Braunschweig (Land)
Braunschweig war ein Land des Deutschen_Reichs. Es war bis zur Novemberrevolution 1918 ein Herzogtum (siehe hierzu Herzogtum Braunschweig), dann für kurze Zeit eine sozialistische Räterepublik und anschließend Freistaat. Die Hauptstadt war Braunschweig, Residenzstadt war im Laufe der Geschichte auch die Stadt Wolfenbüttel.
Geschichte
Herzogtum Braunschweig (1814-1918)
Das Herzogtum Braunschweig ging nach einer kurzen Zeit der Zugehörigkeit zum Königreich Westfalen aus dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel des Herzogtums_Braunschweig-Lüneburg hervor.
siehe Artikel: Herzogtum Braunschweig
Freistaat Braunschweig (1918-1921)
Siehe auch Hauptartikel: Novemberrevolution in Braunschweig
= 1918
=Im Laufe des 6. November 1918 erreichten die ersten Matrosen aus Kiel und Wilhelmshaven kommend Braunschweig. Am nächsten Tag fand eine Großdemonstration statt und fast die gesamte Braunschweigische Garnison lief zu den Aufständischen über. Am Nachmittag des 8. November 1918 erzwang eine Deputation unter Führung von August Merges die Abdankung Herzog Ernst_Augusts.
?Sozialistische Republik Braunschweig? (1918-1921)
Nach der Abdankung des Herzogs übernahm ein Arbeiter- und Soldatenrat die politische Führung. Am 10. November 1918 wurde eine Alleinregierung der USPD durch den Arbeiter- und Soldatenrat ausgerufen. Die ?Sozialistische Republik Braunschweig? wurde proklamiert und zu ihrem ersten Präsidenten wurde einstimmig August Merges auf Vorschlag von Sepp Oerter gewählt, der wiederum Vorsitzender des ?Rates der Volkskommissare? wurde.
Am 24. November 1918 wurden die Arbeiter- und Soldatenräte neu gewählt, allerdings bei einer sehr geringen Wahlbeteiligung. Anfang Dezember beschlossen die Vertreter von USPD und SPD, bei den kommenden Kommunal- und Landtagswahlen auf der Grundlage des Erfurter Programmes einen gemeinsamen Wahlkampf zu führen. Die SPD verabschiedete sich allerdings bereits am 4. Dezember aus der Sitzung der gemeinsamen Wahlkommission. Am 6. Dezember fand die erste Sitzung der neuen Arbeiter- und Soldatenräte, die etwa zu je einem Drittel mit Anhängern der SPD, des USPD-Zentrums und der USPD-Linken und des Spartakusbundes besetzt war, statt.
Am 22. Dezember 1918 wurde das Braunschweiger Landesparlament gewählt: Obwohl sie bis dahin die dominierende politische Kraft gewesen war, errang die USPD lediglich 14 von 60 Sitzen, die MSPD (unter Heinrich Jasper) hingegen 17, die beiden bürgerlichen Parteien, der ?Landeswahlverband? und die Deutsche Volkspartei (DVP) brachten es zusammen auf 29 Sitze. In der Stadt Braunschweig wurde die USPD mit 33,4 % stärkste Partei.
Landtagswahlergebnis 1918
SPD 27,7% - 17 Sitze /'> Landeswahlverband (ZENTRUM, Welfen, DNVP u.a.) 26,2% - 16 Sitze /'> Berlin. Am 20. Januar demonstrierten 30.000 Menschen in Braunschweig gegen den Doppelmord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.
?Nordwestdeutsche Republik?
Die Lage in der Stadt schien langsam aber sicher zu eskalieren, der Ton gegenüber Berlin wurde radikaler ? der Rat der Volksbeauftragten plante die Gründung einer ?Nordwestdeutschen Republik?, die aus zehn sozialistischen Freistaaten bestehen sollte. Verhandlungen darüber scheiterten jedoch bereits im Ansatz.
Am 22. Februar 1919 wurde eine Koalitionsregierung aus USPD und SPD unter Vorsitz von Sepp Oerter gebildet, und der Landtag verabschiedete die vorläufige Verfassung, die das Parlament zum Träger aller staatlichen Gewalt bestimmte und somit eine deutliche Entscheidung für die parlamentarische_Demokratie zum Ausdruck brachte.
