Kloster Andechs
Das Kloster Andechs auf dem Heiligen Berg ist heute ?nur noch? ein Priorat der Benediktiner in Andechs in Bayern im Bistum Augsburg. Es ist seit 1850 Wirtschaftsgut der Abtei_St._Bonifaz in München.
Die Burg Andechs, an deren Stelle Kloster Andechs entstanden ist, war Stammsitz der Grafen von Andechs, die in direkter Linie 1248 ausstarben. Die Klosterschänke ist dank seiner Küche und seines Bieres ("Andechser") ein Magnet für Touristen und Einheimische. Die von Johann Baptist Zimmermann im Rokokostil ausgestaltete Klosterkirche in Andechs war und ist auch heute noch eine bedeutende Wallfahrtskirche. Neben Altötting ist der ?Heilige Berg? Andechs der bedeutendste Wallfahrtsort Bayerns.
Geschichte
Burg Andechs
Die religiöse Geschichte von Andechs geht zurück ins 10. Jahrhundert. Der heilige Rasso (880?954) brachte Reliquien aus dem Heiligen Land in die Burgkapelle von Andechs.
Im Jahr 1080 wird der Name Andehse erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1128 findet auf Anordnung von Graf Berthold II. die erste Wallfahrt zu den Reliquien von Andechs statt. Im Jahr 1132 verlegen die Grafen von Andechs ihren Familiensitz auf Burg Andechs. Im Jahr 1176 wird die hl._Hedwig (1176?1243) als Tochter von Graf Berthold IV. auf Andechs geboren.
1180 Berthold IV. wird durch Kaiser_Barbarossa zum Herzog von Meranien (Istrien) ernannt. 1186 heiratet Hedwig auf Burg Andechs Heinrich_I.
Im Jahr 1208 fallen die Grafen von Andechs-Meranien in Verdacht, an der Ermordung von Philipp_II._von_Schwaben beteiligt gewesen zu sein, weshalb Burg Andechs zerstört wird. In den Jahren 1211 und 1220 werden die Grafen von Andechs-Meranien rehabilitiert. Mit dem Tod von Otto II. im Jahr 1248 stirbt das Geschlecht der Grafen von Andechs aus, ihre Besitzungen werden von den Wittelsbachern übernommen, und Burg Andechs wird zerstört. Der Reliquienschatz wurde von den letzten Andechsern vergraben.
Herzog Ludwig der Strenge begann um das Jahr 1270 mit dem Wiederaufbau der Kirche von Burg Andechs. Der Reliquienschatz wurde aber erst am 26. Mai 1388 in seinem Versteck unter dem Altar der Kapelle wiederentdeckt und danach zunächst nach München in die herzogliche Hofkapelle gebracht.
Kloster Andechs
Im Jahr 1391 oder 1392 entscheidet sich der Herzog, Andechs zu einem Kloster zu machen. Im Jahr 1392 wird das Kloster zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Im Jahr 1394 kommen die Heiligen Drei Hostien nach Andechs zurück.
Andechs wird im Jahr 1416 dem Diessener_Chorherrenstift unterstellt.
1423 lässt Herzog Ernst_I. eine dreischiffige spätgotische Hallenkirche erbauen und gibt dem Berg den Namen Heiliger Berg. Bis 1425 kommen auch die noch fehlenden Reliquien nach Andechs zurück. 1438 wird der erste Gasthof auf Andechs urkundlich erwähnt und begründet so eine lange Tradition auf Kloster Andechs.
Herzog_Albrecht_III._von_Bayern gründet am 17. März 1455 das Benediktinerkloster Andechs und erweiterte die bestehenden Gebäude erheblich. In dieser Zeit 1458 bekommt Kloster Andechs seinen ersten Abt, Eberhard Stöcklin und wird unabhängig.
Am 3. Mai 1669 werden fast das gesamte Kloster und die Kirche durch Feuer infolge eines Blitzschlages zerstört. Der Wiederaufbau beginnt sofort und war bis 1675 abgeschlossen. Aus dieser Zeit stammt auch der bekannte Kirchturm.
