Branchenstrukturanalyse
Die Branchenstrukturanalyse nach dem Fünf-Kräfte-Modell (engl. ) ist im strategischen_Management ein von entwickeltes Hilfsmittel zur Strategieanalyse in der unternehmerischen Planung.Michael E. Porter (1980) Competitive Strategy: Techniques for analyzing industries and competitors : with a new introduction/Michael E. Porter; New York: Free Press, c1980.; ISBN 0-684-84148-7 Die Ergebnisse dieser Analyse fließen oft als Umweltanalyse in eine SWOT-Analyse ein, wobei die Kräfte beschrieben werden, die von der externen Umwelt auf die Unternehmung einwirken.Der Ursprung des Modells ist der industrieökonomische Ansatz. Der Grundgedanke ist, dass sich die Attraktivität des Marktes vor allem durch die Marktstruktur bestimmt. Die Marktstruktur wiederum beeinflusst das strategische Verhalten der Unternehmen, d. h. ihre Wettbewerbsstrategie, welche wiederum ihren Markterfolg bestimmt. So ist der Erfolg einer Unternehmung also zumindest indirekt von der Marktstruktur abhängig.
Das Modell basiert auf der Idee, dass die Attraktivität einer Branche durch die Ausprägung der fünf wesentlichen Wettbewerbskräfte bestimmt wird:# brancheninterner Wettbewerb / Rivalität (zentrale Triebkraft) (engl. )
# Verhandlungsmacht der Abnehmer (engl. )
# Verhandlungsmacht der Lieferanten (engl. )
# Bedrohung durch Ersatzprodukte (Substitution) (engl. )
# Bedrohung_durch_neue_Anbieter (auch Zugangsbeschränkung, engl. ).
Je stärker die Bedrohung durch diese fünf Wettbewerbskräfte ist, desto unattraktiver ist die betrachtete Branche und desto schwieriger ist es, einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu erzielen.
Unternehmen sollten daher versuchen, in einer Branchen mit attraktiver Branchenstruktur tätig zu sein und eine verteidigungsfähige Position in ihrer Branche aufzubauen, also eine Position in der die fünf Wettbewerbskräfte eine möglichst wenig bedrohliche Ausprägung aufweisen.
Unternehmen können zudem auf die fünf Kräfte mit Hilfe entsprechender strategischer Ausrichtung einwirken. Dies kann die Attraktivität einer Branche erhöhen. Wenn jedoch Unternehmen die Verteilung der Wettbewerbskräfte zum Vorteil der eigenen Wettbewerbsposition beeinflussen ohne sich über die langfristigen Auswirkungen im Klaren zu sein oder diese bewusst in Kauf nehmen, kann dies Struktur und Rentabilität einer Branche ebenso zerstören.
Die fünf Kräfte
Hinweis: Die Fünf Kräfte werden immer auf die gesamte Branche bezogen. Ein typischer Fehler ist die Anwendung der nachfolgenden Analysekriterien auf ein Einzelunternehmen. Die Ergebnisse einer solchen Analyse weisen dann entsprechende Mängel auf.
Dies erfordert eine - zumindest operative - Definition der Branche (engl. ) vor der versuchten Analyse. definiert Branche als (...eine Gruppe von Unternehmen, die nah verwandte Substitute herstellen.) Diese Branche wird dann auf die folgenden Merkmale je Faktor () untersucht.
Rivalität unter den bestehenden Wettbewerbern
Die Intensität des Wettbewerbes zwischen den im Markt befindlichen Unternehmen ist hoch, wenn mehrere der folgenden Faktoren zutreffen:
* Es sind viele ähnlich geartete Konkurrenten vorhanden;
:z. B. Bäcker haben fast identische Produktionsmittel, Rezepte, Zutaten usw. Konkurrenz ist (meistens) hoch.
* Langsames Wachstum der Branche;
:z. B. Lebensmittel in Deutschland, weil eine schrumpfende Bevölkerung auch weniger isst.
* Kapazität kann nur in großen Volumina erhöht werden;
:z. B. kann die Automobilindustrie nur in ganzen Werken mit Kapazitäten von 100.000 Autos und mehr vergrößern;
* Es gibt viele verschiedene Wettbewerber (diversifizierte Produkte); Marktaustrittsbarrieren (engl. ) wie die folgenden:
:* Spezialisierte Betriebsmittel
:* Fixkosten der Stilllegung
:* Strategische Verknüpfungspunkte (Gas und Öl)
:* Emotionelle Barrieren (mein Vater hat gegründet...)
:* Staatliche oder Gesellschaftliche Barrieren (Post, Bahn...)
