Bolko von Richthofen
Bolko Freiherr von Richthofen (13. September 1899 in Mertschütz, Kr. Liegnitz in Niederschlesien, heute Mierczyce, Gemeinde W?dro?e Wielkie (Groß-Wandriß), Kreis Jawor (Jauer); ? 18. März 1983 in Seehausen_am_Staffelsee) war ein deutscher Prähistoriker. Er war ein Sohn des Jauerschen Landrates Ferdinand Freiherrn von Richthofen (? 1928), Gutsherrn auf Mertschütz, das durch den Memoirenautor Hans von Schweinichen in die Geschichte einging.Richthofen nahm von 1917-1918 am Ersten Weltkrieg teil. Danach kämpfte er als Freikorpsfreiwilliger gegen Polen in Oberschlesien und in der Provinz Posen. Er beteiligte sich 1919 an Kämpfen in Berlin und München. Er studierte Vorgeschichte, Klassische Archäologie und Geographie in Breslau und promovierte 1924 über die ältere Bronzezeit in Schlesien. Von 1926 bis 1929 arbeitete er als Staatlicher Vertrauensmann für kulturgeschichtliche Bodendenkmäler der Provinz Oberschlesien in Beuthen (Bytom) und Ratibor (Racibórz).
Nach einer kurzen Episode als Privatdozent in Hamburg erhielt Richthofen dann 1933 einen Lehrauftrag an der Universität Königsberg. Bis 1942 war er Ordinarius in Königsberg, dann folgte er dem Ruf als ordentlicher Professor für Ur- und Frühgeschichte an die Universität Leipzig. Nach 1939 war er allerdings hauptsächlich im Militärdienst tätig, vor allem als Übersetzer (Richthofen beherrschte angeblich 18 Sprachen). Er soll dem Braunbuch zufolge, das die DDR 1965 publizierte, bei der Abteilung Fremde Heere Ost gewesen sein.
Bolko von Richthofen trat zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei, wurde aber schon vor diesem Datum von einem Fachkollegen gegenüber Joseph Goebbels als "begeisterter Nationalsozialist" bezeichnet (vgl. Halle 2004, S. 144). Schon in seiner Hamburger Zeit vor 1933 war er ehrenamtlicher Dozent an der nationalsozialistischen Volkshochschule dort gewesen und engagierte sich lange vor der sogenannten Machtergreifung im nationalsozialistischen Kampfbund für deutsche Kultur. Im Reichsbund_für_Deutsche_Vorgeschichte war Richthofen Landesleiter, in der Berufsvereinigung Deutscher Vorgeschichtsforscher ab 1933 Leiter. In der NS-Zeit verfaßte von Richthofen eine Reihe von Schriften mit antislawischer Stoßrichtung.
Nach dem Krieg trat Richthofen hervor als Berater der Verteidigung im so genannten Nürnberger Wilhelmstraßen-Prozess. Er kehrte nach Gründung der DDR nicht wieder nach Leipzig zurück und erhielt im Westen Forschungsaufträge durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte und das Außenministerium.
Seit 1966 saß Richthofen im Kuratorium der Grotiusstiftung zur Verbreitung des Völkerrechts. 1969 wurde er Präsident der Gesellschaft_für_Vor-_und_Frühgeschichte_(Bonn). Außerdem engagierte er sich in den Vertriebenenverbänden und veröffentlichte antipolnische, revanchistische Literatur. 1964 erhielt er das deutsche Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
Mit dem "Roten Baron" Manfred_von_Richthofen ist Bolko von Richthofen nur entfernt verwandt; Manfred von Richthofens kleiner Bruder war Karl-Bolko von Richthofen (1903-1971), was manchmal zu Verwechslungen führt.
Siehe auch:
Richthofen
Literatur
* Uta Halle: "Die Externsteine sind bis auf weiteres germanisch!" Prähistorische Archäologie im Dritten Reich. Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe Band 68 (Bielefeld 2002). ISBN 389534446X. [http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2003-3-042 Buchrezension für H-Soz-u-Kult].
* Zur Biographie Bolko von Richthofens: Georg Schaufler: Zur Biographie des Verfassers. In: B. von Richthofen, Schlesien und die Schlesier. Eine landes- und stammeskundliche Übersicht. Die Schlesier vor und nach der Vertreibung aus der Heimat Band 1 (Wolfenbüttel 1967), S. 44-47. (Vorsicht: revanchistische Literatur, daher ist die Biographie in manchen Ausdrücken auch sehr geschönt!)
Weblinks
*
• Hein Brand, Die Vor- und Frühgeschichte als "hervorragend nationale Wissenschaft". Über die Instrumentalisierung eines Zweiges der Geschichtswissenschaft