Zum 300-jährigen Jubiläum von Kirche und Kloster lässt Abt Bernhard Schütz 1755 der Abteikirche durch Johann Baptist Zimmermann die heutige Rokoko-Ausstattung geben. Zum 550-jährigen Jubiläum pilgerten im Jahre 2005 tausende Wallfahrer auf den Heiligen Berg. In diesem Jubiläumsjahr wurde auch die jahrelange Restaurierung der Kloster- und Wallfahrtskirche abgeschlossen und eine neue Orgel geweiht.
Die Andechser Apothekenliste ist ein historisches Verzeichnis von Arzneimitteln. Sie wurde in der Zeit der Klostergründung um 1392 erstellt und gibt einen Überblick über die Arzneimittel des ausgehenden Mittelalters.
Ende und Neubeginn des Klosters
Im Rahmen der Säkularisation in ganz Bayern 1803 wird das Kloster Andechs aufgelöst. 1846 erwirbt König_Ludwig_I._von_Bayern Andechs und stiftet es 1850 der von ihm gegründeten Benediktiner-Abtei_St._Bonifaz in München.
Wilhelm Busch kehrte in jungen Jahren gerne in Andechs ein und verarbeitete Eindrücke in seiner Frommen Helene: Hoch von gnadenreicher Stelle winkt die Schenke und Kapelle...
1929 werden dem Kloster durch den Breslauer Kardinal Bertram die Schädelreliquien der Hl. Hedwig überlassen. Seit 1943 finden Hedwigswallfahrten statt.
In der Zeit des Zweiten_Weltkriegs werden in Andechs wertvolle Kulturgüter gelagert. Seit 1971 ist Andechs die Familienbegräbnisstätte der Wittelsbacher; seit 1980 gibt es einen speziellen Friedhof. In einer Seitenkapelle der Andechser Klosterkirche befindet sich die Begräbnisstätte von Carl Orff.
Äbte
Äbte von Andechs bis zur Säkularisierung
* Eberhard Stöcklin aus Wolfratshausen (1458?1462)
* Johannes I. Hausmann aus Landsberg (1462-1475)
* Andreas Örtl aus Tölz (1475-1492)
* Johann von Schrattenbach aus Dietmannsried (geb. in Kaufbeuren) (1492?1521)
* Christoph Riedter, Edler von Bocksberg bei Wertingen (1521-1529)
* David Aichler (1588?1596), aus dem Kloster Ottobeuren postuliert
* Chrysostomus Huttler (gestorben 1610 im Alter von 35 Jahren, nach zehnjähriger Amtszeit, an der Pest)
* Michael Einslin (1610?1640)
Maurus Friesenegger (1640?1655)
* Bernhard Schütz aus Wessobrunn (1746?1759)
* Meinrad Moosmüller (1759?1767)
Äbte von St. Bonifaz und Andechs
# Paul Birker (1850?1854)
# Bonifaz_von_Haneberg (1854?1872)
# Benedikt Zenetti (1872?1904)
# Gregor Danner (1904?1919)
# Bonifaz Wöhrmüller (1919?1951)
# Hugo Lang (1951?1964)
# Odilo Lechner (1964?2003)
# Johannes_Eckert (seit 2003)
Das Unternehmen "Kloster Andechs"
Brauerei
Die Andechser Brauerei ist im Besitz des Klosters. Der jährliche Bierausstoss beträgt ca. 90.000 hl Bier. Knapp 10% des Andechser Bieres werden auf dem Klosterberg ausgeschenkt.
Lizenzgeber
Das Kloster verkauft Lizenzen, so dass Firmen Produkte mit der Marke "Kloster Andechs" bewerben können. Nach eigener Auskunft steht dahinter immer eine Zusammenarbeit die auch die Rezeptur der Produkte betrifft. Im Angebot ist zwischen Semmeln und Käse auch ein Schnupftabak.
Veranstaltungen
thumb|Grabplatte_von_Carl_Orff_in_Andechs
Carl Orff wuchs in Sichtweite zum Kloster Andechs auf und wurde auf eigenen Wunsch hin in der Schmerzhaften Kapelle der Klosterkirche begraben. Durch diese enge Verbindung des Klosters mit dem berühmten Komponisten kam es dazu, dass seit 1992 jedes Jahr die Festspiele Orff in Andechs stattfinden.
Weblinks
• Offizielle Homepage Andechs
• Klöster in Bayern: Andechs ? Der Heilige Berg (Haus der Bayerischen Geschichte)

