Communauté de Taizé
Die Communauté de Taizé (Gemeinschaft von Taizé) ist ein internationaler ökumenischer Männerorden in Taizé in der Nähe von Cluny, Saône-et-Loire, Frankreich. Bekannt ist sie vor allem durch die in Taizé und verschiedenen_Orten ausgerichteten ökumenischen Jugendtreffen, zu denen allein nach Taizé jährlich etwa 200.000 Besucher aller Nationalitäten und Konfessionen kommen. Der Gründer und lebenslange Prior der Gemeinschaft Roger_Schutz trug maßgeblich zu der heutigen Popularität bei, die sich ungebrochen fortsetzt.Geschichte
Bei seiner Ankunft 1940 in Taizé kaufte Roger Schutz zunächst ein Haus, in dem er Kriegsflüchtlinge aufnahm. 1942 floh er vor der Gestapo, kehrte jedoch nach der Befreiung 1944 wieder nach Taizé zurück. In der Zwischenzeit hatten sich ihm die ersten Brüder angeschlossen, die gemeinsam eine zunächst evangelische, später ökumenisch ausgerichtete Communauté (Gemeinschaft) gründeten. In den Jahren nach dem Zweiten_Weltkrieg besuchten die Brüder oft Kriegsgefangene eines nahen Gefangenenlagers und konnten mit der Zeit auch das Vertrauen der Wachen soweit gewinnen, dass sie Gefangene zum sonntäglichen Gottesdienst einladen durften. 1949 beschlossen die Brüder, deren Zahl weiter angewachsen war, sich endgültig dem gemeinsamen einfachen Leben in Ehelosigkeit zu verschreiben.
Am Ostersonntag, dem 17. April 1949 legten die ersten sieben Brüder, Roger_Schutz, Max Thurian, Pierre Souvairan, Daniel de Montmollin, Robert Giscard, Axel Lochen und Albert Lacour ihr Gelübde ab. Die Zahl ist auf heute etwa 100 Brüder angewachsen, von denen etwa 1/3 in Elendsvierteln auf der ganzen Welt lebt.
Anfangs kamen viele Theologen nach Taizé, um dieses Experiment einer evangelischen Ordensgemeinschaft kennenzulernen. Später hielten verschiedene andere Ordensgemeinschaften in Taizé Versammlungen und Retraiten ab. In den 60er_Jahren folgten zunehmend auch Jugendliche der Einladung, den Orden zu besuchen. Sie konnten sich dort, unter Anleitung von Brüdern und Schwestern eines der Communauté nahestehenden katholischen Ordens, in multinationalen Gruppen mit biblischen oder spirituellen Themen beschäftigen. Sie erhielten einfache Unterkünfte und Verpflegung gegen ein geringes Entgelt, wurden jedoch auch zu Arbeiten eingeteilt.
Durch die stetig wachsende Anzahl an Besuchern war die romanische Dorfkirche häufig überlastet, so dass 1961 am Rande des Dorfes der Bau der Versöhnungskirche begann. Der Bau wurde unterstützt durch einen Bauorden und deutsche Freiwillige der Aktion_Sühnezeichen. Seither kamen immer mehr Jugendliche nach Taizé und 1966 fand das erste Jugendtreffen mit 1400 Teilnehmern aus 30 Ländern statt.
1970 kündigte Fr. Roger ein Konzil der Jugend an, dessen Hauptversammlung 1974 stattfand. Das Konzil wurde 1979 vorläufig ausgesetzt und ging in einen "Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde" über.
Für seinen Einsatz beim Aufbau Europas und für den Frieden erhielt Frère Roger 1974 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 1988 den UNESCO-Preis für Friedenserziehung und 1989 den Internationalen_Karlspreis_der_Stadt_Aachen. 2003 wurde der Communauté der Dignitas Humana Award verliehen.
Am 16. August 2005 wurde der Prior der Gemeinschaft während des Abendgebetes in Taizé von einer wahrscheinlich psychisch kranken Rumänin mit einem Messer so schwer verletzt, dass er wenig später im Kreis einiger Brüder seinen Verletzungen erlag. Der gebürtige Stuttgarter Frère Alois, der während der Tat auf dem Weltjugendtag in Köln war, reiste sofort nach Taizé zurück. Bereits am Tag nach Frère Rogers Tod übernahm er die Aufgaben des Priors.
