Fürstentum Bayreuth
thumb|right|300px|Territorium_des_Fürstentum_Bayreuth_(1791)Das Fürstentum Bayreuth (bis 1604 Fürstentum Kulmbach) war ein reichsunmittelbares Territorium im fränkischen_Reichskreis, das von Nebenlinien des Hauses Hohenzollern regiert wurde. Ungeachtet der engen familiären Bindungen seiner Landesherren zum kurfürstlichen (seit 1701 königlichen) Haus der Hohenzollern in Berlin bildete es bis 1792 ein selbstständiges Staatsgebilde. Die politischen Aktivitäten seiner Herrscher beschränkten sich dabei nahezu ausschließlich auf den Fränkischen Reichskreis und die daran angrenzenden Gebiete.
Das Fürstentum wurde auch als Markgraftum Brandenburg-Bayreuth (bzw. ursprünglich Markgraftum Brandenburg-Kulmbach) bezeichnet. Nachdem Markgraf Christian_von_Brandenburg-Bayreuth 1604 die Residenz von Kulmbach nach Bayreuth verlegt hatte, wurde das Territorium zunächst noch als Fürstentum Kulmbach-Bayreuth und schließlich nur noch als Fürstentum Bayreuth bezeichnet. Tatsächlicher Name des Fürstentums aber blieb Markgraftum Brandenburg-Kulmbach. Unter diesem Namen wurde das Fürstentum bis 1806 in den Reichsmatrikeln geführt.
Geschichte
Entstehung und geschichtliche Entwicklung
Das Fürstentum Bayreuth entwickelte sich aus dem obergebirgischen Landesteil der Burggrafschaft Nürnberg. Zusammen mit dem untergebirgischen Teil der Burggrafschaft bildete es die fränkischen Stammlande der Hohenzollern. Nachdem diese 1415/1417 mit Burggraf
Friedrich_VI._von_Nürnberg in den erblichen Besitz der Mark Brandenburg gelangt waren, verwendeten die Hohenzollern ihren dadurch neu erworbenen Titel Markgraf mit der Zeit auch in ihren bisherigen fränkischen Besitzungen. Mit dem 1427 erfolgten Verkauf der Nürnberger Burggrafenburg an die Reichsstadt Nürnberg endete dann das burggräfliche Kapitel in der Geschichte der Hohenzollern. Für ihre fränkischen Territorien bürgerte sich nunmehr die Bezeichnung Markgraftum ein, bzw. im Zuge späterer (zunächst jedoch nur vorübergehender) Landesteilungen dann Markgraftümer. Die endgültige Trennung in zwei selbstständige Territorien fand schließlich 1486 nach dem Tod von Albrecht Achilles statt. Entsprechend der 1473 von diesem erlassenen Dispositio Achillea wurde dabei das hohenzollernsche Herrschaftsgebiet in Franken unter dessen beiden jüngeren Söhnen aufgeteilt. Die Zuweisung der beiden Landesteile wurde durch Losentscheid entschieden. Dabei fiel Siegmund_von_Brandenburg-Kulmbach mit dem obergebirgischen Landesteil das spätere Fürstentum Kulmbach (später Bayreuth) zu. Sein Bruder Friedrich_V._von_Brandenburg-Ansbach erhielt mit dem untergebirgischen Land das nachmalige Fürstentum Ansbach. Obwohl das Fürstentum Kulmbach/Bayreuth mehrfach in Personalunion mit dem Fürstentum Ansbach regiert wurde (1495-1515, 1557-1603 und 1769-1791), blieb es bis zum Ende des alten_Reiches ein staatsrechtlich eigenständiges Territorium. Mit dem Fürstentum Ansbach wurde es 1791 an den preußischen_Staat angegliedert und mit diesem zusammen als Ansbach-Bayreuth zunächst von Karl August von Hardenberg gemeinsam verwaltet. Während des vierten_Koalitionskrieg wurde das Fürstentum Bayreuth bereits im Herbst 1806 von französischen Truppen besetzt. Nach der vernichtenden Niederlage Preußens musste es 1807 im Frieden von Tilsit an das französische Kaiserreich abgetreten werden. Unter Beibehaltung der preußischen Verwaltungsstrukturen wurde es zunächst einer französischer Militärverwaltung unterstellt. Der französische Kaiser Napoleon betrachtete das Fürstentum dabei aber lediglich als pays reservés, einem Gebiet also, das er sich für zukünftige Tauschhandlungen in Reserve hielt. Bereits 1808 bot er es auf dem Erfurter Fürstenkongress dem Königreich Bayern zum Preis von 25 Millionen, später dann 15 Millionen Francs an. Zunächst zögernd, zahlte das Königreich 1810 dann aber doch die geforderte Summe. Mit der am 30. Juni des gleichen Jahres erfolgten Inbesitznahme durch Bayern endete schließlich die Existenz des Fürstentums Bayreuth.
Die Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach (bzw. seit 1604 Bayreuth)
Hinter dem Namen der Markgrafen ist jeweils Beginn und Ende der Amtszeit notiert.
