Brühl (Baden)
Die Gemeinde Brühl liegt im Mannheim und den Rhein im Westen in den der Leimbach mündet. Im Süden befindet sich Ketsch, im Osten Schwetzingen. Die zu Brühl gehörende 400 ha große Halbinsel Kollerinsel gehört zu den wenigen linksrheinischen Gebieten Baden-Württembergs. Angrenzend liegen die rheinland-pfälzischen Orte Altrip, Waldsee und Otterstadt.
Die Wohnbebauung liegt auf einem Hochufer im Oberrheingraben. Westlich schließt sich die Niederterrasse an, die sich in Jahrhunderten durch die wechselnden Rheinschlingen herausbildete. Östlich endet ein Ausläufer des Neckarschwemmkegels.
Das Klima wird zu 65% durch die Zufuhr von maritimen Luftmassen bestimmt, weswegen auch Winde aus den westlichen Richtungen dominieren.Kreisbeschreibung Bd. 1, S. 54 Bedingt durch die geschützte Lage im Oberrheingraben zwischen Haardt im Westen und Odenwald im Osten sind die Temperaturen sehr mild. Die nächstgelegene Klimastation in Mannheim maß zwischen 1961 und 2000 eine Durchschnittstemperatur von 10,5°C und eine Niederschlagsmenge von 668 mm pro Jahr.
Geschichte
Archäologische Funde auf Brühler Gemarkung weisen zurück bis in die Eiszeit. Von Menschen geschaffene Werkzeuge und Scherben stammen aus der Jungsteinzeit. Es ist allerdings nicht gesichert, ob das Gebiet wirklich besiedelt war, oder ob die Funde vom Rhein angeschwemmt wurden. 1906 und 1997 wurden Gräber aus der Frühen_Bronzezeit gefunden.Heimatbuch, S. 18 Auch aus den folgenden historischen Perioden gibt es mehrere Funde.
976 wurde Rohrhof als ?Rorheim? erstmals urkundlich erwähnt, anlässlich einer Schenkung von Kaiser Otto_II. an den Bischof_von_Worms. 1157 war die erste Erwähnung von Brühl als ?Bruowele? in einer Urkunde, die ausführt, dass der Bischof_von_Speyer Brühl erwirbt. Ab 1405 übten die Herren von Handschuhsheim die weltlichen Rechte aus, die sie als Lehen von Speyer und der Kurpfalz bis 1600 hatten. Das oft strittige Kondominat zwischen der Kurpfalz und Speyer wurde erst 1709 mit einem Vertrag gelöst, in dem Speyer auf die weltlichen Rechte an Brühl verzichtete. 1803 kam der Ort zu Baden. 1878 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Brühl und Rohrhof verschmolzen. Am 18. Dezember 1916 erhielt die Brühlerin Elis Walter als erste Frau den LKW-Führerschein im Großherzogtum Baden. In der NS-Zeit wurde 1938 das Geschäft der in Brühl tätigen jüdischen Kaufmannsfamilie Rhein zerstört. 1944 wurde ein Teil der Rohrhofer Gemarkung Mannheim zugeschlagen.
"Leben und feiern am Rhein", ist das Motto des Gemeindejubiläums "850 Jahre Brühl" am 22.-25. Juni 2007. Mit dem Gemeindejubiläum will Brühl nach innen wie nach außen Zeichen setzen - als lebendige, offene "Wohlfühlgemeinde" am Rhein zwischen den Großstädten Mannheim und Heidelberg und im Zentrum der Europäischen_Metropolregion_Rhein-Neckar. Mit den Vorbereitungen für das Gemeindejubiläum 2007 wurde bereits 2005 begonnen.