Auszeichnungen
• für Friedenserziehung] 1988
• Humana Award] 2003
• Freedoms Award] 2006
:"Das Kuratorium ist der Überzeugung, dass die Communauté de Taizé ein Engagement für Freiheit der Religion und des Gewissens vorlebt, wie es Präsident Roosevelt als eine Voraussetzung für eine bessere Welt bezeichnet hatte."
*siehe auch unter Frère Roger
Die Ziele der Gemeinschaft
Pilgerweg des Vertrauens
Zu den Zielen der Communauté gehört es, mit jungen Erwachsenen (und für die Jugendarbeit Verantwortlichen) quer durch die Ortskirchen einen "Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde" zu gehen, der sich der Bergpredigt des Jesus von Nazaret in besonderer Weise verpflichtet weiß. Dabei werden gemeinsames Beten, Nachdenken über praktische Umsetzungsmöglichkeiten der Bergpredigt bis hin zu politischem Engagement auf unkomplizierte Weise miteinander verbunden.
Dieser Weg hat nicht die Gestalt einer fest organisierten Bewegung; vielmehr werden Jugendliche dazu aufgerufen, sich in ihrem Alltag für Frieden, Versöhnung in der Kirche und Vertrauen auf der Erde zu engagieren. Als Etappe auf diesem Pilgerweg werden seit 1978 zum Jahreswechsel mehrtägige Europäische_Jugendtreffen mit bis zu hunderttausend Jugendlichen vorbereitet. Seit den 1980er Jahren finden in unregelmäßigen Abständen Treffen auf anderen Kontinenten statt. 2006 fand in Kalkutta ein Treffen außerhalb Europas statt, das den Anfang für weitere Begegnungen in Afrika und Südamerika bilden soll.
Jugendtreffen in Taizé
Gleichzeitig treffen sich Woche für Woche mehrere Tausend, in den Sommermonaten und an Ostern teilweise bis 6000 Jugendliche in Taizé, um dort an den internationalen Jugendtreffen teilzunehmen. Der Gedanke dieser Treffen ist auch wieder in die Herkunftsländer der Besucher zurückgeflossen. Jeder Teilnehmer der Treffen ist eingeladen, im christlichen Glauben einen Sinn für das eigene Leben zu finden und sich darauf vorzubereiten, zu Hause Verantwortung zu übernehmen. Heute finden sich zahlreiche provisorische Gruppen, die auch außerhalb von Taizé in ähnlichem Stil Andachten und Gottesdienste feiern, beispielsweise in Form einer Nacht_der_Lichter. Frère Roger tat sein Übriges dazu, indem er jedes Jahr Denk-Schreiben ("Brief aus Taizé") verfasste und in die ganze Welt hinaus verschickte.
Aufenthalt in Taizé
Grundsätzlich ist ein Aufenthalt in Taizé an wenige feste Regeln gebunden. Es existieren Essenszeiten und gemeinsame Gebete, außerdem wird ein wöchentlicher Turnus eingehalten, der auf die Ankunft am Sonntag Nachmittag und Abreise am darauf folgenden Sonntag Mittag ausgelegt ist und von den meisten Besuchern eingehalten wird. Anmelden sollte man sich mindestens zwei Wochen vor dem Aufenthalt.Nach der Ankunft werden Besucher, wenn möglich in ihrer Muttersprache, begrüßt und bekommen einen kurzen Überblick über die Anlagen und Tagesabläufe in Taizé. Die Unterbringung erfolgt für Jugendliche zwischen 17 und 29 Jahren in Baracken oder Großraumzelten, das Mitbringen von eigenen Zelten oder Wohnwagen ist ebenfalls möglich und besonders in der Hauptsaison sinnvoll.
Für Unterbringung und Verpflegung wird ein Kostenbeitrag zwischen 5,50 ? und 7,50 ? pro Person (Jugendliche) und Tag entrichtet. Dieser Betrag ist variabel, um finanziell Schwächeren einen verbilligten Aufenthalt zu ermöglichen und nach oben offen.
