Denkmalpflege
thumb|Baudenkmalpflege_an_der_thumb|Restaurierungsarbeiten_am_Dom_in_thumb|Ausgrabung_im_Archäologischen_Park_thumb|Fresko_von_thumb|Schale_mit_restauratorischer_Ergänzung_fehlender_Bruchstücke,_thumb|Gartendenkmalpflege:_Wiederhergestellter_Rosengarten_der_Neuen_Residenz,_thumb|"Berlin: Führung durch die Zwischenebene des U-Bahnhofs _MoritzplatzAls Denkmalpflege bezeichnet man die geistigen, technischen, handwerklichen und künstlerischen Maßnahmen, die zur Er- und Unterhaltung von Kulturdenkmälern erforderlich sind. Denkmalschutz dagegen sind die rechtlichen Anordnungen, Verfügungen, Genehmigungen und Auflagen, die Denkmalpflege sicherstellen.
Arbeitsweise
Denkmalpflege beurteilt den Zustand von Kulturdenkmälern und entscheidet über gegebenenfalls zu ergreifende Maßnahmen des Unter- oder Erhalts. In der Regel ist behördlicherseits die entsprechende wissenschaftliche und technische Kompetenz beim Denkmalamt, der Denkmalfachbehörde des jeweiligen Bundeslandes konzentriert. Die Denkmalfachbehörde berät die Denkmalschutzbehörden fachlich und ist in der Regel auch für die finanzielle Förderung der Denkmaleigentümer zuständig. (Zu den Einzelheiten, insbesondere den rechtlichen Aspekten, siehe: Denkmalschutz)
Von Kulturdenkmal zu Kulturdenkmal ist individuell zu entscheiden, wie es dauerhaft erhalten kann. Die wesentlichen Vorgehensweisen sind in der [http://www.beepworld.de/members35/oehl_br_j2/charta.htm Charta von Venedig] festgehalten. Allerdings gibt es weite Interpretationsspielräume. Die wesentlichen Vorgehensweisen der Denkmalpflege sind:
* Altern lassen: keine oder nur sehr geringe Eingriffe. Um 1800 und um 1900 vor allem bei Burgruinen ein gängiges Konzept, gegenwärtig vor allem bei großen Industrieanlagen angewandt als sog. "kontrollierter Verfall".
Instandhaltung: Normale Pflegearbeiten des Denkmals wie Säuberung, Anstrich etc. Dieses Pflege-Konzept gab der Denkmalpflege ihren Namen.
Konservierung: "Einfrieren" des derzeitigen Zustandes, Stoppen der Alterung. Dies wird versucht durch Ertüchtigung des Baumaterials (siehe beispielsweise Steinkonservierung) oder durch Entlastung mittels Schutzbauten gegen die Verwitterung. Ein Beispiel dafür ist der Schutzbau über der Goldenen Pforte des Freiberger Doms in Sachsen.
Reparatur, Instandsetzung: Erneuerung verbrauchter und beschädigter Teile des Denkmals.
Renovierung, Restaurierung: umfangreiche Erneuerung, die über Reparaturen hinausgeht.
Rekonstruktion: Wiederherstellen eines verloren gegangenen Erscheinungsbildes von Bauteilen oder ganzer Bauten, auf der Grundlage schriftlicher und bildlicher Quellen und Ergebnissen der Bauforschung. Rekonstruierte Objekte gelten als Neuschöpfungen. Sie sind keine Kulturdenkmäler, doch kann ihnen mit der Zeit ein Denkmalwert zuwachsen. Ein Beispiel ist die Frauenkirche_zu_Dresden. Im Sprachgebrauch der DDR und der östlichen Bundesländer wurde wird unter Rekonstruktion die Instandsetzung oder Modernisierung von Altbauten (unabhängig vom Denkmalwert) verstanden und der Begriff teilweise synonym für ?Restaurierung? verwandt.
Anastilosis: Zusammensetzen eingestürzter Bauten, wird beispielsweise bei antiken Tempelanlagen angewandt; Form der Rekonstruktion.
