Britisch-Israel-Theorie
Die Britisch-Israel-Theorie des amerikanischen Werbetexters und Laientheologen Herbert W. Armstrong (1892 ? 1986) war eine wesentliche Grundlage der von ihm gegründeten christlichen Sondergemeinschaft ?Weltweite Kirche Gottes?.Es handelt sich um eine Variante des Anglo-Israelismus, nach dem die Briten und andere nordwesteuropäische Völker von den zehn verlorenen_Stämmen_Israels abstammen.
Begründung der Lehre
Bei der Herleitung des Dogmas kam Armstrong seine sprachliche Neigung als Werbetexter entgegen. Unter anderem bezog er sich auf die Weissagung Jakobs an seinen Sohn Dan in : Dan wird eine Schlange werden auf dem Wege und eine Otter auf dem Steige. Dies verstand er so, dass der Stamm Dan seinen Namen auf seiner Wanderung hinterlassen würde. Geographischen Namen wie den Flüssen Dnjepr, Donau und Don folgte Armstrong auf der Landkarte bis nach Dänemark (in der Landessprache Danmark) und über die Nordsee weiter nach Großbritannien.
Dass gerade die Briten von dem einstmals erwählten Volk der Bibel abstammten, leitete Armstrong zusätzlich durch ein Wortspiel her: Das hebräische Wort b'rit heißt Bund, das Wort ish (oder isch) Mensch, zusammen b'rit-ish. Ein ähnliches Wortspiel nahm er mit der Verheißung Gottes an Abraham vor, die Nachkommen Isaaks zu segnen : "Isaaks Söhne" heißt auf englisch Isaac's sons. Wenn man das I am Anfang wegließ, klang das wie Saxons, also (Angel-)Adventisten angehört hatte, hatte er gelernt, dass "Tage" in Prophezeiungen der Bibel oft "Jahre" von je 360 Tagen bedeuten. Im 3. Buch Mose (Levitikus) hatte Gott für wiederholten Rückfall in Götzendienst angekündigt, das Volk verschleppen zu lassen und: "Wenn ihr mir aber auch dann noch nicht gehorcht, so will ich euch noch weiter strafen, siebenfältig" . Armstrong verstand das "siebenfältig" als "7 Jahre", also 2.520 Tage, und rechnete vom Jahr Jakob ruhte, als er von der Himmelsleiter träumte .
Lehrmäßige Folgerungen
Die Britisch-Israel-Theorie war die Kernlehre der fundamentalistischen Glaubensgemeinschaft ?Weltweite Kirche Gottes?, die Armstrong 1934 gründete und der er bis zu seinem Tod 1986 als ?Pastor General? vorstand.
Aus der Identifikation mit dem alten Israel schloss Armstrong ? anders als der Mainstream des Anglo-Israelismus ? konsequent, dass auch der größte Teil der alttestamentlichen Gesetze aus dem Pentateuch (fünf Bücher Mose) für die Gläubigen gilt.
So schaffte er Weihnachten und Ostern ab und setzte eine Reihe der jüdischen_Feste wieder ein, die nach der Bibel von Gott selbst eingesetzt worden waren: Passah, Pfingsten, den Versöhnungstag und das mehrtägige Laubhüttenfest im Herbst.
Außerdem lehrte er die biblischen Speisevorschriften, nach denen unter anderem der Genuss von Schweinefleisch, Kaninchen und Meeresfrüchten (außer Fisch) untersagt war, und verbot seinen Anhängern ?Mischehen? mit Partnern nicht-nordischer Herkunft.
Geschichte
Armstrongs Gemeinschaft fand auch im deutschsprachigen Raum Anhänger. 1988 hatte sie weltweit 126.800 Mitglieder und rund 150.000 Gottesdienstbesucher. Nach Armstrongs Tod 1986 entwickelte sich seine Gemeinschaft jedoch allmählich zu einer evangelischen Freikirche. Dabei verlor sie jedoch rund die Hälfte ihrer Mitglieder, unter anderem an neu gegründete Bewegungen, die Armstrongs Lehren weiter vertraten.
Armstrongs Schriften wurden Anfang 1993 endgültig aus dem Verkehr gezogen, und am 13. Juli 1995 verwarf die ?Weltweite Kirche Gottes? seine ?Britisch-Israel-Theorie? öffentlich, auch weil sie Rassismus und Antisemitismus Vorschub leistete: In den Vereinigten_Staaten war der Anglo-Israelismus von extremistischen Gruppen wie dem Ku-Klux-Klan aufgenommen worden und mündete in die Christian-Identity-Bewegung.
Literatur
* Kurt Hutten: Seher, Grübler, Enthusiasten. 12. Aufl. Stuttgart: Quell Verlag, 1982
* Horst Reller/VELKD (Hrsg.): Handbuch Religiöse Gemeinschaften. 2. Aufl. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 1979
* Prof. Thomas Schirrmacher: Eine Sekte wird evangelisch ? Die Reformation der Weltweiten Kirche Gottes. idea Dokumentation 11/2000
* Herbert W. Armstrong: Die USA und Großbritannien in der Prophezeiung. Düsseldorf: Ambassador College, 1980 (nicht mehr aufgelegt)

