I Ging
Das I Ging (, auch: I Jing, Yi Ching, Yi King), das ?Buch der Wandlungen? oder ?Klassiker der Wandlungen? ist der älteste der Zhou-Dynastie sah.
Das I Ging enthält die Kosmologie und Philosophie_des_alten_China.
Grundideen sind eine Ausgewogenheit der Gegenteile und ein Akzeptieren der Veränderung. Das Buch beschreibt die Welt in 64 Bildern, die aus durchgehenden oder unterbrochenen Linien bestehen (Hexagramme). In den westlichen Kulturen wird es vor allem als Weisheits- und Weissagungsbuch verstanden. Allenthalben wird es von jeher in China als Orakel befragt. Die ursprüngliche Herkunft der Orakel-Tradition hat schamanistische Wurzeln und beruht auf dem Deuten von Kerben und Linien in zerplatzten Schildkröten-Panzern, die beim Erhitzen derselben entstehen.
Zitate über das I Ging
Das I-Ging beeindruckte auch viele Schriftsteller und Philosophen aus Europa:
:?Das I-Ging ist das älteste philosophische Buch der Menschheit, Es entstand dadurch, dass ein uraltes Orakelbuch ethisch erläutert wurde, Aus primitiven Strichzeichen machte man seelische Bewegungen: es galt, die Keime des Geschehens zu erfassen, Kennt man die Keime, ist alles Weitere beeinflussbar. Man baute eine ganze Psychologie hinein in diese Zeilen mit dem ursprünglich einfachen Gegensatze von fest und weich.?
:(Rudolf von Delius: Das ewige China)
:?Es gibt Bücher, die man nicht lesen kann, Bücher des Heiligen und der Weisheit, in deren Begleitung und Atmosphäre man jahrelang leben kann, ohne sie je so zu lesen wie man andere Bücher liest. Teile der Bibel gehören zu diesen Büchern, und das Tao-te-king. Aus diesen Büchern genügt ein Satz, um sich für lange zu füllen, für lange zu beschäftigen, für lange zu durchdringen. Diese Bücher hat man leicht erreichbar liegen, oder trägt sie in der Tasche mit, wenn man in den Wald geht, und liest niemals halbe oder ganze Stunden darin, sondern nimmt nur jedesmal einen Spruch, eine Zeile heraus, um darüber zu meditieren, um neben all dem Kram des Tages, auch dem der übrigen Lektüre, immer wieder den Maßstab des Großen und Heiligen aufzurichten.?
:(Hermann Hesse: Mein Umgang mit dem I Ging)
:?Das I-Ging ist der archimedische Punkt aus dem sich das 4-dimensionale Raum-Zeit-Kontinuum aus den Angeln hebt.?
:(Jean Gebser (1905-1973): Ursprung und Gegenwart, DVA 1949)
Der philosophische Hintergrund
Die Veränderung der Welt
Im Verständnis der Schöpfer des I Ging ist die Welt ein nach bestimmten Gesetzen ablaufendes Ganzes, dessen Formen aus der permanenten Wandlung der beiden polaren Urkräfte entstehen. Die Grundprinzipien sind das Schöpferische (Bild Nr. 1, = Himmel, Licht, Festes, yang ,...) und das Empfangende (Bild Nr. 2, = Erde, Dunkel, Weiches, yin ,...). Alle Weltsituationen bestehen aus einer je spezifischen Yin-Yang-Mischung. Das Schöpferische ist immer stark, ohne Mühe, und zeigt daher das Leichte, das Empfangende ist immer nachgiebig und zeigt daher das Einfache. Ihr Zusammenwirken ist das eigentliche Geheimnis der Wandlungen und ihre Ursache. Yin und Yang (?Tai Chi?) haben ihrerseits ihren Ursprung im Dao (?Wu Chi?), dem ?Weg?, dem Wandel oder der Form, nach der sich die Dinge bewegen.
Die 64 Bilder oder Zeichen (Hexagramme) sind Abbilder von göttlichen Ideen, von in den Dingen erscheinenden Grund-Konstellationen der lichten, himmlischen Kraft yang und der dunklen, irdischen Kraft yin. Die Zeichen haben in ihrer Liniengestalt aber auch unmittelbar Anteil an der nicht sichtbaren Welt göttlicher Gesetze bzw. Zahlensysteme, sind Erscheinungsformen göttlicher Wesenheiten und daher nicht nur Symbole.
