Buddhabildnis
Als Buddhabildnis werden porträthafte Darstellungen eines Buddha, meist des Religionsstifters des Buddhismus Siddharta Gautama, bezeichnet. Anikonische Darstellungen sind sehr früh, Bildnisse der Person selbst jedoch erst ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. belegt. Seitdem hat sich eine große Kunst- und Formenvielfalt entwickelt.
Geschichte des Buddhabildnisses
Der sehr frühe Buddhismus (etwa 6. Jahrhundert v. Chr.) verzichtete auf bildliche Darstellungen des Buddha. Stattdessen wurde die Person auch im Rahmen religiöser Kunst ausdrücklich nicht dargestellt (Anikonik), sondern beispielsweise als leerer Sitz, Dharma-Rad, Stupa oder Fußabdruck inmitten von Verehrenden oder Szenerie "umrahmt". Diese Darstellungsformen haben sich neben den bildhaften Darstellungen bis heute gehalten.
In der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. tauchen plötzlich zahlreiche Skulpturen des Buddha, parallel in zwei Kunstregionen, auf: in Gandhara, im heutigen Pakistan und in Mathura, südlich von Delhi (Indien). Dabei scheinen die ersten Bildnisse aus Mathura an die altindischen Bildtraditionen von Yaksas (Glück bringenden Genien) angeknüpft zu haben, während die Darstellungen aus Gandhara an griechische Statuen anknüpften, da die griechische Kunst seit den Eroberungen Alexanders_des_Großen auch kulturell starken Einfluss ausübte. In den ersten Darstellungen des Buddha steht oder geht dieser, erst später kommen sitzende, liegende und auch wandernde und weitere Bildnisse hinzu.
Bis heute umstritten bleibt, welche Richtung zuerst den Buddha dargestellt habe: westliche Kunsthistoriker vermuten häufiger Gandhara, indische häufiger Mathura. Auch über die Gründe für die Entstehung von Bildnissen nach jahrhundertelangen Verboten gibt es unterschiedlichste Theorien: Lag es an generellen Kunstentwicklungen in Indien, da doch auch der Hinduismus an Bildhaftigkeit gewann? Hatte sich eine neue Lehrauffassung durchgesetzt? Hatte die Verschriftung der buddhistischen Überlieferung neue Lern- und Meditationsformen hervorgebracht? Oder waren einfach zwei konkurrierende Orte auf eine bereits länger bestehende Nachfrage gestoßen?
Unmittelbar nach ihrer Entstehung breiteten sich, auch in wechselseitiger Beeinflussung, die zunächst wenigen Darstellungen des Buddha in schnell wachsender Zahl und regionaler Vielfalt aus und es entwickeln sich auch damit verbundene Kunst- und Lehrtraditionen und Überlieferungen, die bestimmte Darstellungsformen oder auch einzelne Skulpturen als besonders wahrhaftig ausgeben. Ein häufiger Topos ist, dass ein Künstler im Auftrag eines Königs den Buddha direkt geschaut und danach das Bildnis erschaffen habe, womit weltliche und religiöse Legitimation verschränkt werden.
Auch in Gebieten, in denen der Buddhismus schließlich anderen Religionen wieder weichen musste, blieben und bleiben Buddhabildnisse oft über Jahrhunderte geachtet, sind vereinzelt aber auch attackiert worden. Die Zerstörung der riesigen Buddhastatuen von Bamian durch die islamistischen Taliban löste daher weltweite Empörung aus und war nur gegen Widerstände der lokalen Hazara durchsetzbar.
Buddhabildnisse heute
Heute sind Darstellungen des Buddha nicht nur im religiösen Leben fast aller buddhistischen Schulen und Formen der Volksreligiosität fest integriert. Sie erfreuen sich darüber hinaus auch großer Beliebtheit etwa als Modeartikel für Wohnzimmer oder auch Gärten begüterter Menschen weltweit, die sich etwas spirituellen Chic zulegen und ihre Weltoffenheit zeigen wollen. Anikonische Symbole haben dagegen an Bedeutung verloren, wenn auch z. B. das Dharma-Rad in die Nationalflagge Indiens aufgenommen wurde. Wie auch im Christentum so ist im Buddhismus heute meist vergessen, dass Darstellungen des Religionsstifters (noch dazu zu Anbetungszwecken) anfänglich untersagt waren.
Literatur
* Monika Zin: Der Wandel des Buddha-Bildes im Buddha-Bildnis. Zu den Anfängen der Buddha-Darstellung, in: Schmidt-Leukel et al., Wer ist Buddha? Eine Gestalt und ihre Bedeutung, Diederichs, München 1998, ISBN 3-424-01418-4
Volker Zotz: Buddha. 6. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2001, ISBN 3499504774
Siehe auch
Buddha
Buddhismus
Ikonen
Ikonographie
Buddha-Statue (Thailand)
Portal_Buddhismus
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