Boot-Teilen
Unter Boot-Teilen (engl. Boat Sharing) versteht man den gemeinsamen Betrieb, Unterhalt und die Nutzung von Booten (vor allem Vergnügungs-, insbesondere kleinen Segelbooten ? genauer müsste es eigentlich Segelboot-Teilen heißen) durch eine Non-Profit-Organisation. Die Organisation ist meist eine Selbsthilfe-Genossenschaft oder ein Verein, bei zunehmender Professionalisierung und Kommerzialisierung auch eine GmbH oder eine AG. Die Boote können Eigentum der Boot-Teil-Organisation sein oder von anderen Eigentümern über Nutzungsverträge einbezogen werden.]]
Indem sich die Mitglieder und Nutzer in einer Boot-Teil-Organisation zusammenschliessen, können die Boote besser ausgelastet werden, als Boote in Privatbesitz sonst ausgelastet sind. Die Kosten pro gesegelte Stunde oder Tag sind tiefer, weil die fixen Kosten auf mehr Zeit und Benützer umgelegt werden können. Dieser Vorteil allein wiegt den Aufwand für das Reservationssystem und die übrige Verwaltung bei weitem auf.
Für die einzelnen Mitglieder und Nutzer ergeben sich gegenüber Betrieb, Unterhalt und Nutzung eines privaten Bootes außer dem Kostenvorteil weitere Vorteile:
* Die Wartezeit auf einen eigenen Bootsliegeplatz entfällt; diese Wartezeiten betragen in vielen Häfen mehrere Jahre, weil die Nachfrage das beschränkte Angebot bei weitem übersteigt. Dabei bewirken die langen Wartezeiten nochmals eine Verlängerung, weil jemand, der einen Bootsliegeplatz hat, es sich zwei- oder dreimal überlegt, ob er ihn abgeben soll, auch wenn er ihn nicht mehr benützt ? ein Teufelskreis.
* Die Mitglieder und Nutzer einer Boot-Teil-Organisation können je nach Bedürfnis und Situation bei verschiedenen Gelegenheiten verschiedene Boote in verschiedenen Revieren benützen ? sportliches Segeln, evtl. mit Teilnahme an einer Regatta, auf einem Klasseboot oder gemütliches Wochenende mit Landausflügen mit der Familie oder mit Freunden auf einer Kabinenjacht.
Der limitierende Faktor für das Wachstum einer Boot-Teil-Organisation sind die Bootsliegeplätze. Durch die vergleichsweise hohe Auslastung der Boote und folglich auch der Bootsliegeplätze ermöglicht Boot-Teilen eine wirtschaftlichere und nachhaltigere Nutzung der knappen Ressource Bootsliegeplätze, die Liegeplätze werden vorrangig durch Leute genutzt, die sie auch tatsächlich benützen. In diesem Sinne ist der leichtere Zugang zum Segelsport, den Boot-Teilen ermöglicht, auch gerechter. Dies würde eine Bevorzugung von Boot-Teil-Organisationen bei der Vergabe von Bootsliegeplätzen rechtfertigen; bisher sind aber noch keine Hafenverwaltungen bekannt geworden, die Boot-Teil-Organisationen bei der Vergabe von Bootsliegeplätzen bevorzugen.
SailCom
Die älteste und bisher größte Boot-Teil-Organisation ist die schweizerische Genossenschaft SailCom. Sie wurde 1991 als kombinierte Auto-Teilen- und Boot-Teilen-Genossenschaft unter dem Namen ShareCom gegründet. 1997 fusionierte der Auto-Teilen-Teil der ShareCom mit der Auto Teilet Genossenschaft ATG zu Mobility_CarSharing_Schweiz, und der Boot-Teilen-Teil von ShareCom wurde zur selbständigen Genossenschaft SailCom. Sie hat 1425 Mitglieder (Februar 2006) und hat 57 Segelboote auf 16 Schweizer Seen in ihrem Angebot, davon sind 34 Boote Eigentum der Genossenschaft, und 23 Boote stehen in Nutzungsverträgen mit anderen Eigentümern. Die Mitgliederzahl von SailCom ist von 2002 bis 2005 jährlich um 10?15% gewachsen. So starkes Wachstum ist eine Herausforderung für eine Genossenschaft, die vor allem von den Mitgliedern in ihrer Freizeit getragen wird und nur einige wenige Teilzeit-Angestellte hat.
Wie es funktioniert
Wer SailCom-Boote nutzen will, muss SailCom-Mitglied sein; wer SailCom-Mitglied werden will, muss
* einen schweizerischen Bootsführerschein Kategorie D für "Segelschiffe mit mehr als 15 m2 Segelfläche" (sogenannten "D-Schein") besitzen, und
* einen Anteilschein von SFr. 600.? zeichnen und einbezahlen. Beim Austritt aus der Genossenschaft wird dieses Anteilscheinkapital zurückbezahlt.
Die Reservation der Segelboote erfolgt über Internet (das ist der weit überwiegende Teil der Reservationen) oder Telefon (die Zentrale ist alle Tage 24 Stunden besetzt; hierfür hat SailCom einen Vertrag mit Mobility CarSharing Schweiz). Die Bootsnutzung wird pro reservierte Stunde beziehungsweise Tag abgerechnet. Der Tarif für einen vollen Tag (24 Stunden) ist gleich dem Fünffachen des Tarifs für eine Stunde. Die Tarife sind nach Größe und Ausstattung der Boote und Preis des Liegeplatzes gestaffelt. An Wochenenden und Feiertagen gelten leicht höhere Preise.
Weblinks
http://www.sailcom.ch
Siehe auch
Auto-Teilen