Die Orientierung in der Welt
Der Überlieferung nach sind die 64 Bilder des I Ging von den Weisen des Altertums durch Beobachtung der Erscheinungsformen geschaffen worden und sollen ?alle möglichen Zustände auf Erden? ausschöpfen. Wer daher das I Ging kenne, kenne das Wirken der Götter ? und könne sich mit ihrem Wirken verbünden.
Die Veränderungen der Welt gelten als beeinflussbar und nicht nur als Schicksal. Veränderungen sind Chancen, Möglichkeiten und auch Gefahren des Handelns ? das I Ging ist daher nicht nur ein Orakel-, sondern auch ein ?Lernbuch? für die Wissenden, Kompendium der Klugheit.
Weder geht es um das Den-Veränderungen-hinterher-Laufen noch um das Gegen-die-Veränderungen-Ankämpfen. Das Ziel ist vielmehr, dass sich die ?Edlen? am Wandel orientieren und sich in ihm erhalten, dass sie überdauern in den wechselnden Konstellationen und im Wandel ihrer selbst. Immer ist das zu tun, was der Zeit am besten entspricht: es gilt, mit der Zeit zu gehen, auf seine Zeit zu warten, usw. ?Zeit? ist der Wandel der objektiven oder gesellschaftlichen Konstellation der Kräfte hin zu günstigeren Möglichkeiten. Das Mittel dazu ist das Philosophieren über die Bilder und Urteile sowie die Berechnung der Zukunft mit dem Orakel (vgl. die Methoden_der_Weissagung hier in diesem Artikel).
An vielen Stellen des I Ging werden folgende Warnungen bzw. Konstanten wiederholt:
* Immer ist das Bewusstsein der Gefahr nötig, um sich auf den Wandel innerlich und äußerlich vorzubereiten.
* Stets gilt es, dem Wandel der Zeit auf der Spur zu bleiben, sich zu bewegen, sich bewusst zu verändern.
* Hierin ist eine Position der Mitte wichtig, ein Maßhalten, eine dauerhafte Haltung, die nicht auf Extreme wettet.
* Ohne Beharrlichkeit (Festhalten an den Zielen des Guten und Wahren) ist kein Weg, der Wandel beeinflusst vor allem das Wie und weniger das Was.
* Keine Zielannäherung ohne den dauernden Versuch der Selbsterkenntnis und Selbstprüfung.
* Die Gemeinen (das einfache Volk) sind und bleiben eine Gefahr für das Wahre und Gute.
Daoismus oder Konfuzianismus?
Taoistische bzw. daoistische Vorstellungen sind zentral im I Ging und der dialektische bzw. dualistische Charakter (vgl. Dualismus) des Daoismus wird durch die beiden Teile der Hexagramme ausgezeichnet dargestellt. Nach Richard Wilhelm, dessen Übersetzung des I Ging von 1923 auch heute noch am verbreitetsten ist, ist der Daoismus zwar die Grundlage des ganzen Buches, aber er wurde erst später detailliert ausgearbeitet und beschrieben.
Eine alternative Sichtweise versteht das I Ging als ein rein konfuzianisches Werk.
Diese Auffassung wird folgendermaßen begründet:
* Die Anfänge werden Konfuzius zugeschrieben.
* Im alten China war das I Ging ein vorgeschriebener Studientext, und nur konfuzianische Texte waren verbindlich.
* Es ist einer der konfuzianistischen Klassiker.
* Es ist in keinem der alten Manuskripte des Dào-dé-j?ng enthalten.
* Die wichtigsten Kommentare wurden von Konfuzianern geschrieben.
Jedoch ist zu bedenken, dass Konfuzius selbst öfters vom ?Dao des Menschen? spricht und damit lediglich einen anderen Bereich thematisiert als die Daoisten, die sich eher mit dem ?Dao des Himmels? befassen, damit aber ebenso mit dem Dao. Außerdem ist die Yin-Yang-Dialektik im Konfuzianismus ebenso grundbedeutend.
Die 64 Hexagramme
Zur Geschichte
Die chinesische Mythologie nimmt an, dass die Prinzipien des I Ging auf einen der ersten legendären Herrscher, Fu Xi (?? Fú X?, nicht historisch 2852 v. Chr.?2738 v. Chr.) zurückgehen; dieser habe die Trigramme entdeckt.
