Bremer Woll-Kämmerei
Die Bremer Woll-Kämmerei (BWK) ist ein weltweit tätiges Unternehmen in der Wolltextilindustrie mit Betriebssitz in Bremen.Geschichte
Das Unternehmen wurde 1883 als Aktiengesellschaft gegründet. Kapitalgeber waren die Konsuln George Albrecht , Weinlich und Delius, die Herren H. Claussen, J. Fritze, J. Hachez und C. Kulenkampff: [http://www.bwk-bremen.de/bwk_internet/bwk_historie/his_1.htm ?Mitglieder des Gründungskonsortiums?]. Von diesen Gründern wurde Ferdinand Ullrich zum kaufmännischen und Paul Zschörner zum technischen Direktor bestimmt. Auf Vorschlag Zschörners fiel die Wahl des Standortes für das Werk auf ein 500.000 Quadratmeter großes Areal zwischen der Aue und der Weser in der seinerzeit zur preußischen Provinz Hannover und seit 1939 zu Bremen gehörenden Gemeinde Blumenthal. Der Standort hat sich dank seiner Größe, günstiger Verkehrsanbindungen und ausreichender, guter Wasserressourcen (eigene Tiefbrunnen) bis heute als tragfähig erwiesen. Am 11. September 1884 begann die Produktion: [http://www.bwk-bremen.de/bwk_internet/bwk_historie/his_2.htm ?Planung und Bau der Bremer Wollkämmerei?] mit 150 Arbeitern. Schon 1896 wurden 2000 Arbeiter beschäftigt, darunter viele aus Polen, Schlesien, Ost- und Westpreußen, Sachsen und dem Rheinland. 1897 wurde mit der Farge-Vegesacker Eisenbahn der Anschluß an das Bahnnetz vorgenommen. Bis 1930 stieg die Arbeitnehmerzahl auf 3700, weshalb die BWK auch Wohnanlagen baute. Dabei wurde sie vom damaligen Landrat Paul_Berthold unterstützt.
Im zweiten Weltkrieg beschäftigte die Firma eine hohe Zahl von Zwangsarbeitern, so im Jahre 1944 1198 Personen. Die Häuser, in denen diese untergebracht waren, existieren heute noch, es gab auch auf der nahegelegenen Bahrs Plate ein Wohnlager.
Die Entwicklung der Lohnkosten, der Wechselkurse und die Liberalisierung der Einfuhren bedrohten die Wettbewerbsfähigkeit der Kämmerei Anfang der 1960er Jahre gegenüber der ausländischen Konkurrenz. Als Folge davon wurde der Betrieb unter Einsatz moderner Technik, optimierter Betriebsabläufe und vervielfachter Produktivität total umstrukturiert und entwickelte sich zum weltweit größten seiner Art an einem Standort. Die Kapazität reicht für die Verarbeitung der Wolle von 20.000 Schafen pro Tag.
Hervorgerufen durch die Strukturveränderungen im internationalen Handel mit Wolle und Wollprodukten vollzieht das Unternehmen seit den 1980er Jahren die Wende von der früher vorherrschenden Produktionsorientierung zur nunmehr entscheidenden Marktorientierung. Aus der ehemaligen Lohnkämmerei, dem Produzenten für fremde Rechnung, wird ein Anbieter von Kammzügen aus Wolle, Chemiefasern und Mischungen von internationalem Rang.
Das Unternehmen hatte einen maßgeblichen Anteil an der Entwicklung Blumenthals. So baute die BWK in den Anfängen letzten Jahrhunderts für ihre Arbeiter ganze Straßen mit Wohnhäusern, um den bis zu 5.000 Arbeitern eine Heimat zu bieten. Nach umfangreichen Rationalisierungsmassnahmen verblieben davon bis heute (2006) nur noch 260 Arbeitsplätze einschließlich der Tochtergesellschaften, ein Tribut an den technischen Fortschritt und die veränderten Bedingungen im Weltmarkt. Die Globalisierung und der damit einhergehenden asiatischen und osteuropäischen Billiglohn Konkurrenz sowie der sinkenden Nachfrage nach Wolltextilien gingen nicht spurlos vorüber.
Gewinne blieben aus, die Verluste aus dem Wollgeschäft nahmen existenzbedrohende Formen an. Dennoch gelang es dem Unternehmen, zusammen mit einem australischen Investor, die drohende Insolvenz im Jahre 2004 abzuwenden.
Zur Erhaltung des Standortes mussten notwendige Investitionen in den Maschinenpark vorgenommen werden. Das notwendige Kapital für diesen erneuten Kraftakt kam aus dem Verkauf von nicht betriebsnotwendigen Grundstücken an die Stadtgemeinde Bremen. Dieses Industriegelände wird zur Zeit (2006) unter Abbruch der nicht mehr genutzten Gebäude für die Ansiedlung neuer Industrie-Unternehmen vorbereitet.
Über Tochterfirmen hat die BWK zwei Verbrennungsanlagen aufgebaut. Die ehemals nur zur Verbrennung des Wollwaschwassers eingerichtete Eindampf- und Feuerungsanlage verbrennt jetzt bis zu 100 % fremde flüssige Abfälle, darunter sehr bedenkliche Stoffe wie Deponiesickerwässer sowie flüssige Abfälle aus der chemischen und pharmazeutischen Industrie.
In einer weiteren Tochterfirma, dem Heizkraftwerk Blumenthal, werden feste Siedlungsabfälle verbrannt. Das sind sogenannte Sekundärbrennstoffe (Gelber-Sack-Müll), der hauptsächlich aus dem Kreis Diepholz herangefahren wird.