April 1919: Freikorps-Truppen in Braunschweig
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Am 9. April 1919 riefen die Spartakisten in Braunschweig einen Generalstreik aus, wobei sie utopische Forderungen stellte. Der Streik hatte u. a. zur Folge, dass es in weiten Teilen Deutschlands zu erheblichen Versorgungsschwierigkeiten bei Lebensmitteln und Kohle in kam. Das öffentliche Leben in der Stadt kam zum Erliegen. Am 13. April 1919 verhängte die Reichsregierung den Belagerungszustand über den Freistaat Braunschweig.
Am 17. April marschierten ca. 10.000 Mann des Freikorps_Maercker in die Stadt ein. Merges war zunächst nach Berlin geflohen, während Oerter in Braunschweig geblieben war. Die Regierung Oerter wurde umgehend abgesetzt und der Landesarbeiterrat aufgelöst. Maercker und Jasper verhandelten derweil über die Bildung einer neuen Regierung für Braunschweig. Am 30. April wählte der Braunschweiger Landtag eine neue Regierung, die von einer Koalition aus SPD, USPD und DDP gebildet wurde. Neuer Ministerpräsident wurde Heinrich Jasper. Am 10. Mai zog Maercker mit seinen Truppen wieder ab, da die öffentliche Ordnung in Stadt und Freistaat Braunschweig wieder hergestellt waren. Am 5. Juni hob die Reichsregierung den Belagerungszustand für Braunschweig wieder auf. Im Juni gelang es SPD und DDP, die USPD aus der Regierung zu verdrängen.
=1920
=Im Folgejahr wird am 16. Juni 1920 der zweite Braunschweiger Landtag gewählt. Gewinner der Wahlen sind USPD und BLWV, SPD und DDP müssen starke Verluste hinnehmen. Am 22. Juni wird eine neue Regierung unter dem Ministerpräsidenten Sepp Oerter (USPD) gewählt.
Landtagswahlergebnis 1920
Landeswahlverband (s.o.) 37,3% - 23 Sitze /'> DDP 9,5% - 5 Sitze | KPD 1,1% - 0 Sitze
=1921
=Nachdem Oerter im Jahr 1921 ausscheidet, wählt der Landtag am 25. November 1921 erneut eine USPD/SPD-Regierung, die diesmal unter der Führung von Ministerpräsident August Junke steht.
Freistaat Braunschweig (1921-1933)
thumb|Landtagsgebäude_in_Braunschweig
Am 6. Januar 1922 tritt die erste Braunschweiger Verfassung in Kraft. Braunschweig ist nun Freistaat.
Die USPD/SPD-Regierung verliert allerdings bereits bei den folgenden Landtagswahlen am 22. Januar 1922 ihre Mehrheit. Nur mit Hilfe der KPD-Stimmen kann sich die Regierung halten.
Nachdem ein Antrag, der Regierung das Vertrauen auszusprechen, aber abgelehnt wird, tritt die Regierung am 4. Mai zurück. Eine neue Regierung aus SPD, DDP und DVP wird am 23. Mai gebildet, Ministerpräsident wird erneut Heinrich Jasper.
Am 13. September 1923 wird aufgrund des Republikschutzgesetzes die NSDAP verboten, die bereits im Jahr zuvor Ortsgruppen in Wolfenbüttel und Braunschweig gegründet hat. Allerdings wird dieses Verbot nicht konsequent durchgesetzt. Im Januar 1924 tritt Sepp Oerter in die NSDAP über, so dass diese auf diesem Weg erstmals im Landtag vertreten ist.
Im Februar 1924 löst sich der Landtag selbst auf, nachdem es zuvor nicht zu einem geplanten Volksbegehren zur Landtagsauflösung gekommen ist. Bei am 7. Dezember stattfindenden Landtagswahlen erringen die bürgerlichen Parteien die Mehrheit, die neue Regierung wird am 24. Dezember 1924 mit den Stimmen von DNVP, DVP, Wirtschaftliche Einheitsliste, Welfen und NSFB gebildet.
Bei den Landtagswahlen am 27. November 1927 erreicht die SPD 46,2% der Stimmen und erringt die Hälfte der Sitze. Am 14. Dezember konstituiert sich eine Alleinregierung der SPD, die mit 23 SPD-Stimmen und 2 KPD-Stimmen bestätigt wird. Die restlichen Abgeordneten enthalten sich.
