Bodenbearbeitung
Die Bodenbearbeitung bildet neben gezielter Versorgung mit Nährstoffen die Grundlage für die Pflanzenproduktion. Dazu zählen die Vorgänge Roden, Umbrechen und Lockern, Jäten, Säen und Pflanzen, Ernte und Worfeln, die nach kultureller Epoche variieren.
Speziell im Ackerbau verfolgt vier Ziele:
* Bereitung eines optimalen Saatbettes,
* Beseitigen von Struktur- und Spurschäden,
* Einmischen von Ernteresten und Nährstoffen,
* Bekämpfung von Unkräutern, Ungräsern und Schädlingen sowie Krankheitserregern.
Nach intensiver Bodenbearbeitung ist das lockere, feinkrümelige Bodengefüge sehr instabil. Ergiebige Niederschläge führen zu einer mehr oder weniger starken Verschlämmung der Oberfläche bindiger Böden. Regenwasser versickert nur langsam. Das auf der verschlämmten Oberfläche abfließende Wasser kann an Hängen schwerwiegende Schäden durch Bodenerosion und Nährstoffaustrag verursachen. Um vorsorgend die Gefahren für den Boden einzudämmen, ist eine standortgerechte Bodenbearbeitung im Rahmen des Integrierten Pflanzenbaues erforderlich. Bodenbearbeitung im Integrierten Pflanzenbau heißt, die Einzelmaßnahmen so zu wählen und in ein Pflanzenbausystem einzubinden, dass die Bodenfruchtbarkeit nicht beeinträchtigt wird. Die schädlichen Wirkungen auf die Umwelt sind auf ein Mindestmaß zu beschränken.
Nach ihren Zielen und ihrer zeitlichen Abfolge unterscheidet man in der Praxis zwischen:
* Stoppelbearbeitung,
* Grundbodenbearbeitung,
* Saatbettbereitung.
Stoppelbearbeitung
Ziele
Unmittelbar nach der Getreideernte soll eine flache Stoppelbearbeitung durchgeführt werden. Ihre Ziele bestehen in
* der Verteilung und flachen Einarbeitung der Ernterückstände zur Beschleunigung der Verrottung und zur Vermeidung von Strohmatratzen beim nachfolgenden Pflügen,
* der Förderung des Auflaufens von Ausfallgetreide und Unkrautsamen,
* der mechanischen Bekämpfung von Wurzelunkräutern,
* der Unterbindung der unproduktiven Verdunstung (Wassereinsparung).
Geräte
Das am meisten verbreitete Gerät zur Stoppelbearbeitung ist der Grubber. Schwergrubber mischen den Boden besser als der Schälpflug. Sie ermöglichen eine gute Einarbeitung der Ernterückstände und der Gründüngung. Durch mehrmaligen, zeitlich versetzten Einsatz mit zunehmender Bearbeitungstiefe, möglichst mit wechselnder Bearbeitungsrichtung, können die Ziele der Stoppelbearbeitung am besten erreicht werden. In Güllebetrieben lassen sich die Stickstoffverluste vermindern, wenn die Gülle auf einen zuerst flach gegrubberten Boden ausgebracht und anschließend sofort eingearbeitet wird. Geräte mit abrollenden Werkzeugen wie z.B. Scheibenegge oder Spatenrollegge, sind besonders für schwer bearbeitbare und steinige Böden geeignet. Fräse oder Zinkenrotor als zapfwellengetriebene Geräte leisten eine gute Mischarbeit, haben jedoch einen höheren Verschleiß und eine geringere Flächenleistung als die gezogenen Geräte. Durch eine Gerätekombination, z.B. Kreiselegge mit Kurzgrubber und aufgesattelter Drillmaschine, lassen sich Stoppelbearbeitung und Zwischenfruchtbestellung in einem Arbeitsgang erledigen. Dabei wird allerdings auf die Vorteile der absetzigen Verfahren (bessere Unkrautbekämpfung, schnellere Gülleeinarbeitung, günstigere Strukturentwicklung) verzichtet.
Unkrautbekämpfung
Bestrebungen zur Verminderung des Herbizideinsatzes lassen die mechanische Unkrautbekämpfung wieder interessanter erscheinen. Deshalb soll auch die Fruchtfolge so gestaltet werden, dass genügend Zeit für eine gute Stoppelbearbeitung bleibt. Gegebenenfalls sind die Saattermine für die Folgefrüchte später anzusetzen.
Grundbodenbearbeitung
Als Grundbodenbearbeitung bezeichnet man die krumentiefe, jährlich wiederkehrende und mit einer Bodenwendung verbundene Bearbeitung. Das Standardgerät der Grundbodenbearbeitung ist der Pflug. Eine ähnliche Bearbeitungsintensität erreichen Geräte wie Spatenmaschine oder Parapflug. An die Grundbodenbearbeitung schließt sich die Sekundär-Bodenbearbeitung zur Bereitung des Saatbettes an. Die während eines Anbaujahres durchgeführten und aufeinander abgestimmten Bearbeitungsmaßnahmen fasst man unter dem Begriff Bodenbearbeitungssystem zusammen. Die Eingriffsintensität nimmt in nachstehender Reihenfolge ab:
Pflug und Saatbettbereitung-> Schwergrubber oder Flügelschargrubber mit Rotoregge-> Frässaat-> Direktsaat.
