten Burg ein Jagdschloss. Dabei wurden wahrscheinlich umfangreiche Planierungsarbeiten durchgeführt, die die meisten mittelalterlichen Reste zerstörten.
Nach 1830 verkaufte die Familie von Boos-Waldeck ihr Schloss zum Abbruch. Die Werksteine wurden vom Käufer abtransportiert und zum Bau eines Hofes in der Siedlung Petershausen bei Zilshausen verwendet.
Das Schlossgebäude verfiel danach zur Ruine.
Nutzung seit 1910
1910 ? 1933
Bereits um 1910 nutzte der Wandervogel diesen Platz. 1920 entdeckten die Brüder Oelbermann und ihr Freund Nauke (Kurt Lorenz) die Burg für den neuen Jungenbund "Nerother_Wandervogel". Unter dem Bundesführer Robert Oelbermann wurde die Waldeck ab 1922 zum Erlebnis- und Fahrten-Mittelpunkt. Das ehrgeizige Siedlungs- und Bau-Projekt "Rheinische Jugendburg" wurde begonnen und propagiert.
Die Gruppen von nah und fern entwickelten eine im ganzen deutschen Sprachraum beachtete Liedkultur, die mit dem Namen Waldeck verbunden war. Auch Schriftsteller lebten hier. Werner Helwig schuf in seiner Wandervogelzeit in einer selbstgebauten Hütte am Fuße der mittelalterlichen Burgruine eigene Lieder und vertonte Gedichte von Bert_Brecht zu Liedern, die heute noch gesungen werden. Rabindranath Tagore, Nobelpreisträger, weilte für längere Zeit dort und saß in seinem berühmten Stuhl. Romain Rolland war zu Besuch.
Fahrtengruppen brachen von hier aus auf zu ungewöhnlichen, abenteuerlichen Reisen in Europa, Afrika, Südamerika und zu einer Weltfahrt. Sie brachten nicht nur Lieder in vielen Sprachen mit. Sie drehten auch Filme, die bei der UFA Anklang als Kulturfilme fanden. Im Gegenzug kam internationaler Besuch in den einsamen Hunsrück. So 1930 der indische Dichter, Philosoph, Pädagoge und Nobelpreisträger Rabindranath Tagore.
1933 ? 1945
Soviel Kreativität, Unabhängigkeit, Weltläufigkeit und Jugendfaszination war den Nationalsozialisten suspekt. Der Jungenbund "Nerother Wandervogel" wurde 1933 gezwungen, sich aufzulösen. Der Trägerverein "Bund zur Errichtung der Rheinischen Jugendburg" wandelte sich 1934 zur neutraleren "Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck" um, musste sich aber 1935 ebenfalls auflösen. Die Häuser wurden beschlagnahmt und Robert Oelbermann, die Hauptfigur unter den Gründern, 1941 im KZ Dachau ermordet. Sein Zwillingsbruder Karl Oelbermann und Mitbegründer entzog sich dem Zugriff der Nazis und überlebte mit Freunden in Afrika.
Nachkriegszeit
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Überlebenden wieder auf "ihre" Burg. Die überstandene Katastrophe setzte neue Prämissen. Nicht mehr Baustelle einer romantischen Ritterburg, sondern Ort der gelebten Toleranz und der internationalen Jugend-Begegnung sollte die Waldeck nach dem Willen des wiedergegründeten Vereins "Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck e.V." (ABW) fürderhin sein.
Gleichzeitig existierten zum Teil in ungebrochener Tradition aktive Gruppen des Nerother Wandervogels fort, die ebenso die Waldeck als "ihre" Burg ansahen.
Im Jahr 1950 kam Karl Oelbermann aus der erzwungenen Emigration in Südafrika zurück auf die Burg. Kurze Zeit später wurde ihm die Bundesführung des in seiner Abwesenheit durch Dr. Wilhelm Sell wieder neuerstandenen Jungenbundes angetragen. Mitte der fünfziger Jahre stellten sich Differenzen über diesen Kurs ein. Karl Oelbermann, Ehrenvorsitzender der ABW, war gleichzeitig Bundesführer des Jungenbundes "Nerother Wandervogel", später "Bund zur Errichtung der Rheinischen Jugendburg Nerother Wandervogel Burg Waldeck e.V.". Er beanspruchte für den Wandervogelbund das alleinige Eigentums- und Hausrecht auf Burg Waldeck. Da der Verein ABW, der damals ganz überwiegend aus "Nerothern" der Vor-Nazi-Zeit bestand, dies ablehnte, kam es zum Streit um die grundsätzliche Ausrichtung und ab Ende 1957 zum Prozess um das Grundeigentum, der nach zwanzig Jahren zugunsten der ABW endete, die als Rechtsnachfolger der ABW von 1934 uneingeschränkt anerkannt wurde. Der Verein "Nerother Wandervogel ? Bund zur Errichtung der Rheinischen Jugendburg" hat unmittelbar benachbart, auf dem Ruinengelände der Burg Grundbesitz, so dass heute zwei gegensätzlich ausgerichtete Vereine aus historisch gleicher Wurzel auf dem Waldeck-Gelände existieren.
