Burg Poppenburg
Die Poppenburg liegt im niedersächsischen Ort Burgstemmen, oberhalb der Leine und an der Bundesstraße 1. Strategisch beherrschte die Burg Poppenburg im Mittelalter durch Ihre Lage auf einer Anhöhe über dem Leineübergang den Verkehr auf dem alten Hellweg zwischen Aachen und Goslar, der im Mittelalter ein wichtiger Handelsweg vom Rheinland nach Mitteldeutschland gewesen ist. Zeitweise bildete der Fluss Leine die Grenze zum Bistum Minden und später zum Herzogtum Calenberg. Die Poppenburg gehörte zu den alten Königsburgen, die das Leinetal und damit den Weg zur Stadt Hildesheim und das Gebiet des Hochstifts_Hildesheim schützten. Die Brücke bei Poppenburg wurde erstmalig am 13. Januar 1251 urkundlich erwähntBurgen und Schlösser im Hildesheimer Land , Margret Zimmermann/Hans Kensche: Burgen und Schlösser im Hildesheimer Land, 1. Auflage Hildesheim: Lax, 1998, S. 96 und S.127 ISBN 3-8269-6280-X.
Geschichte der Burg
Es ist bis in die Gegenwart nicht durch Ausgrabungen genau geklärt worden, wann die erste Burg oder ein Wohnturm auf dieser Anhöhe erbaut wurde.
Kaiser_Heinrich_III. schenkte im Jahr 1049 das Gut (praedium) bei der Bobbenburg, das ihm Herzog_Bernhard_II._von_Sachsen überlassen hatte, dem Bischof Azelin und damit dem Bistum Hildesheim. Die Burg lag damals im Gau Valen, in der Grafschaft eines Grafen mit dem Namen Bruno. Zwei Jahre später (1051) übertrug Kaiser Heinrich III. dem Bistum Hildesheim die Grafschaftsrechte in sechs Grafschaften, darunter auch im Gau Valen. Durch diese Übertragung kam die Burg in den Besitz des Bistums Hildesheim. Das Hildesheimer Necrologium erwähnt beim Tode Heinrichs III.: ?Henricus imp. dedit dimidiam partem castelli Poppenburg ad praebendam fratrum?.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Burganlage häufig ausgebaut und renoviert. Umfangreiche Baumaßnahmen fielen in das 13. Jahrhundert, als das Grafengeschlecht von Poppenburg ausstarb und das Hochstift Hildesheim wieder Besitzer der Poppenburg wurden. 1227 wurde die Burg das erste Mal urkundlich erwähnt. Konrad II. von Riesenberg, Bischof_von_Hildesheim (1221-1246) baute in seiner Amtszeit die Poppenburg als Befestigungsanlage aus und gab sie 1226 Graf_Hermann_von_Wohldenberg zu Lehen. Im Jahr 1240 gelang es dem Bischof, den Spiegelberger Anteil an der Poppenburg zu erwerben; danach setzte er Bodo von Ilten als Vogt für die Verwaltung des bischöflichen Anteils der Burg ein. Der Vogt achtete darauf, daß auf der Leinebrücke keine ungerechten Zölle erhoben und die Wagentransporte der Kaufleute nicht behindert wurden. Konrad II. und später Otto I. von Braunschweig-Lüneburg, Bischof_von_Hildesheim (1260-1279), weilten in der Mitte des 13. Jahrhunderts häufig auf der Burg und stellten dort, ebenso wie Graf Wedekind, immer wieder Urkunden aus. Konrad II. ließ einen neuen Wohnflügel errichten. Die Bischöfe von Hildesheim sind zu dieser Zeit Mitinhaber der Burg geworden; ohne ihre Zustimmung kann Graf Wedekind nicht mehr handeln.
Im 14. Jahrhundert kümmerte sich Otto II. von Woldenberg, Bischof_von_Hildesheim (1319-1331) um den Schutz der Poppenburg gegen Brandgefahr und ließ das Wohngebäude und den kleinen Turm mit Steinplatten decken. Gerhard von Berg, Bischof_von_Hildesheim (1365-1398), erbaute nach der Fehde mit Magnus_I., Herzog des Herzogtum Braunschweig-Lüneburg von 1345 bis 1369, im Jahr 1367 im Süden der Burganlage den mächtigen wohnturmartigen Palas.
