Burg Berwartstein
Der Berwartstein, auch (hochdeutsch) Bärbelstein oder (pfälzisch) Bärwelstein genannt, ist eine Burg im Wasgau, dem südlichen Teil des Pfälzer Waldes, im Bundesland Rheinland-Pfalz. Er ist die einzige Burg des Wasgaus, die nach ihrer Zerstörung wieder aufgebaut wurde und noch heute bewohnt ist.
Lage
Der Berwartstein liegt in etwa 280 m Höhe auf einer Bergkuppe oberhalb von Erlenbach bei Dahn. Das Seitental, das er beherrscht, mündet ca. 3 km südlich zwischen Dahn und Wissembourg (deutsch ?Weißenburg?) von links ins Tal des Flüsschens Lauter, das hier am Oberlauf noch Wieslauter heißt.
Burganlage
Felsenburg
Wegen seiner zahlreichen Felsen und Burgen führt der südwestliche Teil des Wasgaus den Namen Dahner Felsenland. Wie viele andere Burgen der Gegend ist auch der Berwartstein eine weitgehend in den gewachsenen Buntsandstein gehauene Felsenburg. Daneben gelten noch Drachenfels und die Burgengruppe_Altdahn?Grafendahn?Tanstein als Hauptvertreter dieses Burgentyps, bei dem Treppen, Gänge und Kammern aus dem Fels gemeißelt sind. Beim Berwartstein gruppieren sich diese Räume zu einem komplexen Höhlensystem, das den großen Felsen der Oberburg durchzieht.
Obwohl sich sich der Berwartstein gegenüber seinen Nachbarburgen noch mit vollständigen Aufbauten zeigt, stellen diese doch nur eine Ergänzung der eigentlichen Felsenburg dar. Am deutlichsten wird dies im historischen Rittersaal, dessen Südwand aus gewachsenem, altersgrauem Fels besteht. Darin eingehauen ist ein Aufzugsschacht, der den Rittern dazu diente, Speisen und Getränke aus der darüberliegenden Küche heranzuschaffen.
Ein Beispiel für das Können der Baumeister ist der Burgbrunnen, für den ein 104 m tiefer senkrechter Brunnenschacht mit einem Durchmesser von 2 m bis auf die Talsohle in Handarbeit durch den Fels getrieben wurde. Dieser Schacht, der seinen Durchmesser über die gesamte Tiefe beibehält, garantierte bei Belagerungen die erfolgreiche Verteidigung der Burg.
Die tiefsten Bereiche im Felsen (mit Ausnahme des Brunnenschachtes) gehören zu einem ausgedehnten System unterirdischer Gänge und Kasematten, welche ebenfalls der Verteidigung des Berwartsteins dienten. Auch die südlich jenseits des Tales gelegene Vorburg Klein-Frankreich war durch einen unterirdischen Gang aus dem Inneren des Burgfelsens heraus erreichbar, ebenso bestand eine unteirdische Verbindung in das am Fuße des Burgberges liegende Dorf Erlenbach.
Von allen anderen Burgen im Dahner Felsenland unterscheidet sich der Berwarstein durch den in seiner geologischen Beschaffenheit einmaligen Aufstiegskamin an der Südostseite des Burgfelsens, der einst einen leicht zu verteidigenden Zugang darstellte. An dem steil aufragenden, teilweise sogar überhängenden Felsen, der sich über 50 m in die Höhe erhebt, bot diese enge, steile und glatte Naturröhre die einzige Möglichkeit, nach oben zu gelangen.
Aussichtspunkt
Eine Aussichtsplattform unterhalb der Spitze des Hauptturmes ermöglicht einen weiten Blick über den gesamten südwestlichen Wasgau bis ins französische Elsass hinein.
Geschichte
Kaiser, Bischof und Berwartsteiner
Der Berwartstein wurde 1152 erstmals urkundlich erwähnt als Geschenk von Kaiser Friedrich_Barbarossa an den damaligen Speyerer_Bischof Günther von Henneberg. Ab 1201 trat ein nach der Burg benanntes Rittergeschlecht auf, die Herren von Berwartstein. Weil diesen Raubrittertum vorgeworfen wurde, wurde die Burg 1314 durch Truppen der Städte Straßburg und Hagenau belagert, eingenommen und zerstört.
