U-Boot-Klasse S (Royal Navy, 1931)
Konstruktive Merkmale
Die Boote wurden zwischen 1930 und 1945 in vier Baugruppen gebaut. Die Unterschiede zwischen der dritten und vierten Baugruppen waren gering (Artilleriebewaffnung und Tankgröße), so dass sie oft zu einer Gruppe zusammengefasst werden.
Die zwei Schiffsschrauben der Satteltank-U-Boote wurden durch einen klassischen Hybridantrieb aus zwei Dieselmotoren für die Überwasserfahrt und zwei Elektromotoren für den Tauchbetrieb angetrieben. Während die Unterwasserantriebsleistung bei allen Baugruppen mit 2 * 1300 PS (970 KW) gleich blieb, wurde die Überwasserantriebsleistung und die resultierende Geschwindigkeit mit Einführung der dritten Baugruppe gesteigert. Die HMS Sunfish besaß als einzige Vorkriegseinheit den verstärkten Dieselantrieb. Die Brennstoffbunker wurde ebenfalls vergrößert, so dass auch die Fahrstrecke enorm gesteigert werden konnte.
Die wendigen U-Boote konnten sehr schnell abtauchen und waren in diesem Punkt den deutschen Typ_VII-Booten überlegen.
Die U-Boote waren anfangs für eine Tauchtiefe von 95 m konstruiert. Die Rümpfe der im Krieg gebauten U-Boote wurden komplett geschweißt und verstärkt, so daß die zulässige Tiefe auf 110 m vergrößert werden konnte. HMS Stubborn erreichte im Februar 1944 nach einem deutschen Wasserbombenangriff eine Tiefe von 165 m und konnte wieder auftauchen. Bei einem Zerstörungstest wurde 1948 die unbemannte HMS Stoic in 183 m Tiefe zerdrückt.
Die U-Boote besaßen von Anfang ein ASDIC-Gerät. Ab 1941 wurden die ersten Radar-Geräte eingebaut.
Die Bewaffnung bestand aus sechs 533mm-Torpedorohren im Bug, für die insgesamt 12 Torpedos mitgeführt wurden. Alternativ war bei allen U-Booten auch der Einsatz von bis zu 12 Seeminen möglich. Bei den U-Booten der 3. Gruppe wurde ein gleichgroßes externes auf See nicht nachladbares Rohr im Heck montiert, so dass insgesamt 13 Torpedos eingesetzt werden konnten. Einige Boote der 2. Gruppe wurden mit dem zusätzlichen Torpedorohr nachgerüstet.
Die Artilleriebewaffnung bestand aus einem 3 Zoll (76,2 mm) L/50 Geschütz. Bei den U-Booten der 2. Baugruppe wurde anfangs eine versenkbare Lafette für das Deckgeschütz genutzt. Diese Konstruktion wurde aber bald wieder entfernt und durch eine feste freistehende Lafette ersetzt. Bei den Einheiten der 4. Gruppe wurde ein 4 Zoll (102 mm) L/40 Geschütz in einer Brustwehr vor dem Turm montiert. Aus Gewichtsgründen wurde bei den meisten U-Booten des 4. Bauloses auf das externe Hecktorpedorohr verzichtet.
Als Luftabwehrbewaffnung dienten zwei bis drei 7,7 mm Maschinengewehre, die vor dem Abtauchen demontiert wurden. Ab 1944 wurde auf einigen Einheiten zusätzlich eine 20 mm Flugabwehrkanone von Oerlikon-Bührle nachgerüstet. Die Flak wurde auf einer dem deutschen Wintergarten ähnlichen Plattform hinter dem Turm montiert.
Die für den Kampf im Fernen Osten bestimmte 4. Baugruppe besaß neben neben dem größeren Geschütz auch vergrößerte Treibölbunker und konnten bis zu 98 ts Dieselöl mitführen. Sie transportierten auch mehr Vorräte an Lebensmitteln und Süßwasser. Die räumlichen Verhältnisse auf diesen U-Booten waren derartig beengt, dass Munition sogar unter der Back in der Offiziersmesse gelagert wurde.
Einsatzgeschichte
Details unter: Geschichte_der_S-Klasse
1939
Zum Zeitpunkt des deutschen Angriffs_auf_Polen am 1. September 1939 verfügte die Royal Navy lediglich über 12 Einheiten der S-Klasse.
Die U-Boote operierten in den ersten Kriegsmonaten hauptsächlich in der Nordsee. Zur ersten Kampfhandlung kam es schon 4 Minuten nach Auslaufen des anglofranzösischen Ultimatums an Deutschland, dem offiziellen Kriegseintritt Frankreichs und Großbritanniens, als ein deutsches U-Boot am 3. September 11:04 Uhr erfolglos die HMS Spearfish mit Torpedos angriff.
