Bärenhüter
Der Bärenhüter (lateinisch Bootes, gesprochen "Bo'ótes", manchmal auch als "Rinderhirte" bezeichnet) ist ein Sternbild nördlich des Himmelsäquators
Beschreibung
Der Bärenhüter ist ein auffälliges Sternbild des Frühjahrshimmels. Seine Figur erinnert an einen Kinderdrachen oder eine große Eistüte
Er steht zwischen dem Herkules und der Jungfrau. Um ihn aufzufinden, kann man sich am Großen Wagen (Großer_Bär) orientieren. Wenn man den Bogen der Deichselsterne verlängert, gelangt man zu dem auffällig rötlichen Arktur, dem hellsten Stern des Bärenhüters.
Geschichte
Der Bärenhüter gehört zu den 48 Sternbildern der antiken griechischen Astronomie, die bereits von Ptolemäus beschrieben wurden.
Der Name Boötes leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet eigentlich Ochsentreiber oder Stiertreiber.
Ein veralteter Name des Sternbilds ist Arktophylax, griechisch für »Bärenhüter«. Er rührt daher, dass der Hauptstern Arktur am Himmel dem »Schwanz« des Großen_Bären zu folgen scheint.
Bei der Einführung der offiziellen Grenzen moderner Sternbilder durch die IAU wurden zwei alte Sternbilder zu Gunsten des Bärenhüters aufgelöst. Im Nordteil des Sternbildes an der Grenze zum Drachen befand sich das Sternbild Mauerquadrant, nach dem auch der Meteorstrom der Quadrantiden benannt ist, im Süden an der Grenze zur Jungfrau befand sich das Sternbild Berg Mänalus.
Meteorströme
Im Bärenhüter liegt der Radiant der Quadrantiden, einem Meteorstrom, der am 3. Januar eines jeden Jahres sein Maximum hat. Dann können 40 bis 200 Meteore pro Stunde beobachtet werden.
Mythologie
Zum mythologischen Ursprung des Sternbildes gibt es mehrere Versionen.
So soll der Bärenhüter Arkas, den Sohn des Zeus und der Kallisto, darstellen.
Einer anderen Überlieferung nach ist der Bärenhüter Philomelis, der Sohn des Jason und der Demeter, der den Wagen und den Ackerpflug erfand.
Eine andere Version sieht im Bärenhüter Ikarios, den der Weingott Dionysus in die Kunst des Weinanbaus einweihte. Ikarios zog eines Tages los, um den Rebensaft zu verkaufen. Er traf auf eine Gruppe von Hirten, denen er das bisher unbekannte Getränk einschenkte. Die Hirten glaubten allerdings, Ikarios wolle sie vergiften und erschlugen ihn. Erigone, die Tochter des Ikarios, erhängte sich darauf hin vor lauter Trauer.
Dionysus verewigte Ikarios und seine Tochter am Himmel, die als Sternbild Jungfrau in der Nähe ihres Vaters zu sehen ist.
Himmelsobjekte
Sterne
Im Bärenhüter findet man eine ganze Reihe von Mehrfachsternen.
? Bootis ist ein Doppelstern in 150 Lichtjahren Entfernung. Im Teleskop sieht man einen tiefgelben, hellen Stern, der von einem bläulichen Stern begleitet wird. Dieses Doppelsternsystem wird oft als eines der schönsten bezeichnet.
Der arabische Name Izar bedeutet ?Gürtel?, der lateinische Name Pulcherrima die ?Wunderschöne?.
? Bootis ist ein Dreifachsystem in 55 Lichtjahren Entfernung. Zwei der Sterne kann man bereits mit einem Prismenfernglas trennen. Im Teleskop erkennt man bei der lichtschwächeren Komponente noch einen weiteren Begleiter.
Die Herkunft des Namens Muphrid ist nicht geklärt.
? Bootis ist ein Dreifachsystem in einer Entfernung von 100 Lichtjahren. Die beiden hellsten Sterne können ebenfalls mit einem Fernglas in Einzelsterne aufgelöst werden. Der lichtschwächere Begleiter ist zudem noch ein veränderlicher Stern (s.u.)
Die Sterne ?1 und ?2 Bootis stehen mit 14 Bogenminuten soweit auseinander, dass sie bereits mit bloßem Auge getrennt werden können.
Veränderliche_Sterne
W Bootis ist ein halbregelmäßig veränderlicher Stern in 400 Lichtjahren Entfernung. Seine Helligkeit schwankt in einem Zeitraum von 30 bis 450 Tagen zwischen 4,7 und 5,4m.
? Bootis ist ein bedeckungsveränderlicher Stern vom Typ Beta-Lyrae. Dies sind enge Doppelsternsysteme in einer Frühphase ihrer Entwicklung, bei dem das Gas eines aufgeblähten Hauptsterns auf die Akkretionsscheibe eines Begleitsterns strömt und diesen periodisch verdunkelt.
Messier- und NGC-Objekte
Obwohl der Bärenhüter sehr ausgedehnt ist enthält er nur wenige auffällige Sternhaufen, Gasnebel oder Galaxien.
NGC 5466 ist ein Kugelsternhaufen in 50.000 Lichtjahre Entfernung. Zu seiner Beobachtung benötigt man ein lichtstarkes Fernglas oder Teleskop.

