Bremer Börse
Die Bremer Börse wurde am 14. März 1682 offiziell gegründet. Börsenähnlichen Handel gab es jedoch schon seit 1620. Die Bremer Wertpapierbörse bildet heute zusammen mit der Berliner Börse ein Fusionsbündnis. Zusammen erwirtschafteten sie im Jahre 2005 einen Gesamtumsatz von 64.110 Millionen Euro.Anfänge
Im späten Mittelalter waren der Marktplatz sowie der Liebfrauenkirchhof in Bremen die wichtigsten Warenumschlag- und Handelsplätze.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kam der Wunsch nach einer Börse auf. Im Jahre 1613 (oder 1614) ließ man deshalb am Südrand des Liebfrauenkirchhofs zirka 28 kleine Hütten einreißen. Sechs Jahre später entstanden hier 21 mit Steinplatten abgedeckte Kellergewölbe für die Weinlagerung. Die so entstandene Freifläche wurde Börse getauft und alsbald fanden hier die meisten Geschäftsaktivitäten statt.
Die Alte Börse
Auf Grund der Baufälligkeit des Gewölbes und des ständig wachsenden Handelsaufkommens erließ die Stadt Bremen am 14. März 1682 die I. Börsenordnung, auf deren Grundlage der Architekt Jean Baptiste Broëbes 1687 damit begann, über dem Keller ein einstöckiges Gebäude zu errichten. Nach den Plänen von Giselher von Warneck wurde in den Jahren 1734 bis 1736 ein zweites Stockwerk aufgebaut.
Architektur
Bei der Alten Börse handelte es sich um einen Bau im Stil des Barock. Im Erdgeschoss befanden sich der Handelssaal und das Büro des Lotterieeinnehmers (gegen Ende des 18. Jahrhunderts zum Buchladen umgebaut). In der neuen zweiten Etage waren zwei kleine und ein großer Festsaal (für Konzerte, Hochzeiten Gastempfänge etc.) eingerichtet worden. Der Keller des Gebäudes hatte wahrscheinlich schon damals eine Verbindung zum Bremer Ratskeller.
Geschichte
Der Handel in der Alten Börse konzentrierte sich vorwiegend auf Makler-, Waren- und Wechselgeschäfte, aber auch Aktien waren beliebt.
Nach dem Einmarsch Napoléon Bonapartes und seiner Truppen wurde die Börse durch die Franzosen vorübergehend geschlossen. Diese veranlassten im September 1811 einen Umzug in das Kramerhaus und das Rathaus, wo weitergehandelt werden konnte. Zwei Jahre später jedoch, im Oktober 1813, konnte die Börse ihre Geschäfte im Gebäude am Liebfrauenkirchhof wieder aufnehmen.
Im Jahre 1816 erließ der Kaufmannskonvent die vom Bremer Senat getragene II. Börsenordnung. Zunächst jedoch war die wirtschaftliche Lage der Kaufleute noch nicht vielversprechend, aber in den 1820er Jahren besserte sich die Situation und schon bald erwieß sich die Alte Börse als den Ansprüchen ungenügend. 1849 wurde die III. Börsenordnung veröffentlicht, welche die Aufsicht über die Geschäfte auf die Handelskammer übertrug. Diese erhielt ab 1853 Unterstützung durch den neu gegründeten Börsenverein.
1864 wurden der Handel in die Neue Börse am Marktplatz verlagert.
Zerstörung des Gebäudes
Die nicht mehr genutzte Alte Börse brannte 1888 nieder. Die Überreste wurden abgerissen. Der Keller des Gebäudes wurde tiefer gelegt und bildet heute einen Teil des Bachuskellers, eines Abschnittes des Bremer_Ratskellers.
Die Neue Börse
Auf Grund der Unrentabilität der Börse beschlossen die Bremer Handelskammer und der Börsenverein im Jahre 1855 die Errichtung eines neuen Gebäudes. Dazu ließen sie an der Ostseite des Marktplatzes zwischen 1860 und 1863 siebzehn alte Giebelhäuser und die kleine Wilhadikirche abreißen. Unter der Leitung von Heinrich_Müller entstand in den Jahren 1861 bis 1864 ein neues Handelsgebäude. Dessen Einweihung wurde am 5. November 1864 gefeiert.