Am 14. September griff die HMS Sturgeon irrtümlich die HMS Swordfish an, verfehlt aber ihr Schwesterschiff. Da schon am 10. September bei einem gleichartigen Zwischenfall die HMS Oxley (O-Klasse) verloren ging, vergrößerte die Admiralität anschließend die Abstände der Patrouillengebiete britischer U-Boote von ursprünglich 4 NM auf 16 NM.
Am 20. November 1939 versenkte die HMS Sturgeon das Vorpostenboot V-209 / Gauleiter Telschow, was der erste Kampferfolg der U-Boot-Klasse war. Am 4. Dezember versenkte die HMS Salmon das gegenerische U-Boot U_36. Auf der selben Feindfahrt torpedierte und beschädigte die Salmon am 13. Dezember 1939 die leichten_Kreuzer Nürnberg und Leipzig. Die beiden deutschen Kriegsschiffe konnten für mehrere Monate nicht eingesetzt werden.
1940 - 1941
Sieben Monate nach dem Sieg gegen Polen beendete Deutschland durch die Landung_in_Nordeuropa am 10. April und die Invasion_in_Westeuropa am 10. Mai die Phase des Sitzkrieges. Die S-Klasse nahm an den umfangreichen Abwehrmaßnahmen gegen die deutschen Landungskräfte in Norwegen teil. Einer der wichtigsten Erfolge gegen die Invasionsflotte war sicherlich der Torpedoangriff von HMS Spearfish gegen den schweren_Kreuzer Lützow am 11. April. Das deutsche Westentaschenschlachtschiff wurde schwer beschädigt, entging nur knapp einem Totalverlust und war für fast ein Jahr außer Gefecht gesetzt.
Nach der französischen_Niederlage am 22. Juni 1940 erweiterte sich das Operationsgebiet der S-Klasse-U-Boote auf die Biscaya. Das Jahr 1940 war für die U-Boote der S-Klasse das Verlustreichste des Krieges. Von 12 einsatzbereiten Einheiten gingen 7 verloren. Im Februar 1941 gab es einen weiteren Verlust, so daß bis März 1942 nur noch vier Einheiten zur Verfügung standen.
1942 - 1943
Im Frühjahr 1942 wurden die ersten Kriegsneubauten in Dienst gestellt. Seit diesem Zeitpunkt kam es zu kontinuierlichen Zuläufen, die trotz weiterer Verluste nach kurzer Zeit die Anzahl der einsatzbereiten Boote über den Vorkriegsstand ansteigen ließen. (siehe Aktive_Einheiten) Ein U-Boot der ersten Baugruppe wurde im Oktober 1943 an die Niederländische Marine verliehen.
Neben den bisherigen Einsätzen in der Nordsee und der Biscaya wurden die neugebauten U-Boote jetzt verstärkt im Mittelmeer gegen Nachschublinien der Achsenmächte im Krieg_in_Nordafrika eingesetzt. Die Basen der Boote lagen in Gibraltar im Westen, auf der belagerten Insel Malta im zentralen Mitelmeer und in Ägypten im Osten. Gegen die häufig unzureichend geschützten italienischen Transportschiffe gelangen viele Versenkungen aufgetaucht mit dem Deckgeschütz. Durch den Einsatz der britischen U-Boote war die Achse gezwungen, gesicherte Geleitzüge zu bilden. Die ständigen Nachschubprobleme der italienischen und deutschen Kräfte in Nordafrika sind auch auf den erfolgreichen Einsatz britischer Jagd-U-Boote der S-Klasse zurückzuführen.
Am 30. April 1943 wurde von Bord der HMS Seraph im Rahmen der streng geheimen Operation Mincemeat eine männliche Leiche vor der südspanischen Küste in's Meer geworfen. Der als britischer Marineoffizier verkleidete Tote trug gefälschte Geheimpapiere, die die deutsche Abwehr überzeugen sollten, dass die bevorstehende alliierte Landung_in_Südeuropa auf dem Balkan stattfinden sollte.Ein Spielfilm über die Geheimdienstoperation wurde 1956 unter dem Titel The Man Who Never Was (dt.: Der Mann, den es nie gab) produziert. Im Film übernahm die HMS Scythian die Rolle von HMS Seraph.
Am 23. September 1943 transportierten S- und T-Klasse-Boote britische Klein-U-Boote der X-Klasse vor den nordnorwegischen Altafjord. Ziel der Operation Source waren die deutschen Großkampfschiffe Tirpitz und Scharnhorst. Die Tirpitz wurde von der X 7 und mindestens einem weiteren Klein-U-Boot vermint und schwer beschädigt.