Konventionelle Bodenbearbeitung mit dem Pflug
Der Pflugeinsatz gilt als die intensivste Form der Bodenbearbeitung. Ziel ist die Beseitigung von Strukturschäden und die Herstellung eines gut durchwurzelbaren Krumenraumes. Das steigende Leistungsangebot bei den Traktoren und darauf abgestimmte Pfluggrößen haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass immer tiefer gepflügt wurde. Zweifellos hat die allmähliche Vertiefung der Ackerkrume in der Vergangenheit wesentlich zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit beigetragen. Inzwischen scheint es jedoch so, dass die optimale Pflugtiefe auf manchen Böden bereits überschritten ist. Für die meisten Böden genügt eine mitteltiefe Pflugfurche (bis etwa 25cm). Tieferes Pflügen führt, besonders beim Einsatz schwerer Großmaschinen unter feuchten Bodenbedingungen, zu Verdichtungen des Unterbodens. Diese lassen sich auf natürlichen Weg (Frost, Quellung und Schrumpfung, Bodenbiologie) nur schwer wieder auflockern oder durch mechanische Einwirkung (Tiefenlockerung) beseitigen. Eine tiefere Pflugarbeit hat allenfalls auf sandigen Böden ihre Berechtigung, da hier mit der Krumentiefe die Wasserspeicherfähigkeit entscheidend verbessert wird.
Pflugarbeit im Ökologischen Landbau
Im Ökologischen Landbau kommt der Bodenbearbeitung mit dem Pflug ein hoher Stellenwert zu. Da hier Agrarchemie verboten ist, muss der Pflug zu einem wesentlichen Teil die Bekämpfung von Unkräutern, Ungräsern sowie Krankheitserregern und Schädlingen übernehmen.
Pfluglose(konservierende) Bodenbearbeitung
Die wendende Bodenbearbeitung ist vor allem auf Böden mit hohem Tongehalt (schwer zu bearbeitende Böden) und bei hohem Steinanteil kritisch zu betrachten. Die hier durch den Pflug entstehende grobschollige Struktur ist nur mit einem unverhältnismäßig hohen Einsatz an Arbeitszeit, Energie und Gerätetechnik in ein geeignetes Saatbett zu verwandeln. Die pfluglose Bodenbearbeitung spart nicht nur Kosten, sondern verbessert auch die Tragfähigkeit (Befahrbarkeit) des Ackers und vermindert die Bodenerosion, insbesondere in Verbindung mit Mulchsaat. Die praktische Durchführbarkeit eines konsequent pfluglosen Ackerbaues ist eng mit darauf abgestimmten Pflanzenschutzstrategien verbunden. Besondere Schwerpunkte sind die Bekämpfung von Ungräsern (z.B. Quecke, Trespe), Durchwuchs der Vorfrucht sowie Schädlingen (z.B. Ackerschnecken, Maiszünsler).
Wechselnde Bodenbearbeitung
In der Praxis wird das jährliche Pflügen immer häufiger durch einen Wechsel von wendender und nichtwendender Bodenbearbeitung ersetzt. Der völlige Pflugverzicht wird bisher nur von wenigen Betrieben praktiziert. Zahlreiche Ackerfrüchte wie Raps, Leguminosen, Zuckerrüben hinterlassen bei günstigen Erntebedingungen den Boden in guter Struktur, die eine Tiefbearbeitung entbehrlich macht. Für die Saatbettbereitung genügen dann Grubber oder zapfwellengetriebene, flach arbeitende Geräte und Krümler. Probleme bereiten einzuarbeitende Strohmassen. Hier haben Säverfahren Vorteile, die das Saatgut hinter einem rotierenden Gerät in den abfließenden Erdstrom legen.
Saatbettbereitung
Die Bodenbearbeitung zur Bestellung ist von entscheidender Bedeutung für den Aufgang der Saat als dem empfindlichsten Abschnitt der Pflanzenentwicklung. Sie muss den unterschiedlichen Ansprüchen der Pflanzen an das Saatbett Rechnung tragen. Bestellung umfasst die Arbeitsschritte Saatbettebreitung und Saat. Je nach der vorhandenen Geräteausstattung erfolgt Saatbettbereitung und Saat absetzig (in zeitlich versetzten Arbeitsgängen) oder kombiniert, in einem Arbeitsgang (Bestellsaat).
In einem optimal vorbereiteten Saatbett sind folgende Zonen gut erkennbar:
* Lockere Oberkrume mit ausreichendem Anteil an Feinboden zur Einbettung des Saatgutes; gröbere Aggregate in dieser Zone mindern das Verschlämmungs- und Erosionsrisiko,
* abgesetzter Saathorizont (Fläche, auf die die Körner zu liegen kommen) mit Anschluss an den kapillaren Wasseraufstieg für schnelle Keimung,
* Unterkrume mit allmählichem Übergang zum Unterboden; frei von Verdichtungen, aber ausreichend rückverfestigt (z.B. nach einer Pflugbearbeitung).
Eine optimale Saatbettbereitung erfordert einen standortgerechten Geräteeinsatz. Nach der Pflugbearbeitung zielt die Saatbettbereitung auf eine Bodenzerkleinerung, gute Oberflächeneinebnung sowie ausreichende Rückverfestigung. Zapfwellengetriebene Geräte wie Kreiselegge oder Zinkenrotor bieten dafür einen hohen technischen Stand. Daneben werden auch gezogene Saatbettkombinationen gerne verwendet, z.B. Planierschiene mit Zinken- bzw. Striegelfeld vor oder zwischen tandemartig angeordneten Stab- oder Krümelwalzen. Das moderne Tandemkonzept gewährleistet im Vergleich zu den anderen Geräten eine genaue Einhaltung der Arbeitstiefe. In Bestellverfahren ohne Pflug ist die Saatbettbereitung bei großen Strohmassen ein Problem. Eine wiederholte mitteltiefe Stroheinarbeitung führt hier zu einem Boden- Stroh- Gemisch, in das störungsfrei mit üblicher Schartechnik gesät werden kann.