Kloster, Kurfürst und ?Hans Trapp?
Nach dem recht bald erfolgten Wiederaufbau stand die Burg noch bis 1345 im Eigentum der Berwartsteiner. Über die Herren von Weingarten und die Eckebrechte_von_Dürkheim kam sie 1347 an das dem Benediktinerorden gehörende Kloster Weißenburg]]. Mehr als hundert Jahre später, 1453, räumte das Kloster den Kurfürsten von der Pfalz das Öffnungsrecht ein.
Gegen den Protest des Klosters, das sich weiterhin als Eigentümer sah, übergab dann 1480 Kurfürst Philipp_der_Aufrichtige die Burg seinem Marschall Hans von Trotha, genannt Hans Trott oder Hans Trapp, zu erblichem Lehen. Unter dessen Herrschaft wurde sie weiter befestigt und erwarb sich den Mythos der Uneinnehmbarkeit. 1484 ließ der neue Burgherr auf dem 325 m hohen, südlich gegenüberliegenden Vorsprung des Nestelberges, knapp 300 m Luftlinie entfernt, ein Vorwerk mit einem 15 m starken Turm errichten.
Im folgenden Jahr wurde der Höhepunkt der Fehde mit dem Kloster erreicht: Hans von Trotha ließ die nahe Wieslauter aufstauen und entzog so dem abwärts gelegenen Städtchen Weißenburg das Wasser. Nach Beschwerden des Abtes sorgte er für das Einreißen des Dammes und verursachte in Weißenburg eine gewaltige Überschwemmung. Auf Betreiben des Klosters verhängte daraufhin Papst Innozenz VIII. gegen den Ritter den Kirchenbann. Sein bisheriger Gönner, der Kurfürst, musste sich, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden, von seinem Gefolgsmann lossagen, und 1496 war sogar Kaiser Maximilian_I. gezwungen, gegen den Ritter die Reichsacht auszusprechen. Hans von Trotha kümmerte dies bis zu seinem Tode (1503) nicht, und zwei Jahre später wurden die Sanktionen postum aufgehoben.
Zerstörung
1545 erbten die Herren_von_Fleckenstein die Burg. 1591 brannte sie nach einem Blitzschlag aus. Das Vorwerk wurde im 17. Jahrhundert, entweder im Dreißigjährigen_Krieg oder im Pfälzischen_Erbfolgekrieg, erheblich beschädigt. Mit der Restaurierung der Überreste, die heute als Klein-Frankreich bekannt sind, wurde im Jahr 2005 begonnen.
?Wohnburg?
In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Ruine mehrfach den Besitzer, bis sie 1893 an Theodor von Baginski kam, der sie wieder ausbauen ließ, so dass sie bis heute als Wohnung dient.
Umgebung
In der Nähe des Berwartstein gibt es weitere geschichtsträchtige Burgen: Der Drachenfels liegt nur 3 km, die Dahner Burgengruppe etwa 5 km nordwestlich. Die Burg Lindelbrunn findet sich etwa 6 km nordöstlich, und die vierfache Burgengruppe an der deutsch-französischen Grenze mit Wegelnburg (deutsch) sowie Hohenburg, Löwenstein und Fleckenstein (alle auf französischer Seite) im Südwesten ist 10 km entfernt.
Literatur
* Alexander Thon (Hrsg.): ... wie eine gebannte, unnahbare Zauberburg. Burgen in der Südpfalz. 2., verb. Aufl. Schnell + Steiner, Regensburg 2005, S. 30-33, ISBN 3-7954-1570-5.
* Theo Wadle (Hrsg.): Burg Berwartstein, 13. Auflage, Wannweil 1980
Weblinks
• Offizielle Internetpräsenz
• Beschreibung der Burg auf deutsche-wein-strasse.de

