Burg Neu-Aspermont
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]]Die Burg Neu-Aspermont ist eine Burgruine auf der rechten Talseite oberhalb von Jenins im Bündner Rheintal in der Schweiz.
Lage
Die Ruine liegt hoch über der Gemeinde auf einem Feslsporn und ist vom Dorf aus zu Fuss über eine Waldstrasse (Fahrverbot) in einer halben Stunde gut erreichbar.
Anlage
Die ältesten Bauteile der Anlage, der Turm und der südliche Teil des Wohntraktes stammen aus der ersten Hälfte oder Mitte des 13. Jahrhunderts. Vom 14. bis etwa zur Mitte des 17. Jahrhunderts wurden Aus- und Umbauten vorgenommen.
Die Anlage bestand aus einem zusammengesetzten Gebäudekomplex; es sind mehrere Bauphasen aus dem Hoch- und Spätmittelalter zu erkennen. Der älteste Teil der Anlage ist der bergwärts gelegene quadratische Hauptturm aus Bruchsteinmauern; mit dem später aufgesetzten Dachraum ist er sieben Geschosse hoch. Der rundbogige Hocheingang lag auf der Südwestseite im dritten Stock. Die anderen Türöffnungen wurden später ausgebrochen. Der Verputz im einstigen Wohnstock zeigt Reste einer Freskobemalung von breiten Streifen in Schwarz und Weiss. Erhalten geblieben sind ein Aborterker mit schrägem Abfluss sowie im Verputz sichtbare Spuren eines würfelförmigen Ofens. Der Turm trug ein von Nordwest nach Südost abfallendes Pultdach, die Mauerkrone war mit Hohlziegeln schräg nach aussen abgedeckt.
Talwärts schliessen sich nach Westen die Ruinen eines mächtigen zweiteiligen Palas an. Der zweigeteilte viergeschossige Südosttrakt schliesst direkt an den Turm, der schmale fünfgeschossige Nordwesttrakt mit seinen bis 2.5 m dicken Mauern wurde später errichtet. Abort- und Sitznischen, Backöfen und weitere Feuerstellen verraten eine Benützung bis ins 17. Jahrhundert. Die Zisterne lag vermutlich im heute mit Schutt gefüllten Hof.
Südlich und westlich lag ein von einer Ringmauer umgebener enger Zwinger. Den Abschluss der Mauer bildete ein Zinnenkranz mit Wehrgang. Das Eingangstor mit doppelten Sperrbalken lag an der nordöstlichen Schmalseite, auf der Nordseite war eine kleine Schlupfpforte. Die Umfassungsmauer trägt Spuren eines hölzernen Wehrgangs. Die ursprünglichen Zinnen wurden später teilweise vermauert und mit Schiessscharten für Handbüchsen versehen.
Heute ist die Anlage in einem relativ schlechten Zustand und teilweise von Gebüsch überwuchert. Gegenwärtig (April 2007) werden im Innern Sicherungsarbeiten vorgenommen.
Geschichte
Der Name deutet auf eine Gründung der Herren von Aspermont hin, die im 12. Jahrhundert erstmals in den Urkunden auftaucht. Ihr Stammsitz war Alt-Aspermont bei Trimmis. Die neue Burg über Jenins errichteten sie wohl zwischen 1200 und 1250.
Im Verlauf des 13. Jahrhunderts konnten die Aspermonter im Gebiet der Bündner Herrschaft und des Prättigaus eine bedeutende Herrschaft aufbauen, deren Zentrum, zusammen mit Maienfeld, Neu-Aspermont war. Zu ihrem Besitz gehörte unter anderem auch die Burg Fracstein. Die neu gegründete Burg Aspermont konnten sie jedoch nicht im Eigenbesitz behalten, sondern mussten sie der Lehensgewalt des Bischofs_von_Chur und der Freiherren von Vaz unterstellen.
1284, anlässlich eines Streites um die Landeshoheit über Jenins, einigte man sich dahingehend, dass der Burghügel von Neu-Aspermont beiden gehören, aber nicht weiter befestigen werden dürfe. Johann von Vaz hielt sich jedoch nicht an dieses Urteil, denn 1299 wurde er schriftlich aufgefordert, einen Neubau auf Neu-Aspermont wieder abzureissen. ...vm den bv, den her Johans von Vatz hat getan vffen der Nwen Aspermunt, daz er den abe brechen sol, wan er versprochen wart.. Aber niemand scheint sich daran gehalten zu haben und die Burg entwickelte sich in der Folge zu einer kleinen Herrschaft.
