Bolongarostraße
|Anlage=vor 1000 als Höchster HauptstraßeWolfgang Metternich: Die städtebauliche Entwicklung von Höchst am Main. Frankfurt-Höchst 1990: Stadt Frankfurt und Verein für Geschichte und Altertumskunde., verlängert um 1770 und seit Mitte des 19. Jh.
|Stadtteile=Höchst,
Nied
|Fortsetzung=Alt Nied (Osten)
Brüningstraße (Westen)
|Querstraßen=Leverkuser Straße,
Königsteiner Straße,
Zuckschwerdtstraße,
Ludwig-Scriba-Straße,
Mainzer Landstraße
/'>Bauwerke=Dalberger Haus mit der Porzellanmuseum,
ehem. Antoniterkloster,
Bolongaropalast,
ehem. Kreishaus,
Hotel Lindner.
}}
Die Bolongarostraße ist die Hauptstraße der Altstadt Frankfurt-Höchsts. Sie ist neben der Königsteiner Straße und der Hostatostraße eine der wichtigsten Einkaufsstraßen des Stadtteils und verbindet die Stadtteile Höchst und Nied.
Der Name der Bolongarostraße leitet sich von der seit 1735 in Frankfurt ansässigen Kaufmanns- und Fabrikantenfamilie Bolongaro ab, die sich 1771 in Höchst niederließen und zwischen 1772 und 1774 den Bolongaropalast in der Höchster Neustadt errichten ließen. Bis zur Eingemeindung Höchsts nach Frankfurt im Jahr 1928 hieß die Bolongarostraße einfach Hauptstraße, wie sich auch den Höchster Stadtplänen von 1850 und 1898 entnehmen lässt.
Straßenverlauf
Die Bolongarostraße durchquert die Höchster Altstadt zwischen Leverkuser Straße und Königsteiner Straße als schmale Einbahnstraße in Fahrtrichtung Osten. Von dort wird sie durch die Höchster Neustadt entlang des Bolongaropalastes bis zur Ludwig-Scriba-Straße und der Stadtteilgrenze zu Nied als zweispurige Einbahnstraße weitergeführt, ab der Zuckschwerdtstraße verläuft das stadteinwärts führende Gleis der Straßenbahnlinie_11 auf der Fahrbahn.
Image:Höchst Bolongarostraße 2.jpg|Der ehemalige Höchster Marktplatz am Mainberg
Image:Nied Bolongarostraße 5.jpg|Zwischen der Mainzer Landstraße und der Ludwig-Scriba-Straße
Image:Nied Bolongarostraße 4.jpg|Zwischen der Niddabrücke in Alt-Nied und der Mainzer Landstraße
In Nied wird die Bolongarostraße zwischen der Ludwig-Scriba-Straße und dem Übergang in die Mainzer Landstraße als breite zweispurige Verbindungsstraße geführt, in der Mitte verlaufen die Schienen der Straßenbahnlinie 11 als eigene Trasse. Zwischen Mainzer Landstraße und Alt Nied ist die Bolongarostraße eine ruhige, nur auf der nördlichen Seite bebaute Wohnstraße, eine Zufahrt ist nur über die Niddabrücke möglich.
Verkehr
thumb|Verlauf_der_Bolongarostraße_in_Höchst
Da die Bolongarostraße die Hauptverbindung zwischen den Stadtteilen Höchst und Nied darstellt, hat sie eine erhebliche Bedeutung als Verbindungsstraße. Entsprechend hoch ist ungeachtet der Enge der einspurigen Einbahnstraße im Bereich zwischen Leverkuser und Königsteiner Straße das Fahrzeugaufkommen. Der gesamte Verkehr stadteinwärts Richtung Nied fließt hier. Der vierspurige Abschnitt zwischen Mainzer Landstraße und Ludwig-Scriba-Straße ist insbesondere zu Zeiten des Berufsverkehrs sehr stark belastet.
Auch wichtige Linien des ÖPNV werden durch die Bolongarostraße geführt. Die Buslinien 54, 55 und 57 verkehren ab der Leverkuser Straße Richtung Nied und Sossenheim. Ab dem Bolongaropalast kommen die Busse der Linien 51, 53, 59 sowie die Linie 11 der Straßenbahn hinzu.