Religionen
Über die erste Kirche in Brühl berichtet eine Urkunde aus dem Jahr 1435. Die Kapelle befand sich in der Nähe des heutigen Friedhofs. Der Gottesdienst wurde vom Pfarrer von Ketsch gehalten. Nach 1453 stifteten die Ritter von Handschuhsheim eine Eigenkirche. Nach dem Aussterben der Handschuhsheimer 1600 fiel ihr Lehen und damit ein Viertel von Brühl zurück an die Kurpfalz, die mit Zwang versuchte, den reformatorischen Gottesdienst durchzusetzen. 1607 wurde dem Ketscher Pfarrer verboten nach Brühl zu kommen. Trotzdem blieben mehr als Zwei Drittel der Brühler katholisch.[http://www.kirche-bruehl-baden.de/vorstellung.htm Katholische Kirchengemeinde Brühl] In der 1707 in der Kurpfalz durchgeführten Kirchenteilung wurde die mittlerweile allerdings stark baufällige Kirche den Reformierten zugesprochen. 1752 erhielten die Katholiken eine eigene Kirche in der allerdings erst ab 1779 regelmäßige Gottesdienste durch die Franziskaner aus Schwetzingen stattfanden. Mit der Aufhebung des Klosters durch die Säkularisation endeten auch die Messen bis ab 1852 wieder ein Vikar aus Schwetzingen kam. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen und durch die im neugotischen Stil 1899 geweihte Schutzengelkirche ersetzt. 1903 wurde Brühl zur eigenen Pfarei erhoben. 1957 erhielt Rohrhof mit St. Michael eine eigene Filialkirche. Waren noch 1905 mehr als Vier Fünftel der Brühler katholisch so sank der Anteil besonders nach dem Zweiten Weltkrieg durch Zuzüge und Austritte. 1961 lag der Anteil bei 61%, 2005 bei 42%.
Die reformierte Gemeinde wurde ab 1610 von Schwetzingen aus betreut.[http://www.evkirche-bruehl-baden.de/geschichte.html Evangelische Kirchengemeinde Brühl] Zwar erhielt sie die Brühler Kirche zugesprochen, aber die Zahl der Gläubigen blieb gering, so dass der Gottesdienst in Schwetzingen besucht werden musste. Die baufällig gewordene Kirche wurde bis 1772 durch einen bescheidenen Holzbau ersetzt, der bereits 1825 wieder abgerissen werden musste. Erst 1888 entstand wieder eine eigentlich zunächst nur als Betsaal geplante Kirche. Sie wurde 1957 saniert und erweitert. 1904 erhielt Brühl einen eigenen Vikar und sieben Jahre später wurde es eigenständige Pfarrei mit Zuständigkeit für Ketsch (bis 1968) und Rohrhof. Im 19. Jahrhundert waren etwa ein Fünftel der Brühler evangelisch. Der Anteil steigerte sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf 29%.
Eingemeindungen
brunnen in Rohrhof]]
Rohrhof war zwar rechtlich selbständig, verfügte aber außer der durch den Stabhalter wahrgenommenen Polizeihoheit über keine eigene Verwaltung. Für die Schul- und Armenversorgung war Brühl zuständig. Brühl stellte daher 1843 den Antrag, den Rohrhof einzugemeinden. Nach einer widersprechenden Stellungnahme des Stabhalters wurde der Antrag aber genauso wie bei einem zweiten Anlauf 1854 abgelehnt. Erst eine Denkschrift des Brühler Gemeinderats führte schließlich zu einer Anordnung des badischen Innenministeriums, die die Vereinigung der 4,74 km² großen Rohrhofer Gemarkung mit der Gemeinde Brühl verfügte.
1911 gab es durch den großen Zuzug von Industriearbeitern eine starke Gruppierung, die die Eingemeindung an Brühl rückgängig machen wollte. Stattdessen forderte sie in einem Antrag an das Innenministerium den Anschluss an Mannheim. Dies wurde aber abgelehnt.
1933/34 entstand im Nordosten von Rohrhof eine Siedlung für I.G. Farben-Angestellte. 1937 wohnten dort bereits mehr als 700 Menschen. 1944 wurde die Siedlung, die heute zu Rheinau-Süd gehört, mit 225 ha zu Mannheim eingemeindet. Verhandlungen nach dem Zweiten Weltkrieg führten dazu, dass Brühl 1950 mit 110 ha einen Teil der Fläche, insbesondere das Schütte-Lanz-Werk und eine Entschädigung für entgangene Grundsteuereinnahmen und die Kosten für den Schulbau in der Siedlung erhielt.
