Brünn
Brünn (tschechisch Brno) ist die zweitgrößte Stadt Tschechiens, Hauptstadt des Jihomoravský kraj, Bezirksstadt, seit dem 17. Jahrhundert historisches Zentrum Mährens, wichtiger Forschungsstandort und Universitätsstadt, Sitz eines Bistums und des tschechischen Verfassungsgerichtes. Neben dem befinden sich in Brünn das Oberste Verwaltungsgericht und das Höchste Gericht. Weiter ist die Stadt Sitz des Ombudsmanns, der Generalstaatsanwaltschaft und der tschechischen Wettbewerbsbehörde. Die Messestadt hat weithin eine bedeutende Stellung als starkes Industrie-, Handels-, Kultur- und Verwaltungszentrum.
Geographie
thumb|left|250px|Blick_auf_Brünn_von_der_Böhmisch-Mährischen_Höhe. Durch die Stadt fließen die Flüsschen Svratka und die von der Stadt Svitavy kommende Svitava, die an der südlichen Stadtgrenze in die Svratka mündet. An der nordwestlichen Stadtgrenze ist die Svratka zu einem etwa 9,5 km langen und an der breitesten Stelle etwa 600 m breiten Stausee "Brn?nská p?ehrada" aufgestaut.
Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 9,4 °C, der durchschnittliche Jahresniederschlag um 505 mm. Die durchschnittliche jährliche Sonnenscheindauer ist 1771 Stunden und es gibt jährlich 150 Tage mit Niederschlag.
Bevölkerung
Brünn ist die zweitgrößte Stadt Tschechiens. Im Jahr 2006 hatte Brünn 366 661 Einwohner.
Geschichte
thumb|Neues_Rathaus
thumb|1021 und 1034 wurde die Burg Brünn erbaut und gab später der anliegenden Siedlung den Namen. 1091 findet zum ersten Mal die Siedlung Brünn Erwähnung. Die Stadt wurde 1243 von Wenzel_I. gegründet. 1277 ist zum ersten mal die Festung ?pilberk erwähnt. Ab 1349 siedelten in Brünn die Mährischen Markgrafen. Im Jahre 1641 löste Brünn Olmütz als die Hauptstadt von Mähren ab.
Im Dreißigjährigen_Krieg wurde Brünn 1643 erfolglos von Schweden belagert. 1805 fand nahe der Stadt die Schlacht von Austerlitz statt. Im Jahre 1839 wurde die Eisenbahnverbindung nach Wien fertig gestellt.
Nach dem Ersten_Weltkrieg lebten in Brünn knapp 55.000 deutschsprachige Bürger. In Brünn lebten zu dieser Zeit etwa 12000 jüdische Bürger, unter denen mehrere bekannte Persönlichkeiten, die sich wesentlich am Kulturleben der Stadt beteiligten. Mit der Errichtung des Protektorat Böhmen und Mähren begann auch in Brünn die systematische Verfolgung der Juden. Bis zum Kriegsende wurden aus Brünn 9064 jüdische Stadtbürger in verschiedene Konzentrationslager deportiert, es überlebten etwa 700.Webseite der Jüdischen Gemeinde Brünn. Geschichte [http://www.zob.cz/historie.html]
Nach dem Ende des Zweiten_Weltkrieges wurde die deutsche Bevölkerung gewaltsam aus der Stadt vertrieben. Im sogenannten Brünner Todesmarsch (Beginn am 31. Mai 1945) mussten etwa 27.000 vor allem alte und jugendliche Bürger einen Fußmarsch zur 60 km entfernten österreichischen Grenze antreten. Nach neuesten Forschungen kamen dabei ca. 5200 Personen ums Leben, amtlich belegt sind 2000 Todesfälle.Bundesministerium für vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (Hg.) Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei (Augsburg 1994) 2 Bände.
Während des tschechoslowakischen Sozialismus entwickelte sich Brünn zu einer führenden Industriestadt des Landes. Am Rande der Stadt wurden Plattenbausiedlungen gebaut, um die stets anwachsende Bevölkerungszahl unterzubringen.
Im Jahre 1998 wurde in Brünn die erste Moschee in Tschechien gebaut.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
thumb|Hauptbahnhof
Der Öffentliche Nahverkehr besteht aus 13 Straßenbahnlinien, 11 Oberleitungsbuslinien und 49 Buslinien (Stand 2005). Das Stadtumland ist in einem Verkehrsverbund (Integrovaný dopravní systém Jihomoravského kraje) zusammengeschlossen. Als sprachliche Besonderheit ist die stadtspezifische Bezeichnung "?alina" (sprich Schallina) für Straßenbahn nennenswert.