Erwachsene ab 30 Jahren haben eine gesonderte Unterbringung und ein eigenes Programm, Familien mit Kindern treffen sich im 600 m entfernten Olinda in Ameugny, wo auch eine Betreuung für Kleinkinder angeboten wird. Die Teilnehmerzahl ist allerdings, aufgrund der starken Überlastung des Ortes, seit 2006 auf bestimmte Kalenderwochen und während dieser Wochen auf 100 Familien pro Woche beschränkt. Die Familien werden weiterhin gebeten, nicht öfter als einmal in zwei Jahren zu kommen.
Aktivitäten
Für die Zeiträume zwischen den Gottesdiensten und Mahlzeiten ist es möglich, sich für eines von drei Themengebieten, die sich meist mit Bibeltexten oder Auszügen aus dem Brief aus Taizé befassen, zu entscheiden. Diese werden dann täglich vormittags im Rahmen der Bibeleinführung von einem Bruder vorgestellt und anschließend in multinationalen und oft auch multilingualen Kleingruppen besprochen. Nachmittags werden die Gesprächsgruppen fortgesetzt oder während der Zeit eine allgemeinnützige Arbeit verrichtet.
Diese Arbeiten werden ebenfalls zu Beginn der Woche verteilt und beinhalten Aufgaben, die im laufenden Betrieb anfallen, beispielsweise Kochen, Abwaschen, Putzen und Aufräumen des großen Geländes. Darüber hinaus werden aber auch Nachtwächter (Nightwelcome), die für die Nachtruhe sorgen, Helfer für die Gottesdienste, Betreuer für die Kinder in Olinda, Verkäufer für das Oyak, Helfer für die Taizé eigene Werkstatt genannt Cadole, Helfer für die Ordnung auf dem Gelände, Helfer für den Auf- und Abbau der Großraumzelte und geübte Sänger für den Chor während der Gottesdienste aus den Reihen der Besucher eingeteilt.
Vor dem Abendessen besteht die Möglichkeit, an einem Workshop oder einer Diskussion mit täglich wechselnden Themen teilzunehmen.
Gebet vor dem Kreuz und Osterlicht
Freitagabends liegt in der Mitte der Kirche die Kreuzikone. Dort beten die Brüder nach dem Abendgebet noch einige Minuten. Dann ist jeder eingeladen, zum Kreuz zu kommen und die Stirn auf das Holz zu legen. Die Geste will sagen, dass man dem Gekreuzigten alle Lasten, eigene wie fremde, übergeben kann. Während dieses Gebet die Karfreitagsliturgie aufgreift, wird am Samstagabend im Lichtergebet die Auferstehung Jesu Christi, Ostern, gefeiert. Während des Gottesdienstes wird in der Mitte ein Licht entzündet, welches immer weiter gegeben wird. Dieses Bild kann als direkte Metapher des Gedankens von Taizé gesehen werden, dem Geben und Empfangen. Jeder gibt in Taizé, indem er mithilft, seine Gedanken mitteilt und in der Kirche singt, und empfängt, indem er spirituelle Geborgenheit, Glauben in Gott und den Einklang mit sich selbst empfindet. Auch im Lichtergebet empfängt jeder das Licht von einem Anderen und gibt es an mindestens einen Anderen weiter, ohne dass das eigene Licht dabei ausgeht. Denn auch das ist eine Kernbotschaft: Wer sich mitteilt, verliert das Weitergegebene nicht in sich selbst, sondern kann es umso intensiver erfahren.
Einer der Brüder in Taizé sagte einmal, dass das Schöne des Lichtergebets die Veränderung sei, die in den Gesichtern der Menschen stattfinde. Sind diese vorher vielleicht noch etwas steif und leer, verwandeln sie sich in Gesichter von Kindern, wenn die Kerzen angehen.