Durch die derzeit (Herbst 2006) im Bau befindliche Anbindung der Leunabrücke an den Schwanheimer Knoten soll eine weitere Straßenverbindung zwischen Höchst und Nied auf südlicher Mainseite entstehen, die den Durchgangsverkehr in Höchst reduziert und die Altstadt entlastet. Er wird zudem erwogen, die Straßenbahngleise Richtung Westen in die Höchster Innenstadt zu verlängern.
Geschichte
thumb|Die_Höchster_Hauptstraße_vor_dem_ehem._Antoniterkloster_um_1890
thumb|Das_nicht_realisierte_Höchster_Neustadtprojekt_von_1768
thumb|Höchster_Stadtplan_von_1850
Die Bolongarostraße ist Bestandteil einer alten Überlandstraße zwischen Frankfurt und Mainz, die in Teilen bis in die römische Zeit nachweisbar ist.
Mittelalter und frühe Neuzeit
Im Kern war die Bolongarostraße die ehemalige Hauptstraße der Stadt Höchst und durchquerte die Stadt zwischen den beiden Stadttoren Obertor (?Storch?) im Osten und Untertor (?Specht?) im Westen. Es ist sicher, dass die Hauptstraße bereits um das Jahr 1000 herum auf einer Trasse etwas nördlich der heutigen Bolongarostraße durch das damalige Dorf Höchst verlief. An der Trassenführung und der Bebauung änderte sich auch durch die Stadterhebung von 1355 zunächst nur wenig. Nach einer Stadterweiterung im 15. Jahrhundert wurde die Hauptstraße im Bereich zwischen der heutigen Hilligengasse und Storchgasse verbreitert. Bis in die 1920er Jahre hinein befand sich hier nun der Höchster Marktplatz.
Vom 18. bis zum 20. Jahrhundert
Nach Plänen aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts entstand die Chaussee nach Frankfurt, die heutige Mainzer Landstraße. Die Straßenführung zwischen der Höchster Altsttadt und Nied entspricht größtenteils der ehemaligen Römerstraße.
Der amtierende Kurfürst und Höchster Landesherr Emmerich Joseph von Breidbach-Bürresheim plante, die wirtschaftliche Entwicklung Höchsts durch Gründung einer Neustadt im Osten der Altstadt an der Mainzer Landstraße nach Frankfurt zu fördern. Die italienische Familie Bolongaro errichtete zwischen 1772 und 1774 hier ihren barocken Palast. Der Straßenverlauf der Durchgangsstraße selbst entsprach der alten Trassierung, das Neustadtprojekt wurde allerdings nach Emmerich Josephs Tod 1774 nicht mehr realisiert.
In den 1820er Jahren wurde der heutige Verlauf der Bolongarostraße festgelegt, als nach Bau der Königsteiner Straße zwischen 1814 und 1820 die Straßenführung der Höchster Neustadt in Anlehnung an die alten Pläne aus dem 18. Jahrhundert neu gestaltet wurde. Der 1830 entfernte Vorhof des Bolongaropalastes lag danach an der Stelle der heutigen Bolongarostraße. Im Stadtplan von 1850 hieß dieser Straßenabschnitt noch Die Neustadt, erst im Plan von 1898 wird auch dieser Abschnitt als Hauptstraße bezeichnet. Beim Ausbau der Mainzer Landstraße wurden im Jahr 1816 auch das Obertor und das Untertor in der Höchster Altstadt zusammen mit den Tortürmen zugunsten eines besseren Verkehrsflusses abgebrochen.
Der Straßenverlauf lag mit den Planungen aus dem 19. Jahrhundert fest und änderte sich nicht mehr. Nach dem Bau der neuen Nieder Niddabrücke im Jahr 1951 wurde später der östliche Teil der Bolongarostraße zwischen Nidda und Mainzer Landstraße für den Durchgangsverkehr geschlossen.
Bebauung und wichtige Bauwerke
Die Bebauung der Bolongarostraße ist uneinheitlich. Viele ältere Fachwerkbauten im gotischen_Stil fielen dem Großen_Stadtbrand vom Dezember 1586 zum Opfer. In der Höchster Altstadt bestimmen daher vorwiegend Fachwerkgebäude aus der Renaissance und dem Barock das Bild. Baulücken wurden meist in der Gründerzeit im zeitgenössischen Stil gefüllt, einige alte Häuser wurden dem Zeitgeschmack entsprechend umgebaut und verputzt oder durch Neubauten ersetzt.