Bei den Landtagswahlen am 14. September 1930 steigert sich die NSDAP von 3,7% auf 22,2% der Stimmen. Die SPD verliert 5,2%, so dass die Linke ihre Mehrheit im Landtag verliert. Ernst Zörner (NSDAP) wird am 30. September mit 20 zu 17 Stimmen zum Landtagspräsidenten gewählt, mit der gleichen Mehrheit wird am nächsten Tag eine neue Rechtsregierung gewählt. Die Bürgerliche Einheitsliste, bestehend aus DNVP, DVP, Zentrum und WP, bildet mit der NSDAP gemeinsam die Regierung und wählt Werner Küchenthal zum Ministerpräsidenten und den Nationalsozialisten Anton Franzen zum Staatsminister für Inneres und Volksbildung.
In der Folge beginnt ein Kampf der rechten Kräfte gegen die SPD und KPD. Lehrer werden entlassen, Professoren in den Ruhestand versetzt, Flugblätter und Plakate, die gegen Aktionen der NSDAP gerichtet sind, verboten.
Die Kommunalwahlen am 1. März 1931 ergeben eine SPD/KPD-Mehrheit in der Stadt Braunschweig. Im März initiiert die KPD ein erfolgreiches Volksbegehren zur Landtagsauflösung, zum Volksentscheid kommt es aber nicht.
Nachfolger des aufgrund einer Meineidsaffäre umstrittenen Franzen wird am 15. September 1931 Dietrich Klagges. Unter seiner Leitung werden im Land Braunschweig Verwaltung, Polizei und Bildungswesen durch Auswechselung von Kreisdirektoren, Schulräten, Lehrern und Richtern im Sinne der NSDAP verändert. Infolge der Entlassungen von Lehrern kommt es zu Streiks an öffentlichen Schulen. Aufgrund von Streikaufrufen wird unter anderem der sozialdemokratische Volksfreund für drei Wochen verboten.
Am 11. Oktober 1931 bilden NSDAP, DNVP und Stahlhelm gemeinsam die Harzburger Front.
Aufgrund der fortschreitenden Verfolgung ihrer Funktionäre sehen sich KPD und SPD ab dem 14. März 1933 außerstande, weiterhin an Landtagssitzungen teilzunehmen. Am 4. April 1933 wird aufgrund des Vorläufigen Gesetzes zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich nach den Ergebnissen der Reichstagswahl_vom_5._März der Landtag neu gebildet. An der konstituierenden Sitzung des neuen Landtages am 29. April 1933 nehmen, nachdem sich der Landesverband der DNVP der NSDAP angeschlossen hat, lediglich 33 Abgeordnete der NSDAP-Fraktion teil. Klagges meldet Hitler das "erste rein nationalsozialistische Parlament in Deutschland". Am 6. Mai 1933 wird Dietrich Klagges Ministerpräsident.
Am 13. Juni 1933 findet die letzte Sitzung des Braunschweigischen Landtages statt. Am 14. Oktober 1933 wird durch die Auflösung des Reichstages automatisch auch der Landtag aufgelöst, eine Neubildung findet nicht mehr statt.
= Einbürgerung von Adolf Hitler
=Siehe Hauptartikel: Einbürgerung Adolf Hitlers
Die Stadt Braunschweig trägt zu Unrecht das Stigma, dafür verantwortlich zu sein, dass der ehemals österreichische_Staatsangehörige und seit 1925 auf eigenes Betreiben staatenlose Adolf Hitler durch eine Anstellung als Regierungsrat beim Braunschweiger Landeskultur- und Vermessungsamt (mit Datum vom 25. Februar 1932) – mit Dienstpflicht als Sachbearbeiter bei der Braunschweigischen Gesandtschaft in Berlin – Braunschweiger und damit deutscher Staatsangehöriger wurde[http://www.vernetztes-gedaechtnis.de/doc9.htm Staatsminister Dr. Küchenthal an den braunschweigischen Gesandten Boden (Berlin)].