Translozierung: Versetzung eines Denkmals vom ursprünglichen an einen anderen Standort. Notmaßnahme bei drohendem Totalverlust. Da ein Kulturdenkmal seinen Denkmalwert in der Regel in erheblichem Maß durch den ? auch örtlichen ? historischen Kontext, in dem es entstanden ist, bezieht, verliert das translozierte Objekt in der Regel seine Denkmalseigenschaft und damit auch den Denkmalschutz.
In einigen Bundesländern liegt auch der laufende Unterhalt einiger ausgesuchter Kulturdenkmäler ? zumeist in öffentlichem Besitz ? der Denkmalfachbehörde. Dazu kann auch eine langfristige Planung zur Wiederherstellung eines angenäherten historischen Bestands gehören.
Denkmalpflege belastet in der Regel den Denkmaleigentümer und kann eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Die Sonderbelastung des Denkmaleigentümers beruht auf Art. 14 Abs. 2 Satz 2 Grundgesetz, der Sozialbindung des Eigentums. Dies ist eine Beschränkung seines Eigentums und nur im Rahmen des Zumutbaren rechtlich zulässig. Auch Denkmalpflege ist also nur in diesen Grenzen zulässig.
Bodendenkmalpflege
Die Bodendenkmalpflege befasst sich mit Bodendenkmälern, also unbeweglichen oder beweglichen Denkmälern, die sich im Boden befinden oder befanden. Sie bedient sie sich spezieller Methoden. Bodendenkmalpflege wird unterteilt in archäologische_Denkmalpflege und paläontologische_Denkmalpflege.
Die Aufgaben der Bodendenkmalpflege reichen von der systematischen Bestandserfassung und Inventarisation (mittels Begehungen, Luftbildinterpretation, Bauaufnahme, usw.), Überprüfung geplanter Baumaßnahmen auf bodendenkmalpflegerische Relevanz, Voruntersuchung (Prospektion), Ausgrabungen (planmäßig oder als Notgrabung bei Zerstörung durch Baumaßnahmen), Restaurierung geborgener Objekte, der wissenschaftliche Aufarbeitung und Veröffentlichung der gefundenen Ergebnisse bis zu deren Präsentation.
Bau- und Kunstdenkmalpflege
Die Bau- und Kunstdenkmalpflege basiert auf Kunstgeschichte und Architekturwissenschaften. Sie nimmt innerhalb der Denkmalpflege einen sehr breiten Raum ein.
Geschichte der Bau- und Kunstdenkmalpflege
Der Architekt Karl Friedrich Schinkel forderte bereits im 18. Jahrhundert Schutzbehörden für Kunstdenkmäler. In Frankreich gilt Viollet-le-Duc als Begründer der stilistischen Restauration, die um 1830 einsetzte. In Preußen gab es 1843 den ersten Kurator, auch "Denkmalpfleger" genannt. 1850 wurde die "Zentralkomssion zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmäler" gegründet. Sie war dem Ministerium für Handel und Gewerbe unterstellt. Das erste moderne deutsche Denkmalschutz- und pflegegesetz wurde 1902 im Großherzogtum Hessen erlassen. 1911 wurde in Preußen die "Zentralkomssion zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmäler" zum "Staatsdenkmalamt" umgewandelt. Dieses wurde in zwei Bereiche unterteilt: einen kunsthistorisch-technischen Bereich, der sich mit Denkmalpflege beschäftigte und einen juristisch-administrativen Bereich, der für die rechtlichen Grundlagen zuständig war.
Gartendenkmalpflege
Die Gartendenkmalpflege ist erst seit wenigen Jahrzehnten als ein eigenes Fachgebiet der Denkmalpflege etabliert. Sie wird rechtlich oft zur Baudenkmalpflege gezählt. Siehe hierzu den Spezialartikel Gartendenkmalpflege.
