Bullenstander
Als Bullenstander (seltener auch Bulle) bezeichnet man beim Segeln eine Sicherungsleine, die das unbeabsichtigte und unkontrollierte plötzliche Umschlagen des Baums von einem Bug (Seite) auf den anderen, Patenthalse genannt, verhindern soll. Um die Herkunft des Begriffs rankt sich viel Seemannsgarn, seine tatsächliche Herkunft ist jedoch unbekannt.
Verwendung
Auf Segelyachten wird die Leine am Großbaum - meist an dessen Nock (Ende) - befestigt und auf dem Vorschiff belegt (= befestigt). Auf großen Segelschiffen wird in der Regel ein Flaschenzug (Talje; dann auch Bullentalje) benutzt. Eine Seite des Bullenstanders wird am Baum (Segeln) und die andere an einem Fixpunkt (z. B. eine stabile Reling, besser aber eine Klampe) an der Leeseite des Schiffes, vorlicher als der Baum, angeschlagen. Vor einem Manöver muss der Bullenstander gelöst werden. Um ihn schneller lösen zu können, wird die Leine zum Teil auf dem Vorschiff umgelenkt und zurück in die Plicht geführt.
Der Bullenstander wird auf Segelyachten bei Kursen_vor_dem_Wind und raumer_Wind verwendet. Auf großen Segelschiffen wird in der Regel außer bei am-Wind-Kursen generell ein Bullenstander angebracht.
Für und Wider
Das Gefahrenpotential bei einer Patenthalse für Mannschaft und Schiff ist nicht nur bei Starkwind beträchtlich. Immer wieder kommt es dabei zu schweren Verletzungen, wenn eine Person vom umschlagenden Baum getroffen wird, teils auch mit tödlichem Ausgang. Durch die hohen Belastungen kann es auch zu Schäden am Rigg des Schiffes kommen. Diese Gefahren kann ein Bullenstander verhindern, wie die Befürworter des Bullenstanders ausführen.
Einige Gegner des Bullenstanders auf kleineren Schiffen weisen hingegen darauf hin, dass der Bullenstander vor einem Segelmanöver gelöst werden muss ? unter Bullenstander ist ein Schiff daher nicht unmittelbar voll manövrierfähig. Zudem kann es auch eine Patenthalse unter Bullenstander zu einer starken Beanspruchung des Materials führen. Der Bullenstander kann in der Regel allerdings in relativ kurzer Zeit losgeworfen werden. Vor allem, wenn von der Besatzung jedoch ?vergessen? wird, den Bullenstander vor einem Manöver zu lösen, kann das Manöver misslingen, wodurch in kritischen Momenten (z. B. Mann_über_Bord) schwerwiegende Zeitverzögerungen entstehen.
Damit entsteht das Dilemma, das gerade bei ungeübten Besatzungen, bei denen das Risiko einer Patenthalse sowie ihrer Folgen für die Mannschaft am größten ist, der Einsatz eines Bullenstanders auch die größten Probleme verursachen kann. Überwiegend ? insbesondere auch in der Segelliteratur und von der Bundesstelle_für_Seeunfalluntersuchung_(BSU) ? wird der Einsatz eines Bullenstanders jedoch befürwortet, weil seine positiven Folgen die Risiken überwögen.

