Buddhismus in Österreich
Obwohl man die Geburtsstunde des Buddhismus in Österreich realistischerweise mit 1949 ansetzt, soll die Bedeutung wichtiger Vorläufer und Pioniere des Buddhismus in Österreich nicht unterschätzt werden.in Wien]]
In der Österreichisch-Ungarischen Monarchie
Allen voran ist Karl Eugen Neumann (1865 - 1915) zu nennen, der durch den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer und den Komponisten Richard Wagner auf den Buddhismus aufmerksam geworden war, wie viele seiner Intellektuellen Zeitgenossen. Neumann war im Mai 1884, also vor mehr als 120 Jahren Buddhist geworden und war von der Berührung mit dem Gedankengut der Buddha-Lehre so begeistert, dass er beschloss, sein Leben der Übersetzung der buddhistischen Originaltexte aus dem Pali-Kanon zu widmen. Es war eine Jahrhundertleistung, denn er konnte auf keine Vorarbeiten zurückgreifen. Der Pali-Kanon war damals selbst in die englische Sprache nur teilweise übersetzt.
Aus der Sicht der nachfolgenden europäischen Generation von Buddhisten kann Neumanns Werk durchaus als eine epochale Meisterleistung bezeichnet werden und wurde nicht nur von zeitgenössischen intellektuellen, wie Thomas Mann geschätzt und gewürdigt. Karl Eugen Neumann starb verhältnismäßig jung, 1915, an seinem 50.Geburtstag. Die letzten Jahre seines Lebens waren von Schicksalsschlägen und Verarmung gekennzeichnet. Er liegt auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben. Sein völlig verwahrlostes Grab wurde in den 50er Jahren von Mitgliedern der Buddhistischen Gemeinde Wien entdeckt und später zu einem Ehrengrab der Stadt Wien erklärt.
Unter den wenigen Buddhisten der Österreichisch-Ungarischen_Monarchie befand sich auch schon ein ordinierter Mönch. Der aus Graz stammende Arthur Fitz war 1913 in Ceylon als "Bhikkhu Sono" in die Sangha eingetreten. Er ist im Zuge des Ersten_Weltkriegs wieder in den Laienstand getreten und später in Java verstorben. Die 1911 in Österreich geborene spätere Nonne Gelongma Karma Kechog Palmo (Freda Bedi) war in den 50er Jahren eine der ersten westlichen Frauen im tibetischen Buddhismus und wurde 1966 von S.H. Karmapa zur Samaneri ordiniert. Sie hat das Karma Drubgyud Darje Ling Nonnenkloster für tibetische Frauen in Nordindien mit aufgebaut und starb 1977 in Sikkim. Heute gibt es eine wachsende Zahl von österreichischen Männern und Frauen, die größtenteils in Klöstern der buddhistischen Ursprungsländer eine langjährige Ausbildung zu vollordinierten Nonnen und Mönchen absolvieren. Genro Koudela Osho, der viele Jahre Präsident der ÖBR (Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft) war, ist ein Mönch und Priester der japanischen Rinzai-Zen Tradition.
1. Republik und Naziherrschaft
Öffentliche Vorlesungen von Lehrreden und Vorträge über Grundthemen des Buddhismus sind erste Ansätze zur Bekanntmachung des Buddhismus in Österreich in der Ersten_Republik. 1923 wurde durch Ing. Axel Grasel eine Buddhistische Gesellschaft in Wien gegründet. Auf dem 2. Internationalen Buddhistischen Kongress in Paris im Juni 1937 bezeichnete allerdings der Bregenzer Buddhist Hermann Lange die Möglichkeiten für eine buddhistische Arbeit in Österreich als wenig hoffnungsvoll.