• III. (Nürnberg)/'>Johann III.], (Friedrich_VI. (1420-1440), Bruder von Johann III., seit 1398 Markgraf von Ansbach, bis 1427 Burggraf von Nürnberg, ab 1412 Kurfürst von Brandenburg
• (Brandenburg)/'>Johann der Alchemist] (1486-1495)
• V. (Brandenburg-Ansbach)/'>Friedrich V.] (1515-1527), in Personalunion Markgraf von Ansbach
• (Brandenburg-Ansbach)/'>Georg der Fromme] (1527/1541-1554)
• 1557' target='blank'>Interregnum nach Friedrich_der_Ältere_(Brandenburg-Ansbach)/'>Georg_Friedrich_d._Ä.]_([[1557] ([[1557?1603), seit 1556 Markgraf von Ansbach, ab 1578 auch Herzog von Preußen
• (Brandenburg-Bayreuth)/'>Christian] (1655?1712)
• Wilhelm (Brandenburg-Bayreuth)/'>Georg Wilhelm] (1726?1735)
• (Brandenburg-Bayreuth)/'>Friedrich] (1763?1769)
• Alexander (Brandenburg-Ansbach)/'>Christian Friedrich Karl Alexander] (Oberfranken. Außerhalb von Oberfranken lagen vor allem wesentliche Teile des Oberamtes Neustadt am Kulm (im Gebiet der heutigen Oberpfalz) und das Oberamtes Osternohe (mit der Exklave Hohenstadt) im heutigen Mittelfranken. Zum Oberland gehörten u.a. das Fichtelgebirge, weite Teile des Frankenwaldes, sowie auch Teile des Muggendorfer Gebirges (d.h. der heutigen Fränkischen_Schweiz).
Es war ein gebirgiges und waldreiches Gebiet, dessen wenig fruchtbare Bodenbeschaffenheit die Landwirtschaft nicht sonderlich begünstigte. Neben den weitläufigen Wäldern bestand der große Reichtum des Oberlandes in seinen Bodenschätzen. Zahlreiche Erzvorkommen führten zur Anlage vieler Bergwerke, so z.B. im Frankenwald oder im südlichen Fichtelgebirge.
Die obere administrative Ebene des Oberlandes bestand in der Mitte des 18. Jahrhunderts aus insgesamt elf Verwaltungsgebieten:
# Landeshauptmannschaft Hof, mit dem Hauptort Hof
# Amtshauptmannschaft Bayreuth, mit dem Hauptort Bayreuth sowie der Exklave Streitberg
# Amtshauptmannschaft Kulmbach, mit dem Hauptort Kulmbach
# Amtshauptmannschaft Wunsiedel(das sogenannte Sechsämterland), mit den sechs Ämtern
## Hohenberg
## Kirchenlamitz
## Selb
## Thierstein
## Weißenstadt
## Wunsiedel
# Oberamt Lichtenberg (1778 zur Landeshauptmannschaft Hof)
# Oberamt Schauenstein (nur von 1747 bis 1772 Oberamt, sonst zur Amtshauptmannschaft Kulmbach)
# Oberamt Creußen
# Oberamt Pegnitz
# Oberamt Neustadt am Kulm (1778 zur Amtshauptmannschaft Bayreuth)
# Oberamt Gefrees
# Oberamt Osternohe (1766 zum Oberamt Pegnitz)
Zum Ende der Selbstständigkeit des Fürstentums gab es nur noch folgende sieben Verwaltungsgebiete im Oberland:
# Landeshauptmannschaft Hof
# Amtshauptmannschaft Bayreuth
# Amtshauptmannschaft Kulmbach
# Amtshauptmannschaft Wunsiedel
# Oberamt Creußen
# Oberamt Pegnitz
# Oberamt Gefrees
Unterland
thumb|right|350px|Unterland_des_Fürstentum_Bayreuth_(1791)
Das Unterland lag fast ausschließlich im Gebiet des heutigen bayerischen Regierungsbezirks Mittelfranken. Im Osten lagen lediglich die Exklave Neuses an der Regnitz und einige weitere kleinere Randgebiete im Regierungsbezirk Oberfranken. Im äußersten Westen lag das Gebiet des Klosters_Frauental teilweise auf dem heutigen Gebiet des Regierungsbezirks_Stuttgart im Bundesland Baden-Württemberg.
Anders als das oberländische Gebiet war das Unterland ein relativ fruchtbares Land. Eine günstige Bodenbeschaffenheit erlaubte hier eine intensive Landwirtschaft, die der Bevölkerung einen gewissen Wohlstand sicherte.
Die obere administrative Ebene des Unterlandes bestand in der Mitte des 18. Jahrhunderts aus insgesamt sechs Verwaltungsgebieten:
# Landeshauptmannschaft Neustadt a. d. Aisch, mit dem Hauptort Neustadt an der Aisch
# Amtshauptmannschaft Erlangen, mit dem Hauptort Erlangen
# Oberamt Baiersdorf
# Oberamt Eschenau
# Oberamt Hoheneck
# Oberamt Neuhof
Bildung
Die Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth fördern frühzeitig die Bildung in ihrem Markgraftum. Schon im Jahre 1546 gründet Markgraf Albrecht_Alcibiades in Hof ein Gymnasium (vgl. Liste_der_ältesten_Schulen_im_deutschen_Sprachraum). Aus der Schule ist das heutige Jean-Paul-Gymnasium hervorgegangen. Eine Universität wird 1742 in der Residenzstadt Bayreuth ins Leben gerufen und im Folgejahr nach Erlangen verlegt. Noch heute erinnert der Name der Universität ? Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ? an die beiden zollernschen Markgrafen Friedrich und Alexander.
Siehe auch
Portal:Franken
Brandenburg-Preußen
Literatur
* M. Spindler, A. Kraus: Geschichte Frankens bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts, München 1997. ISBN 3-406-39451-5
* Gerhard Taddey: Lexikon der deutschen Geschichte, Stuttgart 1998. ISBN 3-520-81303-3
* M. Spindler, G. Diepolder: Bayerischer Geschichtsatlas, München 1969.

