Otto Friedrich Bollnow
Otto Friedrich Bollnow (14. März 1903 in Stettin; ? 7. Februar 1991 in Tübingen) war ein deutscher Philosoph und Pädagoge.Leben
Bollnow begann nach dem Abitur zunächst mit einem Mathematik- und Physikstudium unter anderem bei Niels Bohr und begann eine Lehrtätigkeit an der Odenwaldschule, widmete sich dann aber der Philosophie und Pädagogik. Er promovierte 1925 und habilitierte 1931 in Göttingen, wo er zunächst als außerordentlicher, ab 1938 als ordentlicher Professor der Psychologie und Pädagogik lehrte. 1939 wechselte er nach Gießen, kurzzeitig nach Kiel, dann nach Mainz und schließlich 1953 auf den Lehrstuhl für Philosophie der jüngsten Zeit, philosophische Anthropologie, Ethik und Pädagogik nach Tübingen. Dort lehrte er bis zu seiner Emeritierung 1970. Im Jahre 1975 erhielt er in Straßburg die Ehrendoktorwürde. 1980 wurde ihm der Kulturpreis_der_deutschen_Freimaurer verliehen.
Bollnow hat sich ausgehend von der Lebensphilosophie und der Phänomenologie mit Existenzphilosophie beschäftigt und unter anderem auch eine Einführung in dieses Thema geschrieben. Er entwickelte die Hermeneutik Wilhelm Diltheys weiter und befasste sich ausführlich mit den philosophischen Grundlagen der Pädagogik, ihrer Geschichte und ihren anthropologischen Fragen.
Merkmale seiner Sichtweise der Pädagogik
Mit Bezug auf die Existenzphilosophie stellt Bollnow fest, dass die Menschwerdung kein stetiger, d.h. kontinuierlicher, Prozess ist, sondern sowohl physisch als auch psychisch Brüche aufweist. Er stellt daher fest: ?Das menschliche Leben enthält (..) beides nebeneinander, stetige Verläufe und unstetige Einschnitte.?
Aus diesem Grund plädiert Bollnow für eine Erweiterung der in stetigen Kategorien denkenden Pädagogik um "unstetige Formen der Erziehung". Diese sind für ihn: die Krise, die Erweckung, die Ermahnung, die Beratung, das Wagnis und Scheitern in der Erziehung ? und schließlich ? die Begegnung.
Gerade den klassischen pädagogischen Begriff der Bildung und den von ihm eingeführten der Begegnung sieht Bollnow in einem Spannungs- und Ergänzungsverhältnis.
Begegnung und Bildung "müssen im richtigen Gleichgewicht stehen, wenn sich das geistige Wachstum (des Menschen) in der richtigen Weise vollziehen soll." Bollnow postuliert somit neben den Aspekten des Wissens auch den Aspekt des Zwischenmenschlichen als für die Menschwerdung konstitutiv. In seiner Spätschrift "Zwischen Philosophie und Pädagogik" setzt sich Bollnow daher ausführlich mit dem Begriff des Gesprächs (Dialogs) auseinander.
Schriften
* Das Wesen der Stimmungen (1941), V. Klostermann, Frankfurt am Main 1995, ISBN 9783465028024
* Die Ehrfurcht
Existenzphilosophie (1943)
* Rilke (1951), W. Kohlhammer, Stuttgart 1956, OCLC 77347155
* Neue Geborgenheit. Das Problem einer Überwindung des Existenzialismus (1955)
* Die Lebensphilosophie (1958)
* Wesen und Wandel der Tugenden (1958)
* Existenzphilosophie und Pädagogik. Versuch über unstetige Formen der Erziehung (1959)
* Mensch und Raum (1963)
* Sprache und Erziehung (1966)
* Die pädagogische Atmosphäre. Untersuchung über die gefühlsmäßigen zwischenmenschlichen Voraussetzungen der Erziehung (1968)
* Philosophie der Erkenntnis (1970)
* Vom Geist des Übens (1978)
* Philosophie der Erkenntnis. Das Vorverständnis und die Erfahrung des Neuen (1981)
* Studien zur Hermeneutik (1982)
* Zwischen Philosophie und Pädagogik. Vorträge und Aufsätze (1988)
* Unruhe und Geborgenheit im Weltbild neuerer Dichter. Acht Essais
Literatur
* Ralf Koerrenz: Otto Friedrich Bollnow. Ein pädagogisches Portrait. Beltz (UTB), Weinheim/Basel 2004, ISBN 3-8252-2484-8.
Weblinks
*
• Portrait Bollnows von Friedrich Kümmel
• Biografische Angaben zu Bollnow

