Bremer Vulkan
Die Bremer Vulkan AG [] war eine bedeutende Großwerft und einer der wichtigsten Arbeitgeber in Bremen-Nord.
Die Werft baute Schiffe aller Kategorien (Frachtschiffe, Passagierschiffe, Tanker, Fischdampfer, U-Boote, Containerschiffe, Fregatten und andere) und gehörte bis in die 1980er Jahre zu den großen Werften Deutschlands. Zusammen mit den Schiffen der Vorgängerwerft entstanden über 1.000 Schiffe auf dem Bremer Vulkan.
Mitte der 1990er Jahre geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. Nach dem Vorwurf der Veruntreuung von Geldern, die für ostdeutsche Werften gedacht waren, meldete der Bremer Vulkan 1996 Insolvenz an und stellte im Mai 1997 den Schiffbau in Bremen-Vegesack ein.
Im Gegensatz zu der geologischen Bezeichnung Vulkan wird der Name der Werft auf der ersten Silbe betont (['wulkan]). Er leitet sich von Vulcanus, dem römischen Gott des Feuers und der Schmiedekunst, ab. Die Mitarbeiter des Bremer Vulkan bezeichneten sich selbst als Vulkanesen.
Geschichte
Johann_Lange gründet am 21. September 1805 in Bremen-Grohn eine Werft, die als Anfang des Bremer Vulkans angesehen wird.
23. Oktober 1893: Die neu gegründete Bremer Vulkan AG kauft die Werft von Johann Lange für 225.000 Mark. Zu dem Gesellschafterkreis gehören unter anderem:
** der Geschäftsführer der Langeschen Werft Victor Stanislaus Nawatzki,
** der Vegesacker Reeder Friedrich Bischoff (Reeder),
** der Bremer Kaufmann Franz Ernst Schütte,
** Eberhard Loose,
** der Reeder Wätjen,
** der Schiffsmakler Bunnemann
** der Papenburger Werftbesitzer_Meyer,
** der Direktor der Bremer Woll-Kämmerei Zschörner,
** der Besitzer der Vegesacker Werft Hermann Friedrich Ulrichs.
Das Unternehmen beginnt mit 60 Mitarbeitern.
29. Januar 1895: Beschluss, die 1883 gegründete Bremer Schiffbaugesellschaft (frühere Ulrichs-Werft) zu kaufen
1896: Zu der Werft gehört nun auch eine Maschinenfabrik, die eine Gießerei, die Kesselschmiede, elektrisch betriebene Kräne und Werkzeugmaschinen, eine Kupferschmiede und die Klempnerei umfasst
1907-1913: durch die Wirtschaftskrise reduziert sich die Mitarbeiterzahl von 2.400 auf 800 (1909), danach steigt sie bis 1913 wieder auf 3.600
1919: der Industrielle August Thyssen beteiligt sich durch Aktienkäufe am Bremer Vulkan
1920: die Mitarbeiterzahl steigt auf über 4.000
* zwischen 1940 und 1944 entstehen 74 U-Boote auf der Werft
1949: als erste Schiffe nach dem Krieg werden Fischdampfer gebaut, in den Folgejahren steigt die Mitarbeiterzahl wieder auf 3.750
1968: die ersten deutschen Containerschiffe werden vom Bremer Vulkan ausgeliefert
1. Januar 1984: Durch Vereinigung mit der Lloyd-Werft in Bremerhaven entsteht der Bremer Werftenverbund, es arbeiten 3.400 Menschen auf dem Bremer Vulkan
1987: Der Bremer Vulkan hat große Liquiditätsprobleme und wird durch öffentliche Gelder gestützt. Friedrich Hennemann wird Vorstandsvorsitzender
1992: Übernahme der Werften in Wismar und Stralsund sowie des Dieselmotorenwerkes Rostock, Aufteilung des Unternehmens in Bremer Vulkan Verbund AG als Holdinggesellschaft und Bremer Vulkan Werft und Maschinenfabrik GmbH, 1994 umbenannt in Bremer Vulkan GmbH. In diesem Zusammenhang Rücktritt des Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern Alfred Gomolka. Er wollte die Abtretung des ostdeutschen Schiffbaukombinats an die Vulkan AG verhindern und wurde daraufhin von der CDU-Landes- und Bundesregierung gestürzt.
* September 1995: Erste Medienberichte über erneute Liquiditätsprobleme
21. Februar 1996: Der Interims-Vorstandsvorsitzende stellt einen Vergleichsantrag vor dem Amtsgericht Bremen.
* Mai 1996: Konkurs der Verbund AG, 357 Mio. Euro EU-Fördermittel, die für die ostdeutschen Werften bestimmt waren, wurden rechtswidrig nach Bremen umgeleitet.
* Mai 1997: Stilllegung der Werft in Bremen-Vegesack.
Auf dem Werftgelände in Bremen-Vegesack befinden sich heute zahlreiche neu angesiedelte Betriebe und die Gläserne Werft, in der Schiffe nach historischen Vorbildern gebaut bzw. restauriert werden.
