Brouwershaven
Brouwershaven liegt im Norden der Insel Schouwen-Duiveland, der nördlichsten Insel der niederländischen Provinz Zeeland direkt am Grevelingenmeer.
Die Smalstad gehört zur Gemeinde Schouwen-Duiveland und zählt heute noch etwa 1430 Einwohner. Trotz bewegender Vergangenheit, geprägt durch die maritime Geschichte, hat Brouwershaven seinen ursprünglichen Charakter gewahrt und besticht durch die Atmosphäre früherer Jahrhunderte. Während zunächst der Hafen, der Fischfang und die Landwirtschaft den Einwohnern als Lebensgrundlage dienten, ist heute der Tourimus wirtschaftliche Grundlage der Stadt. Brouwershaven verfügt über einen großen Jachthafen und das Grevelingenmeer ist ein Eldorado für Wassersportler, seien es Taucher, Windsurfer oder Hobbykapitäne. Um Brouwershaven wurden zahlreiche Campingplätze und Bungalowparks errichtet.
Historisches
Brouwershaven entstand Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Stadt Zierikzee im Süden der Insel hatte sich zu einer bedeutenden Hafenstadt entwickelt. Die wachsende Bevölkerung auf der Insel Schouwen-Duiveland, der verstärkte Landbau und Fischfang und stetig steigender Handel machten einen zweiten Hafen im Norden der Insel erforderlich. Diese Entwicklung wurde durch politische Interessen gestärkt, denn für den Adel bedeutete der Besitz eines Hafens Macht. Daher nahmen Graf Floris der V., Herrscher über Holland und Zeeland und Jan van Renesse Einfluss auf die Stadtentwicklung. Der Bau einer grossen Kirche im Jahr 1325 und das prächtige Stadthaus aus dem Jahr 1599 zeigen, dass sich der Adel einiges von Brouwershaven versprach.
Die Entwicklung blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück, insbesondere, da andere Städte die Funktion von Umschlaghäfen immer stärker übernahmen und der Fisch- und Krabbenfang nicht genug einbrachte. Auch Jacob Cats, der 1577 in Brouwershaven geboren wurde, und der als Heimatdichter, als Staatsmann und Politiker und als Verfasser diverser Schriften über die Landesgrenzen hinweg Anerkennung fand, konnte diese negative Entwicklung nicht rückgängig machen. 1682 wurde Brouwershaven durch eine schwere Sturmflut getroffen. Brücken, Hafenteile und viele Gebäude wurden zerstört und weggespült. Das ganze Gebiet wurde durch eine hohe Schlickschicht bedeckt.
Von 1838 bis 1870 blüht Brouwershaven wieder auf. In dieser Zeit waren die Flussmündungen von Maas und Schelde stark versandet. Rotterdam war auf dem Seeweg nicht mehr erreichbar. Brouwershaven übernahm die Rolle des Umschlaghafens für Waren und Passagiere in Übersee. Neue Gebäude entstanden, zahlreiche Kantore, 27 Hotels und Caffee's und der Aufenthalt bekannter Persönlichkeiten gaben der Stadt ein neues Gesicht. Als erste Stadt in den Niederlanden erhielt Brouwershaven eine Telegrafenanbindung an Rotterdam.
1870 wurden neue Wasserwege nach Rotterdam fertiggestellt, Brouwershaven versank wieder in seiner wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit. Am 21. Februar 1953 wurde Brouwershaven letztmalig von einer Sturmflut heimgesucht, die das gesamte Stadtgebiet unter Wasser setzte. Anschließend wurde vor Brouwershaven ein Polder errichtet und das Stadtgebiet eingedeicht. Die Polder dienen heute als Erholungsflächen mit Spiel- und Sportmöglichkeiten und einem kleinen Tierpark.
Mit der Errichtung der Deltawerke und dem Bau des Grevelingendamms im Jahr 1965 verlor Schouwen-Duiveland seine eigentliche Inselposition und Brouwershaven seine Anbindung an die offene Nordsee. Das Grevelingenmeer wurde zu einem Binnenmeer.
Sehenswürdiges
Marktplatz
Brouwershaven hat seinen alten Hafenstadtcharakter gewahrt. Das Zentrum bilden der Binnenhafen und direkt angrenzend der Marktplatz. Die umliegenden kleinen Häuschen und die Geschäfte rahmen den Stadtkern ein und geben ihm den maritimen, mittelalterlischen Flair.
Jacob-Cats-Denkmal
Am östlichen Ende des Marktplatzes, vor dem Binnenhafen, haben die Einwohner dem Heimatdichter und Politiker und Staatsmann Jacob Cats 1829 ein Denkmal errichtet. Jakob Cats wurde 1577 in Brouwershaven geboren. Kurz vor seinem Tod zeigte er der Stadt seine Wertschätzung und überließ ihr ein Exemplar seiner gesammelten Werke.
Stadthaus
Das westliche Ende des Marktplatzes wird durch das prächtige Stadthaus geprägt. Das Gebäude, das 1599 im Stil der flämischen Renaissance errichtet wurde überragt alle anderen Häuser. Ein Uhrwerk und ein Glockenturm ?krönen? das ehemalige Rathaus.
Sankt Nikolauskirche
Schon von weitem sieht man den Glockenturm der Sankt Nikolauskirche, der sich dem Reisenden und Besucher schmal und nicht sehr hoch entgegenstreckt. Um so überraschter ist man, wenn man sieht, was für ein großer Kirchenbau unter diesem Glockenturm steckt.
Das massige Kirchenschiff wurde 1325 erbaut. Mit seinen hohen und breiten Fenstern verfügt es über zahlreiche Anbauten an der Ostseite . Offensichtlich ging man zu dieser Zeit von einer großen Entwicklung für Brouwershaven und einem starken Bevölkerungszuwachs aus. Beides trat leider nicht ein.
Die Kirche wird ihrem Namen Grote Sint Nicolaaskerk jedoch mehr als gerecht.