In der Höchster Neustadt bestimmen neben dem dominierenden Barockbau des Bolongaropalastes und dem Kreishaus von 1911 auf der Südseite Gründerzeitbauten in teilweise schlechtem Bauzustand das Bild. Das Lindner-Hotel gegenüber dem Kreishaus ist ein moderner Zweckbau aus den 1990er Jahren.
Im Nieder Teil der Bolongarostraße stehen auf der nördlichen Seite ausschließlich Wohnbauten aus der Gründerzeit. Auf der südlichen Seite befinden sich neben einigen Wohnbauten zwei größere Gewerbe-Liegenschaften, von denen eine - ein ehemaliges Autohaus - wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse seit über 10 Jahren leersteht und verfällt. Zwischen Nidda und Mainzer Landstraße ist die Bolongarostraße auf der südlichen Straßenseite unbebaut, hier erstreckt sich eine Grünfläche.
Image:Dalberger Haus Frankfurt Höchst.jpg|Dalberger Haus
Image:Zum Anker Höchst.jpg|Haus zum Anker
Image:Kronberger Haus Höchst.JPG|Kronberger Haus
Bekannte Bauwerke entlang der Bolongarostraße in Höchst sind:
* das Dalberger Haus, Bolongarostraße 186, ein Adelshof aus dem 16. Jahrhundert und heute Verkaufsstelle der Höchster Porzellanmanufaktur
* das Haus zum Anker, Bolongarostraße 173, ein spätgotischer Bau aus dem 15. Jahrhundert, in den 1970ern wegen Baufälligkeit komplett neu aufgebaut
* das Kronberger Haus, Bolongarostraße 152, ein Adelshof aus dem 16. Jahrhundert, zwischen 1870 und 1909 Höchster Rathaus und heute Sitz des Porzellanmuseums des Historischen_Museums_Frankfurts
* das ehemalige Antoniterkloster, Bolongarostraße 137-143, im 15. Jahrhundert erbaut und 1803 säkularisiert
* der barocke Bolongaropalast, Bolongarostraße 105-111, aus den Jahren 1772 bis 1774
* das ehemalige Kreishaus des Landkreises_Höchst aus dem Jahr 1911, Bolongarostraße 101, bis 1987 Verwaltungssitz des Main-Taunus-Kreises, heute leerstehend
Image:Antoniterkloster Frankfurt Höchst.jpg/'>Antoniterkloster
Image:Bolongaropalast Straßenfront.JPG|Bolongaropalast
Image:Frankfurt Höchst Kreishaus.jpg|Kreishaus
Wirtschaftliche Situation
Die Bolongarstraße ist ein wichtiger Standort für Handwerk, Kleingewerbe, Gastronomie und Einzelhandel in Höchst. Die Höchster Porzellanmanufaktur, die lange Zeit im Dalberger Haus ihren Firmensitz hatte und nun eine Verkaufstelle unterhält, und das Lindner Congress Hotel sind die bekanntesten Gewerbebetriebe in der Bolongarostraße. Hinzu kommen Fachgeschäfte verschiedener Branchen und eine größere Anzahl Gastronomiebetriebe.
Im Nieder Bereich der Bolongarostraße gibt es neben einer Tankstelle nur noch Gastronomiebetriebe. Für die Ruine eines ehemaligen Autohauses wurde erst im Sommer 2006 ein Investor gefunden, der dort eine gewerbliche Nutzung plant.
In den vergangenen Jahren haben jedoch Chemiker und Nobelpreisträger Hans_Fischer wurde 1881 im Haus Bolongarostraße 162 geboren.
* In der Bolongarostraße 103, dem ehemaligen Sitz des Höchster Amtsgerichts, befindet sich die Geschäftsstelle der Wikimedia_Deutschland.
Quellen
Fußnoten
Literatur
* Wolfgang Metternich: Die städtebauliche Entwicklung von Höchst am Main. Frankfurt-Höchst 1990: Stadt Frankfurt und Verein für Geschichte und Altertumskunde.
* Rudolf Schäfer: Die Höchster Neustadt und der Bolongaropalast. Frankfurt a.M.-Höchst 1975: Verein für Geschichte u. Altertumskunde e.V.
* Rudolf Schäfer: Höchst am Main. Frankfurt am Main 1981: Frankfurter Sparkasse von 1822.
* Rudolf Schäfer: Chronik von Höchst am Main. Frankfurt am Main 1986: Waldemar Kramer.

