Boye (Fluss)
Die Boye ist der größte Nebenfluss der Köttelbecken" oder in Tieflage zwischen Spundwänden.
Salzige, warme, Tiefenwässer aus dem Bergbau, Industrie- und Haushaltsabwässer, aber auch Einleitungen aus der Landwirtschaft mischen sich mit Rein- und Grundwässern und nähren eine charakteristische Geruchsglocke. Die Fließgeschwindigkeit ist in den Betonrinnen hoch, bei starker Wasserführung können trotz des geringen Gefälles 12 km/h erreicht werden.
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Hohe Deiche, gebaut aus Abraummaterial des Bergbaus, begleiten den Unterlauf und schützen das meist tiefer liegende Umland vor Hochwasser. Aus Sicherheitsgründen ist die Boye hier abgezäunt; einen Blick und eine Nase voll kann man lediglich auf Überführungen riskieren.Die offene Abwasserführung wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch Bergsenkungen, ausgelöst durch den Kohlenbergbau, erzwungen: Einerseits war ein natürlicher Abfluss nicht mehr gegeben; die Landschaft versumpfte zusehends, Cholera-Epidemien drohten in dem dicht besiedelten Gebiet. Andererseits kam eine Führung in unterirdischen Rohren wegen der ständigen massiven Bodenbewegungen technisch nicht in Betracht. Wo die Bergsenkungen den Grundwasserspiegel erreichten, blieb als letzte Möglichkeit sogar nur das Höherlegen des Abflusses in Düker, verbunden mit Pumpwerken.
Kurz hinter der Essener Stadtgrenze mündete die Boye (ursprünglich) in die Emscher. An dieser Stelle findet sich heute lediglich ein Überlaufbecken für Hochwasser; die Hauptfracht wird 300 Meter zuvor abgezweigt und schließlich über 8 Meter hohe Steigleitungen ins Emscherklärwerk Bottrop hinauf gepumpt. Das Pumpwerk Bottrop-Boy kann bis zu 42.000 Liter Wasser pro Sekunde bewältigen.
Der Umbau des Boye-Systems
Mit der Nordwanderung des Kohlenbergbaus ist der Boden im Unterlauf des Boye-Systems zur Ruhe gekommen. Es ist nun auch technisch möglich, die Abwässer nach der Trennung von den Reinwässern in unterirdische Rohrleitungssysteme zu schicken um anschließend die Oberflächengewässer naturnah umzugestalten. Dies wird aktuell im Rahmen des Emschersystem-Umbaus mit großem Aufwand von der Emschergenossenschaft durchgeführt. Zunächst werden viele Zuflüsse, später die Boye selbst entsiegelt. Die heute noch toten Kloaken werden ökologisch aufgewertet und erhalten ein begleitendes Wegesystem; ihre trennende Wirkung wird aufgehoben. Der Haupt-Abwassersammler wird seitlich unterhalb der Boye verpresst und erreicht einen Durchmesser von 4 Metern; er soll direkt in die Kläranlage Bottrop geführt werden. Der Umbau von Nebengewässern macht bereits an vielen Stellen gute Fortschritte. Bis Ende 2009 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.Weblinks
* http://www.eglv.de/index_frs.html Die Seiten der Emschergenossenschaft (zum Boye-System durchklicken über "Gewässerprojekte")
* http://www.deutsche-steinkohle.de/medien/pdf/200412181359591.pdf Informationen des Bergwerks Prosper-Haniel, insbesondere zur Bergsenkungs-Problematik in Bottrop

