Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen
Die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG ist ein kommunaler Nahverkehrsbetrieb im mittleren Ruhrgebiet. Sie betreibt vor allem den Nahverkehr in Bochum, Gelsenkirchen und Witten, außerdem wird ein Großteil des öffentlichen Personennahverkehrs in den daran angrenzenden Städten Hattingen und Herne von ihr durchgeführt. Weitere Linien erstrecken sich bis in die Städte Essen, Castrop-Rauxel, Dortmund, Hagen und den Ennepe-Ruhr-Kreis.
Der Firmenname wird verkürzt zu dem Akronym BOGESTRA.
Standorte
Verwaltung und Betrieb
Die BOGESTRA hat an neun Standorten Betriebsgebäude, Werkstätten und Verwaltungseinrichtungen in Bochum, Gelsenkirchen und Witten. Es gab bis 2005 insgesamt 38 Betriebs- und Verwaltungsgebäude.
In Bochum befindet sich in der Universitätsstraße 58 das BOGESTRA-Haus mit der Hauptverwaltung. Angegliedert war die Halle des ehemaligen Straßenbahnbetriebs mit Betriebswerkstatt, die im Sommer 2005 außer Betrieb ging und zur Essener Str. 129 (Ecke Engelsburger Str.) verlegt wurde. Die Wagenhalle wurde im Frühjahr 2007 abgerissen. Unweit der Hauptverwaltung befindet sich am Buddenbergplatz, am Südeingang des Hauptbahnhofes, die Betriebsleitstelle und technische Leitstelle.
thumb|left|BOGESTRA_Betriebshof_Engelsburg
Auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerkes 'Engelsburg', westlich der Bochumer Innenstadt, wurde an der Essener Straße am 1. August 2005 der neue Straßenbahnbetrieb für die meterspurigen Bahnen eröffnet. Dort wurden neben der Wagenabstellung die Straßenbahn-Hauptwerkstatt (vormals in Gerthe), der Bauhof (vormals in Hamme), die Technische Abteilung (vormals an der Wittener Straße 100) und die Lehrwerkstatt zusammengefasst.
Der Straßenbahnbetriebshof und die Betriebswerkstatt für das Teilnetz in Gelsenkirchen liegen innenstadtnah an der Hauptstraße 55, während die Betriebswerkstatt für die normalspurige Stadtbahnlinie U 35 in Bochum-Riemke an der Hofsteder Straße 252 angesiedelt ist.
Busbetriebe und Werkstätten gibt es in Bochum-Weitmar an der Hattinger Straße 427, in Gelsenkirchen-Ückendorf im Exterbruch 2 und in Witten in der Crengeldanzstraße 81b.
Vertriebsstellen
Neben der Möglichkeit des Fahrkartenerwerbs in Zeitschriftenläden und an Kiosken, an Verkaufsautomaten und beim Bus-Fahrpersonal gibt es zentrale Vertriebsstellen in der Nähe der großen Netzknotenpunkte:
* Mobilitätcenter Bochum, Verteilerebene der Stadtbahnstation Bochum Hauptbahnhof
* Kundencenter im Bürgerbüro des Bochumer Rathauses am Willy-Brandt-Platz
* Kundencenter Gelsenkirchen am ZOB, Bahnhofsvorplatz 5
* Kundencenter Gelsenkirchen-Buer, Goldbergstraße 1
* Kundencenter Witten in der Bahnhofstraße 1 - 3
* Kundencenter Hattingen auf der Langenberger Str. 2
Geschichte
1896 - 1907
Die BOGESTRA wurde am 13. Januar 1896 in Berlin von den Städten Bochum und Gelsenkirchen und der Siemens_&_Halske_AG gegründet. Das Liniennetz umfasste zum Zeitpunkt der Gründung drei durch die Firma Siemens_&_Halske in den Jahren 1894 und 1895 gebaute Linien. Dies waren die am 23. November 1894 in Betrieb genommene Linie von Herne nach Bochum mit einer Länge von 6,9 km, die am 3. November 1895 eröffnete Linie von Gelsenkirchen nach Gelsenkirchen-Bismarck mit 3,4 km und die am 27. Dezember eröffnete Linie von Schalke über Gelsenkirchen und Wattenscheid zur Zeche Holland mit einer 4,8 km langen Strecke. Damit besaß die BOGESTRA schon zum Zeitpunkt ihrer Gründung ein ca. 15,1 km langes Streckennetz. Der Bau und Betrieb der Linien verblieb bei der Siemens & Halske AG, die BOGESTRA selbst übernahm zunächst nur Kontrollfunktionen.