Nach der Kapitulation der deutsch/italienischen Einheiten in Nordafrika im Mai 1943 und der folgenden Invasion in Süditalien im Juli schied Italien am 8. September aus der Achse aus. Das Kampfgebiet der britischen U-Boote im Mittelmeer konzentrierte sich deshalb in der restlichen Zeit des Krieges immer mehr im nordöstlichen Teil vor den griechischen Inseln.
1944 - 1945
Im Februar 1944 versenkte HMS Sportsman vor Kreta den deutschen Transporter Petrella. An Bord befanden sich fast 3200 italienische Kriegsgefangene von denen 2670 den Tod fanden. Die Verluste waren wahrscheinlich so hoch, weil die deutschen Wachmannschaften die Gefangenenräume nicht öffneten und sogar auf die Gefangenen schossen.Quelle: [http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/kriegsrecht/transporte.htm www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/kriegsrecht/transporte.htm]
Neben den Einsätzen im Mittelmeer operierten S-Klasse-U-Boote auch weiter in der Nordsee. Bei einem erfolgreichen Einsatz transportierte HMS Sceptre im September 1944 die X 24 nach Bergen, wo das Klein-U-Boot ein großes Schwimmdock versenkte.
Die inzwischen in großer Stückzahl vorhandenen U-Boote wurden aber nicht mehr nur für reine Kampfaufgaben genutzt. HMS Satyr und HMS Sceptre wurden 1944/45 entwaffnet, um sie leichter und schneller zu machen. Außerdem erhielten sie eine Schnorchelattrappe. Die U-Boote dienten der Marine als Übungsziele für die U-Jagd.
Im Juni 1944 wurde die HMS Sunfish an die verbündetet Sowjetunion übergeben. Beim Marsch nach Murmansk in Nordrussland wurde das U-Boot von einem britischen Bomber mit einem feindlichen U-Boot verwechselt und versenkt.
Nach den alliierten Siegen in Nordafrika und Süditalien wurden immer mehr S-Boote zum asiatischen_Kriegsschauplatz transferiert, wo sie auf Basen in Ceylon und Britisch-Indien stationiert wurden. Die Boote der 4. Baugruppe waren mit ihren vergrößerten Brennstofftanks speziell für den Einsatz in Asien konzipiert. Die Kaiserliche Japanische Marine war in den großen See-Luft-Schlachten von Midway (1942), Guadalcanal (1943) und Leyte (1944) dezimiert worden. Auch ohne die empfindlichen Verluste wären die Japaner wohl kaum in der Lage gewesen, ihre lebensnotwendigen aber überdehnten Nachschublinien im Pazifischen und Indischen Ozean ausreichend gegen alliierte U-Boot-Angriffe zu schützen, denn auch die japanische Handelsschiffahrt war dem Kollaps nahe. Die Japaner mußten oftmals auf kleine wehrlose Küstensegler zurückgreifen, die für das Deckgeschütz leichte Beute waren. Die kleinen wendigen S-Klasse Boote operierten hauptsächlich in der Andamanensee vor Birma, Siam, Malaya und Sumatra (Niederländisch-Ostindien), der Malakkastraße vor Singapur und Penang und in der Javasee. Sie ergänzten die großen US-Amerikanischen U-Boote, die schon seit zwei Jahren erfolgreich auf Hoher See operierten. Bei sehr vielen Angriffen auf die großteils ungeschützten japanischen und thailändischen Transporter konnten die S-Boote auf den Einsatz von Torpedos verzichten und die meist wehrlosen Schiffe aufgetaucht mit dem Deckgeschütz oder mit den Sprengkapseln ihrer Enterkommandos versenken. Bei einem dieser häufigen Angriffe versenkte HMS Stubborn am 25. Juli 1945 ein japanisches Patrouillenboot in der Javasee. Der Kommandant des britischen U-Bootes Albert-George Davies befahl die Erschießung der japanischen Überlebenden. Der Mordbefehl konnte aber nicht erfüllt werden, weil ein japanisches Flugzeug das U-Boot zum Abtauchen zwang.Quelle: [http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/kriegsrecht/schiffbruechige.htm#45072 www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/kriegsrecht/schiffbruechige.htm]
Am 18. August 1945 versenkte HMS Statesman in der Malakkastraße ein treibendes japanisches Wrack mit Torpedos. Das war wahrscheinlich der letzte Torpedoangriff eines U-Bootes im Zweiten Weltkrieg. Seit dem kam es im realen Kriegseinsatz nur zu zweiStand: 9. Mai 2007 weiteren erfolgreichen U-Boot-Torpedoangriffen. Im Bangladesch-Krieg versenkte das pakistanische U-Boot PNS_Hangor am 9. Dezember 1971 die indische Fregatte INS Khukri und im Falklandkrieg versenkte das britische Atom-U-Boot HMS_Conqueror am 2. Mai 1982 den argentinischen Kreuzer ARA General Belgrano.