Verantwortlich für diese ?Einbürgerung? war allerdings nicht die Stadt Braunschweig, sondern das Land, der Freistaat Braunschweig. Im Gegensatz zum Freistaat, der mehrheitlich pro NSDAP eingestellt war, war die politische Situation in der Stadt Braunschweig eine andere. Durch die starke Industrialisierung seit Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Bedeutung des Proletariats. Die Stadt Braunschweig war daher seit Jahrzehnten mehrheitlich ?rot?, so dass hier die NSDAP bis März 1933 keine Rolle spielte. Im Freistaat waren die Nationalsozialisten dagegen bereits seit 1930 sehr einflussreich. Ihre Macht gründete sich vor allem auf Landwirtschaft und Mittelstand, erste Hochburgen waren Bad Harzburg, Holzminden, Seesen und Wolfenbüttel.
Für Hitler gab es 1932 lediglich eine Möglichkeit, eine deutsche Staatenangehörigkeit noch rechtzeitig vor den nächsten Wahlen zum Reichspräsidenten zu erhalten, nämlich durch den Freistaat Braunschweig. Neben dem Land_Oldenburg war dies das einzige Land der Weimarer Republik, in dem die NSDAP nicht nur mitregierte, sondern durch den NSDAP-Staatsminister für Inneres und Volksbildung Dietrich Klagges und Ministerpräsident Werner Küchenthal (BEL) die ?Einbürgerung des Führers? vorantreiben konnte. So erhielt Dietrich Klagges als Regierungsvertreter des Freistaates den direkten Auftrag der NSDAP-Parteiführung zur ?Einbürgerung? Hitlers. Goebbels notierte diesbezüglich am 4. Februar 1932 in seinem Tagebuch: ?Es ist beabsichtigt, den Führer in Braunschweig zum außerordentlichen Professor zu ernennen.?.Braunschweiger Zeitung (Hrsg.): Wie braun war Braunschweig? Hitler und der Freistaat Braunschweig. Braunschweig 2003, S. 21?23
Zunächst versuchte Klagges, Hitler eine außerordentliche Professur für den zu diesem Zwecke konstruierten Lehrstuhl ?Politik und organische Gesellschaftslehre? an der Technischen_Hochschule_Braunschweig zu verschaffen. Die dilettantisch ausgeführte Maßnahme wurde alsbald öffentlich bekannt und scheiterte an der Opposition aus Hochschulleitung und Bildungsbürgertum – der Plan musste fallen gelassen werden. Klagges hatte Hitler damit dem Spott der Öffentlichkeit ausgesetzt und genau das erreicht, was die NSDAP mit allen Mitteln hatte verhindern wollen: Hitlers Ruf war – nicht nur in Braunschweig – beschädigt. Klagges sollte dafür auch bald die ?Quittung? erhalten.
In einem zweiten Versuch schlug der DVP-Abgeordnete Wessels vor, Hitler eine Stelle in der braunschweigischen Gesandtschaft beim Reichsrat in Berlin zu verschaffen.
Mit Unterstützung verschiedener Politiker des Freistaates, unter ihnen wieder Klagges, aber auch des NSDAP-Präsidenten des Braunschweigischen Landtages Ernst Zörner, der Hitler einen Scheinwohnsitz als Untermieter in Braunschweig anbot, glückte dieser zweite Anlauf schließlich: Am 26. Februar 1932 wurde Hitler vereidigt[http://www.vernetztes-gedaechtnis.de/hregieru.htm Hitler als Regierungsrat] ([http://www.vernetztes-gedaechtnis.de/ Vernetztes Gedächtnis ? Topografie der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Braunschweig]), womit er gleichzeitig deutscher_Staatsangehöriger wurde und schließlich die Möglichkeit erhielt, bei der _Reichspräsidentenwahl zu kandidieren. Offensichtlich erschöpfte sich damit aber auch schon seine Tätigkeit für die Gesandtschaft des Landes Braunschweig in Berlin. Im Übrigen stimmte der Landtag des Freistaates Braunschweig am 1. März 1932 der vom Staatsministerium für Inneres beantragten Regierungsratstelle zu und schloss damit die Einbürgerung Hitlers ab.