Städtebauliche Denkmalpflege
Das Baudenkmal oder das Denkmalensemble steht in einem räumlichen Kontext. Die städtebauliche Entwicklung soll Rücksicht auf Baudenkmäler und deren Umgebung nehmen, um deren Wert und Wirkung nicht zu beeinträchtigen. Deshalb haben Städte mit großen historischen Baubeständen häufig Satzungen und Pläne zum Schutz der Silhouette, der Dach- und Fassadengestaltung entwickelt. Dazu kann auch der Erhalt historischer Platz- und Strassenzüge gehören. Die Festschreibung des Verlaufs der Gebäudefronten sichert zugleich auch die historischen Strassenräume. Eines der Instrumente zur historischen Analyse des Stadtgrundrisses ist die Stadtmorphologie. Bei besonders wichtigen historischen Gebäuden und Ensembles sind Schutzzonen erforderlich, die das Bauen in der Umgebung begrenzen und regeln. So hat z.B. die UNESCO von der Stadt Köln Schutzzonen für das Weltkulturerbe Kölner Dom gefordert. Ein herausragendes Beispiel ist die Regensburger Altstadt, die als ganzes in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Das Regensburger Altstadtensemble gilt als die am besten erforschte hochmittelalterliche Altstadt in Deutschland.
Inventarisation
Die Inventarisation von (Kultur-)Denkmalen, ihre Erfassung in Inventaren und Denkmallisten, heute oft in der Form von Datenbanken, ist Grundlage der Denkmalpflege. Diese Arbeit wird in der Regel durch die Denkmalfachbehörde geleistet.
Historische Bauforschung
*Bauformaufnahme
*• Pläne]]' target='blank'>von historischem Bau sichten
**Detailaufnahme zum Erkennen von Fehlern etc.
**fotogrametische Aufnahme zum entzerrten Oberfläche und des Mauerwerks zum Erkennen des ursprünglichen Bestands
*Kunsthistorische Methode: Datierung, Funktionsfrage, Quellenstudium (z.B. Auswerten archivalischer Unterlagen und historischer Pläne)
*Realienkunde/ Materialgeschichte (Materialarten, Formate...) zum Eingrenzen des Zeitraums der Baustufen
*Bauhistorischer Aspekt (Vergleiche mit anderen Bauten)
*Naturwissenschaftliche Analyse (chemische Zusammensetzung der Schichten) zum Erkennen denkmalverträglicher Methoden der Restaurierung
*Altersbestimmung durch naturwissenschaftliche Verfahren, wie z.B. Dendrochronologie, C14-Methode, Thermoluminiszenzanalyse.
Siehe auch
Denkmalschutz, Denkmalliste
Denkmal, Kulturdenkmal, Baudenkmal, Bodendenkmal
Kulturelles Erbe
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Kulturgutschutz
Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz
denkmal,_Messe_in_Leipzig
Aktuelle Lage der Denkmalpflege in Deutschland
Derzeit stoßen die Landesdenkmalämter aufgrund der finanziell angespannten Finanzsituation und ihrer personellen Ausstattung an Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit und Belastbarkeit. Einige Denkmalpfleger sprechen gar von notorischer Arbeitsüberlastung. Zahlreiche Fachbehörden verloren in den letzten Jahren ihre wissenschaftliche Eigenständigkeit und ihre damit verbundene unabhängige Position, einige Fachämter wurden sogar aufgelöst. Umsomehr gefordert sind und gefördert werden bürgerschaftliches Engagement.
Seit den 1990er Jahren scheint auch die Ökonomisierung Eingang in die Denkmalpflege gefunden zu haben und damit möglicherweise ein Paradigmenwechsel. Dies spiegelt sich unter anderem in der öffentlichen Meinung und vor allem in der Politik wider. Dabei kommt der qualitativen Diskussion des archäologischen und bauhistorischen Erbes kaum mehr eine Bedeutung zu.
