Landkreis Lindau (Bodensee)
Der Schwaben. Nachbarkreise sind im Norden die baden-württembergischen Landkreise Bodenseekreis und Ravensburg, im Osten der Landkreis Oberallgäu und im Süden das österreichische Bundesland Vorarlberg. Ferner hat der Kreis im Südwesten eine natürliche Grenze am Ufer des Bodensees, an welchem die Kreisstadt Lindau auf einer Insel im See liegt.
Geographie
Der Landkreis besteht im Südwesten aus den Ufern des Obersees, des östlichen und tiefsten Teils des Bodensees. Auf einer Insel im See befindet sich die Altstadt der Kreisstadt Lindau (Bodensee). Nach Westen folgen Bad Schachen (ein Stadtteil von Lindau), Wasserburg (Bodensee) und Nonnenhorn. Die Uferorte sind neben dem Fremdenverkehr auch von der Fischerei und dem Weinanbau geprägt, der vor allem in Nonnenhorn und am Hoyerberg bei Lindau betrieben wird. Nach Nordosten schließt sich ein Hügelland mit Endmoränen und Drumlins an. Der östliche Teil wird durch das Westallgäu geprägt. Der Bergrücken des Pfänders verläuft in nordnordöstlicher Richtung, die Höhen liegen meist über 700 - . Nach Osten folgen weitere parallel zum Pfänderrücken verlaufende Bergkämme. Geologisch sind sie vor allem durch tertiäre Rätien ein. In Lindau bestand eine römische Werft, archäologische Funde sind im Kreisgebiet jedoch selten. Ab dem 3. Jahrhundert kam es zu vermehrten Einfällen von Alemannen, die das Gebiet nach dem Ende des Römischen Reiches besiedelten. Die Christianisierung erfolgte insbesondere durch St. Gallus und St. Magnus. Die ersten urkundlichen Erwähnungen von frühmittelalterliche Siedlungen betreffen Haddinwilare das heutige Laiblachsberg (zwischen 769 und 773), Wasserburg (Bodensee) (784), Lindenberg im Allgäu (857), Opfenbach (872), Weiler im Allgäu (894). Das Gebiet war überwiegend unter der Herrschaft des Klosters St. Gallen, Teile gehörten dem Kloster Mehrerau bei Bregenz. Den größten Aufschwung nahm Lindau, urkundlich zuerst 882 erwähnt, das im 13. Jahrhundert zur Freien_Reichsstadt und insbesondere durch den Handel wohlhabend wurde. Im späten Mittelalter gingen die ländlichen Gebiete in die Herrschaft des Hauses Montfort, der Fugger und der Habsburger über, die im 18. Jahrhundert mehr als die Hälfte des Kreisgebietes regierten.
Durch Napoleon_Bonaparte erfolgte eine Neuordnung. 1802 verlor Lindau die Reichsfreiherrlichkeit (Status als Freie Reichsstadt), 1806 erhielt Bayern das Landkreisgebiet. Es wurden die beiden Landgerichte Lindau und Weiler errichtet, die zunächst zum Illerkreis, ab 1808 zum Oberdonaukreis (ab 1838 Schwaben und Neuburg, später nur noch Schwaben) gehörten. Die Stadt Lindau (Bodensee) war 1809 aus dem Landgerichtsbezirk ausgeschieden und eine kreisunmittelbare Stadt geworden.
1862 wurde aus den Landgerichten Lindau und Weiler der Bezirk Lindau gebildet. Dieser wurde 1938 in Landkreis Lindau, das Bezirksamt in Landratsamt Lindau umbenannt. 1940 wurde Lindau in den Landkreis Lindau eingegliedert, doch wurde dies 1948 wieder rückgängig gemacht. Nach dem Zweiten_Weltkrieg wurde das Landkreisgebiet der französischen_Besatzungszone zugeschlagen und gemeinsam mit Württemberg-Hohenzollern verwaltet, während der Rest Bayerns zur amerikanischen_Besatzungszone gehörte. Der Landkreis hatte damit eine Sonderstellung, Verwaltungschef war der Kreispräsident. Der Landkreis Lindau war mit drei Delegierten in der beratenden Versammlung Württemberg-Hohenzollerns vertreten. Die vollständige Rückgliederung des Landkreises nach Bayern erfolgte am 1. September 1955. Allerdings spielen die Sportvereine des Landkreises Lindau noch heute in baden-württembergischen Ligen!
Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern im Jahr 1972 wurde die bislang kreisfreie Stadt Lindau (Bodensee) in den Landkreis Lindau eingegliedert. Die Stadt Lindau (Bodensee) erhielt für den Verlust der Kreisfreiheit den Status einer Großen_Kreisstadt.
Wirtschaft
Traditionell dominiert im westlichen Teil der Obstbau, während die Landwirtschaft des Westallgäus vor allem durch Viehzucht geprägt ist. Der Tourismus hat in den letzten 100 Jahren stetig an Bedeutung gewonnen. Im Westen, speziell am Bodensee, überwiegen Sommergäste, im Osten der Skitourismus im Winter und Wander- und Kurtourismus im Sommer. Industriezentren sind Lindau (u.a. Obstsaftherstellung durch Lindauer Fruchtsäfte GmbH (vormals Lindavia), Maschinenbau) und Lindenberg (Textilindustrie, vor allem Hüte).
Verkehr
1824 wurde das erste Lindauer Dampfschiff, Max Joseph in Dienst gestellt, damit war Lindau an das Schiffahrtsnetz angeschlossen, 1835 wurde die Lindauer Dampfboot AG gegründet, die später von den Königlich Bayerischen Staatsbahnen übernommen wurde. Durch die Bodenseeschiffe ist der Landkreis mit Österreich, der Schweiz und Baden-Württemberg direkt verbunden.
Der Landkreis ist durch Autobahnen mit München und Norddeutschland sowie dem westlichen Bodenseegebiet und Österreich verbunden.
Die Eisenbahnstrecke Lindau-Augsburg, die lange Zeit das verkehrliche Rückgrat des Kreises bildete, wurde ab 1844 von der Bayerischen_Staatsbahn projektiert. In ihrem Verlauf entstand bei Röthenbach der damals größte Eisenbahndamm der Welt. Die Eröffnung erfolgte 1853, damit war der Landkreis an das bayerische Schienennetz angeschlossen, Bayern erhielt den Anschluss an den Seeweg in die Schweiz. Mit der Bahnlinie Lindau-Bregenz (1872 war das Kreisgebiet auch per Bahn mit Österreich verbunden. 1874 wurde die Eisenbahn-Trajekt-Linie Lindau-Romanshorn eingerichtet. In den 1890er Jahren wurde in Hergatz gemeinsam mit der Württembergischen_Staatsbahn eine Zweiglinie nach Wangen - Kißlegg hergestellt. Auch Weiler im Allgäu wurde durch eine Nebenbahn 1897 an die Hauptstrecke bei Röthenbach angeschlossen. Diese Strecke wurde von der Gemeinde Weiler selbst finanziert (1960 stillgelegt). Erst 1899 erfolgte dann der Lückenschluss Friedrichshafen-Wasserburg-Lindau (Bodenseegürtelbahn). 1901 folgte schließlich noch die Lokalbahn Röthenbach-Lindenberg-Scheidegg (Scheidegger Moosrutsche, 1966 stillgelegt).
Städte und Gemeinden
Der Landkreis Lindau gliedert sich in 19 Gemeinden, davon 2 Städte, 3 Märkte, 5 Einheitsgemeinden und
3 Verwaltungsgemeinschaften (mit insgesamt 9 Mitgliedsgemeinden).
(Einwohner am 30. September 2006)
Lageplan
Literatur
*Der Landkreis Lindau - 1956 von Gruber, Anton - Verl. d. Heimatpflegers von Schwaben; ISBN B0000BITRD
*Unser Landkreis. Lindau, Bodensee - 1969 von Günther U. Müller und Emil Kroher; ISBN B0000BTVK6
*Landkreis Lindau, Bd 6 - 1973 von Heinrich Löffler; ISBN 3769698894
*Der Landkreis Lindau. Landschaft, Geschichte, Kunst. - 1982 von Hugo Schnell; ISBN 3795405696
*Daheim im Landkreis Lindau'' - 1994; ISBN 3797702817
Weblinks
• Offizieller Internetauftritt des Landkreises
*
• Tourismus-Website
• 3D-Landkreiskarte