Um die Mitte des 14. Jahrhunderts begannen die Aspermonter, ihre Besitzungen in Rätien zu veräussern. 1348 verkauften sie ihre Rechte im Prättigau und 1350 erwarb Ritter Rudolf von Rankweil die Burg Neu-Aspermont. Ulrich XI. von Aspermont vergab 1376 sogar das Bergräbnisrecht seiner Familie in der Kirche von Chur an die Herren_von_Greifensee. Danach scheint er nach Dornbirn ausgewandert zu sein, wo er den Namen Aspermont in Rhomberg verdeutschte.
Von der Familie von Rankweil kam die Burg an die Familie Straiff von Chur, die sie noch vor 1369 an die Herren von Sigberg weitergaben. Nach dem Aussterben derer von Sigberg um 1465 gelangten Burg und Herrschaft um 1468 an Diepold von Schlandersberg aus dem Vintschgau. Da diese Familie im Schwabenkrieg zu Österreich hielten, zogen Bündner Truppen nach der Eroberung von Maienfeld am 14. Februar 1499 hinauf nach Neu-Aspermont, plünderten die Burg und zerstörten sie teilweise. Sie scheint aber bald wieder hergerichtet worden zu sein. Dabei wurde der Turm um ein zusätzliches Stockwerk mit Schlüssellochscharten und Viereckfenstern erhöht, der Wohntrakt aufgestockt und eine neue Ringmauer errichtet. Neu-Aspermont diente den Herren von Schlandersberg noch bis 1522 als Wohnsitz. Im Jahr darauf erwarb Ritter Josua von Beroldingen die Burg, wenige Jahre später kam sie an Johann von Marmels. Dieser verkaufte Burg und Herrschaft 1536 an die Drei Bünde.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gehörte Neu-Aspermont nacheinander der Gemeinde Jenins, erneut den Herren von Marmels, der Familie Finer, den Herren von Hohenbalken, den Salis zu Neu-Süns und den Gulern zu Wynegg. Spätestens im 17. Jahrhunderts wurde die Burg jedoch aufgegeben und dem Zerfall überlassen.
Um 1860 liess sich Ernest von Rhomberg, ein Nachfahre der Gründerfamilie, von der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1862 seine Abstammung von den Herren von Aspermont bestätigen und erwarb von drei Einheimischen die Ruine für 500 Franken. Seither befindet sich die Burg wieder im Besitz der Familie von Rhomberg-Aspermont. Zusammen mit dem lokalen "Burgverein Neuaspermont" wurde ab 2001 die etappenweise Sanierung des Mauerwerks in Angriff genommen.
Bild: Aspermont_von W.jpg|zweigeteilter Palas, links der neuere Teil
Bild: Aspermont_Wohnturm.jpg|im Palas, Blick nach Westen
Bild: Aspermont_Zwinger.jpg|Blick in den Hof
Bild: Aspermont_Abort.jpg|Abort mit Sitzbrett
Bild: Aspermont_Erker.jpg|Sitzerker
Bild: Aspermont_Nordtür.jpg|Nordtür
Bild: Aspermont_zeichnung.jpg|Gesamtansicht, um 1906
Bild: Aspermont_Plan.jpg|Plan der Anlage
Aspermont Texas
Der Ort Aspermont in Texas in den USA wurde ca. um 1890 von einem A. L. Rhomberg, gegründet. Ob ein Zusammenhang mit der Burg Aspermont besteht, ist unbekannt; ist aber nicht auszuschliessen.
Literatur
* Lukas Högl: Burgen im Fels. Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters. Band 12. Olten, 1986
* Otto P. Clavadetscher/Werner Meyer: Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Schwäbisch Hall, 1984
* Werner Meyer (Red.): Burgen der Schweiz. Band 3. Zürich, 1983
* Werner Meyer/Eduard Widmer: Das grosse Burgenbuch der Schweiz. Zürich, 1977
* A. Mooser: Neu-Aspermont. 1935
* Erwin Poeschel: Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Leipzig, 1930
* Peter Donatsch: ...Burgbesitzer sein dagegen sehr. In: Terra Grischuna. Nr.3/93. Chur, 1993. S. 28-31
Siehe auch
Liste der Burgen und Schlösser in der Schweiz