Architektur
Die Neue Börse am Marktplatz war ein großer neugotischer Bau mit einer dem Schütting ähnlichen Portaltreppe und zwei Türmen. Das Interieur wurde von vielen namenhaften Künstlern der damaligen Zeit gestaltet. Unter anderen wirkten die Maler Arthur Fitger und P. Janssen und der Bildhauer Diedrich Kropp daran mit.
Das Gebäude verfügte über eine große Halle, mehrere Kontorräume, einen Tagungsraum sowie Büros für die Bremer Bürgerschaft beziehungsweise den Bremer Bürgerconvent. Zudem befand sich im Untergeschoss noch ein öffentliches Restaurant.
Geschichte
Auch zu Beginn des Handels in der Neuen Börse existierte in Bremen kaum Wertpapierhandel. Es wurden vorwiegend Wechsel- und Warengeschäfte getätigt.
und dem Rathaus auf einer Postkarte um 1900]]
Dies änderte sich jedoch in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts. Am 1. Januar 1890 stellte die Effektenbörse, also jener Bereich, der mit Aktien handelt, neue Richtlinien auf, in deren Folge die Bremer Wertpapierbörse immer mehr an Bedeutung gewann und schon bald den Anschluss an andere europäische Institute fand. Mit dem Inkrafttreten des Reichsbörsengesetzes am 23. Juni 1896 wurde sie zu einem Dienstleister mit öffentlichem Auftrag. Durch die Etablierung der Baumwollbörse ließ der Handel an der Warenbörse deutlich nach.
Im Zuge der Novemberrevolution von 1918 trat die Neue Börse kurzzeitig ins politische Rampenlicht, als der Politiker Alfred Henke am 14. November in einem Saal des Gebäudes die Machtübernahme durch einen Arbeiter- und Soldatenrat sowie die Auflösung des Senats und der Bürgerschaft erklärte. Aus diesem Gremium entwickelte sich Anfang des darauffolgenden Jahres die Bremer Räterepublik.
Im Jahre 1934 wurde die Neue Börse geschlossen und der Bremer Wertpapierhandel auf die Hanseatische_Börse in Hamburg übertragen.
Zerstörung des Gebäudes
Am 20. Dezember 1943 brannte der Bau in Bremen nach einem Luftangriff komplett aus. Die Ruine blieb nahezu zwölf Jahre stehen, bevor die Handelskammer das Gelände im Jahre 1956 an die Stadt verkaufte. In den folgenden acht Jahren entstand dort nach Plänen des Architekten Wassili Luckhard das Gebäude der Bremischen_Bürgerschaft.
Nachkriegszeit
Schon kurz nach der deutschen Kapitulation 1945 erfolgte die Neugründung der Bremer Wertpapierbörse - mit Einwilligung der Amerikaner. Am 16. Februar 1949 wurde sie eröffnet.Im Jahre 1980 zog sie in einen Anbau eines Bankhauses am Domshof. Zehn Jahre später wechselte man in die nahe dem Bremer Marktplatz gelegene Obernstraße.
In der Folgezeit verlor die Börse jedoch den Parketthandel, woraufhin das Institut erneut umzog und sich mit etwa 30 Werpapierhändlern in der Kohlhökerstraße niederließ. Im Jahre 2002 erfolgte eine zehnprozentige Beteiligung an der NASDAQ Deutschland AG - zusammen mit der NASDAQ (50 %), der Berliner Börse (10 %), comdirect (7,5 %), der Commerzbank (7,5 %) und der Dresdner Bank (15 %).
Im März 2003 fusionierte die Bremer Börse mit der Berliner Börse zur öffentlich-rechtlichen Wertpapierbörse ?Börse Berlin-Bremen?.
Literatur
* Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. Edition Temmen, 2003, ISBN 3-86108-693-X
Weblinks
• berlinerboerse.de - Börse Berlin-Bremen