Die der Umgebung entstehenden Umweltbelastungen durch die Firma sind beträchtlich. Die Abluft aus der Bremer Wollkämmerei sorgt für einen ständigen sehr unangenehmen Geruch in der umgebenden Wohnbebauung. Der Geruch der Müllverbrennungsanlagen sowie des Mülllagers sorgt ebenfalls für eine starke Belastung der Wohnbevölkerung.
Eine erhöhte Krebshäufigkeit in der Umgebung ist vorhanden, die Ursachen sind noch nicht abgeklärt.
Betrieb und Produkte
Die Kämmerei ist die erste industrielle Stufe in der Wollverarbeitung. Hier wird die vom Schaf geschorene Wolle in einer hochautomatisierten Prozeßfolge gewaschen, gekämmt und in Bandform gebracht. Der so für die Weiterverarbeitung aufbereitete Rohstoff Wolle heißt in der textilen Fachsprache Kammzug. Die Spinnereien erzeugen daraus Kammgarne, aus denen in weiteren Stufen der Verarbeitung - Weberei, Strickerei, Ausrüstung und schließlich Konfektion - hochwertige Bekleidungsartikel aus reiner Schurwolle oder wollhaltigen Mischungen entstehen.
Die im Verkämmungsprozeß ausgekämmten Kurzfasern heißen Kämmlinge. Sie finden Verwendung in der Streichgarnspinnerei und in der Filzindustrie.
Etwa 10 Prozent der in Bremen produzierten Wollkammzüge werden filzfrei ausgerüstet. Daraus hergestellte Schurwollartikel können im Schongang in der Haushaltswaschmaschine gewaschen werden, ohne zu verfilzen und einzulaufen.
Zellulosische und synthetische Chemiefasern werden bei der BWK ähnlich wie die Wolle zu einem verspinnbaren Faserband aufbereitet, das als Vorprodukt in der Kammgarnspinnerei eingesetzt wird. Die Chemiefaserverarbeitung hat sich zu einem zweiten wichtigen Standbein der BWK in Bremen entwickelt.
Ungekämmte, gewaschene Wolle kommt in feineren Qualitäten in der Streichgarnspinnerei und in gröberen in der Teppichindustrie zum Einsatz. Vorwiegend werden diese Wollen bereits in den Ursprungsländern gewaschen und als solche exportiert.
Umweltaspekte
Das Waschen der Wolle erfordert viel Wasser, so dass große Mengen von Abwässern anfallen. Diese enthalten die Stoffe, die von der Rohwolle herunter gewaschen wurden, wie Sand und Erde, Wollwachs, Schweißsalze, andere organische Bestandteile und Substanzen, mit denen die Schafe behandelt werden müssen, um sie vor quälendem Ungeziefer zu schützen.
Reinigungssystem
Mit hohem Forschungs- und Investitionsaufwand hat die BWK das Problem der Abwasserreinigung in Zusammenarbeit mit Universitätsinstituten, einer Engineeringfirma und dem Umweltbundesamt gelöst. Das Verfahren besteht aus der Kombination einer biologischen Kläranlage mit einer Eindampf- und Feuerungsanlage (EFA)und wurde bereits 1987 in Betrieb genommen.
Die Besonderheit dieses Verfahrens liegt in der Behandlung des Wollwaschwassers durch Eindampfen und Verbrennen.
Eindampfen: Durch Erhitzen wird das Wollwaschwasser in Wasserdampf und in ein energiereiches Konzentrat getrennt. Bei der Kondensation des Wasserdampfs entsteht wieder für die Produktion verwertbares Wasser, das wir für die Wollwäsche einsetzen.
Verbrennen: Das bei der Eindampfung erzeugte Konzentrat wird theoretisch bei 1200°C verfeuert, wodurch sämtliche organischen Bestandteile und Schadstoffe vernichtet werden. Die freiwerdende Energie wird in Dampf und Strom für den Betrieb umgewandelt. Das Abwasserreinigungs-System der BWK arbeitet also mit Wasserrecycling und Energierückgewinnung. Außerdem wird durch dieses weltweit einmalige Verfahren der Anfall von Klärschlamm in einer anerobbiologischen Kläranlage um 75% reduziert und aus dem Filterstaub der Feuerungsanlage Soda für den Wiedereinsatz in der Wollwäsche zurückgewonnen. Das Umweltbundesamt hat das Verfahren des Verdampfens von Wollwaschwasser als richtungweisend für gleiche und ähnliche Problemstellungen eingestuft und die Investition finanziell gefördert. Inzwischen verfeuert die Anlage allerdings nicht mehr nur Wollwaschwasser, sondern bis zu 100 % andere Flüssigkeiten.
EG Öko-Audit
Die Bremer Woll-Kämmerei AG hat weltweit als erste Wollkämmerei in ihrem Werk Bremen-Blumenthal ein Umweltmanagementsystem gemäß EMAS II (EG-Öko-Audit-Verordnung 1836/93) aufgebaut. Die Umweltbetriebsprüfung wird jährlich von einem unabhängigen, von der EU zugelassenen Gutachter vorgenommen. Nach erfolgreicher Auditierung hat die Handelskammer Bremen, als Beauftragte der Europäischen Kommission, die BWK in das Standortregister der EU eingetragen.
Wesentlicher Bestandteil des Auditverfahrens ist die Umwelterklärung, mit der die umweltpolitischen Unternehmensleitlinien, alle ökologisch relevanten Daten sowie der Maßnahmenkatalog zur Erreichung der weiter angestrebten Umweltziele dokumentiert werden.
Quellen
Weblink
* http://www.bwk-bremen.de/

