Brüder und Schwestern des freien Geistes
Die Brüder und Schwestern des freien Geistes waren eine pantheistisch-mystische Glaubensgruppe im Mittelalter. Sie stand den Amalrikanern nahe und wurde von Papst_Clemens_V. auf dem Konzil von Wien im Jahre 1311 als häretisch verdammt.Der Beginn mittelalterlicher pantheistischer Theologie innerhalb der Christentums liegt im frühen 13. Jahrhundert. Prägend waren Pariser Theologen wie David von Dinant, Amalrich von Bena und Ortlieb von Straßburg.
Vierzehn Anhänger Amalrichs begannen zu lehren, dass "Alle Dinge eins sind, denn was immer ist, ist Gott." Sie glaubten, dass nach dem Zeitalter des Vaters (das Zeitalter des Alten_Testaments) und dem des Sohnes (das Zeitalter des Christentums) ein neues Zeitalter des Heiligen_Geistes bevorstünde.
Im Jahre 1210 wurden die Amalrikaner von einem Agenten des Bischofs von Paris verraten. Elf ihrer Mitglieder wurden lebendig verbrannt.
Die Bewegung aber überlebte und ihre Anhänger radikalisierten sich. Zentrale katholische Glaubensvostellungen wie die der Schöpfung und Erlösung wurden zurückgewiesen. Da alles Gott sei, könne es auch keine Sünde geben, jedwede Handlung sei erlaubt.
Die Brüder und Schwestern des Freien Geistes lehrten die "Freiheit des Geistes" in dem Sinne, dass die menschliche Seele über Kategorien wie Gut und Böse stünde. Dieses Argument ist der Lehre des buddhistischen Vajrayana ähnlich. Die Brüder und Schwestern des Freien Geistes bezeichneten sich selbst auch als illuminati.
Die Lehre von Meister Eckhart kam derjenigen der Brüdern und Schwestern des Freien Geistes gefährlich nahe. Er entging jedoch der Exkommunikation, indem er im Jahre 1327 28 seiner beanstandeten Thesen zurückzog. Andere christliche Theologen, wie Jordan von Quedlinburg verwarfen in ihren Predigten die Lehre der Brüdern und Schwestern des Freien Geistes als unchristlich.
Die Überzeugungen einiger Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaft dürften dem Atheismus nahe gekommen sein. Im Jahre 1375 wurde ein Anhänger der Gemeinschaft, Löffler, öffentlich verbrannt. Seinen Henkern soll er mit den Worten gespottet haben, dass sie nicht genügend Holz hätten, um "den Zufall, welcher die Welt regiert", verbrennen zu können.
Siehe auch
und Illuminati, Häresie, Chronologie der christlichen Kirchen, Konfessionen und Sondergruppen, Pantheismus, Adamiten, Raoul Vaneigem
Literatur
* Richard Kieckhefer: Repression of Heresy in Medieval Germany, Philadelphia 1979
* Gordon Leff: Heresy in the Later Middle Ages, 2 Bde., New York 1967
* Robert E. Lerner: The Heresy of the Free Spirit in the Later Middle Ages, Berkeley-Los Angeles: University of California Press, 1972
* Bernard McGinn: The Flowering of Mysticism. Men and Women in the New Mysticism (1200-1350), Bd. 3 von The Presence of God: A History of Western Christian Mysticism'', New York: Crossroads 1998 (auch in dt. Übersetzung)
Links
[http://www.pinselpark.org/geschichte/einzel/p0375_mittelalter/r_haeresie.html Geschichte der Häresie, darunter ein Abschnitt zum Thema]