Ab 1938 trat der Buddhismus bedingt durch das intolerante Klima des Dritten Reiches und durch die dadurch erzwungene Emigration einiger Buddhisten (die teilweise aus jüdischen Familien stammten bzw. Pazifisten waren) vorübergehend fast ganz in den Hintergrund. Nur der Theravada Kreis um Dr. Anton Kropac führte gelegentliche Treffen im privaten Kreis durch und wurde so nach Ende des 2. Weltkriegs eine Anlaufstelle für die wenigen Buddhismusinteressierten zu denen sich auch der deutsche Buddhist Helmut Klar gesellte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Mit der Gründung der "Buddhistischen Gesellschaft Wien" wurde 1949 eine langsame, aber stetige Entwicklung eingeleitet. 1955 übernahm Fritz Hungerleider, der die Emigrationszeit in China verbracht hatte, das Präsidentenamt von Dr. Oprchal und lenkte auf sehr maßgebliche Weise die Geschicke der kleinen Organisation in den nächsten zwei Jahrzehnten. Hungerleider war 1938 infolge des Anschlusses als "Halbjude" aus Österreich geflohen und in seinem Exil in Shanghai mit Buddhismus und orientalischer Philosophie in Kontakt gekommen. Durch seine regelmäßigen Vorträge waren in den späten Fünfzigerjahren viele Menschen zum ersten Mal in Kontakt mit der buddhistischen Lehre gekommen. Ab 1961, nach einem Japan-Aufenthalt begann Hungerleider auch Zen-Seminare zu leiten. Eine Serie von Radiosendungen mit Prof. Hungerleider, in der dieser mit großer Begeisterung Entstehung, Verbreitung, Wesenszüge und spezielle Aspekte und Themen im Zusammenhang mit der Buddha-Lehre erklärte, wurde in den 70er und 80er Jahren im Österreichischen_Rundfunk ausgestrahlt und gab so vielen Menschen in allen Teilen Österreichs die Gelegenheit den Buddhismus durch einen österreichischen Buddhisten verständlich gemacht zu bekommen.
Die Gründung einer Buddhistischen Buchhandlung in Wien entsprach dem steigenden Bedürfnis, buddhistische Originaltexte und Werke über Buddhismus lesen zu können. In diesem Zusammenhang wurde auch eine erste Adressenkartei von Buddhismus-Interessierten in Österreich und Süddeutschland aufgebaut, die für die ersten Kontakte von Suchenden von großer Bedeutung war.
Letztes Viertel des 20. Jahrhunderts
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1975 wurde ein altes Gebäude in Scheibbs angekauft und das "Buddhistische_Zentrum_Scheibbs" begründet. Damit war die Grundlage für eine völlig neue Buddhismus-Rezeption gelegt. 1975 markiert den Übergang von buddhistischen Diskussionszirkeln zu buddhistischen Praxisgemeinschaften. In diese Zeit (1976) fällt auch der Rückzug Fritz Hungerleiders aus dem Präsidium, dessen Leitung Ing. Heinrich Chowanetz übernimmt. Das noch unzureichend renovierte Zentrum in Scheibbs war 1976 Schauplatz des ersten Jahreskongresses der EBU (Europäischen_Buddhistischen_Union) nach ihrer Gründung in Paris 1975, bei der die österreichischen Buddhisten Franz Dolezel und Erich Skrleta beteiligt waren..
Mit der Schaffung eines Stadtzentrums am Dannebergplatz in Wien 1976 und der Gründung einer österreichischen Dachorganisation (Österreichische Buddhistische Union), sowie der ersten Bundesländerorganisation 1977 durch Friedrich Fenzl (Buddhistische Gemeinschaft Salzburg) reift auch die Idee, für den Buddhismus in Österreich die staatliche_Anerkennung als Religionsgemeinschaft zu erlangen. Dieser mit großen Hindernissen gepflasterte Weg sollte von Dezember 1974 fast 10 Jahre dauern, bis es im Februar 1983 endlich so weit war, dass der Buddhismus erstmals in einem europäischen Land anerkannt war. 1976 ist auch das Gründungsdatum der buddhistischen Zeitschrift "Bodhibaum", die in den fast 20 Jahren ihres Bestehens der Vernetzung und Diskussion unter Österreichs Buddhisten einen unschätzbaren Dienst geleistet hat.