1954 setzt der durch das Verbot ins Stocken geratene Weiterausbau der Jugendburg durch den Nerother Wandervogel wieder ein. Die nicht finanzierbaren Vorkriegspläne werden auf ein machbares Maß zurückgenommen. 1970 feiert der Bund das Richtfest des ?Diensthauses". 1986 erfolgt diese Zeremonie für die ?Jugendbleibe" und 1998 wird die Burgkapelle fertiggestellt.
Statt der vom Nerother Wandervogel verwirklichten großen Jugendburg wurden in der Regie der ABW von unterschiedlichen Jugendbünden in den Fünfzigern eigene Heime und Hütten errichtet. Die neue Kultur baute auf der Tradition auf, entwickelte sie aber entschieden weiter. Die Fragen der Zeit wurden kritisch reflektiert, auch das überlieferte Liedgut. Man öffnete sich neuen Einflüssen, z.B. aus der amerikanischen Studenten-, Folk- und Bürgerrechtsbewegung und entdeckte selber verschüttete oder diskriminierte deutsche Traditionen, etwa: die jiddische Kulturwelt mit den Liedern der vernichteten Ostjuden, die Lieder der deutschen Demokraten aus der gescheiterten Revolution von 1848, die Lieder der Landstreicher, Berber und Fahrenden. Der Jungenschafter, Waldeck-Sänger und Liedforscher Peter Rohland, der 1966 im Alter von 33 Jahren verstarb, ist hier, gemeinsam mit Hein & Oss Kröher als Pionier zu nennen.
Es entstand die Idee zu einem "Bauhaus des Liedes" und daraus das erste Waldeck-Festival von 1964 "Chanson Folklore International", dem weitere Festivals bis 1969 folgten. Waldeck, wo sich ab 1964 der Auf- und Umbruch von 1968 in Liedern, Chansons, Kabarett, Diskussionen ankündigte, wird immer wieder auch das "deutsche Woodstock" genannt. Die Karrieren von Künstlern wie Franz Josef Degenhardt, Reinhard Mey, Walter Moßmann und Hannes Wader haben ihre Ursprünge auf der Waldeck, auch Hanns-Dieter Hüsch trat dort auf. Von hier gingen damals geistig-kulturelle Anstöße in die jugendlichen und intellektuellen Szenen der ganzen Republik. Wolfgang Niedecken und viele seiner Kollegen vom kritischen Text und Lied bekennen sich deshalb zu ihren Waldecker Wurzeln. Bis heute bestätigen Rundfunk- und Fernseh-Sendungen immer wieder diese Fernwirkung. Die Folge von Festivals bis 1969 führte zur Renaissance des engagierten deutschsprachigen Liedes.
Zuvor war dies im Schatten der Nazikultur undenkbar gewesen, wie es Franz Josef Degenhardt auf der Waldeck sang:
Tot sind unsre Lieder,
unsre alten Lieder.
Lehrer haben sie zerbissen,
Kurzbehoste sie verklampft,
Unsre alten Lieder.
braune Horden totgeschrien,
Stiefel in den Dreck gestampft.
Auf der Waldeck selbst kehrte nach der Kraftanstrengung der Festivals wieder Alltag ein. Nicht so spektakulär, aber immer kreativ. Werkstätten für Tanz, Theater, Kabarett oder Lied und Chanson bringen immer wieder beachtliche Ergebnisse hervor. Beispielsweise kam in den 90ern die Theatergruppe der Universität Essen hierher, um die jeweils neuen Stücke einzuproben. Diskussionen und Seminare interpretieren die Zeitläufe. Ein neues Säulenhaus und ein Bühnenpavillon wurden gebaut.
Der Nerother Wandervogel lebt bis heute in seiner Tradition fort. Fahrt, Feuer und Lied, als Schlagworte des Wandervogels, haben bis heute Bestand.
Heutige Nutzung
Der Nerother Wandervogel hat einen Ehrenhain für die Jugendbewegung auf Burg Waldeck geschaffen. Hier stehen Gedenksteine für wichtige Persönlichkeiten aus Wandervogel, Jugendbewegung und deutschem Pfadfindertum.
Literatur
* Hammes, Michael: Die Burgruine Waldeck im Hunsrück. In: Abenteuer Archäologie, Jahreszeitschrift 5, Jahrgang 2003, 12 - 15. ISSN 1615-7125 (mit weiterführender Literatur)
* Hammes, Michael: Burg Waldeck im Hunsrück (Arbeitstitel): In ??? (unveröffentlichtes Manuskript in Druck)
* Köpfchen: Ausblicke, Einblicke, Rückblicke. Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck. Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck, Dommershausen ab 1989
* Kurt Hoppstädter, Fritz Langenberg: Burg und Schloss Waldeck im Hunsrück. Ein geschichtlicher Rückblick. Ottweiler Druckerei, Ottweiler 1957
* Nerohm: Die letzten Wandervögel: Burg Waldeck und die Nerother. Geschichte einer Jugendbewegung. Deutscher Spurbuchverlag, Baunach 22002. ISBN 3-88778-197-X
* Hotte Schneider (Hrsg.): Die Waldeck. Lieder, Fahrten, Abenteuer. Die Geschichte der Burg Waldeck von 1911 bis heute. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2005. ISBN 3-935035-71-3
Weblinks
• Historie der Burg Waldeck 1124 -1850
* http://www.burg-waldeck.de/
* http://www.nerother-wandervogel.de/

