Bruno Bergner
Bruno Bergner (5. Dezember 1923 in Lodz/ Polen; ? 2. Juni 1995 in Hamburg) war freiberuflicher Gebrauchsgraphiker, Zeichner und Maler.Aufgewachsen in der Webereistadt Lodz (siehe auch Geschichte_der_Stadt_Lodz:_Aufstieg_zum_Manchester_Polens) kam Bruno Bergner 1940 zum Arbeitsdienst. Die anschließende Wehrmachtszeit brachte ihn auf den Balkan, in die Normandie, ins Lazarett (wo er seine spätere Ehefrau kennenlernte) und nach Österreich. Von hier kam er im April 1945 in russische Kriegsgefangenschaft nach Dnipropetrowsk, aus der er erst 1949 entlassen wurde.
Im Lager erfuhr er seine erste künstlerische Ausbildung im Zeichnen und Malen bei einem Lagerkameraden, erste "öffentliche Werke" waren Illustrationen auf der Kriegsgefangenenpost an Mutter und Bruder. Beide fand er 1949 in Armstorf/ Langes Moor wieder, dessen neblige Stimmung etliche seiner späteren Aquarelle beeinflussen sollte. Von hier fanden auch Ausflüge nach Worpswede und in das Teufelsmoor statt. Künstlerische Auftragsarbeiten in Öl und Gouache gaben ersten Lohn und Brot, hinzu kamen Übungen in Rötel und Pastellkreide.
Der Umzug nach Hamburg mit anschließender Heirat Anfang der 1950er Jahre brachte ihn in das Atelier des Illustrators Carl_Busse, der damals unter anderem für die NITAG AG arbeitete. Hier lernte er seinen Beruf als Graphiker und brachte sich in der Folgezeit alle weiteren Techniken als Autodidakt bei. Er arbeitete am Nachschlagewerk_OMNIBUS sowie für die NITAG mit und lernte dabei den Werbeleiter der NITAG und später der Gasolin, Heinz Restorff, kennen. Er machte sich 1956 mit dem eigenen Atelier selbstständig und wurde Mitglied im Bund der Deutschen Gebrauchsgraphiker (BDG), dem heutigen Bund Deutscher Grafik-Designer. In den 1960er Jahren war Bruno Bergner Mitbegründer der grafik design studios (gds), einer Gemeinschaft freier Ateliers zur besseren und umfassenderen Ausbildung ihrer Grafiker-Schüler, sowie Mitglied des International Center for the Typographic Arts (ICTA).
Neben Arbeiten u. a. für Tesa in Airbrush malte und zeichnete er ab 1956 bis zur Übernahme durch die Aral 1971 als freiberuflicher Gebrauchsgraphiker in verschiedenen Techniken alle die bekannten Gasolin-Illustrationen z. B. in den 8 verschiedenen Gasolin-Tips, das Fahrermännchen mit seinem Slogan "Mein Benzin - Gasolin" ebenso wie viele großformatige Werbeanzeigen in Tusche mit seiner Blaufeder (Spitzfeder). In dieser Zeit entstanden viele freie künstlerische Arbeiten in Öl (was er Anfang der 1960er Jahre wieder aufgab), Aquarell, Gouache, Tusche und Airbrush. Seit dieser Zeit wird er auch in Kürschners_Graphiker-Handbuch geführt. Bruno Bergner wurde inspiriert durch Arbeiten u. a. von Norman_Rockwell und durch Cartoons in The_New_Yorker.
Anfang der Siebziger Jahre erreichte Bergner der Ruf der neuzugründenden Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt, den Lehrstuhl für Gestaltung aufzubauen. Da er ihn nicht annahm, brachten in den Siebziger Jahren Arbeiten u. a. für Texaco, BP, Beiersdorf und Rotring den Unterhalt für die Familie. In vielen Landschafts- und Maritimen Bildern (siehe auch Aquarell "Pamir" im Artikel Pamir) verfeinerte und vervollkommnete er seine Aquarell-Technik (hauptsächlich Nass-in-Nass-Technik), daneben entstanden Werke in Tusche, Kreide und Zeichenkohle. Die unterschiedlichsten Lichteindrücke, die ihm im Laufe seines Lebens begegneten, vom Balkan, dem Teufelsmoor, Lüneburger Heide, der See bei Sylt bis hin zum täglichen Erleben im Hamburger Hafen, fing Bruno Bergner in seinen Aquarellen ein.
In den 1980ern wurde die Bauer Verlagsgruppe, damals noch Heinrich Bauer Verlag, der größte Kunde. Neben der Airbrush wurde der Fehhaar-Pinsel das bestimmende Arbeitswerkzeug, ob nun mit Aquarell oder farbigen Tuschen. Getreu seinem Motto Beruf kommt von Berufung war Bruno Bergner bis kurz vor seinem Tod 1995 noch täglich im Atelier zu finden, um seine Gedanken mit Farben auf Papier zu bringen. Viele der späteren Werke liegen heute noch in seinem Nachlass.
Das künstlerische Werk wird durch den jüngeren der beiden Söhne, Klaus Bergner, in Hamburg fortgeführt.
Literatur
Charlotte Fergg-Frowein (Hrsg.): Kürschners Graphiker-Handbuch. Deutschland, Österreich, Schweiz. Graphiker, Illustratoren, Karikaturisten, Gebrauchsgraphiker, Typographen, Buchgestalter.
de Gruyter, Berlin 1967 (2., erweiterte Aufl.), ISBN 3-1100-0937-4
Weblinks
• Lebenslauf und ausgesuchte Werke von Bruno Bergner

