Die Brücke
Die expressionistische Künstlergruppe Die Brücke (oft auch nur ?Brücke? genannt) wurde am 7. Juni 1905 in Dresden von den vier Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff gegründet. Sie hatten damit die erste Künstlervereinigung geschaffen, die sich ausdrücklich als Vertreter des Expressionismus verstand.
Mitglieder der Brücke
• Ludwig Kirchner] (1880-1938)
• Bleyl] (1881-1966)
• Heckel] (1883-1970)
• Schmidt-Rottluff] (1884-1976)
• Amiet] (1868-1961)
• Pechstein] (1881-1955)
• Nolde] (1867-1956)
• Gallen-Kallela/'>Akseli Valdemar Gallén-Kallela] (1865-1931)
• van Dongen] (1877-1968)
• Nölken] (1884-1918)
• Mueller] (1874-1930)
• Kubi?ta] (1884-1918)
Daneben hatte die Brücke bis zum Zeitpunkt ihrer Auflösung 68 ?Passivmitglieder?, die gegen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag die ?Jahresmappe? erhielten, eine Mappe mit Originalgraphiken der Künstler und Informationen über ihre Arbeit. In Hamburg war es zuerst der Jurist und Graphiksammler Friedrich Nietzsches Also sprach Zarathustra (Ihr seid nur Brücke: mögen Höhere auf euch hinüberschreiten!). Mit dem Symbol der Brücke wollte die Gruppe den Uferwechsel in der Kunst einleiten, aber auch die Überwindung alter Konventionen darstellen.
Im Programm der Künstlervereinigung, das 1905 von Kirchner verfasst wurde, heißt es: ?Mit dem Glauben an Entwicklung, an eine neue Generation der Schaffenden wie der Genießenden rufen wir alle Jugend zusammen, und als Jugend, die die Zukunft trägt, wollen wir uns Arm- und Lebensfreiheit verschaffen gegenüber den wohlangesehenen älteren Kräften. Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt.?
Zu den weiteren Zielen der Brücke zählte die Bildung eines einheitlichen Gruppenstils. Dies wurde unter anderem durch gemeinsames Wohnen und Arbeiten zu erreichen versucht.
Bei einem Großteil der bürgerlichen und eher konservativen Bevölkerung des Kaiserreichs stießen die Lebensweise der Künstler und ihre Werke auf Skepsis und Ablehnung.
Die Brücke gab sich realitätsnah im Erleben von Großstadt und Natur und betonte den bildhaften Ausdruckswert konfliktreicher Wirklichkeitserfahrung. Im Gegensatz zur süddeutschen Künstlergruppe Der Blaue Reiter verkörperte sie eine realitätsbezogene Expressivität. Ihre bevorzugte Motivik war der Mensch. Die Künstler wollten ihn in seiner wahren Natur darstellen, deswegen waren zum Beispiel ?Badende? ein sehr beliebtes Motiv, und die Künstler unternahmen immer wieder Exkursionen an die Moritzburger Seen. Besonders die neunjährige Tochter einer Zirkusfamilie, Fränzi, wurde von den Brückekünstlern gern und viel porträtiert. Später (ab 1911) wurde auch das Motiv der Großstadt immer wieder aufgenommen. Einerseits war die Großstadt abstoßend (Anonymität, Hektik), andererseits zog sie die Künstler auch an.
Nachdem Die Brücke 1911 nach Berlin umgezogen war, nahmen ihre Mitglieder Kontakt zur Galerie und Zeitschrift ?Der_Sturm? unter Herwarth Walden auf. Diese Verbindung brachte kubistische Elemente in das Werk der Maler. 1913 löste sich Die Brücke infolge der vielfältigen Einflüsse der Stadt und der darauf folgenden individuellen Entwicklung der Beteiligten und interner Streitigkeiten auf. Anlass für die endgültige Trennung war eine von Kirchner verfasste Chronik der Brücke, die die übrigen Künstler ablehnten. Kirchner schrieb außerdem unter einem Pseudonym Kritiken über die Werke der Brücke-Maler, in denen er sich selbst als Genie der Gruppe darstellte und die anderen Mitglieder beschuldigte, von ihm abgeschaut zu haben. Dies versuchte der Maler durch Vordatierung seiner Werke zu bekräftigen.
In den Jahren der Weimarer Republik erlangten vor allem die ehemaligen Brücke-Mitglieder Emil Nolde, Max Pechstein und Ernst-Ludwig Kirchner große Popularität. Die stimmungsvollen Bilder der Künstlergruppe hatten darüber hinaus einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des deutschen Films der 1920er und 1930er Jahre. Regisseure wie Fritz Lang (Metropolis), Friedrich Wilhelm Murnau (Nosferatu) oder Robert Wiene (Das Cabinet des Dr. Caligari) zitierten in ihren Werken Stilmittel der Expressionisten.
Während der Zeit des Dritten_Reichs galten expressionistische Bilder als entartet. Die Wanderausstellung "Entartete_Kunst", die insgesamt 650 Bilder zeigte, bestand annähernd zur Hälfte aus Werken der Brücke-Maler.
1967 wurde in Berlin das Brücke-Museum Berlin eröffnet.
Merkmale und Motive
Anders als der französische Fauvismus, mit dem sie viele Einflüsse von außen teilten, betonten die Brücke-Maler nicht nur die malerische Form und die Bildkomposition, sondern insbesondere die seelisch-psychischen Momente und die damit verbundene Erkenntnis oder Vermutung über den Kern der Dinge. Dabei wandten sie sich vom Menschenbild des 19. Jahrhunderts ab und malten auch Tabu-Themen, denn sie wollten ihre Mitmenschen aufrütteln und beunruhigen. Daraus resultieren einige wesentliche Merkmale:
* Intensive und kontrastreiche Benutzung von Farbe
* Veränderung der Form durch bewusste Vergröberung und Verzicht auf Details.
* "holzschnittartiger" Charakter der Malerei
* kantige Formen
* kühne Raumgestaltung
Zu den bevorzugten Motiven der Brücke-Maler zählten:
* Der Mensch in Bewegung
* Zirkus und Varieté
* Mensch und Natur
* Tanz
* Leben in der Großstadt
* Akte und Badende
Vorbilder
Zu den Vorbildern der Brücke-Maler zählten
• van Gogh]
• Gauguin]
*Die Maler des Fauvismus, z.B. Henri Matisse
• Munch]
*Afrikanische Primitivkunst ("art primitif")
Literatur
* Horst Jähner: Künstlergruppe Brücke. Geschichte einer Gemeinschaft und das Lebenswerk ihrer Repräsentanten. 464 Seiten. E.A.Seemann Verlag. ISBN 3-865-02123-9
* Gerd Presler: Die Brücke. Rowohlt, Reinbek 2007, ISBN 978-3-499-50642-0
Weblinks
• Chronologie der Brücke mit Ein- und Austritten
• Erklärung und Werke zu: Die Brücke
• Brücke Museum in Berlin-Dahlem