Ab 1977 war der Wiener Arzt Dr. Walter Karwath Präsident der Buddhistischen Gemeinschaft und des Buddhistischen Zentrums Scheibbs. Er war es auch, der die Anerkennungsfrage konsequent verfolgte. Der Besuch zahlreicher namhafter asiatischer Lehrerpersönlichkeiten, allen voran S.H. Karmapa, Geshe Rabten, Hemaloka Thero u.a. prägte das nunmehr sehr lebendige Bild des Buddhismus in Österreich. Im August 1982 fand im BZ Scheibbs die 2. Europäische Shintagung unter Teilnahme des Patriarchen des Nishi Honganji, Lord Kosho Otani, statt, der schon durch seinen Besuch 1954 in Wien dem österreichischen Buddhismus einen wichtigen Impuls gegeben hatte.
Nach dem Tod von Dr. Walter Karwath (1986) wurde der erste österreichische Zen-Priester Genro Koudela Osho, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft. Ihm folgte 2001 der Wiener Arzt Dr. Peter Riedl, der auch Herausgeber der buddhistischen Zeitschrift "Ursache und Wirkung" ist, die im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet ist.
Genro Koudela, der in den USA Zen-Mönch geworden war und von seinem Lehrer Joshu_Sasaki_Roshi als Zen-Priester (Osho) eingesetzt wurde, war 1979 in seine Heimatstadt Wien zurückgekehrt. Mit ihm, mit der Gründung des Bodhidharma Zen-Ordens und der Schaffung des neuen Buddhistischen Zentrums am Fleischmarkt wurde wieder eine neue Ära des Buddhismus in Österreich eingeläutet.
Bis 1983 wurden 8 weitere buddhistische Gemeinschaften und Zentren in Österreich begründet und auch die staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft, die für die weitere Entwicklung und Verbreitung des Buddhismus in Österreich von größter Bedeutung war, wurde nach längerem Hin und Her mit dem Ministerium realisiert. Im Mai 1983 wurde die erste buddhistische TV-Sendung ?DIE LEHRE DES BUDDHA? vom ORF ausgestrahlt, bis zum heutigen Tag folgten weitere 100 Sendungen.
Ganz im Westen Österreichs, in Feldkirch (Vorarlberg) wurde gleichzeitig mit der gesetzlichen Anerkennung und der Errichtung der buddhistischen Friedenspagode am Donaukai durch japanische Mönche, ein Zentrum des tibetischen Buddhismus, der "Letzehof? in Feldkirch installiert, in dem regelmäßig einige tibetische und mongolische Mönche leben, studieren und den Dharma lehren.
Bis zum Beginn der 90er Jahre entstanden buddhistische Initiativen und Gruppen in allen Bundesländern. Kontakte zu den in Österreich lebenden asiatischen Buddhisten wurden intensiviert. Meditation und Kontemplation fanden zunehmend breiten Anklang. 1989 wurde das Haus der Stille in Dienten am Hochkönig (Berg) als gemeinsame Initiative des Zen-Mönchs Vanja Palmers und des Benediktiner-Mönchs Bruder David Steindl-Rast eröffnet. Es wird insbesondere von BuddhistInnen, aber auch von ChristInnen aus Westösterreich als Zentrum der Praxis und Besinnung genutzt. Mehrmals hat sich das Zentrum auch als ideale Begegnungsstätte für den Interreligiösen_Dialog angeboten.
Anfangs der Neunzigerjahre folgte ein Tempel und Meditationszentrum des burmesischen Theravada-Buddhismus in Kärnten und ein Zentrum des japanischen Buddhismus in Mödling, südlich von Wien. 1992 wird Österreich Soka Gakkai International in Wien begründet und 2001 als Gemeinschaft in die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft aufgenommen. 1995 wird in Wien die Hua Yen Schule in der koreanischen Chogye-Tradition begründet und unter der Patronanz S.H. des Dalai Lama in Graz das Buddhistische Zentrum She Drup Ling in Graz eröffnet.