Als Folge der Hildesheimer Stiftsfehde fiel die Poppenburg 1523 an das Fürstentum Calenberg und verlor ihre strategische Bedeutung. Durch den Hildesheimer Hauptrezess von 1643 kam sie mit dem Hauptteil des Großen Stifts wieder zum Fürstbistum, was umfangreiche Erneuerungsarbeiten an der Burganlage zur Folge hatte. Die Burgkirche wurde rekatholisiert und blieb Pfarrkirche für die umliegenden Dörfer, bis in Nordstemmen eine moderne neue Pfarrkirche entstand.
Der Wohnflügel der Burg ist im Gegensatz zum Palas nur zweigeschossig und hat eine schmale Grundform. Die Tonnen- und Kreuzrippengewölbe der Kelleranlage, die unterschiedliche Bauart im Dachstuhl, am Dachgesims und der ehemalige Fachwerkanhau am Treppenturm weisen darauf hin, dass der Wohnflügel in verschiedenen Bauabschnitten entstand. Während der Renovierungs- und Umbaumaßnahmen nach dem Dreißigjährigen_Krieg wurde das Gebäude zur jetzigen Einheit zusammengefasst.
Eine Inschrifttafel mit der Jahreszahl 1679 und die barocke Hofeinfahrt mit dem Wappenschild des Kurfürsten Maximilian Heinrich von Bayern (1650 bis 1688) blieben erhalten.Der Grundriss der Burg aus dem Jahr 1774 zeigt trotz Umbauten noch die geschlossene Burganlage mit Mauer und Bergfried. Unter Fürstbischof_Friedrich_Wilhelm_von_Westphalen, Bischof von Hildesheim 1763 bis 1789, wurde das Palais, ehemals als Brauhaus genutzt, zur katholischen Kirche umgebaut. Die flachbogigen Türen des Gebäudes tragen die Jahreszahl 1785, die Zeit des Umbaus. Während der Umbaumaßnahmen unter Fürstbischof Friedrich Wilhelm brach man das südliche Torhaus, den Bergfried und einen Teil der alten Burgmauer ab. Die gewonnenen Bruchsteine benutzte man zum Bau des neuen Brauhauses und der Umfassungsmauer eines neu angelegten Gemüseanbaubetriebes.
Auf den Fundamentresten der abgebrochenen Burgmauer entstand um 1790 ein langgestrecktes Fachwerkhaus. Im Erdgeschoss des südlichen Teils befand sich die Amtsrichterstube und der Gefängnisraum, während das obere Geschoss dem katholischen Pastor als Wohnung zugewiesen wurde. Die in den Burghof hineinragende nördliche Hälfte des Gebäudes wurde für wirtschaftliche Zwecke genutzt.Der Amtsrat Rudolf Koch ließ 1903 den Wohnflügel mit veränderter Achsrichtung und einem turmartigen Anbau erweitern.
Im Jahr 1964 kauften die Diakonischen_Werke Hildesheim den Wohnflügel und das dazugehörige Grundstück mit Burghof und Park. Nach umfangreichen Renovierungen des Wohngebäudes, Abbruch des Fachwerkanbaus und der Fachwerkveranda am Untergeschoss leben hier seit 1967 leicht bis mittelgradig geistig behinderte Frauen in HausgemeinschaftenBurgstemmen Geschichte Burg und Grafschaft http://www.burgstemmen.de/poppenburg/seiten/burg.html am 22.1.2007.
Grafengeschlecht Poppenburg
Die genaue Herkunft und Genealogie des Grafengeschlechts von Poppenburg ist in das Dunkel der Geschichte gehüllt. Nach den neuesten Forschungen müssen wir die Herkunft der Grafen in die Politik Kaiser_Heinrichs_IV. einbeziehen, als Adelgeschlechter aus Süddeutschland in den sächsischen Raum verpflanzt wurden. Überraschenderweise nennt die Vorrede des Sachsenspiegels ?den von Poppenburg? inmitten der Adelsgeschlechter, die aus Südschwaben nach Sachsen zogen. Der in sächsischen Kreisen ungewöhnliche Name Beringar - einer der Grafen von Poppenburg - deutet ebenfalls auf schwäbische Herkunft.
