Blutsonntag (Irland 1920)
Am Blutsonntag in Irland von 1920, dem 21. November, wurden in Dublin, Irland während des Anglo-Irischen_Krieges mehrere Gewalttaten verübt, bei denen es zu etwa 30 Toten und vielen Verletzten kam.Der Tag begann mit der Ermordung mehrerer britischer Agenten und ihrer Informanten durch die Armee_der_Republik. Nachmittags rächten sich Britische Kräfte mit einem Massaker an den Zuschauern und Spielern einer Gaelic Football-Veranstaltung im Croke Park-Stadion im Norden der Stadt.
Hintergrund
Der Blutsonntag ereignete sich während des Anglo-Irischen_Krieges (1919 - 1921), der auf die einseitig ausgerufene Deklaration der unabhängigen irischen Republik und des irischen Parlaments (Dáil Éireann) folgte. Die damalige Armee der Republik (heute oft die "Alte IRA" genannt) kämpfte einen Guerilla-Krieg gegen die Royal Irish Constabulary, deren Hilfskräfte und die britische_Armee, die dazu bestimmt waren, irische Separatisten zu unterdrücken. Im Gegenzug formierte die britische Regierung eigene paramilitärische Gruppen, die Black and Tans und die Auxiliary Division (auch Auxiliaries oder Auxies genannt). Das Verhalten dieser Gruppen in Irland führte schnell zu kontroversen Diskussionen; ein Hauptkritiker war König Georg_V., der die Brutalität und Gewaltbereitschaft gegenüber der gesamten irischen Bevölkerung verurteilte. Die Gruppe der Auxiliaries ist für das Blutsonntag-Massaker verantwortlich.
Der Blutsonntag
Im November 1920 ordnete Michael_Collins, Finanzminister und Kopf der Irish Republican Brotherhood, die Ermordung der sogenannten ?Kairo Gang? an, 12 hochrangige britische Agenten, die darauf angesetzt waren, irisch-nationalistische Organisationen zu infiltrieren und zu unterwandern. In der Nacht auf den 21. November tötete die von Collins gegründete Spezialeinheit ?Squad? alle zwölf Männer ? einige von ihnen in ihren eigenen Häusern, andere unter den Augen ihrer Familien. 2 Auxiliaries wurde vom Squad auf der Flucht erschossen. Diese Aktion warf die britische Agententätigkeit in Irland weit zurück. Viele andere Spione und die übrigen Mitglieder der Gang flohen ins Dublin Castle und lösten Bestürzung innerhalb der britischen Administration aus.
Für das Gaelic Football-Team aus Dublin war für den späteren Tag ein Spiel gegen die Mannschaft aus der Grafschaft Tipperary im Croke Park angesetzt. Später berichtete einer der Auxiliaries, der in den Blutsonntag verwickelt war, dass eine Münze geworfen wurde, ob man auf eine Mord-Tour in den Croke Park fahren oder stattdessen die Sackville Street (heute: O'Connell Street) plündern sollte.
Trotz des Unbehagens in Dublin aufgrund der morgendlichen Tötungen durch die IRA fuhren die kriegsmüden Menschen mit ihrem Alltag fort. Ungefähr 10.000 Zuschauer versammelten sich daher im Croke Park, um dem Spiel zuzusehen. Doch innerhalb von Minuten nach Spielbeginn flog ein Flugzeug über das Spielfeld, aus dessen Cockpit eine rote Leuchtrakete abgeschossen wurde. Auxiliaries strömten auf das Spielfeld, während ein führender Offizier einen Revolverschuss abfeuerte. Die Gruppe begann vom Spielfeld aus in die Menge zu schießen, während ein anderer vom Eingang her eine Maschinenpistole abfeuerte. Die Menschenmenge begann zurückzuweichen. Zwei Spieler, Michael Hogan und Jim Egan, wurden angeschossen; Hogan starb später an seinen Verletzungen. Ein junger Mann aus Wexford, der versuchte, dem sterbenden Hogan ein Gebet zuzusprechen, wurde ebenfalls getötet. Insgesamt starben 14 Menschen, 65 wurden verletzt. Unter den Opfern waren auch Jeannie Boyle, die 5 Tage vor ihrer Hochzeit mit ihrem Verlobten das Spiel besuchte, und der 14-jährige John Scott, der so verstümmelt war, dass anfänglich vermutet wurde, er sei bestialisch mit einem Bajonett erstochen worden. Die jüngsten Opfer waren 10 und 11 Jahre alt.