Brünn ist ein wichtiger Eisenbahnknoten. 1839 wurde die Stadt an die Österreichische Nordbahn angeschlossen. Heute liegt die Stadt an einer der wichtigsten Eisenbahnmagistralen Europas. Es verkehren hier direkte Eurocity-Züge Wien/Budapest ? Prag ? Berlin ? Hamburg. Die Autobahn D1 verbindet die Stadt mit Prag. Der internationale Flughafen Brno-Tu?any (IATA-Code BRQ, ICAO-Code LKTB) befindet sich etwa 10 Kilometer südöstlich vom Stadtzentrum. Es werden von hier regelmäßig die Städte London, München und Prag angeflogen.
Wirtschaft
Brünn entwickelte sich ab dem 19. Jahrhundert zur starken Industriestadt. Am Anfang war besonders die Textilbranche von großer Bedeutung. Zu den Traditionsunternehmen gehören oder gehörten die Waffen- und Maschinenbaufabrik ?eskoslovenská_zbrojovka_a.s._Brno (heute: Zbrojovka Brno a.s.), der Traktorenhersteller Zetor, oder das Maschinenbauunternehmen Královopolská (1889 gegründet als Lederer-Porgess Königsfelder Maschinenfabrik). Im Sommer 2006 hinzugekommen, durch Übernahme der Zetor Gießerei, ist die Slévárna Heunisch Brno (Heunisch-Guss).
Heute ist Brünn ein Handelszentrum und bedeutende Messestadt. Es werden etwa 50 Fachmessen jährlich veranstaltet. Zahlreiche Forschungseinrichtungen und Hochschulen erheben die Stadt zu einem wichtigen Forschungszentrum. Die Arbeitslosigkeit betrug im Mai 2006 8,2 %.
Nahe der Stadt befindet sich der Masaryk-Ring ? eine Auto- und Motorradrennstrecke.
Bildung
thumb|Das_Mährische_Landesmuseum
thumb|Villa_Tugendhat
thumb|Nachtansicht_mit_Festung_?pilberk
thumb|Blick_auf_Petrov_mit_Kathedrale
Brünn ist eine der wichtigsten tschechischen Universitätsstädte, es befinden sich hier sechs Universitätseinrichtungen. Die Größte ist die Masaryk-Universität (gegr. 1919) mit etwa 32 000 Studenten, es folgt die Technische Universität Brünn (gegr. 1899) mit über 18 000 Studenten, weiter die Mendel-Universität für Land- und Forstwirtschaft, die Veterinärmedizinische und Pharmazeutische Universität Brünn, die Kunsthochschule Janá?ek Akademie für Musik und Darstellende Kunst Brno und die militärische Universität für Verteidigung.
Politik
Brünn unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:Webseite der Statutarstadt Brünn: [http://www.brno.cz/index.php?nav01=2222&nav02=1249&nav03=1272 Partnerschaften]
Dallas (USA)
Charkiw (Ukraine)
Kaunas (Litauen)
Leeds (Vereinigtes Königreich)
Leipzig (Deutschland)
Posen (Polen)
Rennes (Frankreich)
Stuttgart (Deutschland)
St. Pölten (Österreich)
Utrecht (Niederlande)
Wien (Österreich)
Woronesch (Russland)
Sehenswürdigkeiten
Villa Tugendhat, UNESCO-Welterbe
Festung ?pilberk
* Hügel Petrov mit St. Peter und Paul Kathedrale
* Altes Rathaus (Stará radnice)
* Nationaltheater in Brünn, Mahen-Theater
* Nationaltheater in Brünn, Janá?ek-Theater
* Stadtpark Lu?ánky
In der Umgebung:
Burg Veve?í etwa 12 km nordwestlich
Mährischer Karst mit den Punkwahöhlen und der Doline Macocha, etwa 20 km nördlich
Wichtigste Persönlichkeiten
Leo? Janá?ek (1854 - 1958), Komponist, Namensgeber der Janá?ek Akademie für Musik und Darstellende Kunst und des Theaters
Tomá? Garrigue Masaryk (1850 - 1937), Erster Präsident der Tschechoslowakei, Namensgeber mehrerer Institutionen in der Stadt
Ludwig Mies van der Rohe (1886 - 1969), Architekt, baute 1928 - 1930 die Villa Tugendhat
Jobst von Mähren (1352 - 1411), Politiker, mährischer Markgraf
Ji?í Mahen (1882 - 1939), Dramatiker, Namensgeber des Theaters
Gregor Mendel (1822 - 1884), Naturforscher und Augustinermönch, erarbeitete in Brünn die Grundlagen der modernen Genetik
• Absolon] (1877 - 1960), Prähistoriker und Speläologe, führte Untersuchungen im Mährischen Karst durch
Arne Novák (1880 - 1939), bedeutender Literarhistoriker und Literaturkritiker, Rektor der Masaryk-Universität
Jan Skácel (1922 - 1989), Dichter
Franti?ek Weyr (1879 - 1951), bedeutender tschechischer Rechtsphilosoph des Normativismus, Rektor der Masaryk-Universität
Kurt Gödel (1906-1978), bedeutender Mathematiker und Logiker, siehe Gödelscher Unvollständigkeitssatz
Fußnoten
Weblinks
• Webseite der Stadtbe-x-old:????
hsb:Brno

