Braunschweig-Südstadt
Die Südstadt ist ein Stadtteil Braunschweigs im südöstlichen Stadtbezirk Südstadt-Rautheim-Mascherode.
Geschichte
Vorgeschichte
= Wüstung Wolfshagen
=Bis zum 16. Jahrhundert war ein Großteile der heutigen Siedlung mit Wald bedeckt, das zum großen Waldgebiet aus Siechenholz, Lindenberg, Mastbruch und Nußberg gehörte.
1172 n. Chr. ist die Wüstung Wolfshagen in den Steterburger Annalen nachgewiesen. siehe Wilhelm Lehmann: ?Die Wüstung Wolfhagen? in Braunschweigischer Kalender 2002; S. 86f, die wahrscheinlich auch erst im 12. Jahrhundert aus dem großem Waldgebiert herausgerodet wurde. Die Siedlung lag an einem kleinem aber wasserreichen Bach, der weiter durch das Sumpfgebiet Heidberg, Rothe_Wiese| und Rothe Teich zur Oker floß. Der Hügel auf dem heute das Klinikum Salzdahlumer Straße liegt, bot Schutz vor kalten Nordwinden . Die Siedlung hat nach Scherbenfunden aus dem 13. bis 15. Jahrhundert etwas bis dahin bestanden und umfasste 3-4 Höfe. Die Siedlung gehörte zum Kloster Steterburg. Durch Kauf und Tausch gab es in der Folge verschiedene Grundherren, auch nachdem die Siedlung wüst wurde. Die Äcker (ca. 600 Morgen) der Wüstung gingen überwiegend an Rautheim und ein kleinerer Teil an Mascherode. Nach der Reformation ging der Zins an_Juleum, der Zehnt von Rautheim ging an das Kloster Riddagshausen, der von Mascherode an den Krüger von Mascherode.
= Militärische Nutzung und Krankenhaus
=Auf einem Teil des Geländes, das Ende des 19. Jahrhunderts zu Braunschweig, wurde 1889 der neue "Große Exerzierplatz" mit einer Fläche von 116 Hektar und 67.72 Ar angelegt. . Auch die Gemeinde Rautheim und das Große Waisenhaus BMV geben Gelände ab. Die Artillerie legte schon 1839 und 1868 Pulvermagazine an. Lehne erwähnt in ihrem Braunschweiger Bilderbogen siehe A. H. Lehne: Braunschweiger Bilderbogen von 1880, Braunschweig 1941;1949; S. 49 einen Pulverturm auf dem Weg nach Mascherode.
Auf dem Exerzierplatz landet am 13. Oktober 1912 erstmals in Braunschweig ein Luftschiff (Die Hansa). .
1937 bis 1939 entsteht das Luftwaffenlazareth (heute Klinikum Salzdahlumer Straße), das sich neben Schrebergärten und eine Sporthotel heute auf dem Gelände der Wüstung befindet.
Die Siedlung
Die Südstadt entstand in den 1930ern als nationalsozialistische Mustersiedlung, damals unter dem Namen Siedlung ?Mascheroder Holz?, später wurde sie Siedlung Mascherode genannt.
Die sogenannte Deutsche Arbeitsfront-Siedlung wurde für zunächst 2500 Menschen geplant, die in 600 Wohnungseinheiten unterkommen sollten. Im Mittelpunkt der Siedlung sollte neben dem Marktplatz ein Gemeinschaftshaus gebaut werden, welches am 30. April 1939 eingeweiht wurde und ganz bewusst die bisherige Rolle der Kirchen einnehmen sollte.
Am 5. September 1955 erfolgte die Umbenennung der Siedlung Braunschweig-Mascherode in Braunschweig-Südstadt.
Zunächst wurden auch die Neubaugebiete Heidberg und Melverode zur Südstadt gezählt, am 26. März 1969 erfolgte die Trennung in die heutigen einzelnen Stadtteile Melverode, Heidberg und Südstadt.
Nach der Eingemeindung von Rautheim und Mascherode im Zuge der Gebietsreform und der Auflösung des Landkreises_Braunschweig (1974) sowie der Schaffung von Stadtbezirken (1981), erfolgt zunächst die "Wiedervereinigung" mit Rautheim zum Stadtbezirk 211 "Südstadt-Rautheim". Durch freiwilligen Zusammenschluss dieses Stadtbezirk mit Mascherode entstadt 2001 der heutige Stadtbezirk Südstadt-Rautheim-Mascherode.