Bedrohung durch neue Anbieter (engl. )
Das Vorhandensein von Zugangsbarrieren (engl. ) begrenzt die Anzahl von Unternehmen im Markt und beeinflusst somit die 'Rivalität unter bestehenden Mitbewerbern'. Treten auf dem Markt neue Anbieter auf, so werden Wettbewerbsvorteile unmittelbar beeinflusst. Der neue Anbieter geht mit neuen Kapazitäten auf die bestehende Marktnachfrage, an der er partizipieren muss. Dieses zusätzliche Angebot bei gleicher Nachfrage drückt die Rendite der Marktteilnehmer. Die Bedrohung durch neue Anbieter ist groß, wenn die Zugangsbarrieren niedrig sind. nennt 6 wesentliche Zugangsbarrieren:
Skalenerträge (engl. )
: Skalenerträge sind überproportionale Senkungen der Gesamtkosten, bei Erhöhung der Produktionsmenge je Periode (d. h. wenn sich bei doppelter Produktionsmenge die Kosten nicht verdoppeln, sondern weniger ansteigen). Das Vorhandensein von Skalenerträgen zwingt Neuzugänge mit hohem Kapitalaufwand und Risiko einzusteigen und provozieren u. U. damit starke Reaktionen der Marktteilnehmer.
Produktdifferenzierung (engl. )
: Produktdiffernzierung bedeutet, dass die etablierten Unternehmen bereits Markenidentifikation (), Kundenloyalitäten () u.ä. Marketingziele schon realisiert haben. Um solche Faktoren zu bewältigen, muss der Neuzugang zusätzliche Kosten für Werbung usw. in Kauf nehmen.
* Kapitalerfordernisse (engl. )
: Kapitalerfordernisse bedeutet, dass der Zugang in die Branche wesentliche Investitionen erfordert. Besonders, wenn diese Kosten im Falle eines Fehlschlages nicht mehr zurückgewonnen werden können, stellen solche Kapitalerfordernisse eine wesentliche Hürde für Neuzugänge dar.
Wechselkosten (engl. )
: Wechselkosten bedeutet, dass der Kunde beim Wechsel vom Produkt des einen Lieferanten zu dem eines anderen (einmalige) Kosten in Kauf nehmen muss: z. B. für Maschinenumstellungen. Damit stellen Wechselkosten eine Methode dar, die Kundentreue zu erhöhen.
* Zugang zu Vertriebskanälen (engl. )
: Eine Zugangsbarriere kann durch den erschwerten Zugang zu natürliches Monopol, nennt nur Rohmaterial, aber wir können das als 'Zugang zu Ressourcen' auslegen, wie z. B. die Landerechte auf Flugplätzen, wo eine Fluggesellschaft Vorteile vor anderen erzielen kann.
:* Subventionen geben etablierten Unternehmen häufig anhaltende Vorteile.
:* Lernkurve (engl. ) - Eine Lernkurve zeigt sich, wenn bei einer steigenden Produktion, die Kosten nicht direkt proportional mit ansteigen, sondern ein Lerneffekt (also verbesserte Produktionstechnik, Einspareffekte etc.) die Kosten senkt. Hier haben Unternehmen, die schon große Mengen produziert haben, einen Vorteil vor Neuzugängen.
Verhandlungsstärke der Lieferanten (engl. )
Lieferanten können für eine Branche insofern eine Gefahr darstellen, dass sie damit drohen die Preise für Waren oder Dienstleistungen zu erhöhen. Mächtige Lieferanten können dadurch die Profitabilität einer Branche reduzieren, die die gestiegenen Kosten nicht auf den eigenen Märkten wieder einbringen kann. Die Bedingungen, unter denen ein Lieferant 'mächtig' ist, spiegeln weitgehend die, die einen Kunden 'mächtig' machen. Eine Lieferantenbranche ist 'mächtig', wenn die folgenden Faktoren vorliegen:
:* Die Branche wird von wenigen Firmen dominiert und ist stärker konzentriert, als die kaufende Branche.
:* Für die von der abnehmenden Branche bezogenen Produkte oder Dienstleistungen besteht eine geringe Substitutionsgefahr.
:* Die abnehmende Branche ist kein wichtiger Kunde für die liefernde Branche.
:* Die gelieferten Produkte/Dienstleistungen stellen einen wesentlichen Beitrag für die Kundenbranche dar.
:* Die Produkte/Dienstleistungen der liefernden Branche sind differenziert oder haben Wechselkosten aufgebaut.
:* Die liefernde Branche kann glaubwürdig mit Vorwärtsintegration in die Kundenbranche drohen.