Vor der Zhou-Dynastie gab es andere Literatur zum Thema ?Wechsel?, z. B. Lián_Sh?n_Yì () und G?i_Cáng_Yì (), deren Philosophie die Zhou-Dynastie prägte.
Ein Verfeinerungsprozess habe dann das I Ging in der Han-Dynastie (ca. 200 v. Chr., etwa zur Zeit des Hàn_W?_Dì () produziert.
Erhalten sind viele Orakelknochen aus dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend, auf welchen in Form von ?Frage, Antwort und realen Ausgang der Frage? Befragungen dokumentiert sind. Der ?Text? des I Ging war damals jedoch offensichtlich noch nicht vorhanden, sondern das Orakel scheint aufgrund der Intuition des Fragenden und wahrscheinlich auch überlieferten Regeln bestimmt worden zu sein. Es kann also von einer ursprünglich mündlichen Tradierung des Textes ausgegangen werden.
Der ?Text? des I Ging ist dann vermutlich erst im sechsten oder siebenten vorchristlichen Jahrhundert entstanden, die früheste heute noch existierende Abschrift datiert von ungefähr 200 v. Chr. und stimmt mit dem heutigen Text erstaunlich stark überein.
Das Verdienst, das I Ging ?in den Westen gebracht? zu haben, kommt vor allem dem deutschen Sinologen Richard Wilhelm zu, dessen immens einflussreiche Übersetzung, die er mit Hilfe eines chinesischen Meisters dieser Kunst 1924 vollendete, bis heute unerreicht ist.
Linien und ihre Bedeutungen
Der Symbolismus des I Ging wird durch 64 verschiedene Linienzusammenstellungen, Hexagramme (guà) genannt, dargestellt.
Ein Hexagramm besteht aus sechs waagerechten Linien (yáo);
jede Linie ist entweder ungebrochen (hart, durchgehend) oder gebrochen (weich, in der Mitte unterbrochen). Aus diesen sechs Linien lassen sich 26, d. h. 64 Hexagrammkombinationen bilden.
Die Zeichen werden aus 2 × 3 Strichen, also aus zwei ?Trigrammen? gebildet. Die durchgehenden Linien gelten als die festen, lichten, höherwertigen, die unterbrochenen Linien gelten als die weichen, dunklen, geringeren. Die Striche haben nach ihren Plätzen von unten nach oben unterschiedlichen Rang und Bedeutung. Die betonten Striche des unteren Halbzeichens treten in das Zeichen ein, sind ?kommend?, die betonten Striche im oberen Halbzeichen sind ?gehend?. Die unterste und die oberste Linie eines Zeichens stehen immer in Verbindung zu anderen Zeichen/ Zuständen und gehören nicht zu den Kernzeichen.
Die 64 Bilder oder Grundzeichen beschreiben Kräfte (1 + 2), Situationen oder Aufgaben (3 + 5 + 6 + 10 ...), Familie (31 + 37 + 54), persönliche Eigenschaften oder Fähigkeiten (4 + 8 + 9 + 14...), konkrete Tätigkeiten (Wanderer, 56), politische Phasen (11 + 12 + 18 + 21...) ? meist enthalten sie abstrakte Begriffe mit mehreren Deutungsmöglichkeiten. Ein Beispiel aus dem Bild Nr. 1, ?Das Schöpferische?: Das Schöpferische wirkt erhabenes Gelingen, fördernd durch Beharrlichkeit. Des Himmels Bewegung ist kraftvoll. So macht der Edle sich stark und unermüdlich. Ohne Erläuterungen sind solche Epigramme offenbar rätselhaft und wenig verständlich. Daher entstand im Laufe der Jahrhunderte eine Reihe von Kommentaren, die diese Epigramme erläuterten.
Alle 64 Bilder können jeweils 6 Zusatzhinweise haben je nachdem, ob bei der Ermittlung des Zeichens (vgl. die Methoden der Weissagung hier in diesem Artikel) eine Linie als ?stark? bzw. ?aktiv? oder nur als ?schwach? identifiziert wurde. Die 64 Bilder beschreiben also schon 384 Situationen oder geben entsprechende Verhaltensratschläge.
Da jedes der 64 Zeichen durch Wandel einer oder mehrerer Linien in alle anderen übergehen kann, gibt es 64 × 64 = 4096 verschiedene implizite Übergänge oder Möglichkeiten des Umschlagens einer Situation. Die beim Erheben der Zahlenwerte notwendigen umfangreichen Rechenoperationen wurden daher Ursache einer sich auf dem I-Ging aufbauenden Zahlenmystik.