Grenzen und Gliederung der Siedlung
Die Grenzen der Siedlung lassen sich anhand des Statistischen Bezirks Südstadt bestimmen siehe [http://www.braunschweig.de/rat_verwaltung/verwaltung/ref0120/statistik/Karte_StatistischeBez.pdf Karte der statistischen Bezirke auf der Website der Stadt Braunschweig] Zu Rautheim bildet der Möncheweg die eindeutiger Grenze, östlich davon entsteht zur Zeit die Siedlung Rautheim - Südwest siehe [http://www.braunschweig.de/stadtplanung_bauen_wohnen/bauen_wohnen/bauland/rautheim_suedwest.html Baugebiet Rautheim-Südwest auf der Website der Stadt Braunschweig] . Zum Heidberg ist die Salzdahlumer Straße sowohl Siedlungs- als Stadtbezirksgrenze. Südlich des Mascherodes Holz verläuft die Grenze zu Mascherode.
Der Grüngürtel zwischen Südstadt und Lindenbergsiedlung aus Schrebergärten und Golfklub sowie das Städtische Klinikum Salzdahlumer Straße und das Schulzentrum (Berufsbildende Schulen, Müllerschule) gehören zum statistischen Bezirk und werden hiermit behandelt. Die A39 bildet daher die Grenze zum Stadtbezirk Viewegs Garten-Bebelhof.
Welfenplatz und ?Roxy?
thumb|Das_"Roxy"_von_der_Griegstraße_aus_gesehen.
Das Zentrum der Siedlung ist der Welfenplatz mit den Roxy. Der Platz wurde ursprünglich vor allem als Aufmarschplatz für _nationalsozialistische Organisationen angelegt, das Gemeinschaftshaus diente ähnlichen Zwecken. Es wurde am 27. Juli 1937 im Beisein des damaligen Ministerpräsidenten Dietrich Klagges eingeweiht. Siehe [http://www.bs-sued.de/chronik/texte/s42.htm Südstadtchronik ab S. 42 mit umfassenden Bildmaterial]
Das Gebäude besteht aus einem Feierhaus, das bewusst an eine Kirche erinnert und einem Seitenflügel (Verwaltungstrakt) mit Laubengang. Im Seitenflügel waren, die Deutsche Arbeitsfront (DAF), die NSDAP und im Obergeschoss die Hitler-Jugend untergebracht. Der Entwurf stammt von Albert Speer. Das Hauptgebäude wurde aus Elmkalkstein gebaut. Seitenflügel und die anderen Häuser am Welfenplatz (damals Robert-Ley-Platz) wurden als Fachwerkhäuser errichtet. Dei Dächer wurden einheitlich gedeckt. siehe auch Wilhelm Lehmann: "Das Gemeinschaftshaus (Roxy) in der Südstadt von Braunschweig"
Bei Kriegsende wurde das Gebäude zunächst von den Amerikanern beschlagnahmt und als Kommandatur genutzt.
Nach einer Zwischennutzung als Veranstaltungsort für Boxkämpfe wurde am 2. Dezember 1949 das "Roxy-Film-Kasino" mit dem "Die tolle Miss" mit Gisèle Pascal und Ray Ventura eröffnet. Das Kino war mit 630 Sitzplätzen eines der größten in Braunschweig und hatte auch eine Bühne für Theateraufführungen. Das Kino wurde namensgebend für das Gebäude.
Nach dem allgemeinen Rückgang der Besucherzahlen in den Kinos, wurde dieses 1963 zu einem Supermarkt umgebaut. Weitere Räume wurden zunächst nur von der Schule und den Südstadt-Vereinen (u.a. Altenkreis, Jugendgruppen) genutzt. 1976 wurde durch eine Initiative mehrere Südstädter eine offene Jugendeinrichtung eröffnet. Die Einrichtung wurde später von der Stadt übernommen feierte 2006 seinen 30 Jahrestag mit 30 Stunden Programm.
Bereits 1946 wurde der obere Teil des Seitenflügels als Kindergarten benutzt, nach dem Neubau die Kindergartens an der Nietzeschestraße war dort zunächst der Hort untergebracht, heute dient es als Bildungsstätte der städtischen Kindertagesstätten.
Im unteren Bereich war ab 1944 eine Außenstelle der öffentlichen Bücherei. Seit 1956 befindet sich eine Polizeidienststelle dort. Seit 1993 befindet sich dort die [http://www.bs-sued.de/frames/nachbar.html Nachbarschaftshilfe Südost].
1988 verkaufte das Land Niedersachsen, das seit 1953 Eigentümer des Roxy war, das Gebäude und Teile des Welfenplatzes an ein privates Unternehmen
Durch den Verkauf kam es zu verschiedenen Nutzungsänderungen. Die Bücherei musste nach 44 Jahren schließen. Das Jugendzentrum, dass zuvor nur aus einem Raum im Erdgeschoss bestand wurde in der ersten Stock verlegt und dabei erweitert. Die Polizei zog vom Haupthaus in das Nebengebäude.
?Kleiner Markt? und Herrman-Löns-Park
Neben dem Welfenplatz mit dem Gemeinschaftshaus Roxy in der Siedlungsmitte, gibt es einen kleinen Marktplatz an der Heidehöhe vgl. [http://www.bs-sued.de/chronik/texte/s47.htm Süstadtchronik Seite 47] , der den inoffiziellen Namen "Kleiner Markt" trägt.
