Muhammad Boudiaf
Muhammad Boudiaf (23. Juni 1919; ? 29. Juni 1992 in Annaba ermordet), auch Si Tayeb el Watani genannt, war ein führender algerischer Politiker, der im Jahre 1992 Präsident des Landes war.Boudiaf war einer der Mitbegründer der Nationalen Befreiungsfront Algeriens (FLN), die im Algerienkrieg die Unabhängigkeit des Landes von Frankreich durchsetzte. Boudiaf gründete 1962 die Untergrundpartei Parti de la Révolution Socialiste (PRS), die vom FLN-Regime verfolgt wurde. Boudiaf wurde bald nach Gründung der PRS inhaftiert. Später wurde er freigelassen und ging nach Marokko ins Exil, wo er 27 Jahre lang blieb, ehe er im Februar 1992 auf Wunsch des algerischen Militärs in seine Heimat zurückkehrte. Er wurde Vorsitzender des Hohen Staatsrates Algeriens, einem kollektiven Führungsgremium, das eingerichtet wurde, nachdem die Wahlen wegen des zu erwartenden Sieges der Opposition von den Militärs annulliert worden waren. Da Boudiaf wegen seiner langen Zeit im Exil nicht in aktuelle Machtkämpfe verwickelt war, galt er als eine überparteiliche Integrationsfigur. Seine Amtszeit dauerte allerdings nur wenige Monate, da er am 29. Juni von einem seiner Leibwächter während einer Rede in Annaba ermordet wurde. Hinter der Tat wurden islamistische Kreise vermutet. Im Präsidentenamt folgte ihm Ali Kafi
Literatur
* Bernhard Schmid: Algerien. Frontstaat im globalen Krieg? Neoliberalismus, soziale Bewegungen und islamische Ideologie in einem nordafrikanischen Land. 2005, ISBN 3-89771-019-6
* Bernhard Schmid (2006): Das koloniale Algerien. Münster. ISBN 3-89771-027-7