In den nächsten 10 Jahren wuchs das Netz rasch. Hinzu kamen folgende Streckenabschnitte:In den Jahren 1925/1926 wurde der Betriebshof in Gelsenkirchen erweitert und am 3. April 1928 eröffnete an der heutigen Universitätsstraße in Bochum der bis dahin größte Betriebshof Westdeutschlands mit einem Fassungsvermögen von 200 Wagen. Gleichzeitig wurde dort auch ein neues Verwaltungsgebäude errichtet, so dass die Zentrale von Essen zurück nach Bochum verlegt werden konnte.
1931 - 1939
Am 12. August 1931 übernahm die BOGESTRA die Linien der zahlungsunfähig gewordenen Westfälischen_Straßenbahn auf Kosten der Gesellschaftergemeinden und nach Eröffnung des Konkursverfahrens am 12. Dezember auf Kosten der Konkursmasse. Am 31. Oktober 1937 war das Konkursverfahren beendet. Die BOGESTRA übernahm damit 79 km Strecke, sowie 76 Trieb- und 19 Beiwagen. Am 1. Januar 1938 wurden zusätzlich alle anderen Vermögenswerte übernommen.
Am 1. August 1932 wurden mit der Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft einige Strecken getauscht. Linien der BOGESTRA die auf Essener Gebiet lagen kamen an die SEG und umgekehrt gingen Linien der SEG an die BOGESTRA. Einzig eine Strecke nach Steele verblieb bis 1961 in Besitz der BOGESTRA. Am 1. Oktober 1932 wurden einige Linien der Hattinger Kreisbahn, welche nach Eingemeindungen auf dem Gebiet der Stadt Bochum lagen, mittels eines Schiedsspruches an die BOGESTRA übertragen. Am 15. September 1933 wurde der restliche Straßenbahnbetrieb der Hattinger Kreisbahn von der BOGESTRA übernommen.
Zu Beginn des Jahres 1938 besaß die BOGESTRA, nachdem schon einige Linien auf den Omnibusverkehr umgestellt wurden, Strecken mit 195 km Länge, sowie 266 Triebwagen und 131 Beiwagen. 1939 wurde von der Vestischen Kleinbahn noch die Strecke von Horst-Mitte nach Horst-Süd und von Schalke nach Buer übernommen.
1940 - 1951
Zu Beginn des Zweiten_Weltkrieges konnte die BOGESTRA wieder in die Gewinnzone fahren. Hinzu kamen Güterverkehrs- und Postfahrten in den Kriegsjahren. Ein eigens im Jahr 1942 gebautes Betriebsgleis in Wattenscheid diente wahrscheinlich nur dem Postverkehr. 1943 begannen die Bombenangriffe auf Bochum und Gelsenkirchen. Dies führte auch zu Zerstörungen im Gleisnetz und im Fuhrpark des Unternehmens. Trotz der Schäden gelang es, den Betrieb auf zahlreichen Strecken aufrechtzuerhalten, so dass selbst 1944 noch 24 Linien in Eigenregie und zwei Linien zusammen mit der Vestischen Kleinbahn betrieben werden konnten. Am 4. und 6. November 1944 wurden Bochum und Gelsenkirchen Opfer von schrecklichen Bombenangriffen, denen auch etwa 2/3 der Gleisanlagen und die Hälfte des Fuhrparks zu Opfer fielen. Bis zum Einmarsch der alliierten Truppen am 10. April 1945 konnte nur noch ein provisorischer Betrieb aufrechterhalten werden, der aber dann vorerst eingestellt wurde.
Am 24. Mai 1945 konnte durch den Einsatz des Personals auf rund 55 km Strecke der Betrieb wiederaufgenommen werden. In der Folgezeit wurden weitere Strecken instandgesetzt und wieder eröffnet. Im Mai 1946 von Hattingen nach Blankenstein, Mai 1947 von Bochum nach Wanne-Eickel, im August 1948 von Bochum nach Bochum-Ehrenfeld und 1950 bis nach Grumme. Ende des Jahres 1950 waren insgesamt wieder 27 Linien in Betrieb und der Wiederaufbau konnte als abgeschlossen angesehen werden. Hierbei fuhr die Linie 8 von Recklinghausen bis nach Blankenstein und war mit 31,4 km Länge die längste durchgehende Verbindung im Ruhrgebiet.
