Jorge Bolet
Jorge Bolet (15. November 1914 in Havanna, Kuba, ? 16. Oktober 1990 in Mountain View, Kalifornien, USA) war ein US-amerikanisch-kubanischer Pianist.Der in Kuba geborene Bolet wurde mit 12 Jahren an das Curtis Institute of Music in Philadelphia geschickt, wo er bei Leopold Godowsky, dessen Schüler David Saperton, sowie bei Fritz Reiner und Moriz Rosenthal von 1926-35 studierte. 1939-42 war er Assistent von Rudolf Serkin am Curtis Institute in Philadelphia. Bolets Karriere begann wechselhaft, da sein virtuoses Klavierspiel der 30er bis 50er Jahre von der US-amerikanischen Kritik ziemlich einhellig abgelehnt wurde. Erst in den 60er Jahren wuchs seine Bekanntheit durch einige Schallplattenaufnahmen bei kleineren Labels, der große Durchbruch kam gar erst 1974 mit einem Recital in der Carnegie Hall.
Neben seiner Karriere als Musiker verfolgte er eine diplomatische Karriere, 1942-45 war er Kulturattaché an der kubanischen Botschaft in Washington. 1946 wurde er musikalischer Direktor des amerikanischen Hauptquartiers in Tokio, wo er die japanische Erstaufführung der Operette The Mikado von Gilbert und Sullivan dirigiert.
Daneben verfolgte er aber auch eine Universitätskarriere als Pianist, die ihn 1969 zuerst als Professor an die Indiana School of Music führte, außerdem gleichzeitig an die Universität von Bloomington, an der er unterrichtete. In der Folge wurde er Nachfolger von Rudolf Serkin am Curtis Institute of Music in Philadelphia.
Von 1978 an hatte Bolet seinen ersten umfangreichen Plattenvertrag bei einem großen Label, Decca/London.
Bolet starb 1990 an AIDS.
Bolet besaß eine außergewöhnlich gute Technik, die ihn lange Zeit als Spezialist für Werke von Franz Liszt gelten ließ. Vor allem aber sein aristokratisches und außerordentlich stilsicheres Spiel voll von Wärme und Raffinesse stand im Mittelpunkt seiner späten Aufnahmen, die bekanntesten davon eine Reihe von Chopin-Werken und eine große Auswahl der Werke von Franz Liszt. In einem Interview gegenüber Elyse Mach (in "Great Contemporary Pianists Speak for Themselves"; Dover Books on Music) verwies Jorge Bolet auf das "Romantische Klavierkonzert" von Joseph Marx, das er immer wieder als sein Lieblingskonzert bezeichnet hat, weil es eines der wenigen Werke sei, die seinem unstillbaren Verlangen nach großer Virtuosität Rechnung trügen.

