Burg Nieder-Modau
Die Burg Nieder-Modau stand auf dem Schlossberg bei Nieder-Modau, einem Ortsteil von Ober-Ramstadt.
Geografische Lage
Der Schlossberg liegt ungefähr 12 Kilometer südöstlich der Stadt Darmstadt im Gebiet des vorderen Odenwalds und ist ca 280m hoch.
Geschichte
Der Zeitpunkt der Errichtung einer Burg, die bis 1382 auf dem Schloßberg stand, ist bis heute nicht genau bekannt. In einem Band ?Zur Geschichte des Schloßbergs bei Nieder Modau? von Arthur Funk (erschienen 1985), wird von Rudolf Kunz vermutet, dass die Burg um 1200 von den Herren von Crumbach (siehe hierzu auch Fränkisch-Crumbach und Burg Rodenstein) errichtet worden sein muss.
Der Roßdorfer Geometer Georg Wilhelm Justin Wagner beschrieb die Anlage wie folgt:
Heute ist von den angesprochenen Mauerresten nichts mehr zu sehen. Sehr gut lassen sich jedoch die Wälle und der südliche Zugang zur Burg im Gelände ausmachen.
Die Geschichte der Burg vor Reinheim ?Anhänger des Heinrich von Beckingen?.
Am 28. November 1381 wenden sich die Frankfurter an Diether VIII. von Katzenelnbogen. Dem Schreiben beigefügt ist eine Notiz:
Schelm stand auch als ?Anhänger des Heinrich von Beckingen? auf der Räuber-Liste die die Wormser an die Frankfurter geschickt hatten. Da Diether VIII. v.K. noch am gleichen Tag antwortet, dass er in de Angelegenheit von Eberhard Schelm, mit diesem sprechen und dann Frankfurt antworten wolle, nimmt Arthur Funk an, das Schelm und Kalb ?Vasallen des Grafen Diether waren und in eigener Regie - aber mit Wissen des Grafen - Raubzüge gegen die Frankfurter und Wormser unternommen hatten.?
Nach dieser Zuspitzung der Situation trafen sich auf der Burg 1379 auf der Burg Tannenberg bei Seeheim einen Burgfrieden geschlossen hatten. Zu diesen Mitstreitern zählt auch Werner Kalb und Graf Wilhelm von Katzenelnbogen der gleichzeitig auch zu den Gründungsmitgliedern des Löwenbundes gehört, der am 13. Oktober 1379 gegründet wurde.
Der Löwenbund zeichnete sich durch die feindschaftliche Politik gegenüber den Städten aus. So gehörten auch die Grafschaften Reifenberg und Kronberg, zwei erklärte Feinde Frankfurts zu den Gründungsmitgliedern Demand, Karl E.: Die geschichte des landes HessenA. Funk: Die Geschichte des Schlossberges bei Nieder ModauKronberg im Taunus In: Wikipedia: Die freie Enzyklopädie. Stand: 28. Dezember 2006, 8:20. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kronberg_im_Taunus&oldid=25390579.
Der zunehmende Einfluss des Löwenbundes, der sich stark nach Süden ausdehnte und zahlreiche neue Mitglieder bekam, zu denen auch Werner Kalb von Reinheim gehört haben soll, veranlasste die betroffenen Städte zu einem ähnlichen Bündnis. Am 20. März 1381 vereinbarten die Städte Mainz, Straßburg, Worms, Speyer, Frankfurt, Hagenau und Weißenburg einen Bund zu gegenseitigem Schutz und Trutz (siehe auch: zweiter Rheinischer Städtebund). Dieses Bündnis, vorläufig nur geltend bis Weihnachten 1384, wurde schon am 6. Juni 1382 erweitert und auf 10 Jahre ausgedehnt und schloss sich schon im Gründungsjahr mit dem Schwäbischen_Bund zum Süddeutschen Städtebund zusammen. In dieser Schutzgemeinschaft wurde entschieden, dass die Städte Frankfurt, Mainz und Worms einem der Hauptübeltäter, Werner Kalb von Reinheim, das Handwerk legen sollten.
