Hermann von Boyen
Leopold Hermann Ludwig von Boyen (20. Juni 1771 in Kreuzburg, Ostpreußen; ? 15. Februar 1848 in Berlin) war ein preußischer General.Leben
Boyen stammte aus einer kleinen ostpreußischen Adelsfamilie. Nach dem frühen Tod seiner Eltern trat er 1784 in Königsberg in die Armee ein, erhielt 1788 das Patent als Sekondeleutnant und zugleich eine Stelle an der Kriegsschule in Königsberg, wo er auch die Vorlesungen von Kant besuchte.
Nachdem er 1794-1796 dem Feldzug in Polen als Adjutant des Generals von Günther beigewohnt hatte, wurde er 1799 Hauptmann, machte den Krieg_von_1806, in welchem er bei Auerstedt verwundet wurde, im Generalstab des Herzogs_von_Braunschweig mit, wurde nach dem Frieden von Tilsit Major und Mitglied der militärischen Reorganisationskommission unter Scharnhorst und erhielt 1810 als Direktor des allgemeinen Kriegsdepartements den Vortrag beim König.
Bei der Begründung der neuen_Heeresverfassung war er neben August Neidhardt von Gneisenau Scharnhorsts eifrigster Gehilfe. Als sich Preußen 1812 mit Frankreich verbündete, nahm Boyen als Oberst seinen Abschied und ging nach einem Besuch in Wien wie viele andere preußische Offiziere, die einen Kriegseintritt gegen Frankreich bevorzugt hätten, nach Russland, wo er in Sankt Petersburg lebte.
Als Preußen 1813 erneut die Seiten wechselte und die Befreiungskriege begannen, trat Boyen wieder in preußische Dienste ein. Als Oberst im Generalstab Friedrich_Wilhelm_von_Bülows begleitete er die russische Armee vom Hauptquartier in Kalisch bis nach Sachsen. Nach der Schlacht von Lützen wurde die Mobilmachung in der Mark Brandenburg und falls nötig die Verteidigung von Berlin übertragen; während des Waffenstillstandes ernannte ihn Friedrich_Wilhelm_III. zum Chef des Generalstabs des 3. Armeekorps. Mit diesem machte Boyen die Schlachten und Gefechte von 1813 und 1814 mit und wurde zum Generalmajor befördert.
Nach dem ersten Pariser Frieden löste er im August 1813 Karl Georg Albrecht Ernst von Hake als Kriegsminister ab. Als wichtigste Amtshandlung erließ er am 3. September 1814 das preußische Wehrgesetz, das mit der Wehrpflicht das wichtigste Element von Scharnhorsts Heeresreform festschrieb. Darüber hinaus führte er die im Krieg begonnene Organisation der Landwehr mit der Landwehrordnung von 1815 fort. 1818 wurde von Boyen Generalleutnant. Bereits kurz nach dem Ende der Befreiungskriege formierte sich die konservative Kritik am Reformprogramm, die sich im militärischen Bereich vor allem gegen die breite Basis der Landwehr richtete. Als diese Widerstände immer stärker wurden, trat von Boyen 1819 als Kriegsminister zurück. Dieses Ereignis wird in der Geschichtsschreibung oft als endgültiges Ende der Reformphase und Beginn der Reaktion gewertet.
Danach lebte er 21 Jahre lang als Privatmann, mit geschichtlichen Studien beschäftigt, bis ihn Friedrich_Wilhelm_IV. unmittelbar nach seiner Thronbesteigung als General der Infanterie in den aktiven Dienst zurückrief.
Im März 1841 wurde Boyen wieder an die Spitze des Kriegsministeriums gestellt, ohne größeren Einfluss zu entfalten. Im November 1847 trat er zurück und wurde zum Generalfeldmarschall und Gouverneur des Invalidenhauses in Berlin ernannt. Der König benannte nach ihm die Feste Lötzen in Ostpreußen Boyen.
Sein gleichnamiger Sohn war Generaladjutant des Königs.
Werke
Von seinen Schriften sind hervorzuheben:
* Beiträge zur Kenntnis des Generals von Scharnhorst (Berlin 1833)
* Erinnerungen aus dem Leben des Generalleutnants von Günther (Berlin 1834)
Auch ist er der Dichter des Liedes Der Preußen Losung (1838).
Weblinks
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