Universität der Bundeswehr
Es gibt zwei Universitäten der Bundeswehr (UniBw), eine, die Universität der Bundeswehr München (UniBwM) in Neubiberg und eine in Hamburg. Die Hamburger Universität wurde 2003 in Helmut-Schmidt-Universität_-_Universität_der_Bundeswehr_Hamburg umbenannt.
Von den ca. 2.000 Offizieranwärtern, die die Bundeswehr jährlich einstellt, erhalten mehr als 95 Prozent eine Studienzusage. Nach einer 15-monatigen allgemein-militärischen Ausbildung zum Offizier ("Manager in Uniform" = Führer, Erzieher und Ausbilder von Soldaten) beginnen Sie ihr Studium in einer der 20 zivil anerkannten (Fach-) Hochschulgänge. Das Studium bei vollem Gehalt soll den Offizieren im Rahmen der Berufsförderung (BFD) den Wiedereinstieg in den Unternehmensalltag nach ihrer Dienstzeit ermöglichen. Mit wenigen Ausnahmen ist die Studienrichtung nicht an den späteren Aufgabenbereich gebunden.
Offizieranwärter, die sich für eine Karriere im Sanitätsdienst entscheiden, und Human-, Zahn-, Veterinärmedizin oder Pharmazie studieren wollen, werden für ihr Studium an einer öffentlichen Hochschule vom Dienst freigestellt und erhalten eine Ausbildungsvergütung in Höhe ihrer dienstgradabhängigen Bezüge. Weiterhin werden die Studiengebühren übernommen.
An den Universitäten der Bundeswehr wird in Trimestern studiert. Die Regelstudiendauer beträgt daher 3 1/4 Jahre, die auf maximal vier Jahre verlängert werden können. Die idealen Strukturen der Campusuniversitäten sowie die fortlaufende Bezahlung bieten den Studenten beste Bedingungen, ihren "Auftrag Studium" auch erfüllen zu könen.
Gründungszeit
Am 11. Juni 1970 gibt der Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt (SPD) einen Erlass zur Bildung einer Kommission zur Neuordnung der Ausbildung und Bildung in der Bundeswehr unter Vorsitz von Thomas Ellwein heraus.
Am 17. Mai 1971 legt die Kommission dem Bundesverteidigungsminister Schmidt das Gutachten vor. Es sieht vor, dass Offizieranwärter mit einer Verpflichtungszeit von mindestens zwölf Jahren künftig ein dreijähriges Studium an einer Hochschule der Bundeswehr erhalten sollen. Am 29. Juni 1972 stimmt das Bundeskabinett der Einrichtung von Hochschulen der Bundeswehr zu.
Am 3. Oktober 1972 erfolgt der Abschluss eines Abkommens zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und der Bundesregierung über die Einrichtung einer wissenschaftlichen Hochschule für die Ausbildung von Soldaten der Bundeswehr.
Am 16. Oktober 1972 und am 2. Januar 1973 erfolgen die Erlasse der Gründungsausschüsse für die Hochschulen der Bundeswehr in Hamburg und München. Am 14. Februar und am 4. April 1973 stimmt der Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages der Errichtung von zwei Hochschulen zu.
Am 5. und 11. Juli 1973 erteilt der Bundesverteidigungsminister Georg Leber den Befehl zur Aufstellung der Hochschulen in Hamburg und München. Am 3. August 1973 erteilt der Bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus die Genehmigung zur Errichtung einer Hochschule der Bundeswehr in Neubiberg, einer Gemeinde am südlichen Stadtrand von München.
Am 1. Oktober 1973 erfolgt die Aufnahme des Lehr- und Forschungsbetriebes an beiden Hochschulen. Am 30. September 1976 verlassen die ersten Absolventen die Hochschulen.
Seit 1973 ist damit ein Studium an einer der beiden Universitäten der Bundeswehr (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und Universität der Bundeswehr München) Bestandteil der Ausbildung zum Offizier. Damit wurde insbesondere durch das Wirken des damaligen Verteidigungsministers Helmut Schmidt der Offizierberuf in Deutschland akademisch.
Von 1973 bis 1998 haben 32.000 Offizieranwärter (Offiziere) das Studium an den UniBw begonnen, mit einer Erfolgsrate von ca. 66 Prozent.
Auf dem Dies academicus der Universität der Bundeswehr in München am 8. Oktober 1999 hob der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping die Bedeutung des Globalbudgets für die "weitgehende Autonomie und auch eine stärkere Flexibilisierung" der Bundeswehr-Universitäten hervor.