Von einer weiteren Ausübung seiner Dienstpflichten gegenüber dem Land Braunschweig ist nichts bekannt. Nur sieben Monate später, im Oktober 1932, beantragte Hitler unbefristeten Urlaub, da ?die fortlaufenden politischen Kämpfe? ihm ?in der nächsten Zeit die Erfüllung [seines] Dienstauftrages? nicht ermöglichten. Weil für die Öffentlichkeit, wie auch für die Oppositionspolitiker im Braunschweigischen Landtag nicht erkennbar war, welche Leistungen der ?Regierungsrat? Hitler für das Land Braunschweig erbracht hatte, beantragte die Opposition mehrfach die Vorlage von Arbeitsergebnissen. Schließlich wurde sogar in der Öffentlichkeit bekannt, dass die braunschweigische Rechnungskammer am 26. Januar 1933 – nur vier Tage vor Hitlers Ernennung zum Reichskanzler – eine Prüfung der an Hitler gezahlten Bezüge und der dafür von ihm erbrachten Leistungen angesetzt hatte.
Am 16. Februar 1933 ersuchte der nunmehr amtierende Reichskanzler Adolf Hitler in einem kurzen Telegramm um Entlassung aus dem braunschweigischen Staatsdienst – welche ihm umgehend ?mit sofortiger Wirkung? gewährt wurde. Einige Historiker zweifeln inzwischen an, ob Hitler tatsächlich jemals die deutsche Staatsbürgerschaft offiziell erwarb. Ironie der Geschichte: Hitler hätte am 30. Januar 1933 auch ohne die Einbürgerung Reichskanzler werden können. Hitlers ?Gastspiel? in Braunschweig war nur von kurzer Dauer. Schon vor 1932 war er selten in der Stadt, danach noch ein fünftes und letztes Mal, nämlich am 17. Juli 1935Horst-Rüdiger Jarck, Gerhard Schildt (Hrsg.): Braunschweigische Landesgeschichte. Jahrtausendrückblick einer Region, Braunschweig 2000, S. 1001, als er das aufgedeckte_Grab_Heinrichs_des_Löwen im Braunschweiger Dom sowie die NS-Neubausiedlung Lehndorf besichtigte.
Landtagswahlergebnisse
1922: Landeswahlverband 38,0% - 23 Sitze /'> DDP 10,7% - 6 Sitze | KPD 4,0% - 2 Sitze
1924: SPD 37,4% - 19 Sitze /'> DDP 5,3% - 2 Sitze | KPD 4,5% - 2 Sitze /'> ZENTRUM 1,6% - 0 Sitze | USPD 0,6% - 0 Sitze
1927: SPD 46,2% - 24 Sitze /'> DNVP 9,4% - 5 Sitze /'> Wirtschaftsverband des Mittelstandes 8,1% - 4 Sitze | NSDAP 3,7% - 1 Sitz /'> ZENTRUM 1,7% - 0 Sitze | Welfen 1,2% - 0 Sitze
1930: SPD 41,0% - 17 Sitze /'> Bürgerlische Einheitsliste (ZENTRUM u.a.) 26,0% - 11 Sitze | NSDAP 22,9% - 9 Sitze /'> Volksrechtpartei 0,8% - 0 Sitze | Nationale Mitte 0,2% - 0 Sitze
Das Land Braunschweig im Nationalsozialismus
Das Land Braunschweig wurde im Zuge der Gleichschaltung unter einen Reichsstatthalter mit Sitz in Dessau gestellt, der zugleich für das Land Anhalt zuständig war. Reichsstatthalter waren bis
1935 Wilhelm Loeper, 1935 bis 1937 Fritz Sauckel, ab 1937 Rudolf Jordan.
Der Landkreis Goslar mit den Städten Goslar und Salzgitter ist erst 1942 im Austausch gegen den bis dahin braunschweigischen Landkreis Holzminden von der preußischen Provinz Hannover zum Land Braunschweig gekommen. Im gleichen Jahr wurde die Stadt Watenstedt-Salzgitter aus braunschweigischen und preußischen (Provinz Hannover) Gebietsteilen neu gebildet. Damit konnte seinerzeit ein einigermaßen geschlossenes braunschweigisches Territorium geschaffen werden.
Nach dem 2. Weltkrieg
= Das Land Braunschweig und die Vereinigung zum Land Niedersachsen
=Zwischen dem 6. und 23. April 1945 wird das Land Braunschweig von den Alliierten Truppen besetzt. Am 24. April 1945 ernennt die britische Militärregierung den ehemaligen SPD-Reichstagsabgeordneten Hubert Schlebusch zum Ministerpräsidenten des Landes Braunschweig.