26 Resolutionen des Europarats befassen sich mit verschiedenen Aspekten der Denkmalpflege; es hapert allerdings noch an ihrer Umsetzung. Derzeit wird an einer gemeinsamen europäischen Plattform gearbeitet, da die grenzüberschreitende fachliche Zusammenarbeit noch zu wünschen übriglässt. Im April 2006 wurde in London auf Einladung von English Heritage von Leitern von Denkmalämtern aus 23 europäischen Staaten ein European Heritage Forum beschlossen. Es soll jährlich als gemeinsame Lobby zu einem Gedankenaustausch tagen, gemeinsame Workshops und Aktionen organisieren und bestehende Netzwerke zwischen Denkmalpflege und Tourismus stärken und ausbauen.
Seminare und Institute
Deutschland
* Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege der FH Köln
Literatur
Buchpublikationen
* Wolfgang Götz: Beiträge zur Vorgeschichte der Denkmalpflege (Die Entwicklung der Denkmalpflege in Deutschland vor 1800). Dissertation Leipzig 1956
* Hannes Eckert, Joachim Kleinmanns, Holger Reimers: Denkmalpflege und Bauforschung. Aufgaben, Ziele, Methoden; Karlsruhe, 2000
* Norbert Huse (Hrsg.): Denkmalpflege. Deutsche Texte aus drei Jahrhunderten . 3. Auflage. Verlag C. H. Beck, München 2006 , ISBN 3-406-40544-4
Gottfried Kiesow: Denkmalpflege in Deutschland. Eine Einführung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000. 4., überarbeitete Auflage (1. Auflage 1982; 2., verbesserte Auflage 1989; 3., gegenüber der 2. unveränderte Auflage 1995)
* Gert Th. Mader, Michael Petzet: Praktische Denkmalpflege, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln 1993.
* Dieter J. Martin, Michael Krautzberger (Hrsg.): Handbuch Denkmalschutz und Denkmalpflege - einschließlich Archäologie, Recht, fachliche Grundsätze, Verfahren, Finanzierung, hrsg. in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, C. H. Beck Verlag, München 2004, 750 S., ISBN 3-406-51778-1; ausführliche Rezension von Jürgen Klebs in: Die Denkmalpflege Band 63, 2005, Heft 1, S. 91-95 "Rezensionen"
* Guenther Ruffert: Sanieren von Baudenkmälern, Beton-Verlag 1981
* Ingrid Scheurmann und Hans-Rudolf Meier (Hrsg.): Echt - alt - schön - wahr. Zeitschichten der Denkmalpflege. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2006, ISBN 978-3-422-06653-3
* August Gebeßler und Wolfgang Eberl: Schutz und Pflege von Baudenkmälern in der Bundesrepublik Deutschland. Köln 1980
Wissenschaftliche Zeitschriften
Denkmalpflege in Baden-Württemberg, herausgegeben vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg (Esslingen)
Die Denkmalpflege, Wissenschaftliche Zeitschrift der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland
Weblinks
Deutschland
= Denkmalpflege allgemein
=* Links zu allen [http://www.denkmalliste.org/ Denkmallisten] und [http://www.denkmalliste.org/links.html Denkmalschutzgesetzen], die im Internet veröffentlicht sind bei denkmalliste.org
* Adressen der Landesämter und Links bei [http://www.landesarchaeologen.de/adressen.html landesarchaeologen.de]
* Seite des [http://www.landesarchaeologen.de/ Verbands der Landesarchäologen] in der Bundesrepublik Deutschland
• Deutsche Stiftung Denkmalschutz
• Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS, Internationaler Rat für Denkmalpflege
• Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz
• Interessengemeinschaft von Denkmalbesitzern
• Bundesarbeitsgemeinschaft unabhaengiger Denkmal Inspektionsdienste
• Homepage der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland
Bodendenkmalpflege
• Was sind Bodendenkmäler?* Die Denkmalschutzbehörden für Bodenfunde bzw. archäologische Funde finden Sie hier: http://www.landesarchaeologen.de/adressen.html
Österreich
• Bundesdenkmalamt Österreich
Schweiz
• ISOS - Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz
• Nike Bulletin - Nationale Informationsstelle für Kulturgüter-Erhaltung , Bern, Schweizer Bundesamt für Kultur
International
• ICOMOS Internationaler Rat für Denkmalpflege
• Deutsche Liste des Weltkulturerbes