Studienmodell
Das Studienmodell an den beiden Bundeswehruniversitäten ist auf einen Betrieb in Trimestern ausgelegt. Die Studenten studieren in einer Regelstudienzeit von 9 Trimestern zuzüglich eines Prüfungstrimesters und machen ihren Abschluss innerhalb von etwa 3 1/4 Jahren. Der Abschluss ist zivil anerkannt, da nach staatlichem, zivilen Hochschulrecht studiert wird und akademische Grade nach Hamburger bzw. bayerischem Hochschulrecht verliehen werden. Die Rechtsverhältnisse zwischen Studierenden und den Universitäten unterliegen damit zivilem Verwaltungsrecht. Die Hochschulen unterliegen dabei aufgrund der im Grundgesetz vorgenommenen Kompetenzverteilung bayerischem beziehungsweise hamburgischem Hochschulrecht.
Derzeit werden Modelle zur Einführung der internationalen Bachelor- und Master-Studiengänge erarbeitet.
Organisatorisch sind die Universitäten der Bundeswehr der Streitkräftebasis zugeordnet. Sie sind Teil der Streitkräfte.
Die beiden Universitäten sind klein und überschaubar, sehr gut ausgestattet und ganz im Sinne einer angloamerikanischen Campus-Universität aufgebaut. Wohnbereiche, Hörsäle, Labore sowie Sport- und Freizeiteinrichtungen befinden sich auf engstem Raum.
Entscheidend für gute Studienbedingungen ist jedoch das Kleingruppenprinzip ? jeder Professor und wissenschaftliche Mitarbeiter kennt seine Studenten persönlich und betreut diese.
Die Universitätsbibliotheken lassen auch externe Nutzer zu.
Voraussetzungen für die Zulassung zum Studium:
* Allgemeine Hochschulreife bzw. Fachhochschulreife (für Fachhochschulstudiengänge).
* Offizieranwärter müssen das Auswahlverfahren an der Offizierbewerberprüfzentrale (OPZ) in Köln erfolgreich absolvieren und dabei ihre charakterliche, intellektuelle und körperliche Eignung zum Offizier sowie die Studieneignung nachweisen. Vor Studienbeginn muß die allgemein-militärische Ausbildung erfolgreich absolviert werden. Die Regelverpflichtungszeit beträgt 12 Jahre.
* Weiterhin studieren ca. 50 ausländische Offiziere befreundeter Streitkräfte an der Universität der Bundeswehr München.
* Zivile Studenten werden seit 2001 an der Universität der Bundeswehr München in kleinem Umfang (derzeit gibt es circa 30 zivile Studenten) zugelassen, falls ein Partnerunternehmen die Kosten übernimmt und ausreichend Kapazität verfügbar ist.
* Daneben ist die Teilnahme an den Lehrveranstaltungen als Gasthörer möglich.
* Hamburger Studierende können unter Umständen auch Leistungen an der Helmut-Schmidt-Universität erbringen.
weitere Information und Beratung
Weitere Informationen zum Offizierberuf und zum Studium gibt es unter www.bundeswehr-karriere.de oder unter der Infoline 0180 - 29 29 29 00 (6 Ct. je Anruf aus dem Netz der T-Com).
Haushalt und Drittmittel der Universitäten
Bei der Anwerbung von Drittmitteln müssen die Universitäten mit den öffentlichen Universitäten konkurrieren. In Zeiten knapper Ressourcen prüfen die Auftraggeber um so gründlicher, an wen teure Forschungsaufträge vergeben werden sollen. Daran, wie viele Drittmittel eine Universität einwerben kann, wird aber zunehmend ihre Qualität gemessen.
So umfasste der Haushalt der Universität München 1998 rund 20,5 Millionen Euro, davon 8,9 Millionen Euro aus Drittmitteln.
Im Rahmen der Kooperation der Bundeswehruniversitäten mit der Wirtschaft kommen Drittmittel u.a. von folgenden Unternehmen: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), DaimlerChrysler, DLR, Siemens, MAN, Bosch, Deutsche Telekom, ThyssenKrupp, VDI und der Volkswagenstiftung.
Literatur
* Rainer Marr (Hrsg.), Kaderschmiede Bundeswehr? - Vom Offizier zum Manager: Karriereperspektiven von Absolventen der Universitäten der Bundeswehr in Wirtschaft und Verwaltung, Neubiberg 2001.
* Christiane Reuter-Boysen, Vorreiter für die Hochschulreform? Planung, Gründung und Entwicklung der Universität der Bundeswehr München, Baden-Baden 1995.
Weblinks
• Helmut-Schmidt-Universität Hamburg
• Universität der Bundeswehr München
• Karriereseite der Bundeswehr

