British-Airways-Flug 5390
Am 10. Juni 1990 kam es durch einen Wartungsfehler zu einem Zwischenfall auf dem British-Airways-Flug 5390. Eine BAC 1-11 verlor während des Fluges vom Birmingham_International_Flughafen nach Málaga einen Teil der Cockpitverglasung und es kam zu einem Druckabfall. Nur durch das Können des Copiloten und der Besatzung konnte verhindert werden, dass jemand längerfristigen Schaden erlitt.
Unfallhergang
Der Flug 5390 der British Airways startete mit 60 Minuten Verspätung vom Flughafen Birmingham International, sie war auf dem Weg nach Malaga, Trotz der Verspätung waren alle an Bord ob dem Wetter an der Destination guter Dinge. Während die Maschine durch 17.500 Fuß stieg (ca 6000m), ereignete sich ein folgenreicher Zwischenfall:
" Nigel Ogden, 36, Steward an Bord diese Fluges, hatte das Cockpit soeben verlassen, als er hinter sich einen ohrenbetäubenden Knall vernahm. Noch während ihm der Gedanke an eine Bombe durch den Hinterkopf schoss, füllte sich die Kabine für einige sekunden mit einem dichten Nebel, was auf einen plötzlichen Druckverlust schließen ließ. Sie befanden sich zu dem Zeitpunkt in einer Höhe von 17.500 Fuß (ca 6000m), 5.000 Fuß [1500m) unter ihrer geplanten Reiseflughöhe von 22.500 Fuß. Nigel blickte fassungslos um sich, und noch während er sich zur Cockpittür umdrehte merkte er, wie das Flugzeug außer Kontrolle zu sein schien und rasch an Höhe verlor. Ungläubig sah er, wie Flugkapitän Tim Lancaster durch das nun fehlende linke Frontfenster im Cockpit gesogen wrde. Ogden stürzte zu ihm und konnte gerade noch so seine Waden ergreifen bevor ihn der Sg ganz aus der Maschine gezogen hätte. Mit aller Kraft umschlang er sie, während eisiger Fahrtwind mit 650 Stundenkilometern in das cockpit peitschte und allem, was nicht niet- und nagelfest war, die Flucht nach draußen gelungen war. Selbst eine Sauerstofflasche wurde mitsamt ihrer Verankerung herausgerissen und schlug Ogden im Vorbeiflug beinahe den Schädel ein. Dieser merkte, dass auch er sich ncht mehr lange halten konnte. John Heward, ebenfalls Steward auf diesem Flug, kam herangestürmt und klammerte sich an Ogden, der wiederum verzweifelt versuchte, Tim zurück ins Cockpit zu ziehen. Schnell wurde ihnen klar, dass es nicht gehen würde, während die Maschine mit 80 Fuß pro Sekunde (ca 20 m/sec) an Höhe verlor. Alistair Atcheson, der Copilot, hatte größte Not das Flugzeug zu steuern, denn Tim's Beine sowie Reste der Cockpittür hatten sich unter der Steuersäuler verfangen. Wenigstens trug Alistair noch immer seinen Sicherheitsgurt, den er seit dem Start in Birmingham noch nicht abgelegt hatte. Hinzu kam, dass Tim durch den immensen Druck ein Gewicht von etwa 200 Kilogramm entwickelt hatte, und Nigel's Arme und Gesicht bereits erste Erfrierungserscheinungen zeigten. Nigel war ein durchtrainierter Rugby-Spieler, aber auf so einen Fall war niemand vorbereitet. Schließlich kam noch Simon Rogers, ein weiterer Steward, hinzu. Gemeinsam gelang es nun, Tim's Beine und die Reste der Cockpittüre von der linken steuersäule zu entfernen, so dass die Maschine wieder voll steuerbar war. Dennoch verlangsamte Alistair den Sturzflug nicht, da er schleunigst in eine geringe Höhe gelangen wollte, um den Gefahren zu geringen Luftdruckes zu entgehen.
Während der ganzen Zeit ragte Flugkapitän Tim Lancaster mit zwei Dritteln seines Körpers aus dem vorderen linken Cockpitfenster. Seine Arme schlugen wie die einer Marionette im höllischen Fahrtwind gegen das Cockpitdach, seine Augen waren weit aufgerissen, die Dachfenster des Cockpits blutverschmiert- ein bizarrer Anblick, den die Crew wohl ihr Leben lang nicht vergessen wird. Als Alistair Atcheson nach 18 Minuten Ewigkeit die Maschine in Southampton wie auf rohen Eiern landete, glaubte niemand wirklich daran, dass ihr Flugkapitän überlebt haben könnte. Und so traute Nigel seinen Ohren nicht, als Tim- nachdem ihn Rettungskräfte wieder ins Cockpit zurückgezogen hatten- aus seiner Bewusstlosigkeit erwachte und nach etwas zu essen fragte. An den Hergang des Unfalls konnte er sich nicht mehr erinnern. Unglaublich auch, dass er sich nur relativ geringe Verletungen zuzog: ein paar Prellungen und frakturen so wie Erfrierungen - Schwein gehabt!"
Dieser Bericht stammt aus der Flightxpress Heft 11/05 Seite 14
Unfallursache
Das Herausfallen der Cockpitverglasung lässt sich mit einer Unachtsamkeit bei der Wartung erklären. Der hier genannte Flug war der erste dieses Flugzeuges nach einer Wartung im Hangar. Während dieser Wartung wurde unter anderem an der Cockpitverglasung gearbeitet. Der Arbeiter, der dies übernahm, hielt es für notwendig, die Befestigungsbolzen der Scheiben auszutauschen. Unter anderem wegen seiner Müdigkeit baute er versehentlich die falschen Bolzen ein. Diese wichen von den Originalen im Bezug auf die Breite ab. Beim Einbau fiel ihm der Unterschied nicht auf.
Bei den meisten Verkehrsflugzeugen werden die Cockpitscheiben von innen nach außen eingebaut, so dass sie der höhere Cockpitinnendruck in ihre Fassungen presst. Bei der BAC 1-11 werden die Scheiben jedoch von außen nach innen eingebaut. Daher fiel die Verglasung nach außen hin ab.
Links
• Spiegel.tv Bericht
• Bild - Cockpitdialoge

