Bobby Driscoll
Bobby Driscoll (3. März 1937 in Iowa; ? 30. März 1968 in New York City; eigentlich Robert Cletus Driscoll) war ein US-amerikanischer Filmschauspieler.Leben
Der Aufstieg
Bobby Driscoll wurde 1937 in Cedar Rapids (Iowa, USA) geboren. Als er sechs Jahre alt war, zog seine Familie nach Kalifornien. Ein Friseur, der dem Kind die Haare schnitt, war überzeugt, dieser niedliche Junge müsse zum Film. Und tatsächlich bewies eine Probeaufnahme bei MGM, dass der Friseur recht hatte: Bobby bekam eine Rolle in "Lost Angel" ("Der verlorene Engel").
Danach ging es Schlag auf Schlag. Die Filmbosse rissen sich um den Kleinen, der ein As im Textlernen und als Schauspieler spontan und natürlich war. Er stand mit ganz großen Stars vor der Kamera, darunter Myrna Loy und Don Ameche.
Als Bobby Driscoll 1946 für Walt Disneys Song of the South (dt. Onkel Remus' Wunderland) engagiert wurde, war er der erste Schauspieler aus Fleisch und Blut, den Disney unter Vertrag nahm. Der Film über den alten Süden erwies sich im Erscheinungsjahr für Disney als Goldgrube. Auch als er 1956 und 1972 erneut in den Verleih kam, spielte er Riesengewinne ein. In der Zwischenzeit hatte Disney mit Bobby Driscoll weitere erfolgreiche Filme gedreht.
1949 spielte Driscoll in der Cornell-Woolrich-Verfilmung Das unheimliche Fenster einen Jungen, der einen Mord beobachtet, und dem niemand glaubt. Im selben Jahr erhielt er als "herausragender jugendlicher Darsteller" den "Academy Juvenile Award". Großen Erfolg hatte er auch 1950 als Jim Hawkins in Disneys Verfilmung von Robert Louis Stevensons Treasure Island (dt. Die Schatzinsel). 1953 lieh Bobby Driscoll seine Stimme der Figur des Peter Pan, außerdem wurde der Trickfilm-Peter Pan mit seinen Gesichtszügen gezeichnet.
Der Abstieg
Doch mit der Pubertät begann der unaufhaltsame Abstieg. Der niedliche Junge aus Iowa wurde immer größer, er bekam Akne - und verwandelte sich vom "Everybody's Darling" zu einem aggressiven Halbstarken. Bobby Driscoll bekam nur noch wenige Rollen angeboten, 1956 heiratete der 19-jährige die gleichaltrige Marilyn Brush. Aber die Ehe, aus der drei Kinder hervorgingen, entwickelte sich zum Desaster und endete schließlich in einer hässlichen Scheidung.
1956 geriet Bobby Driscoll vollends auf die schiefe Bahn. Weil man ihm schwere Vergehen gegen das Drogengesetz vorwarf, wurde er verhaftet. Er sah zwar noch gut aus, "aber" - sagte seine Mutter später - "das Rauschgift hatte ihn verändert. Er badete nicht mehr, die Zähne fielen ihm aus. Er hatte einen extrem hohen Intelligenzquotienten, aber die Drogen waren ihm aufs Hirn gegangen."
Nachdem Bobby Driscoll drei Jahre nicht mehr auf der Leinwand zu sehen war, tauchte er 1958 in einem billigen B-Programmfilm wieder auf. Doch seine Karriere war schon bald wieder beendet, denn Polizeibeamten entdeckten Einstichnarben an Bobbys Armen. Als Drogensüchtiger landete er schließlich hinter Gittern.
Driscoll sollte sich von diesen Tiefschlägen nicht mehr erholen. 1960 stand er vor Gericht, weil er einem Mann einen Pistolenknauf auf den Kopf geschlagen hatte. Ein Jahr darauf kam er wegen Einbruchs in eine Tierklinik hinter Gitter, wenige Monate später wurde er wegen Fälschung eines gestohlenen Schecks und verschiedener Drogenvergehen festgenommen und in das Rehabilitationszentrum einer staatlichen Besserungsanstalt geschickt. Zuvor hatte Bobby dem Richter erzählt: "Ich hatte alles. Verdiente mehr als 50.000 Dollar im Jahr, weil ich immer gute Rollen hatte. Dann begann ich, alles in meinen Arm zu stechen. Mit siebzehn machte ich die ersten Erfahrungen mit Drogen. Meistens mit Heroin, denn ich hatte ja das Geld, um es bezahlen zu können."
Nach seiner Entlassung ging Driscoll nach New York und trieb sich an der Lower East Side herum - dem Treffpunk aller Junkies. Bobby hatte sich inzwischen zu einem hartgesottenen Drogen-Freak entwickelt, der jeden anschnorrte. Am 30. März 1968 entdeckten spielende Kinder in einem verlassenen Wohnhaus die Leiche eines jungen Mannes. Weil bei dem Toten kein Ausweis gefunden wurde, nahm man Fingerabdrücke, anschließend wurde die Leiche auf Hart Island, einem Acker unweit der Bronx, in einem Armengrab beerdigt. Erst ein Jahr nach Bobbys Tod, als seine Mutter ihn als vermisst meldete, wurde festgestellt, um wen es sich bei der Leiche handelte.
Filmografie (Auswahl)
* 1946 - Song of the South (dt. Onkel Remus' Wunderland) - als Johnny
* 1948 - Melody Time (dt. Musik, Tanz, Rhythmus) - als Bobby
* 1949 - The Window (dt. Das unheimliche Fenster) - als Tommy Woodry
* 1949 - So Dear to My Heart (dt. Ein Champion zum Verlieben) - als Jeremiah ?Jerry? Kincaid
* 1950 - Treasure Island (dt. Die Schatzinsel) - als Jim Hawkins
* 1952 - The Happy Time - als Bibi
* 1953 - Peter Pan (dt. Peter Pans heitere Abenteuer) - Peter Pan
* 1955 - The Scarlet Coat
Weblinks
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