Werftenkrise in Mecklenburg-Vorpommern
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden die ostdeutschen Werften des DDR-Schiffbaukombinats privatisiert. Größte Interessenten waren die Bremer_Vulkan_AG-Gruppe und die Norwegische Kvaerner. Ministerpräsident Gomolka wehrte sich vehement gegen die Pläne der Treuhandanstalt, das gesamte ostdeutsche Schiffbaukombinat der Bremer Vulkan AG zuzusprechen. Er wollte damit eine Zerschlagung der fünf Werften in Wismar, Rostock, Stralsund und Wolgast verhindern, da die Bremer Vulkan AG angesichts der internationalen Konkurrenz darum bemüht war, sich die ostdeutsche Konkurrenz vom Hals zu schaffen.
Ministerpräsident Gomolka verteidigte seine Pläne, die fünf Werften an unterschiedliche ausländische Interessenten zu verkaufen, auch gegen den Widerstand aus Bonn. Im Frühjahr 1992 wurde Ministerpräsident Alfred Gomolka, unter dem Vorwand eines Misstrauensantrags der CDU-Landtagsfraktion unter Führung von Eckhardt Rehberg, gestürzt. Zuvor hatte Gomolka seinen Justizminister Ulrich Born entlassen, da dieser offenbar im Hintergrund seine Ablösung betrieb. Gomolka wurde schließlich mit Zustimmung der CDU-Bundesführung in Bonn von der eigenen Partei gestürzt. Damit wurde der stärkste Widersacher gegen den Verkauf an die Bremer Vulkan AG aus dem Weg geräumt.
Die Gewerkschaft IG Metall unterstützte im Frühjahr 1992 die Bestrebungen der Bundesregierung und der Bremer Vulkan AG für eine gemeinsame Verbundlösung. Mit Teichmüller stand ein westdeutscher Funktionär an der Spitze der protestierenden ostdeutschen Werftarbeiter, die in Schwerin und Rostock für eine Ablösung Gomolkas protestierten. Möglicherweise wusste der Vorstand der Vulkan AG schon vor 1989 von einer schwierigen wirtschaftlichen Lage in Bremen und wollte zusammen mit der IG Metall und der Regierung Kohl die Arbeitsplätze in Bremen erhalten und dafür die ostdeutschen Werften opfern. Es steht jedenfalls fest, dass drei Jahre lang EU-Fördermittel nach Bremen umgeleitet wurde, ohne dass jemand etwas merkte.
Drei Tage nach Gomolkas Rücktritt wurde Berndt Seite der 3. Ministerpräsident seit 1945 in Mecklenburg-Vorpommern. Seite billigte 1993 den Verkauf des Kombinats in den Westen. Mit Ausnahme der Warnow Werft gingen die Reste des ostdeutschen Schiffbaukombinates über die Treuhandanstalt an die Bremer Vulkan AG.
Ca. 700 Millionen DM (357 Millionen Euro) EU-Fördermittel, die für die ostdeutschen Werften bestimmt waren, wurden von 1993 bis 1995 rechtswidrig nach Bremen umgeleitet. Dennoch war die Bremer Vulkan AG im Frühjahr 1996 insolvent.
Die Veruntreuung der 357 Mio. Euro Fördermittel war Gegenstand der Strafrechtsprozesse gegen die Vorstände der Vulkan AG. Auf Ebene der Politik gab es keine Ermittlungen bzw. journalistischen Nachforschungen mehr.
Schiffe
Diese Liste enthält eine Auswahl der auf dem Bremer Vulkan gebauten Schiffe:
* Fischdampfer "Minister Jansen"
* Frachtdampfer "Joh. Albrecht"
* Dampfyacht "Andrej Perwoswannij"
* Kombischiff "Straßburg"
* Frachtdampfer "Naimes"
* Kombischiff ?Berlin"
* Frachtmotorschiff ?Ruhr"
* Tanker "C.O.Stillmann"
* Bananentransport-Motorschiff "Pionier"
* U-Boote (U-Boot Klasse VII B und C)
* Umbau des französischen Passagierschiffs "Pasteur" zur "Bremen" für den Norddeutschen_Lloyd
* die ersten beiden deutschen Containerschiffe "Weser Express" und "Mosel Express"
* Großtanker "Ajdabya"
* Kreuzfahrtschiff "Europa" der Hapag-Lloyd AG
* Fregatte "Bremen" Klasse F122 (Bremen-Klasse)
* Fregatte "Lübeck" Klasse F122 (Bremen-Klasse)
* 2.700 TEU-Container-Schiff "Vladivostok" (1991)
Tender "Elbe"
Literatur
* Wolfgang Kiesel: Bremer Vulkan, Aufstieg und Fall. Kurze, Bremen 1997, ISBN 3927485373
Weblinks
* Wolfgang Kiesel: Der Bremer Vulkan und seine Vorläufer - Zeitleiste von 1805 bis 1997
* Frank Romeike: Verloschen - Der Zusammenbruch der Werft Bremer Vulkan "[http://www.risknet.de/uploads/tx_bxelibrary/Bremer-Vulkan_RISKNEWS-022005.pdf]"
• Im Zweiten Weltkrieg vom Bremer Vulkan gebaute U-Boote (engl.)