Organisation
Trotz des Umfangs der Aktivitäten wird ein Großteil der anfallenden Organisationsarbeit durch freiwillige Helfer, die meisten selbst Besucher, erledigt. Hierzu fallen vor allem wöchentliche Aufgaben wie die Verteilung von Unterkünften, Themengruppen und Arbeiten an. Darüber hinaus gibt es eine größere Anzahl von freiwilligen Helfern, die einen längeren Zeitraum zwischen drei Monaten und einem Jahr in Taizé verbringen, unter Umständen auch Zivildienstleistende, offizielle FSJ-Plätze gibt es (noch) nicht. Die Helfer erledigen Aufgaben wie die Begrüßung neuer Besucher, Arbeit im Casa oder in La_Morada oder die Leitung des Küchenteams.
Musik aus Taizé
Bekannt ist die Communauté de Taizé auch für ihre charakteristischen Lieder, die in vielfacher Wiederholung gesungen werden: einstrophig, kurz, oft vierstimmig oder kanonisch. Die meisten dieser Lieder wurden ab dem Jahr 1975 von Jacques Berthier, einige von Joseph Gelineau und die meisten neuen von Brüdern der Communauté komponiert. Die Liedtexte basieren meist auf einer Bibelstelle und sind in Latein oder in den verschiedensten in Europa gesprochenen Sprachen verfasst. Im Handel sind Liederbücher und CDs erhältlich.
Viele Lieder der Communauté findet man in den üblichen Gottesdiensten christlicher Gemeinden in Deutschland wieder. Viele bestehende Chöre üben sie, um mit vielen anderen Menschen gemeinsam zu beten und zu singen.
Diese Lieder sind auch oftmals zentraler Bestandteil der in aller Welt gefeierten und an die Gottesdienste in Taizé angelehnten "Nacht der Lichter".
Eucharistie
Im Eingangsbereich der Kirche ist folgender Hinweis zur Eucharistie bzw. Abendmahl angebracht:
Ausstrahlung
Die Communauté ist eine stark besuchte Brudergemeinschaft. Der Verzicht auf alltägliche Dinge fällt den Besuchern meist nicht schwer. Viele, auch nicht-gläubige Menschen, kommen wiederholt nach Taizé.
Die Brüder stehen überzeugend für das Grundprinzip, das von de Grandchamp], Dritter Orden der Einheit (Schweiz)
*Die Kleinen_Brüder_Jesu haben eine ähnliche Lebensweise und spirituelle Berufung
Literatur
Bücher von Frère Roger:
"Aus der Stille des Herzens ? Gebete". Herder, Freiburg im B. 2006, ISBN 9783451290398
"Eine Ahnung von Glück ? Erfahrungen und Begegnungen". Herder, Freiburg im B. 2006, ISBN 9783451289774
"Die Quellen von Taizé". Herder, Freiburg im B. 2004, ISBN 9783451284083
"In allem ein innerer Friede". Herder, Freiburg im B. 2006, ISBN 9783451283468
(Ein Jahresbegleitbuch mit kurzen Meditationen für jeden Tag)Gesänge:
"Die Gesänge aus Taizé". Herder, Freiburg im B. 2005, ISBN 3451281007 (Das Liederheft aus der Kirche von Taizé, alle aktuellen Gesänge in vielen Sprachen)Hintergrund:
Klaus Nientiedt (Hrsg.): "Taizé - Weltdorf für innere Abenteuer." Herder, Freiburg im B. 2006, ISBN 3-451-05715-8. (Reportagen, Statements, Analysen, Hintergrundberichte)
Kathryn Spink: "Frère Roger, Gründer von Taizé ? Leben für die Versöhnung". Herder, Freiburg im B. 2007, ISBN 9783451293979 (Die Geschichte der Communauté von Taizé und ihres Gründers. Aktualisierte Neuausgabe 2007)
"Frère Roger, Taizé". Ein Bildband ? Herausgegeben von der Communauté de Taizé. Herder, Freiburg im B. 2006, ISBN 9783451291876 (Viele neue großformatige Fotos von den Jugendtreffen und meist unveröffentlichte Texte und Bilder aus dem Leben Frère Rogers)
Weblinks
• Communauté de Taizé (offizielle Website, auch auf Deutsch)• Übertragung des Samstagabendgebetes aus Taizé bei Domradio Köln (um 22 Uhr)
• domradio Audio-Podcast der Abendgebete aus Taizé (mp3-Mitschnitte zum downloaden)