Bereits am 17. September teilt der Chef der Militärregierung, General John Lingham, den Ministerpräsidenten Schlebusch und Tantzen (Oldenburg) sowie dem hannoverschen Oberpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf mit, dass die Provinz Hannover sowie die beiden Länder zusammengefasst werden sollen.
Am 29. September 1945 wird ein Staatsvertrag zwischen den drei Ländern unterzeichnet, der vorsah, ein Gemeinschaftsministerium mit der Bezeichnung Länderregierung für Reichsaufgaben in Niedersachsen zu gründen. Die Besatzungsmacht genehmigt diesen Vertrag aber nicht, da sie den Ländern nicht das Recht zugesteht, ihre Angelegenheiten in dieser Form selbst zu gestalten.
Am 15. November 1945 konstituiert sich der Gebietsrat Hannover-Oldenburg-Braunschweig, dem am 20. Dezember auch Bremen beitritt. Am 15. Februar 1946 wird der Zonenbeirat mit Sitz in Hamburg ins Leben gerufen, dessen erste Sitzung am 6. März stattfindet. Am 1. April 1946 tritt Kopf mit einer Denkschrift an die britische Militärregierung heran, die fordert, die britische Zone in drei Gebiete zu teilen. Zum niedersächsischen Teil soll unter anderem Braunschweig gehören. Im Mai 1946 präsentiert Oldenburg einen Gegenentwurf, der einen Bundesstaat Weser-Ems fordert.
Mit der Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung vom 23. August 1946 ?Betreffend die Auflösung der Provinzen des ehemaligen Landes Preußen in der Britischen Zone und ihre Neubildung als selbständige Länder? erhält das Land_Hannover seine rechtlichen Grundlagen.
Am 23. November 1946 genehmigt die britische Militärregierung die Vereinigung des Landes Braunschweig (mit Ausnahme des östlichen Teils des Landkreises_Blankenburg sowie der Exklave Calvörde des Landkreises_Helmstedt, die an die sowjetische Besatzungszone fallen und in das Land Sachsen-Anhalt integriert werden), des Landes Hannover (mit Ausnahme des Amtes_Neuhaus, das an die sowjetische Besatzungszone fällt und erst 1993 Niedersachsen wieder angegliedert wird), des Landes Oldenburg und des Landes Schaumburg-Lippe zum neuen Land Niedersachsen. Die wesentlichen Bestandteile des bisherigen Landes Braunschweig werden als Verwaltungsbezirk Braunschweig Bestandteil des neuen Landes.
=Verwaltungsbezirk Braunschweig (1946-1978)
=Innerhalb des Landes Niedersachsen wird das Gebiet des ehemaligen Freistaats Braunschweig als einer von insgesamt acht Regierungsbezirken unter der Bezeichnung Verwaltungsbezirk Braunschweig weiter geführt.
Er umfasst die kreisfreien_Städte Braunschweig, Goslar und Salzgitter (der Name dieser Stadt war damals noch Watenstedt-Salzgitter) und die Landkreise Braunschweig, Gandersheim, Goslar, Helmstedt und Wolfenbüttel sowie den Restkreis Blankenburg (dessen neuer Kreissitz Braunlage im Harz wird).
Zum Landkreis Braunschweig gehört bis dahin und auch nach Bildung des Verwaltungsbezirks Braunschweig bis 1972 die rund 150 km entfernt liegende Exklave Thedinghausen bei Verden kurz vor Bremen. Seit 1972 gehört dieses Gebiet zum Landkreis Verden.
Der Landkreis Goslar mit den Städten Goslar und Salzgitter ist erst 1942 im Austausch gegen den bis dahin braunschweigischen Landkreis Holzminden von der preußischen Provinz Hannover zum Land Braunschweig gekommen. Im gleichen Jahr wurde die Stadt Watenstedt-Salzgitter aus braunschweigischen und preußischen (Provinz Hannover) Gebietsteilen neu gebildet. Damit konnte seinerzeit ein einigermaßen geschlossenes braunschweigisches Territorium geschaffen werden.
=Regierungsbezirk Braunschweig (1978-2004)
=Der Verwaltungsbezirk Braunschweig wird nach Abschluss der Kreisreform in Niedersachsen 1978 auf Kosten insbesondere der benachbarten Bezirke Hildesheim und Lüneburg erheblich vergrößert und nunmehr als Regierungsbezirk Braunschweig bezeichnet.