Die Taten der Auxiliaries wie auch die der Black and Tans waren niemals ?offiziell? autorisiert und wurden von den britischen Führern aus Dublin Castle immer verurteilt. Um das Verhalten der britischen Kräfte zu verschleiern, wurde folgende Pressemitteilung herausgegeben:
Eine Anzahl Männer kamen am Samstag nach Dublin unter dem Vorwand, das Gaelic Football-Spiel zwischen Tipperary und Dublin zu sehen. Doch ihre eigentliche Absicht war die Durchführung der Serie von Morden, die am Morgen in Dublin stattgefunden hatte. Durch die Angabe am Tag zuvor, das Spiel sehen zu wollen, stürmten die königlichen Truppen das Stadion. Es war ursprünglich geplant, dass ein Offizier in die Mitte des Feldes gehen und die Mörder per Megaphon auffordern sollte, sich zu ergeben. Doch beim Einmarsch im Stadion wurde Schüsse abgefeuert, die die Gesuchten warnen sollten. Daraufhin verursachten diese ein Chaos in der Menschenmenge und entkamen im Durcheinander.
Doch die Zeitung The Times machte die Version des Dublin Castle lächerlich, wie es auch eine Delegation der British_Labour_Party tat, die Irland zu dieser Zeit besuchte.
Später am Tag wurden zwei hochrangige IRA-Offiziere, Dick McKee und Peadar Clancy, sowie der unbeteiligte zivile Freund Conor Clune an anderer Stelle verhaftet. Sie wurden ins Dublin Castle gebracht und dort "auf der Flucht" erschossen. Die offizielle Version war, dass die Verhafteten aufgrund Platzmangels in den Zellen in einem Wachraum eingesperrt wurden, der zufälligerweise Waffen enthielt. Bei dem Versuch der bewaffneten Flucht wurden sie erschossen.
Nachspiel
Das Verhalten der Auxiliaries und der Black and Tans während des Anglo-Irischem_Kriegs, von dem das meiste stillschweigend von offizieller Stelle genehmigt wurde, führte dazu, dass sich die irische Öffentlichkeit gegen die Krone wandte. Einige britische Politiker und sogar der König selbst machten kein Geheimnis darum, dass sie das Verhalten missbilligten. Der Massenmord an Frauen, Kindern und Männern führte zu Schlagzeilen in sämtlichen internationalen Zeitungen und beschädigte die Glaubwürdigkeit der Briten.
Die Kombination aus dem Verlust der ?Kairo Gang? und der öffentlichen Meinung gegenüber dem Blutsonntag schädigte die Vormachtstellung der britischen Herrschaft in Irland und führte zu einer erhöhten Unterstützung der republikanischen Regierung unter Eamon de Valera.
Literatur (in englischer Sprache)
* Tom Bowden, ?Bloody Sunday?A Reappraisal?, European Studies Review, vol 2, no. 1 (1972).
* Tim Carey and Marcus de Búrca, "Bloody Sunday 1920: New Evidence," History Ireland, vol. 11, no. 2 (Summer 2003).
* Tim Pat Coogan Michael Collins (1990, Hutchinson) (ISBN 0091741068)
* David Leeson, ?Death in the Afternoon: The Croke Park Massacre, 21 November 1920?, Canadian Journal of History, vol. 38, no. 1 (April 2003).
* T. Ryle Dwyer, The Squad and the intelligence operations of Michael Collins, Dublin 2005.
* Charles Townshend, ?Bloody Sunday--Michael Collins Speaks?, European Studies Review, vol. 9 (1979).
Dieser Text basiert auf einer Übersetzung des Artikels Bloody Sunday (1920) aus der englischen Wikipedia, Stand: 15. Januar 2006.