Arthur Funk rekonstruierte das weitere Geschehen wie folgt:
{|cellspacing="8" cellpadding="0" class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe2" style="width: 60%; font-size: 95%; border-style: solid; border-width: 2px; margin: auto; margin-top: 4px; margin-bottom: 4px; position:relative;"
|?Die 3 Anführer dieser gemeinsamen Streitmacht waren offenbar gut informiert über ihren Auftrag. Von Gernsheim aus zogen sie zur ?Besichtigung? des Tannenberg an die Bergstraße, wobei ihr besonderes Interesse dem Anführer Werner Kalb galt, der im Dienst der Ganerben stand, Unverrichteter Dinge marschierte die Truppe über Ober-Beerbach und Neutsch ins Modautal. Der Kriegsführung der damaligen Zeit entsprechend muß diese Streitmacht, von Walther Möller auf eine Gesamtstärke von 150 - 160 Glevenern geschätzt, barbarisch in den Dörfern Nieder-Modau, Ober-Modau, Rohrbach, Wembach und Neutsch gehaust haben.
Es wurde also nicht nur das Hauptziel, die kalbsche Burg auf dem Schloßberg bei Nieder-Modau, sondern das ganze Umfeld gebranntschatzt und vernichtet, Kühe, Pferde, Schweine, Schafe sowie Hausrat nahm man den Bauern ab, warf die Brandfackel in ihre gefüllten Scheunen und Wohnhäuser und verwüstete ihre Gärten. Von Toten, die es sicherlich auch gegeben hat, liegen uns keine Nachrichten vor.
Bei dieser Auseinandersetzung wurde nicht nur kalbscher Besitz - unter anderem die bezeugten großen Kalbenhöfe in Ober- und
Nieder-Modau - vernichtet, sondern auch viele Höfe der Grafen von Katzenelnbogen und vermutliich auch anderer Herren und Ritter
Opfer von Raub und Flammen.
Aus den Schadenslisten, die auf Befehl des Grafen Diether VIII. erstellt wurden und in denen der Schaden seiner ?armen luden? (seiner Hörigen) aufgeschrieben wurde, geht eine Anzahl von 35 Pferden und 46 Kühen hervor. Walther Möller wird mit seiner Gesamtschadensschätzung von etwa 70 Pferden und ebensovielen Kühen der Wahrheit näher komen.?
Arthur Funk: Die Geschichte des Schloßbergs bei Nieder-Modau, Ober-Ramstadt 1985, Seite 58
/'>}Rund um den Schlossberg wurden zahlreiche Geschosssteine gefunden, die vermuten lassen, dass sowohl die Angreifer, als auch die Verteidiger Blieden einsetzen (siehe hierzu auch die Zerstörung der Burg 1830 wurden die letzten Reste entfernt und der Hügel mit Schwarzkiefern aufgeforstet, die 1953/54 wieder gefällt und durch Linden ersetzt wurden.
Heute führt der Wanderweg O4 der Stadt Ober-Ramstadt, der Silberbergweg, auch über den Burgberg.
Quellen
*Arthur Funk: Zur Geschichte des Schloßbergs bei Nieder Modau, Ober-Ramstadt 1985
*Hessisches Staatsarchiv: HStAD Best. B 3 Nr. 1891, Urkunden der Grafschaft Katzenelnbogen, aus der Online-Datenbank des Hessischen Staatsarchivs, URL: http://www.hadis.hessen.de/scripts/HADIS.DLL/home?SID=6D7D-11CFDA0-BAC85&PID=6DDF
• (Seeheim-Jugenheim)] In: Wikipedia: Die freie Enzyklopädie. Stand: 28. Dezember 2006, 8:20. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tannenberg_%28Hessen%29&oldid=25610087
*Demandt, Karl E: Geschichte des Landes Hessen, zweite Auflage, Kassel, 1980
Literatur
*Demandt, Karl E: Geschichte des Landes Hessen, Kassel und Basel, 1959
*Ruser, Konrad: Zur Geschichte der Gesellschaft von Herren, Rittern und Knechten in Süddeutschland während des 14. Jahrhunderts, In: Zeitschrift für Wüttembergische Landesgeschichte, Jahrgang 34/35, Stuttgart, 1975/1976
*von der Au, Hans: Die Namen der Gemarkungen Ober- und Nieder-Modau im Odenwald, Gießen, 1942
*Möller, Walther: Die Zerstörung der Burg Modau, In: Der Odenwald, heimatkundliche Zeitschrift des Breubergbundes Nr 2, 1955
*Georg Wilhelm Justin Wagner: Der Schloßberg bei Niedermodau In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde ; 1 (1837) 3, S. 401-405. Schlagwörter: Nieder-Modau
*Wenck, Helfrich Bernhard: Hessische Landesgeschichte, Band 1 mit einem Urkundenbuch und geographischen Charten, Darmstadt u. Gießen, 1783
Siehe auch
*Löwenbund
*Ober-Ramstadt