1951 - 1969
In dieser Zeit wurde das Netz der BOGESTRA in weiten Bereichen modernisiert. Damit die modernen Fahrzeuge besser zum Einsatz kamen, wurden die Strecken auf denen sie verkehrten vielfach zweigleisig ausgebaut. Zudem wurden viele Gleise dabei aus der Seitenlage in die Mitte der Fahrbahn verlegt, oftmals sogar mit eigenem Gleiskörper. Auch wurden viele unrentable Strecken auf Omnibusbetrieb umgestellt. Die wichtigste Veränderung in Bochum in den 1950er Jahren war die Verlegung des Hauptbahnhofes in Bochum um ca. 800 m in östliche Richtung, die auch eine Anpassung des Straßenbahnnetzes nach sich zog. Auch ging in dieser Zeit eine Ära zu Ende. Am 1. Januar 1968 wurde letztmals Post mit Wagen der BOGESTRA befördert.
Straßenbahnlinien der BOGESTRA (teilweise Gemeinschaftsverkehr) im Jahr 1967:*=vor 1967: "17" Bochum Hauptbahnhof - Harpen - Lütgendortmund Markt
²=vor 1967: "7" Bochum Hauptbahnhof - Gerthe - Castrop-Rauxel
und "6" Bochum Hauptbahnhof - Wanne-Eickel Hauptbahnhof
Straßenbahnlinien der BOGESTRA (teilweise Gemeinschaftsverkehr) im Jahr 1969:
1970 - 1999
Am 22. November 1973 wurden zwei Linien (8, 18) in der Bahnhofstraße in Herne wegen des beginnenden Stadtbahn-Baues in die parallel verlaufende Schulstraße verlegt. 1974 wurde in Gelsenkirchen mit der Verlegung der Straßenbahn in den Untergrund begonnen. 1978 schließlich wurden vom Land Nordrhein-Westfalen verbindliche Handlungsrichtlinien festgelegt. Diese sahen neben dem Ausbau der S-Bahn-Verbindungen durch die Deutsche Bundesbahn auch von den Kommunen getragene Stadtbahnverbindungen vor. Als Teil des Stadtbahnnetzes_Rhein-Ruhr waren im Bereich der BOGESTRA drei Verbindungen vorgesehen:
Hattingen - Bochum - Gerthe - Castrop-Rauxel
Recklinghausen - Herne - Bochum - Querenburg - Witten
Gelsenkirchen-Buer - Erle - Gelsenkirchen - Wattenscheid - Bochum - Laer - Langendreer]]
Im Gegensatz zu den Meterspur-Straßenbahnlinien der BOGESTRA sollten diese Linien auf Normalspur mit Hochbahnsteigen und dem Stadtbahnwagen_B auf eigenen Bahnkörpern betrieben werden.
Der erste Stadtbahn-Abschnitt wurde 1989 als U 35 zwischen Bochum Hauptbahnhof und Herne Schloß Strünkede eröffnet. Dies war gleichzeitig der erste städteübergreifende U-Bahn-Tunnel in Deutschland, denn die Stadtgrenze zwischen Bochum und Herne wird unterirdisch passiert. Nach Informationen der BOGESTRA ist diese unterirdische Städteverbindung im übrigen nach wie vor einzigartig in Deutschland. Die Verlängerung von Bochum Hauptbahnhof über die Ruhr-Universität bis Bochum Hustadt fand 1993 statt. Die Abschnitte nach Witten und Recklinghausen wurden aus Kostengründen von den jeweiligen Kommunen nicht umgesetzt.
Als Bestandteil des geplanten Stadtbahn-Netzes wurden folgende Tunnelabschnitte gebaut:Außerdem wird das Betriebsgebiet durch Linien benachbarter Verkehrsbetreibe erschlossen, die keine Gemeinschaftsverkehre sind. (z.B. SB 38, SB 67)
Zahlen
Die Zahlen sind Pressemitteilungen bzw. den offiziellen Geschäftsberichten entnommen.
siehe auch
Stadtbahnwagen B
Stadtbahn Rhein-Ruhr
Weblinks
• BOGESTRA
• BO-Strab.de Bochumer Straßen- und Stadtbahnen
• Kooperationsgemeinschaft Bus-und-Bahn
• Omnibusgeschichte der BOGESTRA
• Gelsenkirchen-Bus
• Stilllegungsdaten BOGESTRA
• Verlängerung der Linie 310
• Straßenbahnbilder aus Essen und GE-Horst 1968, 1982
• Große Auswahl an BOGESTRA-Bildern