Die Anfänge
Die ersten schriftlichen Hinweise auf die Grafschaft Poppenburg gehen auf den Beginn des 12. Jahrhunderts zurück; zu dieser Zeit gibt es in Hildesheimer Urkunden schriftliche Hinweise auf die comitis de Poppenburg (deutsch: Grafen von Poppenburg).
Nach Übertragung der Grafschaftsrechte durch das Bistum Hildesheim nannte sich das Grafengeschlecht von Poppenburg. In Sachsen war im 12.Jahrhundert statt der Benennung nach dem Gau (hier Gau Valen) diejenige nach der besitzenden Burg üblich. Trotz der Bezeichnung comes (Graf) haben wir es bei den Poppenburgern nicht mit Grafen einer Grafschaft im landrechtlichen Sinne zu tun. Die Dörfer der Grafschaft gehörten verschiedenen Gauen an, die bereits seit 1068 dem Bistum Hildesheim zugeordnet waren. Die Burg mit den umliegenden Dörfern waren somit Hildesheimer Lehen; in Urkunden des Bistums werden die Grafen mit Recht als Laici inheneficiati bezeichnet. Der weitere Lehensbesitz der Grafen an Höfen und Ländereien erstreckte sich als Streubesitz bis an das Bistum Halberstadt und westlich weit bis in das Bistum Minden hinein. Es gelang den Grafen jedoch nicht, ihren Eigenbesitz zu vergrößern, neue Dörfer zu erwerben und das Gebiet zu einer bedeutenden Grafschaft auszubauen.
Die Belehnung der Poppenburg geschah, weil die Grafen von Poppenburg loyal zu den Staufern waren und als schwäbische Großfamilie eine angesehene Stellung hatten.
Durch Heirat hatten die Grafen von der Poppenburg enge verwandtschaftliche Beziehungen zu den Grafen von Oldenburg, Hallermund, den Edlen von Hohenbüchen und den Rittern von Schwanebeck.
Neben der Burg und der Grafschaft, die die Grafen von Poppenburg vom Hildesheimer Bischof zu Lehen trugen, besaßen sie auch Lehnsgüter der Herzöge von Braunschweig. Damit wurden sie in die Auseinandersetzungen zwischen den Bischöfen von Hildesheim und Heimrich_dem_Löwen von Braunschweig hineingezogen. Der Zwiespalt und Interessenkonflikt spaltete das Grafengeschlecht Poppenburg wie auch andere adlige Familien jener Zeit. Ein Beispiel dafür sind die Ereignisse des Osterfests 1169 (s.u.).
Zeitleiste
Wappen und Siegel
Die Siegelabdrucke der frühen Grafen von Poppenburg sind nicht erhalten. Einige Urkunden mit anhängenden Siegeln sind während des Zweiten_Weltkriegs im Hauptstaatsarchiv in Hannover vernichtet worden. Unpflegliche Behandlung der Wachssiegel der jüngeren Grafen hat die Umschrift unlesbar gemacht.
Das älteste Siegel der Grafen von Poppenburg ist erhalten an einer Urkunde des Klosters Obernkirchen aus dem Jahre 1229. Es ist das Siegel des Grafen Bernhard, der sich ab 1217 nach seiner neuerbauten Burg von Spiegelberg nannte. Das Siegel zeigt im Rundschild auf einem Querband drei fünfblättrige Rosen und lässt auf der Umschrift erkennen Bernardu... Poppenhor....
Die Siegel von Graf Wedekind sind zahlreich und gut erhalten und zeigen im dreieckigen Schild auf zwei Querbanden fünf fünfblättrige Rosen in der Verteilung drei zu zwei. Die Umschrift auf einem Wappen aus dem Jahr 1248 lautet Sigill Widekini Comi de Poppenburegh, auf dem erneuerten Siegel in späteren Jahren Sigillum Widekini de Poppenborg .
Quellen
• Burgenwelt Geschichte der Burg Poppenburg (18.6.2006)