1993 fand der Jahreskongreß der EBU (Europäischen_Buddhistischn_Union) auf Einladung der Buddhistischen Gemeinschaft Salzburg in Hallein bei Salzburg statt. Delegierte aus 10 europäischen Ländern nahmen an diesen Beratungen teil. Besonders die BuddhistInnen in Westösterreich erfuhren dadurch wichtige Anregungen und Impulse. Mit dem Schuljahr 1993/94 begann in_Österreich_der_Religionsunterricht für buddhistische Schüler, eine europaweit diskutierte Pioniertat. 1995 gab S.H. Dalai Lama in Anerkennung dieser Tatsache in Graz den Schülern, die den Buddhistischen Religionsunterricht in verschiedenen Städten Österreichs besuchten, eine persönliche Belehrung. 1993 hatte der Unterricht mit 3 Lehrern und ca. 25 Schülern begonnen, im Schuljahr 1999/2000 sollten es schon 130 Schüler sein, die von 8 LehrerInnen in 6 Bundesländern unterrichtet werden. Bis 2004 hatte sich die Anzahl der buddhistischen ReligionslehrerInnen verdoppelt und die Anzahl der Schüler ebenfalls. Mehrmals in diesen Jahren wurden an Höheren Schulen in Wien, Salzburg, Kärnten und Tirol von buddhistischen Schülern ausgezeichnete Leistungen bei mündlichen Reifeprüfungen im Fach Buddhistischer Religion geboten.
Am 12. Juni 1998 wurde im Grazer Volksgarten ein großer Stupa durch S.H. Dalai Lama eingeweiht und kurz darauf am Stadtrand von Graz das Zentrum und der Stupa der Grazer Karma Kagyü Gruppe. Nachdem nur Monate vorher das tibetisch-buddhistische Zentrum der Salzburger Karma Kagyü Gruppe in der Weizensteinerstraße eröffnet wurde, kam es am 11. November 1998 zur Eröffnung des Buddhistischen Zentrums Salzburg in der Lehenerstraße durch den EW Thich Minh Thanh (Abt der An Quang Pagode, Saigon-HCM) und die EW Su Cô Chân Không vom Tiep Hien Orden in Plum Village, die das Buddhistische Zentrum einweihten. Am gleichen Tag hielt der EW Lehrer Thich Nhat Hanh nach Veranstaltungen in Wien und Graz auch einen Vortrag mit hunderten Besuchern in Salzburg ab.
21. Jahrhundert
Mit etwa 10.000 Besuchen war die vom Dalai Lama geleitete Kalachakra-Zeremonie in Graz im Herbst 2002 sicherlich die bis dato größte buddhistische Veranstaltung in Österreich.
Neben einigen wenigen voll ordinierten Mönchen, die gebürtige Österreicher sind, wie der EW Jampa Lungtok, der Leiter des einzigen buddhistischen Klosters in Österreich, des "Letzehof", leben auch eine Reihe von Mönchen und Nonnen aus asiatischen Ländern (China, Japan, Korea, Sri Lanka, Thailand) in Österreich, um hier über kürzere oder längere Zeiträume die entsprechenden Gruppen und Zentren einer spezifischen buddhistischen Schultradition anzuleiten und zu unterstützen.
Hier ist insbesondere der Leiter des Dhamma Zentrums Nyanaponika, Bhante Seelawansa Mahathero zu nennen, der seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts in Wien tätig ist und den Theravada Buddhismus sri lankischer Prägung repräsentiert. Er ist auch der Leiter der Theravada Schule in Wien und Salzburg. Er war Initiator eines sehr gut besuchten viersemestrigen Buddhismus Lehrgangs an der Universität Wien von Herbst 2003 bis Frühsommer 2005. Weiters leben auch eine Reihe österreichischer Mönche, Nonnen und engagierte Laien in Klöstern und Meditationszentren Asiens.
2004 wurde Rangjung Yeshe Gomde in Scharnstein, Oberösterreich als ein internationales Zentrum für Praxis und Studium des tibetischen Buddhismus errichtet. Im Mai 2005 wurde nach mehrjähriger Planungs- und Bauzeit der Buddhistische Friedhof am Wiener_Zentralfriedhof eingeweiht. Im Oktober 2006 wurden die Leitungsgremien der ÖBR (Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft), das Präsidium und die Buddhistische Gemeinde Österreich, neu gewählt. Derzeitiger Präsident der ÖBR ist Gerhard Weißgrab.
Weblinks
* http://www.buddhismus-austria.at - Buddhismus in Österreich (mit weiterführen Weblinks)