Verhandlungsstärke der Abnehmer (engl. )
Abnehmer (Kunden) stehen mit einer Branche insofern in Konkurrenz, als sie die Preise drücken, bessere Qualitäten durchsetzen oder erweiterte Dienstleistungen erzwingen können indem sie Mitbewerber in der Branche gegeneinander ausspielen ? alles zu Lasten der Profitabilität der Branche. Die Macht von jeder der wesentlichen Käufergruppen einer Branche beruht auf einer Anzahl von Merkmalen ihrer Marktsituation, auf der relativen Wichtigkeit der Geschäfte mit der Branche im Verhältnis zum Gesamtgeschäft. Eine Käufergruppe ist mächtig, wenn die folgenden Umstände zutreffen:
:* Die Kundengruppe ist stark konzentriert oder kauft große Volumina im Vergleich zum Gesamtverkauf des Marktteilnehmers (insbesondere, wenn dazu noch hohe Fixkosten in der Industrie kommen)
:* Die gekauften Produkte/Dienstleistungen stellen einen wesentlichen Anteil der Einkaufskosten des Käufers dar.
:* Die bezogenen Produkte/Dienstleistungen sind standardisiert oder undifferenziert (z. B. Benzin)
:* Die Kundenbranche muss nur geringe Wechselkosten in Kauf nehmen.
:* Die Kundenbranche befindet sich in einer wenig profitablen Geschäftssituation.
:* Die Kundenbranche kann glaubwürdig mit Rückwärtsintegration in die Zulieferbranche drohen (z. B. haben VW und Ford erhebliche Kapazitäten in Zulieferfertigung, die erweitert werden können)
:* Die bezogenen Produkte/Dienstleistungen sind unerheblich für die Qualität der Produkte/Dienstleistungen der Kundenbranche.
:* Die Kundenbranche hat vollständige Information.
Beeinflussen der Verhandlungsmacht der Abnehmer
z. B. Durch Auswahl der Käufergruppe mit der geringsten Verhandlungsmacht in der Zielgruppe.
Bedrohung durch Ersatzprodukte (engl. )
Im weitesten Sinne konkurrieren alle Mitbewerber einer Branche mit Industrien, die Substitute herstellen. Substitute begrenzen die möglichen Gewinne einer Branche, indem sie eine absolute Grenze für die Preise setzen, die die Branche für ihre Produkte/Dienstleistungen fordern kann.
Bei der Identifikation von Substituten handelt es sich um eine Suche nach Produkten/Dienstleistungen, die die gleiche Funktion wie das Produkt der betrachteten Branche erfüllen kann. Dies kann zuweilen eine schwierige Aufgabe sein, welche den Analysten in Branchen führt, die scheinbar weit von der untersuchten Industrie entfernt sind (z. B. stellen -Restaurants eine Konkurrenz für Küchengerätehersteller dar).
Die folgenden Kriterien sind nicht in ) aufgeführt.
Der Einfluss von Substituten ist groß, wenn
* nur eine geringe ausgeprägte Produktloyalität im Markt herrscht
* die Umstellungskosten vom Original auf das Substitut gering ausfallen
* Lizenzen und Patente auslaufen
* die Preise des Originals relativ hoch sind und geringe Leistungsabstriche beim Substitut als annehmbar bei deutlich niedrigen Preisen akzeptiert werden
Regierungen als Einflussgröße auf die Branchenstruktur (engl. )
Regierungen sind im Modell nicht als eigenständige Kraft aufgeführt. Trotzdem führt Porter in Regierungen als wesentlichen Beeinflusser auf die Kräfte an.
Regierungen wurden primär auf ihren möglichen Einfluss auf die Zugangsbarrieren untersucht, müssen aber als möglicher Einfluss auf viele - wenn nicht alle - Aspekte der Branchenstruktur - direkt wie indirekt - betrachtet werden. Für viele Branchen stellen Regierungen Kunden (z. B. Verteidigungsindustrien) oder Lieferanten (z. B. Holz) dar, zudem beeinflussen Regierungsaktionen sowohl Abnehmer als auch Lieferanten. Aktuelle Gesetzgebung kann die Position einer Branche im Bezug auf Substitute verändern (z. B. Asbest, Cadmium, verbleites Benzin)
Anmerkung: spricht von Regierung im Singular, ein Hinweis auf seine amerikanische Herkunft
Kritik
Voraussetzungen
* Konkurrenz und Profitstreben werden vorausgesetzt; Organisationen, die kein Profitziel verfolgen (gemeinnützige Organisationen, z. B. Rotes Kreuz, Militär) werden vom Modell nicht berücksichtigt (obwohl die Verwendung des Modells manche Einsicht bringen kann)
Vorteile
* Sicherstellung einer systematischen und umfassenden Betrachtung der im Wettbewerb relevanten Faktoren
* vor allem in der Anfangsphase einer strategischen Analyse zweckmäßig zum Verständnis der Branche
* Modell erlaubt, Chancen und Risiken einzuschätzen
* bietet Möglichkeit, komplexe Interaktion von Wettbewerbern in einer Branche in strukturierter Form zu untersuchen und zu bewerten
Nachteile
* Das Modell erzeugt Momentaufnahmen. Märkte mit höherer Wettbewerbsdynamik (''Artikel von Hermann Simon zur Branchenstrukturanalyse

