Brachytrachelopan
Brachytrachelopan mesai ist ein Dinosaurier mit einem relativ kurzen Hals, der vor 150 Millionen Jahren (im späten Jura) im heutigen Patagonien lebte. Brachytrachelopan wurde von einer deutsch-argentinischen Forschergruppe um den Paläontologen Oliver Rauhut (Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München) im Juni 2005 in der Zeitschrift Nature erstbeschrieben. Der Name für die neue Gattung und Art setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort brachytrachelos (für kurzer Hals), dem Namen des Hirtengottes Pan (weil das Fossil von einem Schäfer entdeckt wurde) und dem Familiennamen des Entdeckers (Mesa); er bedeutet also: Mesa's kurzhalsiger Hirtengott.
Untersucht werden konnten 20 zusammengehörige Wirbel aus dem Hals- und Rumpfbereich sowie die ebenfalls noch im ursprünglichen Zusammenhang erhaltenen Rippen, das Becken sowie Teile von Femur und Tibia eines Hinterbeins.
Brachytrachelopan gehört wie Diplodocus und Brachiosaurus zur Gruppe der Sauropoden, die häufig durch ihre extreme Körpergröße beeindrucken; Diplodocus etwa konnte bis zu 30 Meter lang werden und hatte einen extrem langen Hals. Brachytrachelopan mesai war ausgewachsen keine zehn Meter lang, sein Hals maß nicht mehr als 150 cm und damit nur 75% der Rumpflänge; für Sauropoden ist das ungewöhnlich kurz. Aufgrund einzigartiger Merkmale im Skelett konnten die Autoren das Tier den Dicraeosauridae zuweisen, einer Gruppe von Dinosauriern, die in Südamerika bisher nur aus der Unterkreide durch die Gattung Amargasaurus bekannt war. Zur gleichen Zeit wie Brachytrachelopan lebte aber im heutigen Tendaguru-Gebiet (Tansania) das bekannte Taxon Dicraeosaurus, ebenfalls ein Dicraeosauridae, der Brachytrachelopan deutlich ähnlicher war als Amargasaurus. Aus dem neuen Fund in Patagonien und den anatomischen Unterschieden der Vertreter dieser Dinosauriergruppe schließen die Forscher, dass sie sich im mittleren Jura relativ rasch entwickelt hat, und bereits vor dem völligen Auseinanderbrechen der Kontinentalplatten von Afrika und Südamerika weit verbreitet und divers war. Ferner weisen sie darauf hin, dass es offensichtlich auch für die vor allem durch ihren Riesenwuchs bekannte Gruppe der Sauropoden über längere Zeitspannen hinweg ökologische Nischen für relativ kleinwüchsige Arten gegeben hat.
Benannt ist der Dinosaurier nach dem Schafzüchter Daniel Mesa, der auf der Suche nach einigen verlorenen Tieren in der argentinischen Provinz Chubut die aus dem Boden heraus erodierten Knochen des Sauriers fand. Rauhuts Team hat das Fossil dann ausgegraben und stellte schon bald fest: Es ist der bei weitem kurzhalsigste Langhalssaurier, der bislang gefunden wurde.
Literatur
* Oliver W.M. Rauhut, Kristian Remes u.a.: Discovery of a short-necked sauropod dinosaur from the Late Jurassic period of Patagonia. Nature, Band 435 (2005), S. 670 - 672