In unmittelbarer Nähe des "Kleinen Marktes" liegt am 31. Mai 1953 eingeweihte Herrmann-Löns-Park mit Spielplatz und Bolzplatz vgl. [http://www.bs-sued.de/chronik/texte/s39.htm Süstadtchronik Seite 39 ] . Während des Krieges befand sich auf dem Geländes Bolzplatzes ein Feuerlöschteich. Ein weiterer war an der Retemeyerstraße gegenüber der Schule vgl. Wilhelm Lehmann: " 50 Jahre Siedlung Mascheroder Holz / Südstadt 1936-1986", Braunschweig 1986 .
Schule und Kindergarten
Die Schule wurde nach Plänen der Deutschen_Arbeitsfront 1936 begonnen und 1937 fertiggestellt, eingeweiht wurde sie am 7 Mai 1938 als "Volksschule Südstadtsiedlung Mascheroder Holz". Die Schule wurde während der Bombenangriffe starkt beschädigt, zum Teil völlig zerstört vgl. [http://www.bs-sued.de/chronik/texte/s57.htm Südstadtchronik Seite 57] Nach der Beendigung der Besetzung durch Amerikanische Truppen wurde die Schule als "Volksschule Mascheroder Holz" am 1. Oktober 1945 wieder eröffnet, heute ist es eine Grundschule.
1954 wird auf dem Schulgelände ein Hort errichtet. Die Kindertagesstätte befand sich ab 1946 im Seitenflügel des Roxy. Inzwischen wurde ein Neubau am bzw. auf dem Schulgelände errichtet. In der ehemaligen Kita befinden sich nun die Weiterbildungsstätte der Städtischen Kindertagesstätten.
Vom ?Lager Griegstraße? bis zum Heidbergpark Süd
thumb|Platz_an_der_Griegstraße_mit_Hütte_während_Pétanque-Turnier_2005
An der heutigen Griegstraße entstand 1942 (damals Robert-Ley-Straße) ein Fremdarbeiterlager. Nach dem Krieg wurde als Aussiedlerlager benutzt. Von den Bauten existiert heute nur noch eine ehemalige Baracke, die von der Bürgergemeinschaft Südstadt saniert wurde und von dieser und den ihr angeschlossenen Vereinen genutzt wird.
Der an diesem Gebäude liegende Platz wird seit 2003 als Festplatz für das Volks- und Schützenfest und seit 2004 als Boulodrôme genutzt. siehe [http://www.petanque-bs.de/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=15&mode=thread&order=0&thold=0 Boulodrôme Griegstraße auf Pétanque-BS] .
Seit 2006 befindet sich im Park auch eine Skateranlage. vgl. Bz-Bericht auf [http://www.bs-sued.de/nachrichten/2006_05_05_skaterbahn.htm BS-Süd.de] .
Der Park wird zur Zeit saniert. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Heidbergsee.
Regelmäßige Veranstaltungen
thumb|Südstadtfrühstück_auf_dem_Welfenplatz
Die Bürgergemeinschaft Südstadt und die ihr angeschlossenen Vereine veranstalten jedes Jahr mehrere Feste. Das Volks- und Schützenfest findet traditionsgemäß am Ende bzw. nach den Sommerferien statt. Das Fest fand früher auf dem Welfenplatz statt, 2003 wurde es auf dem neuen Festplatz an der Griegstraße verlegt.
thumb|Weihnachstmarkt_mit_Blick_auf_das_Roxy
Am zweiten Advent findet der Südststädter Weihnachtsmarkt auf dem Welfenplatz statt.
2006 fand zum ersten Mal das Südstädter Bürgerfrühstück statt.
An jedem Sonntag werden Gottesdienste in der Markuskirche der Südstadt gefeiert. [http://www.markus-bs.de/index.php?id=187&no_cache=1 Gottesdienste].
Literatur
* Wilhelm Lehmann: 50 Jahre Siedlung Mascheroder Holz / Südstadt 1936-1986, Braunschweig 1986
* Wilhelm Lehmann: Das Gemeinschaftshaus (Roxy) in der Südstadt von Braunschweig, in: Stadtarchiv und Stadtbibliothek Braunschweig. Kleine Schriften Nr. 26, im Auftrag der Stadt Braunschweig herausgegeben von Wolf-Dieter Schuegraf, Braunschweig 1993
Quellen
Weblinks
• Website der Bürgergemeinschaft Südstadt
• Südstadtchronik
• Deutsche Arbeitsfront-Siedlung Mascheroder Holz auf Vernetztes Gedächtnis
• Schule Mascheroder Holz
• Kita Südstadt
• Kinder- und Jugendzentrum Roxy
• Ev.-luth. Kirchengemeinde Braunschweig St. Markus in der Südstadt