Die Teile der Hexagramme
, das Symbol für ?individuelles? Yin und Yang.]]
Historisch ist das I Ging viel älter als die Y?n-Yáng-Lehre, folgende Zuordnungen sind jedoch mit der Zeit üblich geworden:
Die durchgezogene Linie steht für das yáng: Ausdehnung, maskuliner Aspekt, Licht, Leben, ungerade Zahlen, Durchdringung, Berge; in Indien der Lingam.
Symbol ist der Drache.
Die unterbrochene Linie steht für das y?n: Zusammenziehung, femininer Aspekt, Dunkelheit, Nacht, Tod, gerade Zahlen, Widerstand, Wasserläufe; in Indien Yoni.
Symbol ist der Tiger.
Man findet beide auch im Symbol tàijítú dargestellt (traditionell, im Westen auch Yin-Yang-Symbol genannt); dahinter verbirgt sich ein zyklisches Weltbild mit einem komplementären Kräfteverhältnis.
Um die Darstellung der Hexagramme zu vereinfachen, werden im Folgenden durchgezogene Linien als '|' und unterbrochene als '¦' dargestellt.
Normalerweise werden sie von unten nach oben dargestellt; hier sind sie von links nach rechts angeordnet.
Durch eine Drehung der hier gewählten Darstellung um 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn (Kopf nach rechts neigen) erreicht man die übliche Darstellung.
Die vier Xià (sì xià)
Aus zwei Linien lassen sich vier verschiedene ?Bilder? (Xià) zusammensetzen:
* || altes Yang
* |¦ junges Yang
* ¦¦ altes Yin
* ¦| junges Yin
Die Wandlung erfolgt dabei in einem ewigen Kreislauf:
Vom alten Yang zum jungen Yin, zum alten Yin, zum jungen Yang, zum alten Yang:
|| -> ¦| -> ¦¦ -> |¦ -> || -> ...
Die acht Guà (b? guà)
Durch Hinzufügen jeweils eines Yáng oder Y?n entstehen aus den vier Xià acht Trigramme (Guà).
Diese geben allerdings nur ein statisches Bild. Erst die Erweiterung zu den 64 Hexagrammen erlaubt es, ein dynamisches Geschehen darzustellen, da hier die Trigramme in Wechselwirkung zueinander stehen.
]]
Die Hexagramme werden also jeweils aus zwei Trigrammen (guà) zusammengesetzt aufgefasst. Die acht Trigramme (b? guà) sind:
# /'>|| Kraft (qián) = Himmel (ti?n)
# ¦¦¦ Feld (k?n) = Erde (dì)
# |¦¦ Erschütterung (zhèn) = Donner (léi)
# ¦|¦ Schlucht (k?n) = Wasser (sh?i)
# ¦¦| Bund (gèn) = Berg (sh?n)
# ¦|| Boden (xùn) = Wind (f?ng)
# |¦| Strahlung (lí) = Feuer (h?o)
# ||¦ Offen (dùi) = Sumpf (zé)
Das erste oder untere Trigramm wird als der innere Aspekt der ablaufenden Veränderung angesehen; das zweite oder obere Trigramm heißt der äußere Aspekt.
Der beschriebene Wechsel verbindet somit den inneren Aspekt (Person) mit der äußeren Situation.
Gelesen werden die Hexagramme von unten nach oben, wobei jeweils die sog. Ränge 1?4, 2?5, 3?6 der beiden Trigramme in Verbindung gesehen werden müssen.
Die einzelnen Hexagramme
Der Text des I Ging beschreibt jedes der Das Buch der Wandlungen, in der Übersetzung von Richard Wilhelm mit der Möglichkeit sich online ein Orakel zu erstellen
• Vollständiger deutscher Text des I Ging in der Übersetzung von Richard Wilhelm (1924) mit Münz-Wurftabelle im Gutenberg-Projekt
• Vorwort von Carl Gustav Jung für die englischsprachige Ausgabe des I Ging von Richard Wilhelm
• Bo Mou: Becoming-Being Complementarity: An Account of the Yin-Yang Metaphysical Vision of the Yijing (englisch)
Siehe auch
Daoismus
Dao
Laozi
zh-classical:??
zh-yue:??