Einwohnerentwicklung
In Rohrhof befand sich jahrhundertelang nur ein einziger Hof. Nach dem Dreißigjährigen Krieg begannen die ersten Erbteilungen in Viertel und Achtel. Im 19. Jahrhundert setzten sich die Teilungen fort und die Wohnbevölkerung wuchs entsprechend. Nach der Vereinigung mit Brühl und insbesondere durch die Industrialiserung des nahen Mannheim stieg die Einwohnerzahl sprunghaft an.
Auch die Bevölkerung des alten Brühl war entsprechend des adeligen Grundbesitzes lange Zeit klein. Allerdings entwickelten sich schon wesentlich früher dörfliche Strukturen. Die Industrialisierung, die Aufnahme von mehr als 900 Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg und die ersten Zuzüge von Städtern, die dann mit dem Auto zu ihrem Arbeitsplatz pendelten, ließen die Einwohnerzahlen zwischen 1875 und 1961 um 564% explodieren, was die höchste Zuwachsrate unter allen Gemeinden des damaligen Landkreises_Mannheim darstellte.Kreisbeschreibung Bd. 3, S. 447 Bis in die 1990er gab es nochmal fast eine Verdopplung der Bevölkerung. In rascher Folge entstanden Neubaugebiete, die die alten Ortskerne von Brühl und Rohrhof miteinander verschmolzen. Auch mit Mannheim-Rheinau ist die Wohnbebauung mittlerweile fest verzahnt.
Politik
Gemeinderat
Der Panaschierens. Die nächste Gemeinderatswahl findet turnusgemäß 2009 statt.
Bei der letzten Kommunalwahl am 13. Juni 2004 ergaben sich folgende Verhältnisse:
Bürgermeister
mit der ersten Abbildung des Brühler Wappens steht an der B36 bei Schwetzingen.]]
Seit 1998 amtiert Dr. Ralf Göck (SPD) als Bürgermeister. Er wurde 2006 für weitere acht Jahre gewählt.
Bisherige Gemeindeoberhäupter (nicht komplett):
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| valign="top" |
* 1820 - 1836: Jacob Eder
* - 1848: Andreas Merkel
* 1849 - 1870: Michael Lindner
* 1870 - 1897: Wilhelm Eder
* 1898 - 1906: Albert Eder
* 1906 - 1916: Michael Schäfer
* 1919 - 1928: Karl Pister (SPD)
| valign="top" |
* 1928 - 1934: Valentin Eder (Vereinigte Bürgerpartei)
* 1934 - 1945: Karl Kammerer (NSDAP)
* 1945 - 1948: Wilhelm Keßler (CDU)
* 1948 - 1973: Alfred Körber (FDP)
* 1973 - 1982: Gerhard Stratthaus (CDU)
* 1982 - 1998: Günther Reffert (CDU)
* seit 1998: Ralf Göck (SPD)
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Wappen
Die Karl Lanz auf Brühler Gemarkung die Luftschiffbau_Schütte-Lanz. Die dort gebauten Luftschiffe waren die größte deutsche Konkurrenz für die Zeppeline.Ludwig Friedrich: Der Schütte-Lanz-Luftschiffbau in Mannheim. In: Mannheimer Geschichtsblätter Neue Folge Bd. 6/1999. Ubstadt-Weiher, ISBN 3-89735-129-3, S. 265 Nach den Bestimmungen des Versailler_Vertrags musste der Luftschiffbau 1922 eingestellt werden. Die gewonnenen Erfahrungen konnten aber für die Holzverarbeitung genutzt werden. Das Unternehmen ist heute noch in Brühl ansässig und ist mittlerweile auf den Verschalungsbau spezialisiert.
Der größte Arbeitgeber in Brühl ist die HIMA. Ein Unternehmen, das Produkte für die Fabrik- und Prozessautomation entwickelt.
