Brahmi-Zahl
Die Brahmi-Zahlen sind indische Zahlzeichen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Von ihnen stammen unsere heutigen Ziffern ab, die wir ?arabisch? nennen, da sie im ausgehenden Mittelalter über arabische Mathematiker (vor allem Al-Khwarizmi) nach Europa kamen.Ursprung und Entwicklung
Der Ursprung der Brahmi-Zahlen ist unbekannt.
Nach einer Hypothese entstanden die Symbole aus der vom aramäischen_Alphabet abstammenden Kharoshthi-Schrift, nach einer anderen aus den hieratischen_Zahlen. Zwar gibt es einige plausible Gründe für beide Vermutungen, dennoch sind sie eher als spekulativ anzusehen. Vermutlich sind die Brahmi-Zahlen, ähnlich wie die Zahlensymbole der hieratischen_Schrift, aber unabhängig von ihnen, aus
schreibökonomischen Vereinfachungen ursprünglich primitiver Strichgruppen entstanden (Ifrah 2000, S. 391).
Zusammen mit der aus der aramäischen_Schrift entstandenen Brahmi-Schrift werden die Brahmi-Zahlen spätestens um 250 v. Chr. unter der Herrschaft Ashokas verwendet.
Um 500 n. Chr. entwickelte sich in Indien das dezimale Stellenwertsystem, allerdings zunächst nicht mit den Brahmi-Zahlen, sondern mit allegorischen_Zahlwörtern, erst Bhaskara I. verwendet die ersten neun Brahmi-Zahlen zusammen mit einem kleinen Kreis für die Null in einem Dezimalsystem.
Eigenschaften
Auch wenn die ersten neun Zahlzeichen die direkten Vorfahren unserer heutigen Zifffern sind, so handelt es sich bei den Brahmi-Zahlen nicht um ein Stellenwertsystem. Es gab keine Null, eigene Zahlzeichen für die Zehner (10, 20, 30, ...), für 100 und 1000. Die entsprechenden Zahlen 200, 300, ... wurden durch Ligaturen dieser Zahlen gebildet.
Wesentliches Merkmal der Brahmi-Zahlen ist, dass sie ausschließlich zur Darstellung von Zahlen verwendet wurden, in dieser Hinsicht
ähnlich den babylonischen, ägyptischen und chinesischen Zahlzeichen, und nicht wie in allen anderen vom phönizischen_Alphabet abstammenden Schriften der Antike eine Doppelbedeutung als Buchstabe und als Zahl besaßen.
Literatur
* G. Ifrah: The Universal History of Numbers. John Wiley & Sons, New York 2000, ISBN 0-471-39340-1

