Bossieren
Unter Bossieren versteht man das grobe Bearbeiten von Steinen oder in anderem Zusammenhang auch das Herstellen von Gips- oder Wachsfiguren. Es ist eine alte Handwerkskunst und wurde im 19. Jahrhundert an verschiedenen Universitäten (z. B. Universität Hannover oder Technische Universität Chemnitz) gelehrt.
Meyers Konversationslexikon von 1888 schreibt über das Bossieren:
:Bossieren (auch bosselieren, bosseln, v. franz. bosse, "Buckel, rundliche Erhöhung"), die Kunst, einem weichen Stoff durch Bearbeiten mit einfachen Werkzeugen irgend eine zweckdienliche oder künstlerische Form zu geben. Sie wird hauptsächlich angewandt, um Modelle für die Bildhauerei, die Keramik und für den Metallguss darzustellen, oder auch, um Gegenstände (Bosse, Rondebosse) zu formen, welche unmittelbar selbst als Verzierung oder zu anderm Behuf benutzt werden können. Zum B. benutzt man Bossierwachs, eine beliebig gefärbte Mischung von Wachs mit Terpentin, Talg, Baumöl etc., oder Ton mit einem Zusatz von Glycerin. Runde (nach allen Seiten frei stehende) Gegenstände werden entweder ganz aus Wachs gebildet, oder sie erhalten einen Kern von Holz; zu halb erhabenen Arbeiten trägt man das Wachs auf ein flaches Brett oder eine andere Unterlage auf und bearbeitet es mit hölzernen, eisernen oder beinernen Griffeln (Bossiergriffeln, Bossierhölzern), d. h. Stäbchen, welche an ihren Enden spitzig, rund, schaufelförmig, gebogen oder sonstwie gestaltet sind. Das Bossieren in Ton geschieht auf dieselbe Weise. Die Gegenstände des Bossierens stehen während der Arbeit auf dem drehbaren Bossierstuhl, so dass der Künstler, ohne seinen Platz zu verlassen, die zu bearbeitende Masse nach allen Seiten hin drehen kann.

