Breverl
Ein Breverl (auch Breve, Breferl, Heiltumstäschchen) ist ein mit heiligen und magischen Sprüchen und Bildern versehener Faltzettel, der besonders im 18. Jahrhundert als Talisman und Heilmittel diente.Aussehen
Beim Breverl handelte es sich um einen meist vierfach gefalteten kleinen Zettel, auf dem ein neunteiliger Kupferstich abgebildet war. Breverl wurden oftmals in einem kleinen, verschlossenen Kissen oder Polster aufbewahrt, das aus kostbaren, häufig bestickten Stoffresten wie Brokat gearbeitet war. Einige Breverl-Etuis bestanden aus beschlagenem Leder oder anderen Materialien. Auf der Außenseite konnte auch ein Bildchen, oft aus einem Schluckbildchen-Bogen, angebracht sein. Manche Heiltumstäschchen waren herzförmig und waren als so genannte ?Tüfelsjägerli? für die Wiege oder das Bett kleiner Kinder bestimmt.
Die Kupferstiche des Breverl zeigen neben diversen, gelegentlich kolorierten Heiligendarstellungen oft auch das Gnadenbild des Wallfahrtsorts, an dem es erworben wurde. Im Mittelteil findet sich eine kuriose Sammlung von miniaturisierten religiösen Zeichen und diversen Objekten aus dem ?Naturglauben?. Dazu zählen Kreuze, Benediktuspfennige, Sebastianspfeile, Agathazettel, Dreikönigszettel, Palmkätzchen, der Staub von Schabmadonnen, farbige Papierstückchen, Korallen und dergleichen mehr. Diese Häufung von Sakramentalien ist auch bei den Wettersegen zu beobachten.
Herstellung und Verwendung
Breverl wurden in Frauenklöstern angefertigt; der bedeutendste Hersteller war wohl der Franziskanerorden, da die Heiligen des Franziskanerordens bevorzugt dargestellt wurden. Die eingeklebten Heiligenbilder sind von so gleichförmigem Stil, dass man auch vermutet hat, dass die Breverl allesamt in einem einzigen Kloster hergestellt wurden.
Der Beginn der Breverlherstellung ist nicht vor 1730 anzusetzen; mit der fortschreitenden Aufklärung gegen Ende des Jahrhunderts kamen Breverl außer Gebrauch. Eine kurze Renaissance hatten sie im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts.
Breverl konnten am Hals getragen, in die Kleider eingenäht oder an den Rosenkranz gehängt werden. Sie schützten vor bösem Einfluss, Dämonen und Besessenheit, Pest, Feuer oder Ungewitter. Soldaten sollten Breverl vor feindlichen Kugeln schützen, weshalb sie auch ?Kugelfänger? genannt wurden. Damit das Breverl seine Schutzwirkung bewahrte, durfte der Besitzer dessen Inhalt nicht kennen.
Von der katholischen Kirche wurde das Breverl-Brauchtum nur halb geduldet und zeitweise heftig bekämpft.
Literatur
Verwendete Literatur:
* Manfred Brauneck: Religiöse Volkskunst. S. 300?301. DuMont, Köln 1979, ISBN 3-7701-0967-8
* Margarethe Ruff: Zauberpraktiken als Lebenshilfe, S. 125. Campus, Frankfurt 2003, ISBN 978-3593373805
* Dominik Wunderlin: Mittel zum Heil. Religiöse Segens- und Schutzzeichen in der Sammlung Dr. Edmund Müller (=Kostbarkeiten aus dem Dolderhaus in Beromünster, Heft 7). Beromünster 2005, ISBN 3-9521775-9-8
* [http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_1372.html Breverl-Etui]. In: Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann. Hartmann, Sersheim 1997, ISBN 3-9500612-0-7
Weiterführende Literatur:
* Clemens Böhme: Die süddeutschen Breverln. Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 1966/67: 208?213,
* Peter Ochsenbein: Zur Typologie der Breverl: Über ein in St. Gallen 1996 aufgefundenes Exemplar. Österreichische Zeitschrift für Volkskunde 103, 1 (2000): 55?66,
* Georg Rehm: Die Breverl im Heimat-Museum Hergensweiler. Jahrbuch des Landkreises Lindau 5 (1990): 20?23,
Weblinks
• Bilder von Breverln
• Bild eines Breverl-Pölsterchens
• Ein Breverl-Pölsterchen im Deutschen Historischen Museum
• Weiteres Bild eines Breverl ([http://www.hauszumdolder.ch/SA2005.php Haus zum Dolder, Sammlung Dr. Edmund Müller])