Mehr als 90% der Brühler allerdings finden Arbeit in den umliegenden Oberzentren Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg und pendeln täglich an ihren Arbeitsplatz.[http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/SRDB/Tabelle.asp?03025006GE226009 Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stand: 30. Juni 2005]
Verkehr
1905 wurde von Rheinau her ein Abzweig der Rheintalbahn gebaut. Sieben Jahre später wurde die Strecke bis Ketsch verlängert. 1966 wurden die Bahnstrecke und der Brühler Bahnhof stillgelegt. Den ÖPNV betreibt heute die Busverkehr Rhein-Neckar mit Linien nach Mannheim, Schwetzingen und Ketsch. Sie gehört dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar an.
Seit den 1960ern führt die Bundesautobahn 6 an Brühl vorbei. Über die Anschlussstelle Mannheim/Schwetzingen besteht eine direkte Anbindung. Dort kreuzt auch die Bundesstraße 36, die in die Mannheimer Innenstadt bzw. nach Süden Richtung Karlsruhe führt.
Medien
Die Schwetzinger_Zeitung berichtet in ihrem Lokalteil über das Brühler Gemeindeleben. Das Amtsblatt, die Brühler Rundschau, wird kostenlos jeden Freitag an die Haushalte verteilt.
Seit 1. Oktober 2006 gibt es den Regionalen-Informations-Kanal Brühl im digitalen Kabelnetz.
RIK Brühl sendet rund um die Uhr, in ständiger Wiederholung.
Persönlichkeiten
Berühmteste Einwohnerin der Gemeinde war Steffi_Graf, die allerdings in Mannheim geboren wurde.
Ihr Vater, Peter Graf, lebt immer noch auf dem Anwesen in der Gemeinde.
Ehrenbürger
Die Jahreszahlen geben den Zeitpunkt der Verleihung der Ehrenbürgerwürde wieder.
*1905: Johann Baptist Eder, Landtagsabgeordneter
*1934: Karl Mark, Schulrektor und Chorleiter
*1973: Alfred Körber, Bürgermeister
*1988: Steffi Graf, Tennisspielerin
*1993: Karl Maurer, Gemeinde- und Kreisrat (CDU)
*1998: Olivier d'Ormesson, Bürgermeister von Ormesson-sur-Marne
*2002: Gerhard Stratthaus, Bürgermeister und baden-württembergischer Minister (CDU)
*2004: Gerd Stauffer, erster Bürgermeisterstellvertreter (CDU)
Einzelnachweise
Literatur
*Otto Knaus: Achthundert Jahre Brühl: Geschichte der Gemeinde Brühl in 8 Jahrhunderten urkundlich nachgewiesenen Bestehens. 1957
* Staatl. Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit d. Städten u.d. Landkreisen Heidelberg u. Mannheim (Hg.): Die Stadt- und die Landkreise Heidelberg und Mannheim: Amtliche Kreisbeschreibung.
** Bd 1: Allgemeiner Teil. Karlsruhe 1966
** Bd 3: Die Stadt Mannheim und die Gemeinden des Landkreises Mannheim. Karlsruhe 1970
** Bd 4: Karten, Tabellen und Literaturverzeichnis. Karlsruhe 1970
*Peter Dewitz, Helmut Mehrer: Liebes altes Brühl: Eine Gemeinde im Spiegel ihrer jüngeren Geschichte. Ketsch 1982(?)
*Ralf Göck, Helmut Mehrer: Eine Gemeinde und ihr Rathaus: 125 Jahre Brühler Ortsgeschichte. Schwetzingen 1991
*Ursula Kohl, Ralf Göck: Spaziergang durch Brühl und Rohrhof. Schwetzingen 2003, ISBN 3-87742-172-5
* Verein für Heimat- und Brauchtumspflege Brühl/Rohrhof (Hg.): Brühl und Rohrhof: Das Heimatbuch. Brühl 2007
Weblinks
• Offizielle Internetseite der Gemeinde
• Offizielle Internetseite Gemeindejubiläum 2007: "850 Jahre Brühl"
• Brühler Rundschau
lmo:Brühl (Baden)

