Burg Rappenstein
Die Ruine der Burg Rappenstein liegt in einer Felsspalte im schwer zugänglichen Cosenztobel westlich von Untervaz im schweizerischen Kanton Graubünden.
Rappenstein ist neben der Burg Kropfenstein in der Surselva eine der am besten erhaltenen Höhlenburgen der Schweiz. Bis heute ist unbekannt, warum Rappenstein an einem derart dunklen, kalten und feuchten Ort erbaut worden ist, zu dem nie ein Sonnenstrahl gelangt.
Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass Rappenstein nur als gelegentlicher Rückzugsort diente und nicht ständiger Aufenthaltsort war. Dass die Mauer des Nebentrakts in einer zweiten Bauphase durch eine neue Ummantelung verstärkt wurde, deutet trotzdem auf eine längerfristige Nutzung hin.
Die Ruine liegt etwa zehn Meter oberhalb des Baches und ist über einen steilen Pfad gut erreichbar. Der Zugang ins Innere ist durch eine enge Luke am Fuss der Mauer möglich.
Anlage
Die 1,4 Meter dicke Frontmauer des Hauptbaus ist auf der Aussenseite verputzt und auf zwei Stockwerken erhalten. Im oberen Stockwerk befand sich der Hocheingang, daneben lag in erhöhter Lage ein Zwischenstockwerk mit einem Wohnraum. Das Gebäude trug früher eine hölzerne Dachkonstruktion, von der noch einzelne Balkenreste erhalten sind.
Die fünfzehn Meter tiefe Höhle verfügte im hinteren Teil über eine Quelle, welche die Burg mit Trinkwasser versorgte. Die Ausgestaltung des Innenraums ist nicht mehr erkennbar, da er mit von der Decke herabgestürztem Schutt aufgefüllt ist.
Nordöstlich des Höhleneingangs lag ein weiteres an die Felswand angelehntes Gebäude, von dem aber nur noch die Grundmauern erhalten sind.
Bewohner und Besitzer
Wer Rappenstein erbaute, weiss man nicht; es gibt keine Dokumente, in denen Rappenstein erwähnt wird. Eine dendrochronologische Untersuchung der Balken ergab eine Erbauungszeit von etwa 1255.
Auch wie die Burg zu ihrem Namen kam ist unklar. Rappenstein gehörte damals zur Herrschaft_Neuburg, die den Rittern Thumb von Neuburg aus dem Vorarlberg gehörte. Da die Neuburg selbst erst um 1300 errichtet wurde, könnte Rappenstein der erste Sitz der Familie Thumb in Untervaz gewesen sein.
Mit den Thumb verwandt war die Kaufmannsfamilie Mötteli aus Ravensburg. Sie nannte sich nach einer Burg nahe St. Gallen auch "von Rappenstein" und gelangte um 1450 in den Besitz der Herrschaft Neuburg. So dürfte sich der Name Rappenstein von der Familie Mötteli auf die Burg übertragen haben.
Ob die ersten Inhaber der Herrschaft von Neuburg in Rappenstein oder in einem anderen, unbekannten Schloss wohnten ist nicht bekannt. Bekannt ist hingegen, dass Rappenstein im 15. Jahrhundert, als Neuburg den Mötteli gehörte, seit langem schon eine Ruine war. Als Rudolf Mötteli 1496 die Neuburg und einen Rebberg an den Bischof von Chur verkaufte, erwähnte er zwar das hoefli Castrines auf der anderen Seite des Cosenzbaches, die Burg selber jedoch wird nicht erwähnt. Als Ruine hatte sie keinen Wert mehr und musste daher in der Verkaufsurkunde nicht aufgeführt werden.
Spätestens im 15. Jahrhundert wurde Rappenstein aufgegeben. Dass die Tragbalken beidseits der Mauern abgesägt wurden, lässt auf eine systematische Räumung schliessen.
Um die abgelegene Ruine ranken sich bis heute zahlreiche Sagen, die von einer verzauberten Jungfrau berichten, die auf der Burg die noch ungeborenen Kinder von Untervaz und einen Schatz bewachen soll.
Bild:Rappenstein_Anbau.jpg|Fundamente des Nebenbaus
Bild:Rappenstein_innen.jpg|Innenraum mit Balkenresten
Bild:Rappenstein_Innenmauer.jpg|Innenmauer, links der Hocheingang
Literatur
* Lukas Högl: Burgen im Fels (Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 12). Olten 1986.
* Otto P. Clavadetscher/Werner Meyer: Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Schwäbisch Hall 1984.
* Werner Meyer (Red.): Burgen der Schweiz, Bd. 3, Zürich 1983.
* Werner Meyer/Eduard Widmer: Das grosse Burgenbuch der Schweiz. Zürich 1977.
* Erwin Poeschel: Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Leipzig 1930.
* Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. VII: Chur und der Kreis der fünf Dörfer. Basel 1948.
* Fritz Hauswirth: Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 8: Graubünden 1. 2. überarb. und erg. Aufl. Kreuzlingen 1981. S. 111-112. /
* Jerome H. Farnum: 20 Ausflüge zu romantischen Burgruinen in der Schweiz. Bern/Stuttgart 1976.
* Thomas Bitterli: Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995.