Nach 1945
Nach Kriegsende wurden viele S-Boote innerhalb weniger Jahre außer Dienst gestellt und verschrottet oder zu Test- und Übungszwecken versenkt. Einige Einheiten blieben bei der Royal Navy bis zu Beginn der 1960er im Dienst.
Insgesamt neun U-Boote wurden an befreundete Nationen weitergegeben:
*Die Portugiesische Marine übernahm 1948 drei U-Boote. Die letzte Einheit wurde 1969 außer Dienst gestellt.
*Die Französische Marine übernahm 1951/52 vier U-Boote. Ein Boot ging 1952 auf See verloren. Die restlichen drei Einheiten wurden Ende der 1950er an Großbritannien zurückgegeben und dort anschließend verschrottet.
*Die Israelische Marine erhielt 1958 zwei U-Boote. Das letzte Boot wurde 1972 verschrottet.
Verluste im Zweiten Weltkrieg
Von 62 gebauten Einheiten der Klasse gingen 17 U-Boote im Krieg durch Feindeinwirkung verloren. Zwei weitere Boote wurden bei Kampfhandlungen so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr repariert wurden. Ein U-Boot wurde irrtümlich durch eigene Flugzeuge versenkt.
Boote des Typs
Gruppe 1
Zwischen 1930 und 1933 wurden die vier U-Boote der ersten Baugruppe von der Marinewerft Chatham gebaut. Nach dem ersten in Dienst gestellten Boot wird das Baulos auch als Swordfish-Klasse bezeichnet.
Drei Einheiten gingen schon 1940 verloren. Die HMS Sturgeon wurde 1943 an die Niederländische Marine verliehen und bis 1945 unter dem Namen Zeehond betrieben.
Gruppe 2
Zwischen 1933 und 1937 wurden die acht U-Boote der zweiten Baugruppe auf drei verschiedenen Werften gebaut. Bei der Marinewerft Chatham liefen vier, bei Cammel Laird drei und bei Scott's ein Boot vom Stapel. Nach dem ersten in Dienst gestellten Boot wird das Baulos auch als friendly fire versenkt. Die beiden verbleibenden U-Boote wurden 1945 außer Dienst gestellt und abgebrochen.
Gruppe 3
Zwischen 1940 und 1945 wurden auf 4 verschiedenen Werften 33 Einheiten der dritten Baugruppe gebaut. Nach dem Typboot wird die Klasse auch als Seraph-Klasse bezeichnet. Bei Cammel Laird wurden 17, bei Vickers-Armstrong drei, bei der Marinewerft Chatham drei und bei Scott's acht Boote gebaut. Zwei Boote wurden bei Scott's auf Kiel gelegt aber von Vickers-Armstrong fertiggestellt.
Im Zweiten Weltkrieg gingen sieben Boote durch Feindeinwirkung verloren. Zwei Boote wurden während der Kämpfe so sehr beschädigt, dass eine Reparatur nicht mehr lohnte und sie nach Kriegsende verschrottet wurden.
In den 1950er Jahren wurden vier U-Boote an die Französische Marine verliehen. Eines dieser Boote sank 1952 im Mittelmeer.
Einige Boote blieben bis in die 1960er Jahre im aktiven Dienst.
Siehe auch
• britischer U-Boot-Klassen]
• französischer U-Boot-Klassen]
• S] (weitere U-Boot-Klassen mit dem Namen S)
Weblinks
• S-Klasse im uboat.net (engl.)
• S-Klasse bei www.submariners.co.uk (engl.)
• S-Klasse bei www.battleships-cruisers.co.uk (engl.)
Literatur
*Erminio Bagnasco: Uboote im 2. Weltkrieg, Motorbuchverlag, Stuttgart, 5. Auflage 1996, ISBN 3-613-01252-9
*Robert Hutchinson: KAMPF UNTER WASSER - Unterseeboote von 1776 bis heute, Motorbuchverlag, Stuttgart, 1. Auflage 2006, ISBN 3-613-02585-X
*Anthony Preston: Die Geschichte der U-Boote, Karl Müller Verlag, Erlangen, Deutsche Ausgabe 1998, ISBN 3-86070-697-7
*Peter Padfield: Der U-Boot-Krieg 1939-1945, Ullstein Taschenbuchverlag, München, 2000, ISBN 3-548-24766-0