Am Ende des Jahres 2004 wurden alle Regierungsbezirke des Landes Niedersachsen aufgelöst.
Präsidenten bzw. Ministerpräsidenten
*10. November 1918 bis 22. Februar 1919: August Merges, USPD (Präsident des Rates der Volksbeauftragten in Braunschweig)
*22. Februar bis 16. April 1919 (danach geschäftführend bis 30. April 1919): Sepp Oerter, USPD
*30. April 1919 bis 22. Juni 1920: Heinrich Jasper, SPD (Ministerpräsident)
*22. Juni 1920 bis 24. November 1921: Sepp Oerter, USPD
*25. November 1921 bis 28. März 1922: August Junke, USPD
*28. März bis 22. Mai 1922: Otto Antrick, SPD (geschäftführend)
*23. Mai 1922 bis 24. Dezember 1924: Heinrich Jasper, SPD
*24. Dezember 1924 bis 14. Dezember 1927: Gerhard Marquordt, DVP
*14. Dezember 1927 bis 1. Oktober 1930: Heinrich Jasper, SPD
*1. Oktober 1930 bis 5. Mai 1933: Werner Küchenthal, DNVP
*5. Mai 1933 bis 12. April 1945: Dietrich Klagges, NSDAP (ernannter Ministerpräsident)
*24. April 1945 bis Januar 1946: Hubert Schlebusch, SPD (von Militärregierung ernannt)
*Januar 1946 bis 9. Dezember 1946: Alfred Kubel (von Militärregierung ernannt)
Reichsstatthalter
Reichsstatthalter für Anhalt und Braunschweig mit Sitz in Dessau:
*1933 bis 1935: Wilhelm Loeper
*1935 bis 1937: Fritz Sauckel
*1937 bis 1945: Rudolf_Jordan
Literatur
*Richard Bein: Braunschweig zwischen rechts und links. Der Freistaat 1918 bis 1930. Braunschweig 1990. ISBN 3-925268-05-7
*Richard Bein: Im deutschen Land marschieren wir. Freistaat Braunschweig 1930 ? 1945. 6. Aufl. Braunschweig 1992. ISBN 3-925268-02-2
• Zeitung] (Hrsg.): Wie braun war Braunschweig? Hitler und der Freistaat Braunschweig. Braunschweig 2003
*Braunschweiger Zeitung (Hrsg.): Kriegsende. Braunschweig 2005
*Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert. Hannover 1996. ISBN 3-7752-5838-8
*Horst-Rüdiger Jarck, Gerhard Schildt (Hrsg.): Braunschweigische Landesgeschichte. Jahrtausendrückblick einer Region. Braunschweig 2000, ISBN 3930292289
*Helmut Kramer (Hrsg.): Braunschweig unterm Hakenkreuz. Braunschweig: Magni, 1981. ISBN 3-922571-03-4
*Karl-Joachim Krause: Braunschweig zwischen Krieg und Frieden. Die Ereignisse vor und nach der Kapitulation der Stadt am 12. April 1945. Überarb. Aufl. Braunschweig : Meyer, 2005. ISBN 3-926701-66-8
*Maik Ohnezeit:"Was ist des Teutschen Vaterland?" Patriotismus und Nationalismus in Braunschweigs Geschichte und Gegenwart. Braunschweig 2007 (Veröffentlichungen des Braunschweigischen Landesmuseums 111, hrsg. von Gerd Biegel). ISBN 978-3-927939-77-6
*Hans Reinowski: Terror in Braunschweig ? Aus dem 1. Quartal der Hitlerherrschaft. Bericht herausgegeben von der Kommission zur Untersuchung der Lage der politischen Gefangenen. Zürich 1933
*Ernst-August Roloff: Bürgertum und Nationalsozialismus 1930-1933. Braunschweigs Weg ins Dritte Reich Hannover 1961
*Gunhild Ruben: Bitte mich als Untermieter bei Ihnen anzumelden ? Hitler und Braunschweig 1932 ? 1935. Norderstedt 2004. ISBN 3-8334-0703-4
Weblinks
• Die Entwicklung des Freistaates Braunschweig
• Verfassung des Freistaates Braunschweig vom 6. Januar 1922
• Vernetztes Gedächtnis ? Topografie der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Braunschweig

